Kalbstafelspitz aus dem Zitronengrassud mit Spargelvinaigrette und krossen Kartoffelwürfeln

Kalbstafelspitz2

Es war düsterer kalter Januar, als Steffen von der Berliner Speisemeisterei mich fragte, ob ich Lust hätte, mich an dem 4-Gänge Event zu beteiligen. Ich freute mich, sagte ja und suchte mir den Spargel aus. Spargel, das war noch endlos lange hin. Und so sinnierte ich über den Schnee und die Zeit verstrich. Dann endlich der erste Spargel. Richtig, irgendwann dazwischen gab es auch mal einen Frühling. Wann, kann ich nicht mehr genau sagen. Er muss kurz gewesen sein. In der Theorie dauert er auch immer noch an, doch nun heißt es, am Alpenrand müsse mit Schneefall gerechnet werden. Schneefall, Ende Mai. Das ist bitter.

Ich habe also heute die Ehre, beim Spargel der Hauptgang zu sein. Und auch wenn ich damit gerechnet habe, dass freundlichere Temperaturen diesen wunderbar leichten Gang in seiner ganzen Vielfalt von zart-säuerlichen Estragon Noten umschmeicheln, so ist es zumindest die Frische, die dem Frühling angemessen ist.

Die Messlatte lag hoch, wie ich von Woche zu Woche verfolgen konnte. Aufregend war, dass ich mich noch nie so lange mit einem Gericht beschäftigt habe, so dass ich es gleich zweimal gekocht habe, bis ich restlos damit zufrieden war. Und da dies ja nun der vierte Gang ist und ich bei all den köstlichen Vorgängern den Magen nicht überladen wollte, gibt es einen zarten rosigen Kalbstafelspitz mit einer aromatischen Vinaigrette aus grünem und weißem Spargel.  Und hätte es noch einen fünften Gang gegeben, so hätte ich eine Crème Brulée mit Spargel gemacht. Spargel ist großartig. Feiern wir ihn, solange es ihn noch gibt!

KalbstafelspitzSpargelvinaigrette

Für Zwei

500 – 600 g Kalbstafelspitz

3 Stangen Zitronengras

1 Zwiebel

6 Nelken

6 Pfefferkörner

2 Stangen Lauch

1 Möhre

1 Petersilienwurzel

1 Stück Knollensellerie

********************

250 g grüner Spargel

250 g weißer Spargel

½  Bund Schnittlauch

1 Bund Estragon

30 ml Holunderblütenessig

6 EL Traubenkernöl

Zucker, Fleur de Sel

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2 große festkochende Kartoffeln

Zum Dekorieren: Portulakblüten

Portulak

Die Zwiebel schälen und halbieren. Die Hälften mit den Nelken spicken. Das Wurzelgemüse und den Lauch würfeln. Das Zitronengras halbieren und mit dem Messerrücken leicht flachdrücken.

Das Gemüse mit der Zwiebel und dem Zitronengras in leichtem Salzwasser ganz kurz aufkochen lassen, den Kalbstafelspitz dazugeben und die Temperatur sofort runterdrehen. Das Fleisch etwa 20 min bei etwa 60° ziehen lassen. Aus der Brühe nehmen und in Alufolie wickeln.

Den weißen Spargel schälen, den Grünen nur im unteren Drittel. Beide Spargelsorten fein würfeln.  Die Spargelspitzen unversehrt lassen. Die Kräuter fein hacken.

In einer Pfanne in einem EL Öl den Spargel mit Salz und Zucker andünsten und mit dem Holunderessig ablöschen. Das Traubenkernöl und die gehackten Kräuter untermischen. Bei Bedarf nochmal mit etwas Salz und Zucker abschmecken.

Die Kartoffeln nicht zu weich kochen, abschrecken und würfeln. Die Würfel in Öl kross anbraten und mit Fleur de Sel bestreuen.

Den Tafelspitz aufschneiden und mit der Vinaigrette anrichten. Die Kartoffeln dazu reichen.

