„Burger-Bliss“ – Adzuki Bohnen Burger mit rotem Spitzkohl-Tahini Slaw und Dattel-Walnuss Chutney

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„Bliss“ heißt so viel wie Verzückung oder Glückseligkeit. Beispielsweise der Moment der Ektase, wenn wir in einen wirklich guten Burger beißen. Also einen herausragenden Burger, nichts, was man so gemeinhin in den Lokalitäten mit dem goldenen M bekommt. Die kriegen das mit dem Veggie-Burger ja sowieso nicht hin. Vor ein paar Jahren habe ich das mal versucht und schäme mich bis heute dafür.

Das klappt bei den vegetarischen Restaurants schon besser. Aber besser heißt noch lange nicht überragend. Der perfekte Veggie Burger ist ein Geschmacksinferno, das man immer wieder will. Nachdem man sich sehnt und das gerne auch als Seelentrost dient, wenn einem die lieben Freunde aus dem Urlaub Strandbilder schicken, während man selbst grad wieder wegen andauerndem Regen den Sonnenschirm eingepackt hat.

Und so fuhr ich gestern im Zustand völliger Ahnungslosigkeit auf dem Markt mit dem Wunsch, etwas Inspirierendes zu entdecken.  Hungrig nach Reizen, wanderte mein Blick über die Auslagen. Und wurde fündig. Der Scanner meldete ein unbekanntes Objekt in einem der hinteren Kästen. Gelbe Früchte, die anders als Mirabellen oder Mispeln an einer Rispe hingen. Sofort war die Neugier geweckt. Auf Nachfragen entpuppten sich die unbekannten Früchte als frische junge Datteln. Der Markthändler mit den coolen Rastalocken und dem Dreitages-Bart (eindeutig zu gutaussehend für die Grünwalder Klientel) grinste. Dies seien grad seine absoluten Lieblingsfrüchte. Man liebe sie oder nicht. Dazwischen gibt es nichts, sprach und zupfte eine der Früchte ab. Mit dem Messer schnitt er eine Scheibe davon ab und reichte sie mir. Sofort nach dem ersten Kauen hatte ich ein lustiges, leicht pelziges Gefühl im Mund. Leichte Säure aber dann doch wieder süß und irgendwie grün. Das Hirn meldete lecker.

Das könne ich mir gut als Chutney mit Walnüssen und einem leichten Hauch von Salbei vorstellen, meine ich. Er schaute mich mit großen Augen an (sehr schön) und strahlte. Das sei ja eine grandiose Idee (bin in dem Moment selbst entzückt von meinem Spontaneinfall). Und habe ab sofort einen Plan. Chutney passt zu Burger und Burger zu Cole Slaw. Und weil dies heute wohl ein annährend perfekter Tag ist, zumindest was das Einkaufserlebnis angeht, hat er auch noch jungen roten Spitzkohl für mich. Eigenanbau, biodynamisch, juhu! Zarter Spitzkohl gehört ohnehin zu meinen Lieblingen.

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Beim letzten Mal, als es Burger gab, habe ich die Buns dafür selbst gebacken. Dafür war ich dieses Mal zu faul. Zum Glück gibt es zwei Stände weiter die Marktfrau  mit dem guten Brot und den hellen flachen Dinkelbrötchen. Die sind perfekt dafür.

Das Cole Slaw sollte dieses Mal auch ohne Mayo auskommen, stattdessen sollte es eine Creme aus 10%igem Joghurt und Tahini sein. Der Burger entzückte – saftig, knusprig und eine Entdeckungsreise der verschiedenen Aromen. Glückselig.

Hinweis für die lieben Freunde: Ihr könnt mir jetzt wieder eure Strandbilder schicken. Aber nur heute, gell?

