Siebenhundertsechundzwanzig Seiten lang lief ich neben ihnen her, flog über die Schönheit der Worte, der Sätze, und ließ ihren Schmerz tief in mich eindringen. David Grossmanns Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ gehört definitiv zu den wenigen Büchern, die ich in mir aufgesogen habe. Eines, welches so überragend gut ist, dass ich traurig war, als die letzte Seite erreicht war.
Aus der Ferne anfangen?
Er nickte einmal und wandte den Blick sofort wieder ab.
Sie setzte sich auf, betastete ihr Finger, erregt und plötzlich auch etwas verängstigt. Er saß ihr gegenüber. Das Zimmer um sie herum lärmte, und nur sie beide hielten die Köpfe gesenkt, ihre Körper waren schwer und entspannt. Einen langen Augenblick schwebten sie beiden irgendwo, in einer Zeit, die keine war.
Bleiben wir zum essen? Fragte Ora etwas später, ohne Stimme, nur mit den Lippen. Wie du willst, flüsterte Avram, und sein Kehlkopf hüpfte im Gedanken an die Speisen.
Aus der Ferne anfangen – Erzähle es mir schonend, so dass es nicht zu nah kommt, und wenn es nah kommt, dann nur zögerlich. Ich möchte entscheiden, wie schnell. Das Echo dieses Satzes in mir ist gewaltig. Wie bei einem Gewitter zähle ich die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Da ist der Wunsch, sich vorzubereiten auf das was kommt. Die Hoffnung, es möge vorbei ziehen.
Bis zur letzten Seite.
Israel. Im Mittelpunkt dieses Buches stehen zwei Menschen, die gemeinsam durch Galiläa wandern. Ein Mann und eine Frau. Der Sohn der Frau hat sich freiwillig zu einem Militäreinsatz im Westjordanland gemeldet. Sie ahnt Schreckliches und versucht davor zu fliehen.
Für Shermins Blogevent „Lesehunger“ bin nochmal eingetaucht in dieses Buch, musste nur Bruchstücke davon lesen und schon waren die Bilder wieder da. Ich überlege, welches Essen diese Reise ausdrücken könnte. Es muss etwas Einfaches sein. Wer an Israel und seine Küche denkt, dem fällt Yotam Ottolengi ein. Zumindest mir fällt er zuerst ein. Ich stöbere durch seine Bücher und finde genau das, was dieses Buch für mich kulinarisch beschreibt.
Ein Salat aus frischen Feigen, gerösteten Süßkartoffeln und Ziegenkäse.
Für Zwei
3 kleine Süßkartoffeln (400 g)
30 ml Olivenöl
25 ml Balsamico Essig
10 g Zucker
4 Frühlingszwiebeln, in etwa 4 cm lange Streifen geschnitten
½ Chili, entkernt und fein gehackt
4 frische, reife Feigen
100 g Ziegenkäse, zerkrümelt
Salz, Pfeffer
Den Ofen auf 220° vorheizen. Die Süßkartoffeln waschen und halbieren. Die Hälften in je 3 Spalten schneiden. Mit 2 EL Öl mischen. Salzen und pfeffern. Die Hälften auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und etwa 25 min im Ofen rösten bis sie weich, aber nicht matschig sind.
Den Essig zusammen mit dem Zucker in einen kleinen Topf geben und aufkochen lassen. Die Hitze reduzieren und für einige Minuten einkochen lassen, bis der Essig sirupartig wird.
Die Kartoffelspalten auf Tellern anrichten. Das restliche Öl in einer Pfanne erhitzen und die Frühlingszwiebeln zusammen mit der Chili scharf anbraten. Über die Kartoffeln geben. Die Feigen vierteln und dazu geben. Mit der Balsamico Reduktion beträufeln und den Ziegenkäse drüber streuen. Lauwarm servieren.
Und für Alle, die keinen Bock auf Balsamico-Einkochen haben: Es klappt auch prima mit Crema di Balsamico.
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