Als Weinbegleitung gab es einen 2012 Auxerrois von Siegbert Bimmerle

 

 

 

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in mit Fleisch, Rezepte

Gewürze – ein wunderbares Kochbuch für Entdecker neuer Geschmacksdimensionen und das Glück von Garnelen in Anis-Orangensauce

buchcoverIn den letzten Jahren sprossen sie ja wie Pilze aus dem Boden. Bücher über Gewürze, Kochen mit Gewürzen, Gewürze aller Länder vereinigt euch,  und je nach Autor konnte man beschriebene Gewürze auch gleich im Anschluss an die Lektüre käuflich erwerben. Gewürze sind plötzlich allgegenwärtig, ganz so, als leide der deutschsprachige Raum flächendeckend an Gewürzmangel, dem es entschieden entgegenzutreten gilt. Bekämpft die Aromendiaspora.

Und dann, weil  der Quell der Gewürze ja schier unerschöpflich scheint, erscheint noch ein Buch darüber. „Von bittersüss nach feuerscharf“ – das große Buch der Gewürze. Originell ist der Titel ja nicht gerade und warum sollte genau dieses Buch mein Kochen bereichern? Noch dazu, wo keines der Rezepte mit einem appetitanregenden Bild versehen ist. Wo die Food Stylisten zeigen können, wie sie verführen und locken können. Nicht dass wir uns falsch verstehen, Bilder gibt es in diesem Buch schon, sie wurden sogar von der großartigen Luzia Ellert, eine der besten Food Fotografinnen unserer Zeit erstellt, doch alles was sie zeigen sind die Gewürze. Wie sie in Puppenküchenformat auf winzigen Tischchen in Miniatur-Schüsselchen überdimensional groß wie reife Früchte aussehen.

Die Frage hat sich schnell beantwortet nach den ersten Seiten. Weil es die Sinne anspricht, wie kaum ein anderes Buch. Weil es anders ist. Weil wir uns auf eine Reise begeben können, die an unsere Sinnlichkeit appelliert.

Hier wird nicht auf endlos langen Seiten die Herkunft der einzelnen Gewürze erklärt, sondern hier wird über „Geschmacksakkorde“ geschrieben. Akkorde kennt jeder, der einmal ein Instrument gelernt hat. Ich habe Gitarre gelernt und erst wenn einem klar ist, was eine harmonische Terz, Quint oder eine schräge Septime ausmacht, bekommt man eine Ahnung, was Musik machen bedeutet. Die beschriebenen Geschmacksakkorde sollen uns die Harmonie der Komposition des Geschmacks erfahren lassen. Beispiel Kardamom mit Zimt, Muskat und Rosenblüten.

Ja!, denke ich während ich bereits in nach den ersten Seiten völlig berauscht bin. Bleibe beim Anis hängen, schwelge und  tauche weiter ein, in die raffinierten Geschmacksassoziationen. Die finden sich zu jedem der beschrieben Gewürze. Nur ein paar Begriffe, Ideen und mir wird klar, was für ein Schatz dieses Buch ist. Es ist die Essenz aus so vielem bisher dagewesenen. Jede dieser Assoziationen ist ein Rezept. Ein Rezept ohne genaue Maßangaben, eine Einladung zu einer Entdeckung. Es ist also gut, wenn ihr all die vorherigen Gewürzbücher aufmerksam gelesen habt. Die, worin steht, dass man sie möglichst im Ganzen kaufen sollte, wie man mörsert und die Gewürze zum Duften bringt.  Das war die Pflicht und nun beginnt die Kür! Jetzt beginnt das Abenteuer.

Ich bin also am Anis kleben geblieben. Jenem Gewürz, das wir meist dann nur wählen, wenn uns entweder der Bauch drückt oder wenn es Richtung Weihnachten geht. Bei allem anderen rümpfen wir gerne die Nase. Unsere europäischen Nachbarn sind da aufgeschlossener und schlürfen gerne mal einen Pastis, Pernod, Raki oder Sambuca. Und genau deshalb entscheide ich, soll das Rezept, das ich aus diesem Buch koche, mit Anis sein.