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Für Vier

Adzuki Burger
100 g Adzuki Bohnen, am Vorabend eingeweicht
8  – 10 getrocknete Tomaten, fein gewürfelt
1 EL rotes Miso
1 mittelgroße rote Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
4 – 5 EL Haferflocken
2 EL Semmelbrösel
1 EL getrocknete mediterrane Kräuter
½ TL Ras-El-Hanout
Salz
neutrales Pflanzenöl zum Braten

Dattel-Walnuss Chutney
10 Walnusshälften
10 frische junge Datteln
5 Blätter Salbei
1 Schuss weißen Portwein
1 TL Honig
2 EL Zucker
1 EL salzige Butter

Spitzkohl Slaw
1 kleiner roter Spitzkohl
½ Becker griechischen Joghurt
1 – 2 EL Tahini (Sesampaste)
2 EL Sonnenblumenöl
3 Tropfen geröstetes Sesamöl
Salz
etwas Milch oder Sojamilch, sollte die Creme zu zäh sein

4 möglichst flache Brötchen

Die Adzuki Bohnen in leichtem Salzwasser kochen, bis sie weich sind.
Die Haferflocken mit 75 ml heißem Wasser übergießen und quellen lassen.
Die Zwiebel und den Knoblauch fein schneiden und in 1 EL Öl in den Pfanne weichdünsten. Die getrockneten Tomaten fein würfeln.
Alles zusammen mit dem Semmelbröseln und den Kräutern in eine Schüssel geben und mit dem Pürierstab pürieren. Mit Salz und Ras-el-Hanout abschmecken.
Aus dem Püree Klöße formen, etwas platt drücken und in heißem Öl braten. Auf einem mit Küchenkrepp ausgelegten Teller im Ofen warm stellen.

Für das Chutney die Datteln entkernen und medium-fein hacken. Die Walnusshälften in einer Pfanne ohne Öl anrösten. Ebenfalls hacken. Den Boden der Pfanne mit Zucker bestreuen und karamellisieren lassen. Die Walnüsse und die Datteln dazu geben und kräftig umrühren, damit sich das Karamell gut verteilt. Mit weißem Port und 50 ml Wasser ablöschen. Weiter 5 Minuten köcheln lassen (wenn nötig, noch ein bisschen Wasser dazugeben. Die salzige Butter, den Honig und den Salbei dazugeben. Abfüllen.

Für den Spitzkohl Slaw die äußeren Blätter des Kohls entfernen und auf einer Mandoline bis zum Beginn des Strunks  in feine Streifen schneiden.
Den Joghurt mit dem Tahini mischen. Das geröstete Sesamöl und das Sonnenblumenöl dazu geben. Mit Salz abschmecken. Sollte die Mischung zu zäh sein, mit etwas Milch oder Sojamilch glatt rühren. Mit dem Spitzkohl mischen.

Anrichten:

Die Brötchen halbieren und toasten. Auf die untere Hälfte je einen großzügigen Esslöffel Spitzkohl Slaw geben und ein wenig verstreichen. Ein Burger Patti darauf setzen und darauf das Dattel-Walnuss Chutney verteilen. Dann die obere Hälfte darauf setzen. Servieren.

Servietten nicht vergessen!

 

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Sommerglück in Topf – geröstete Tomaten, Wachsbohnen, Mangold & Basilikum

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Der August ist ein Füllhorn. In allen Farben und Formen überschüttet er uns mit Tomaten, bunter Paprika und leuchtenden Früchten. Das ist ja nichts Neues – aber immer wieder aufs Neue schön. Jetzt beginnen die Monate, da es das pure Glück ist über den Bauernmarkt zu flanieren. Lustwandeln zwischen den Farben.

Der Mangold mit seinen bunten Stielen ist so frisch und knackig, dass er unbedingt in den Korb muss. Die Schlangen vor den Ständen sind lang aber es ist genug für alle da. Wachsbohnen sind eine spontane Entscheidung. Eigentlich sollten Cannellini Bohnen in den Eintopf, aber wer wie ich keine mehr zum Einweichen hatte und keine Lust auf Dosenbohnen hat, der muss umentscheiden.

Außerdem haben die Wachsbohnen einen ganz großen Kindheitserinnerungs Faktor. Im Spätsommer standen die Einmachgläser aufgereiht in der Küche. Blassgelbe Bohnen, die irgendwie fettig quietschten beim Draufbeißen.

Dieser ganze Sommer sollte jetzt in den Topf. Bei den Mangoldstielen war ich neugierig, wie viel von der unglaublichen Farbpracht dem Dämpfen zum Opfer fallen würde. Und war erstaunt, wie leicht es ist, diese Farbe zu erhalten. Wer sich, so wie ich, über Bitternoten freut der kommt um diese Stiele nicht drum rum. Man kann sie auch solo einmachen, wenn man mit den Mangoldblättern was anderes vorhat.

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Das Basilikum, das in die gerösteten Tomaten püriert wird, gibt eine aromatische Tiefe und einen leicht herben Kontrast zu der Süße und Säure der Tomaten.

Von diesem Topf sollte man immer ein bisschen mehr machen. Übrig geblieben ist hier noch nie was. Wer es reichhaltiger mag, der kann noch Kartoffeln oder Kichererbsen hinein tun. Der „Parmesan für Arme“, sprich altes zerbröseltes Weißbrot, das in der Pfanne geröstet und gewürzt wird, passt ebenfalls hervorragend.

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 Für Vier

1 große rote Zwiebel, halbiert und in feine Scheiben geschnitten
4 Zehen Knoblauch, fein gehackt
1 großer Bund Basilikum
Olivenöl
etwa 15 – 20 Mangoldblätter mit buntem Stiel
eine Handvoll Wachsbohnen
eine Handvoll grüne oder dunkle Bohnen
1 kg Tomaten, vorzugsweise Ochsenherz, geviertelt
1 Liter Gemüsebrühe
Salz

Den Ofen auf 200° vorheizen.

Die Tomaten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und mit Olivenöl gut besprenkeln und leicht salzen. Etwa 20 min im Ofen rösten.

In einem Topf etwa 2 EL Olivenöl erhitzen und die Zwiebelscheiben und den Knoblauch darin anschwitzen.

Die Basilikumblätter zupfen und in den Topf geben. Unter gelegentlichem Rühren nochmal 2 Minuten mit den Zwiebeln und dem Knoblauch anbraten. Die gerösteten Tomaten und 400 ml der Brühe dazugeben. Aufkochen lassen und dann etwa 5 Minuten köcheln lassen.  Die Mischung in den Mixer geben und fein pürieren. Anschließend durch einen Sieb streichen.

Die restliche Brühe hinzufügen und mit Salz abschmecken.

Die Mangoldstiele im Dämpfeinsatz knapp 10 Minuten dämpfen.

Die Bohnen in mundgerechte Stücke schneiden und in einem Topf mit etwas Wasser und Salz dünsten, bis sie weich sind, aber noch Biss haben. Danach mit Eiswasser abschrecken und zur Seite stellen.

Die vom Waschen noch feuchten Mangoldblätter in grobe Stücke schneiden und in einem Topf mit 2 Zehen Knoblauch und 2 EL Olivenöl andünsten.

Zum Abschluss die Tomatenbrühe nochmal kurz aufkochen und alle Gemüse dazugeben und servieren.

Mal wieder ein Beitrag für den “Tierfreitag“.

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Meerrettich-Apfel-Rote Bete Aufstrich
man könnte auch Mepfel „en rose“ sagen

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Die Farbe ist der Knaller. Magisch zieht sie mich immer wieder im Bioladen in ihren  Bann und die hübsch bunten Brotaufstriche wandern ins Körbchen. Kleine Luxusgläschen, denn je nach Marke lassen die Hersteller, allesamt natürlich Bio, sich ihre lustige Farbe schon fürstlich bezahlen. Eigentlich naheliegend, das selbst in die Hand zu nehmen. Gerätschaften sind ja vorhanden und das Kaufen von Öl, Sonnenblumenkernen, Obst und Gemüse stellt kein unüberwindbares Hindernis dar.