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Garnelen in Anis-Orangen Sauce

Für Zwei bis Drei

1 unbehandelte Orange

500 ml frisch gepresster Orangensaft

2 Schalotten

70 g Butter

1 TL getrocknete grüne Pfefferkörner

1 TL Anissamen

½ Bund Estragon

8 küchenfertige, rohe geschälte Garnelenschwänze (à ca. 70 g)

1 EL Pernod oder Pastis (Anislikör)

Grüner Pfeffer aus der Mühle

Orange heiß abwaschen, Schale fein abreiben. Schalotten schälen und fein hacken. In 20 g Butter hell anschwitzen und mit dem Orangensaft ablöschen. Bei starker Hitze auf etwa 250 ml einkochen. 25 g Butter in Stückchen ins Tiefkühlfach stellen.

Pfefferkörner und Anis im Mörser fein zerstoßen, mit der abgerieben Orangeschale zum Orangensaft geben, etwas salzen und beiseite stellen.

Estragon abbrausen und hacken. Garnelen kalt abspülen und trockentupfen. Die restliche zimmerwarme Butter in einer Pfanne erhitzen, bis sie schäumt und die Garnelen bei mittlerer Hitze von jeder Seite 3 min braten. Salzen und pfeffern.

Die Orangensauce wieder erhitzen, Pernod und nach und nach die gefrorenen Butterstückchen in die heiße Sauce schlagen. Die angebratenen Garnelen darin schwenken und auf vorgewärmten Tellern anrichten. Mit Estragon und frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen.

Dazu gab es Baguette und einen würzigen Grauburgunder.

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Fazit: Das Buch hält alles was es verspricht, ich verschlinge es wie einen guten Roman, lasse mich von den inneren Bildern und Aromen tragen und bin sehr dankbar, es entdeckt zu haben und ganz besonders danke ich Bettina Matthaei und Katharina Wilck von der Gewürzmanufaktur 1001 Gewürze, von denen ich dieses Buch bekommen habe.

Erschienen ist es im Rolf Heyne Verlag von Bettina Matthaei, „Das große Buch der Gewürze. “Von Bittersüß nach Feuerscharf“ ISBN 978-3899105483

 

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in aus dem Meer, Entdeckungen, Rezensionen, Rezepte

La vie en rose – rosa Sushi mit mariniertem Spargel

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Meine innere Uhr tickte noch nach mitteleuropäischer Zeit. Zwei Stunden zuvor war ich in New York gelandet und alles was ich wollte war, schnell noch gegenüber vom Hotel beim Japaner ein Häppchen zu essen und mich dann ganz dem Hoffen auf eine komatöse Nachtruhe hingeben. Das war der Plan. Ich setzte mich an einen der kleinen Tische, schielte schon ein wenig, schließlich war es für mich tief in der Nacht und bestellte eine Sushi Rolle mit Lachs.  Das Bier sollte seine Wirkung entfalten und mein Hirn war bereit für den Sleep-Modus.

Das wäre auch gut so weitergegangen, hätte der Kellner nicht plötzlich ein Kunstwerk in komplettem Rosa vor mich hingestellt. Da war kein einziges Noriblatt zu sehen, keine Gurke, keine Avocado. Stattdessen umhüllte ein rosa farbenes papierähnliches Etwas den  Lachs und Thunfisch um den Reis. Sofort war ich hellwach. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Die Hülle entpuppte sich als rosa eingefärbtes Soja Papier. Es schmeckte natürlich nach nichts, machte aber mächtig was her. Dass ich es haben musste stand sofort fest. Freundlich fragte ich den Kellner, wo ich das bekommen könnte. Er zuckte nur mit den Schultern, verzog keine Miene und meinte nur ich solle mal den asiatischen Supermärkten schauen. Dass ich dazu natürlich keine Zeit haben würde, war mir im gleichen Augenblick klar. Ich fragte ihn, ob ich ihm eine Packung abkaufen könnte. Er verzog den Mund leicht zu einem schiefen Grinsen und wehrte ab.

Zu diesem Zeitpunkt war er bestimmt der Meinung, dass er mich nie wieder sehen würde, was sich natürlich als Irrtum herausstellen sollte. So leicht gebe ich nicht auf. Zwei Abende später schraubte ich gewaltig die Verzweiflungsfalte in meiner Stirn zusammen (mit Botox wäre das nix geworden), zog die Mundwinkel ein wenig nach unten und schaute ihn an wie eine halbverhungerte Katze beim Anblick einer Schale Milch. Den Kampf konnte er nicht gewinnen. Die halbe Nacht hatte ich damit verbracht dieses rosa Soja Papier zu googeln, nur um rauszufinden, dass ich es auf gar keinen Fall in Deutschland so leicht bekommen könnte. Er feilschte mit mir und fünf Minuten später verließ ich selig sein Restaurant. In der Hand hielt ich eine Packung Soja Papier.

Und weil ich auf gar keinen Fall das Rosa mit einer grünen Avocado oder ähnlichem mischen wollte, entschied ich mich für eine vegetarische Variante mit mariniertem Spargel. Dazu eine Miso Mayonnaise (auch Soja) und ein bisschen Granatapfelblütendingens-Deko.

Da ich nur etwa einmal jedes Schaltjahr diese Rollen wickle, war ich zwar ein wenig unentspannt aber das Ergebnis war trotzdem ein Highlight. Und wer mal eben in die Staaten fliegt oder Besuch von dort erwartet (noch besser), der sollte sich dieses Soja Papier auf die Wunschliste setzen. Der Wow-Effekt ist garantiert.

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Für Vier

Reis:

300 g japanischer Rundkornreis für Sushi

650 ml Wasser

5 EL Mirin (oder Reisessig mit einem EL Zucker vermischt)

2 TL Salz

Spargel:

1 EL Zucker

Eine Prise Salz

6-8 Stangen weißer Spargel

4 EL japanische Soja Sauce (mit Dashi drin)

1 TL Ume Su (Essig von Würzpflaumen)

Etwa 7 Blätter rosa Soja Papier

Miso-Mayonnaise :

3 El helle Miso Paste

3 EL Soyannaise (vegetarische Version der Mayonnaise)

1 EL Reisessig

Den Spargel schälen und die holzigen Enden abschneiden. In eine beschichtete Pfanne den Zucker streuen und leicht karamellisieren lassen. Den Spargel zugeben, kräftig hin und her schwenken und mit der Soja Sauce und dem Ume Su ablöschen. Kurz aufkochen lassen und sofort vom Herd nehmen. Einige Stunden, am besten über Nacht abdecken und marinieren lassen.

Den Reis unter fließendem kaltem Wasser waschen bis das Wasser klar ist. In einem Sieb etwa eine Stunde abtropfen lassen. Wasser und Reis in einer Pfanne aufkochen lassen. Die Temperatur klein stellen und den Reis zugedeckt etwa 15 min köcheln lassen. Mit einem Holzlöffel einmal umrühren, wieder zudecken und vom Herd nehmen. Weitere 10 min quellen lassen. Salz und Mirin mit dem Holzlöffel untermischen und unter einem feuchten Tuch auskühlen lassen.

Ein Blatt Sojapapier auf die Bambusmatte legen, den Reis darauf legen und den Spargel in die Mitte legen. Aufrollen und mit einem scharfen Messer (am besten immer wieder vor dem schneiden befeuchten) in Scheiben schneiden.

Die Zutaten für die Miso-Mayonnaise verrühren und zu den Sushi reichen. Wer mag, darf hier gerne noch lustig in rot oder rosa dekorieren. ( Granatapfelblüten, Radieschenwürfel, etc)

 

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in Rezepte, Salat und Vorspeisen, Vegetarisch

Ein neues Food Highlight in Berlin, Bloody Mary 2.0 und das Glück von Pellkartoffeln mit Leinöl

SpreewaldDie erste kulinarische Entdeckung meiner Berlin Reise hab ich mir sauer verdient. Während ich meine Pellkartoffeln mit köstlichem Spreewälder Leinöl, echten Spreewaldgurken und Quark esse, spüre ich wie langsam ein saftiger Muskelkater in meine Arme kriecht. Ich wollte es ja so und war vorgewarnt. Paddeln im Spreewald mit einer Freundin, die nicht paddeln kann und mangelnde Kenntnisse der Wasserwege (die Option, dass wir GPS-Verwöhnten unfähig im Kartenlesen sind, lasse ich jetzt mal außen vor) führten dazu, dass ich weit länger als geplant allein das Zweier-Kajak durch die traumhafte Landschaft des Spreewalds gepaddelt habe. So was geht gewaltig in die Arme. Kostenlos dazu gab es paar blöde Sprüche von einigen ortsansässigen Kahnführern. Man fühlt sich dann eindeutig besser, wenn man zum wiederholten Mal falsch abgebogen ist. Dafür wurde ich mit frisch geräuchertem Aal entschädigt. Und dem Leinöl, welches sofort im nächsten Bauernladen gekauft werden musste. Es ist im Gegensatz zu anderen Ölen nicht lange haltbar. Ich muss mich also ranhalten.