Und hätte ich immer schön die Gläschen aufgehoben, wäre auch die Frage des wohin-einfüllens geklärt. Doch an sonstigen Einmachgläsern ist kein Mangel.

Wer jetzt jedoch frohen Mutes sich die Zutatenliste auf der Banderole zu Gemüte führt, der wird schnell erkennen, dass man so nicht weiterkommt. Weder plane ich den Einsatz von Antioxidationsmitteln noch etwaigen Stabilisatoren.

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Alles was es also braucht, sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis zu Zwergenwiese und Konsorten zu lösen, ist etwas Experimentierfreude und ein Mixer, denke ich. Der erste Versuch rief allerdings nur zweitklassige Begeisterung aus, was vermutlich an der Zwiebel lag, von der ich glaubte, sie müsse unbedingt mit dazu. Meine Kollegin störte das leicht muffige Odeur nicht und sie verputzte das ganze Glas trotzdem. Das machte mir Mut und ich wagte einen zweiten Versuch. Mehr Öl, keine Zwiebel und etwas mehr Meerrettich. Volltreffer!

Die Farbe passte, der Geschmack war genauso wie ich haben wollte und die Mischung wurde herrlich cremig, was ich angesichts der rohen Rote Bete nicht erwartet hätte.  Kurz war ich sogar geneigt, die abgefüllten Gläschen mit etwas Herzigem wie selbstkreierten Etiketten zu verzieren, da wurde mir bewusst, dass das Einzige, was ich damit erreicht hätte, einer Abwertung des Inhalts gleich gekommen wäre.

Ich wedle nun also mit dem rosaroten Unabhängigkeitsfähnchen und rufe voller Inbrunst  – „Traut euch auch!“ (Verzeihung liebe Zwergenwiese, ihr verliert mich nicht völlig, ich werde bestimmt auch mal zu faul dazu sein).

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Für 2 Gläser à 200 ml

1 fingerlanges Stück Meerrettich von etwa 3 – 4 cm Durchmesser
100 g Sonnenblumenkerne
1 mittelgroße Rote Bete, geschält (mit Handschuhen, gell)
2 säuerliche Äpfel, geschält, entkernt und in Spalten geschnitten
Saft einer  Zitrone
50 ml Rapsöl
50 ml Sonnenblumenöl
2 EL Agavendicksaft
Salz

 

Den Meerrettich in Stücke schneiden und die Rote Bete würfeln. Zusammen mit dem Apfelspalten in den Mixer geben und sofort den Zitronensaft dazugeben, damit die Äpfel nicht braun werden. Die Sonnenblumenkerne zufügen und pürieren, dabei nach und nach das Öl und den Agavendicksaft dazugeben.  Zum Schluss mit Salz abschmecken und die Creme in sterilisierte Gläser füllen.

 

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Gartentomaten mit brauner Butter

Tomaten mit brauner Butter (1 von 1)Es gibt Menschen, die haben ein glückliches Händchen mit ihren Tomaten im Garten oder auf dem Balkon. Ich gehöre nicht dazu. Mein letzter Versuch fiel den Schnecken zum Opfer. Trotzdem werde ich nicht aufgeben und es im kommenden Jahr wieder versuchen. Das habe ich mir heute geschworen, als ich auf dem Bauernmarkt eine Schale mit allerlei bunten kleinen Tomätchen erstanden habe.

Schon auf dem Weg nachhause schob ich mir immer wieder eine in den Mund. Heute wollte ich endlich dieses Rezept ausprobieren, das ich in einem amerikanischen „Greenmarket“ Kochbuch entdeckt hatte. Tomaten mit brauner Butter. So einfach und doch erschien es mir so ungewöhnlich. Kein Essig, kein Öl nur braune Butter. Schon als ich zum ersten Mal in dem Buch blätterte, hatte ich diesen nussigen Geschmack der Butter auf der Zunge. Dazu paarte sich nun die frische Säure der Tomaten.