MarkthalleBerlin

Die nächste kulinarische Entdeckung wartet am nächsten Tag mehr oder weniger gleich um Ecke. Die Markthalle Neun. Mitte der neunziger Jahre, als ich noch in Berlin studierte war ich fast jeden Tag hier. Hab in der Gaststätte, die damals schwer angesagt war, meine Nächte hinter dem Tresen verbracht und fröhlich Tabletts hin und her geschleppt. Nach der Jahrtausendwende ging es bergab mit der Markthalle, es fehlte ein Konzept. Um ein Haar schrappte diese ehrwürdige, wunderbare alte Halle daran vorbei ein Supermarkt zu werden. Letztes Jahr dann die Wiedergeburt. Kleinerzeuger aus der Region wurden eingeladen, Feste und Veranstaltungen wurden organisiert. Seit April gibt es  jeden Donnerstag Abend  den  Streetfood Thursday. Brandenburgische Tapas, Käsespätzle, Glücksrollen und BBQ – alles was das Herz begehrt. Man sitzt an einem der langen Tische und genießt. FrischkäseMarkthalleFood

Heute gibt es hier einen Wein-Käse Event. Mehr als 30 Winzer aus ganz Deutschland und regionale Käsemacher sind erschienen. Man kauft sich ein Bändchen fürs Handgelenk, schnappt sich ein Glas und los geht das fröhliche Probieren. Eigentlich ist es noch früh am Nachmittag aber das macht ja nichts. Fange dann halt mal mit den leichten Rieslingen an. Tolle Weine gibt es, die sich sofort an meinen Gaumen schmiegen (die vollständige Liste aller Winzer hier es hier). Stuart Pigott himself ist auch anwesend, erzählt zusammen mit Nina Bauer, die Winzerin vom Klosterhof Töplitz, über seinen brandenburgischen Grauburgunder. Er macht ihn nicht selbst, aber er unterstützt das Projekt. Ich mag den Wein.

Markthalleneun

Am nächsten Tag startet die Internetkonferenz Republica, der eigentlich Grund meiner Reise nach Berlin. Angesichts all der leckeren Entdeckungen, vernachlässige ich das gern mal. Zwischen spannenden und manchmal sehr nerdigen Vorträgen sitze ich immer wieder zusammen mit anderen Food Bloggern draußen in der Sonne bei einem Fläschchen Club Mate. Das ist erholsam und im Kollektiv zu twittern hat schon was.

Annette von culinary pixel bin ich dankbar für den Tipp mit dem RollinRestaurant. Das war grandioses Essen und ein herrlicher Abend, der dann noch in einer Kreuzberger Bar sein spätes Ende fand. Am meisten beeindruckt hat mich an diesem Abend der Gruß aus der Küche. Ein Kügelchen cremiges Tomateneis (in dieser Qualität absolut nicht herstellbar ohne Profigeräte) mit etwas luftgetrocknetem Schinken und einem Dill-infusierten Wodka. Bloody Mary 2.0. Dass Wodka in nur 24 Stunden so das Aroma von Dill annehmen kann war eine Entdeckung. Und die musste natürlich gleich zuhause getestet werden. Das mit dem Tomateneis scheitert aus oben erwähnten Gründen. Ich besitze nicht einmal eine Eismaschine der einfachsten Art.

Also wird aus dem Tomateneis kurzerhand eine Tomatenmousse. Dill und Pfeffer werden in die halbvolle Wodkaflasche gestopft. Das Ergebnis – Begeisterung. Wer also seine Gäste mal mit etwas wirklich Abgefahrenen entzücken will, dem sei dieser Auftakt wärmstens empfohlen.

BloodyMary

Bloody Mary 2.0

Für Vier

eine Dose sehr gute italienische Tomaten, 400 g

1 TL Tomatenmark

150 g Sahne, geschlagen

2 EL milder Balsamessig

1 TL frische oder getrocknete Kräuter wie Thymian und Rosmarin

Eine Prise Zucker, Salz, Chili Pfeffer

6 Blätter Gelatine oder ein Päckchen Gelatine Fix

4 Scheiben Bacon, ohne Fett in einer beschichteten Pfanne knusprig gebraten

½ kleine Flasche Vodka (klar, da bleibt ne Menge übrig, aber anders macht das Ansetzen wenig Sinn)

½ Bund Dill

einige Pfefferkörner

 

Den Dill zusammen mit den Pfefferkörnern in den Wodka geben und 24 Stunden ziehen lassen. Zum späteren Abseihen am besten ein kleines Sieb benutzen.

Die Tomatenmit dem Tomatenmark pürieren, mit dem Essig, und den Gewürzen abschmecken und die Sahne unterheben. Die Gelatine nach Packungsanweisung aufweichen und dazu geben. Im Kühlschrank gelieren lassen.

Die Mousse in Schälchen anrichten , mit dem Speck garnieren und ein Gläschen Dill-Wodka dazu reichen.

 

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in Berlin, Entdeckungen, Rezepte, Salat und Vorspeisen, Vegetarisch

Erdbeeren mit sautiertem Rinderfilet und Moskonfyt Reduktion

ErdbeerenSearedBeefFiletMoskonfyt

Hinaus, hinaus ins zarte Grün, der Mai ist da! Ich laufe, höre die Vögel, freue mich an Knospen der Bäume, die Kirschblütenblätter liegen schon wieder im Dreck. Ich laufe schneller, dahin wo die Sonne scheint, vorbei am Maifest, rieche den Schweinebraten. Da sitzen sie schon vor ihrem Bier in ihren Trachten. Schnell weg.

Beltane ist da, getanzt hab ich nicht, doch mein Auto hat Rasierschaum abgekriegt. Selbst schuld – stellt man auch in die Garage bevor die Burschen zu nächtlicher Stunde durch die Straßen streifen und Unsinn anrichten.  Wenn schon der Maibaum nicht geklaut wird, so kann man doch wenigstens die Nachbarn ärgern.

Vor ein paar Tagen habe ich zwischen all meinen Ölen eine kleine Flasche Moskonfyt gefunden. Ein Mitbringsel noch aus Südafrika und ist stark konzentrierter Traubenmost. Vergleichbar mit Vino Cotto. Und dann waren da überall diese Erdbeeren. Noch kommen sie zwar nicht aus Deutschland, aber sie duften schon. Erdbeeren müssen duften, damit ich sie kaufe. Und weil es die ersten in diesem Jahr sind und ich sie am liebsten mit Pfeffer esse, bekommen sie heute eine ganz besonders elegante Begleitung. Fein geschnittenes sautiertes Rinderfilet, dazu besagter Traubenmost.

Das harrt dann auch schon im Gefrierschrank, während ich noch durch den Wald spurte. Nur wenn es leicht angefroren ist, lässt es sich auch fein schneiden. Kennt man ja vom Carpaccio. Später dazu ein Glas Rosé  - was für ein schöner erster Mai!  Habt einen wunderschönen Tag!

Für Zwei

4 – 5 große feste Erdbeeren

200 g Rinderfilet

1 Stange Frühlingszwiebel

1 Schuss Portwein zum Ablöschen

4 EL Moskonfyt oder Vino Cotto (Moskonfyt ist afrikaans)

1 EL Traubenkernöl

ein wenig abgeriebene Schale von einer Bio-Limette

Fleur de Sel, frisch gemahlener, aromatischer Pfeffer

ErdbeerenSearedBeefFilet

ErdbeerenSearedBeef

Das Rinderfilet in einer unbeschichteten Pfanne in dem Öl von jeder Seite scharf anbraten. Sofort herausnehmen und auf einem Teller auskühlen lassen. Den Bratensatz in der Pfanne mit Portwein ablöschen und einkochen lassen. Das Moskonfyt dazu geben und mit etwas Fleur de Sel und Pfeffer abschmecken. Das Fleisch pfeffern und leicht salzen, in Frischhaltefolie fest einwickeln und für 3 Stunden ins  Gefrierfach legen.