So schnell ist noch kein Rezept auf den Blog gekommen. So himmelhochjauchzend habe ich noch nie ein Rezept besprochen. Dieser Geschmack ist pures Glück. Gleich beim ersten Bissen rollte die volle Aromenfront über mich. Ich bin wehrlos. Muss sofort noch ein Schälchen davon essen.

Das Original Rezept nimmt ungesalzene Butter, doch die ist dummerweise so gut wie nie in meinem Kühlschrank zu finden. Mit Meersalz gesalzene Butter geht auch, man muss beim Bräunen nur ein wenig vorsichtiger sein.

Dank dem andauernden Regen gibt es üppig Basilikum auf dem Balkon. Das ist allerdings auch bei weitem der einzige Grund sich über das Wetter zu freuen. Als Krönung noch ein bisschen tasmanischer Bergpfeffer, den ich heute beim Lieblings-Gewürzhändler erstanden habe.

Ein sehr glücklicher Tag…

Tomaten mit brauner Butter (1 von 1)-2 Tomaten (1 von 1)

Für Zwei Tomatenliebhaber

500 g kleine Tomaten
50 g Butter (gesalzen oder ungesalzen)
Meersalz (entsprechend weniger bei gesalzener Butter)
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
4 große Blätter Basilikum, in feine Streifen geschnitten
 

Die Tomaten in Scheiben schneiden und auf Tellern anrichten.

Die Butter in einem kleinen Topf aufschäumen lassen und weiterschäumen lassen, bis sie braun wird. Sofort vom Herd nehmen.

Die flüssige Butter mit einem Löffel über die Tomaten geben. Mit Meersalz oder Fleur de Sel und frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer bestreuen. Mit Basilikumstreifen garnieren.

Dazu passt Baguette. Oder einfach so.

(Links sind Affiliate Links)

 

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Weißwurst & Brezn selber machen – Initiationsritual für eine „Zuagroaste“

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Das Glück ist eine ofenwarme Breze und eine Schüssel voller frischer Weißwürste

Ich habe sie über die Landesgrenzen gebracht, habe sie nach dem obligatorischen Zwölf Uhr Läuten verspeist und es als meine heilige Mission betrachtet, der besten Weißwurst Münchens hinterher zu jagen. Sie ist schon ein köstliches kleines Stück Glück, wie sie da auf dem Teller liegt. Und zusammen mit einer Breze und einem frischen Weißbier ist sie das wohl am meisten beachtete bayerische Kulturgut. Mahlzeit!

Und daran wage ich mich nun heran. Das tue ich natürlich nicht daheim in der Abgeschiedenheit meiner Küche, sondern in den Hermannsdorfer Landwerkstätten. Hier in Glonn, vor den Toren Münchens, hat sich Karl Ludwig Schweisfurth bereits 1986 der ökologischen Landwirtschaft zugewandt und das Gut Hermannsdorf aus der Wiege gehoben. Heute kennen viele seine glücklichen Schweine, trinken sein vorzügliches Bier und kaufen in den Hermannsdorfer Läden, die es an vielen Orten in München gibt, Fleisch bei dem man kein schlechtes Gewissen haben muss.

In der frisch renovierten Genusswerkstatt werden neuerdings auch Kurse angeboten. Hier kann man lernen, wie man eine gute Bratwurst selber macht oder wie Brot und Brezen ohne Zusätze ganz einfach hergestellt werden können. Und eben auch wie Weißwurst gemacht wird. Zusammen mit meinen Bloggerfreunden Petra, Harald und Dorothée begebe ich mich auf eine Landpartie. Die Sonne lacht, der bayerische Himmel erstrahlt in royalem Blau und kaum sind wir auf dem Hof angekommen, möchte ich schon eines der getupften Ferkel vom Schwäbisch-Hällischen adoptieren. Neugierig trabt es mir in dem offenen Stall entgegen und reckt mir seine feuchte Schnauze entgegen. Ich würde dich gerne streicheln, denke ich. Doch die Gesundheit der Tiere ist hier oberstes Gebot, daher hüte ich mich davor. Dies ist schließlich kein Streichelzoo.

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v.l. Metzgermeister Johannes Kratzer, Bäckermeister Mike Plötzl und Braumeister Alfred Riedl

Dann geht es unter Anleitung von Metzgermeister Johannes Kratzer auch schon zügig zum Wursten. Speck wird gewolft (mein Lieblingsjob), Gewürze gewogen und alles zusammen mit dem „Warmfleisch“ in den Kutter geworfen. Warmfleisch ist schlachtfrisches Fleisch, welches ohne Phosphatzusätze verarbeitet werden kann. Eigentlich macht also der Kutter die ganze Arbeit und das Brät bekommt immer wieder Eis zugeführt, damit das Eiweiß im Fleisch nicht gerinnt. Ich hacke derweil Petersilie und koste schon mal das Bier.

Wie die Herstellung der Weißwurst ohne die technischen Möglichkeiten von heute früher abgelaufen ist, wage ich mir kaum vorzustellen. Das war Knochenarbeit. Und ich erfahre auch eine neue Version, weswegen eine Weißwurst nie das Zwölf Uhr Läuten hören sollte. Die Weißwurst war dereinst eher ein Essen der Arbeiter. Diese sollten bis zur Mittagszeit aus den Wirtshäuser wieder draußen sein, damit die gehobene Bürgerschaft, die ja mehr bezahlen konnte, zum Mittagessen ihren Platz bekommen sollte. Leuchtet ein irgendwie.

Beim Breznteig hilft uns die Küchenmaschine. Ein ebenfalls probates Hilfsmittel ist das  gute alte Handrührgerät. Das wichtigste ist eh das Bearbeiten des Teigs mit den Händen. Hier muss der Kleber im Weizen gut ausgezogen werden. Bäckermeister und Leiter der Hermannsdorfer Bäckerei Mike Plötzl zeigt uns wie das geht. Ist ein zäher Teig und da schau ich dann auch gerne zu, wie die Adern im Unterarm vom Hermannsdorfer Braumeister Alfred Riedl ordentlich anschwellen.

Das mit dem Drehen ist eigentlich auch ganz einfach – wenn man ungefähr 10 vergebliche Anläufe gemeistert hat. Irgendwann sieht das vor mir dann auch wie eine Breze aus.

Während die Brezen noch ein wenig ruhen dürfen vor ihrem Bad in der Lauge, füllen wir das Wurstbrät in den Darm. Abdrehen und fertig. Sehnsüchtig harren wir dem Vertilgen entgegen. 12 Minuten sind die Brezen im Ofen. Diese Zeit kann man nutzen, die Gläser mit dem süßen Senf zu öffnen und ein frisches Bier einzuschenken.

Sie sind herrlich, unsere selbstgemachten Weißwürste, die Brezen sind warm und knusprig. Glücklich und satt setzen wir uns an die Sonne und atmen tief die würzige Landluft ein. Später führt uns Gudrun Schweisfurth noch über den Hof und zeigt uns die Schweine, die in glücklicher Eintracht mit den Hühnern leben. Die niedlichen Esel interessieren sich gar nicht für uns. Alles wirkt hier tiefenentspannt und überall wachsen wilde Kräuter. Es ist ein kleines Paradies und als wir in die Stadt zurückfahren fühle ich mich ein bisschen wie im Urlaub. Dabei war ich wirklich fleißig. Und bin an diesem Tag ein bisschen mehr mit Bayerns Traditionen vertraut geworden.

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Bloggerfreundin Petra hat nach der getanen Arbeit sichtlich ihren Spaß.