Die Frühlingszwiebel in feine Streifen schneiden und in Eiswasser legen, so dass sie sich ringeln.

Die Erdbeeren ebenfalls in feine Scheiben schneiden. Das Fleisch nach der Kühlzeit aus der Folie wickeln und mit dem schärfsten Messer so fein wie möglich schneiden. Alles zusammen auf Tellern anrichten und mit dem reduzierten Moskonfyt besprenkeln. Nochmal etwas frischen Pfeffer und ein paar Salzflocken, die Limetteschale und die Zwiebellocken drüber und ab geht’s!

 

 

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Aromen-Experiment – Spargel mit Zitronenöl, süßem Chili und rotem Pfeffer im Päckchen gegart mit Blutampfersalat

SpargelPäckchen

“Spargel mit Zitronenöl schmeckt köstlich“, meint die Frau meines Kräuterhändlers. Damit meinte sie nicht ein mit Zitronen aromatisiertes Olivenöl, wie es mittlerweile in fast jedem Supermarkt erhältlich ist, sondern das reine ätherische Öl. Man möge nur Tropfen davon verwenden, ansonsten sei es ein Overkill an Citrus. Und außerdem hätte sie da noch was besonders Gutes für mich. Frisch gemahlene rote Pfefferbeeren. Die gingen auch immer gut. Wenn ich mich jedoch recht erinnre, erwähnte sie nichts von wegen beidem in Kombination. Derartiges hat mir jedoch schon so oft zu einem Sieg verholfen. Kombiniere etwas wozu keiner dir rät, und es wird fabelhaft. So oder ähnlich ist es zumindest in einer perfekten Welt.

Nichtsahnend doch voller Euphorie begebe ich mich also in die Versuchsküche. Als erstes beginne ich mit einem kleinen Bastel-Exkurs. Der Spargel soll in Päckchen gegart werden. Ich fluche ein wenig und vermisse den allseits beliebten Tacker damit sich die Enden nicht wieder aufrollen. Eiweiß habe ich keines, womit ich es durch aufstreichen an den Enden hermetisch versiegeln könnte.

In das Päckchen kommt grüner Spargel, Möhrenspäne, was die Töpfe mit frischen Kräutern grade hergeben, ein Hauch Soja Sahne und besagte Neuerwerbungen. Geduld musste  ich eigentlich auch keine haben, denn kaum hatte ich den Blutampfer angerichtet, waren die Päckchen schon fertig im Ofen.

Und was soll ich sagen? Sie hatte Recht! Zitronenöl ist köstlich. Eine leicht bittere Note des roten Pfeffers kontrastierte atemberaubend gut mit der Süße des Zuckers und der süßen Chili. Ein leichtes Häppchen der besonderen Art.

SpargelPäckchen3

Für eine Portion

5 Stangen grüner Spargel

1 Möhre, in feine Juliennestreifen geschnitten

1 EL Soja Sahne

1 Stück kandierte Chili

Ein paar Korianderblättchen

2 Tropfen ätherisches Zitronenöl (gibt es auch in der Apotheke)

Frisch gemahlene rote Pfefferbeeren

Salz, Zucker

Blutampferblätter

2 EL Traubenkernöl

1 EL fruchtiger Essig

Salz, Pfeffer

Den Ofen auf 180° vorheizen.

Auf einem Bogen Pergamentpapier den geputzten Spargel zusammen mit den Möhrenspänen legen. Die Korianderblätter darauf verteilen. Eine Prise Zucker und die kandierte Chili zerbröseln und darüber streuen. Mit einer Prise Salz und dem roten Pfeffer würzen. Alle Seiten einschlagen und eine Mulde bilden. Die Soja Sahne und das Zitronenöl dazugeben und das Päckchen fest verschließen und auf einem Blech in den Ofen geben.

Während der Spargel gart, den Blutampfer waschen und die Vinaigrette aus dem Essig und Öl zubereiten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Nach 15 Minuten das Päckchen aus dem Ofen holen. Wer mag kann noch etwas Ziegenkäse dazu reichen.

 

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