Und wer jetzt auch Lust bekommen hat mal richtig gute Landluft zu schnuppern, oder selbst mal Wurst machen möchte, der findet alle Informationen über die Hermannsdorfer Landwerkstätten hier:

Herrmannsdorfer Landwerkstätten Glonn GmbH & Co. KG
Herrmannsdorf 7
D-85625 Glonn
http://www.herrmannsdorfer.de

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in Entdeckungen, unterwegs, Viva Bavaria

Auch der Radi braucht mal Sommerfrische

RettichCarpaccio (1 von 1)Das Leben des Rettichs in den bayerischen Biergärten ist eintönig. Als Begleiter zu Bier und Breze werden die Spiralen des Radi mit Salz bestreut, manchmal sogar im Salz ertränkt. Kulinarisch steht der gute Rettich hier ständig im Schatten. Die Japaner sind beim Rettich da weitaus raffinierter. Sie fermentieren und würzen ihn. Wir dagegen warten bis zum ersten seligen Rülpsen und freuen uns allenfalls, dass die Rettichmahlzeit doch wirklich sehr wenig Kalorien hatte. Armer Rettich. Dabei ist er von so knackiger Frische und milder Schärfe, dass er durchaus noch mehr zu bieten hat. Das Zauberwort heißt – wie könnte es anders sein, wenn wir den Blick gen Süden richten -  Carpaccio. Auch hierbei wird er in feine Scheiben geschnitten, doch was die Kombination aus frischer Minze, Olivenöl, Zitrone und Parmesan mit dem bodenständigen Rettich macht, ist eine kulinarische Aschenputtel Geschichte.

Versteckt und von den wenigsten eines zweiten Blickes gewürdigt, adeln ihn diese Zutaten und machen aus ihm eine Prinzessin. Oder einen Prinzen.

Luftig und vollaromatisch, ist plötzlich der Scheinwerfer auf seine Eleganz gerichtet. Denn wer hätte gedacht, dass Minze und Parmesan sich so herrlich an ihn schmiegen? Ich jedenfalls nicht. Doch als ich dieses Rezept entdeckte, war meine Neugier geweckt.

Ich freue mich stets über unaufwendige Gerichte, die man mal so einfach an einem Sommerabend herzaubern kann. Kein Standard Salätchen, sondern etwas Raffiniertes, das bitte keine Mühe machen soll.

Die Minze wuchert sowieso dank des üppigen Regens in den Blumenkästen, Radi gibt es überall und Olivenöl, Zitrone und Parmesan gehören ins Repertoire und sind in der Regel immer vorhanden. Kein Grund also diese Erfahrung noch länger hinauszuzögern.

Noch Wünsche? Ja, ein klitzekleiner Wunsch bleibt offen. Ich wünschte, ich hätte diese überwältigende Geschmackskomposition schon früher entdeckt. Er hätte meine Abende im Biergarten oder auf der Terasse bereichert.

Eines ist jedenfalls sicher – der Rettich hat seine Sommerfrische mehr als verdient.

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Für Vier (als Vorspeise)

½ Stange weißer Rettich
65 ml mildes Olivenöl
1 Zitrone
½ TL Puderzucker (ich habe ein klein wenig mehr genommen)
Salz,
frisch gemahlener Pfeffer
10 Minzeblättchen (diese „Blättchen“ dürfen auch gerne ein bisschen größer sein für alle die es noch ein wenig minziger mögen), fein geschnitten
50 g fein gehobelter Parmesan

 

Den Rettich schälen und in feine Scheiben schneiden. Das geht am besten mit einer Mandoline.

Aus dem Olivenöl, dem Saft der Zitrone und dem Puderzucker eine Marinade anrühren. Die Marinade mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Teller mit der Marinade bestreichen, und die Rettichscheiben darauf verteilen. die restliche Marinade darauf verteilen.

Mit der Minze und dem Parmesan bestreuen.

 

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