Eingemachte Zitronengurken aus Nova Scotia und warum Farmfood dort immer eine gute Wahl ist

Zuhause gingen die Vorräte an gutem Maple Sirup bereits zur Neige. Ein Zustand, der mich ein wenig nervös macht und ich kann nicht genau sagen, warum mir das Maple Sirup, das man hier bekommt, nie diese Befriedigung verschafft hat, wie jenes aus Kanada. Keiner hier weiß, aus welcher Phase der Ernte, die im März beginnt und im September endet,  das Sirup genau stammt. Dass der Zeitpunkt einen ganz erheblichen Einfluss auf den Geschmack und die Farbe hat, lernte ich erst dort. Späte Ernte ist dunkler. Der Zucker reagiert ganz anders. Das erklärt uns Quita Gray von der Sugar Moon Farm als sie uns die großen Kessel zeigt, in denen der Sirup gekocht wird. Am Anfang ist es ein fast klares Wasser. Das dann aber durch den Kochprozess immer konzentrierter und köstlicher wird. Mittlerweile wird auch der reine Saft verkauft. Der ist dabei, dem so gehypten Kokoswasser zumindest in Nordamerika den Rang abzulaufen. Sehr gesund, kalorienarm, doch weitgehend geschmacksneutral. Kaum zu glauben, dass daraus einmal ein richtig guter Ahornsirup entstehen kann.

Sugar Moon Farm Frühstück

Wer anhand der GPS Koordinaten die Sugar Moon Farm mitten in den Wäldern Nova Scotias findet, der darf sich freuen, denn das Frühstück, welches sie dort servieren ist grandios. Angefangen mit einem „Detox“ Drink – heißes Wasser mit Zitronensaft, Maple Sirup und Chili – kann man lustvoll in einen Kaffee mit Maple Sahne eintauchen, schmiert sich Ahornbutter auf frisch gebackene Bisquits, während man im Duft von frisch gebratenem Speck auf seine Pfannkuchen mit Blaubeeren, Speck und Sirup wartet. Das mit dem heißen „Detox“ Saft dürfte so ziemlich das einzig wirklich gesundheitszuträgliche auf der Karte sein, doch das interessiert keinen. Es schmeckt einfach großartig, wen kümmert es da, dass es kein Müsli gibt. Hier regiert der Pfannkuchen.

Bevor wir dann wirklich hinausgehen um endlich mal auch einen echten „Sugar Maple Tree“ zu sehen. Der Name Sugar Moon hat übrigens auch eine Bedeutung. Es ist der Name des ersten Vollmonds während der ersten Maple Sirup Ernte.

nicht grade ein leichtes Frühstück, aber Pfannkuchen mit Sahne, Ahorn Sirup, Blaubeeren und Speck sind einfach soo gut.

Eindrücke von der Sugar Moon Farm mitten in den Wäldern

Der Hofladen mit den schönen Gurken

Wieder sind wir irgendwo im Nirgendwo, wieder gibt es nur Koordinaten, doch unser Koch Alain bringt uns auf eine Farm, wo er gerne sein Gemüse kauft. Alles ist Bio und alles sieht sehr gut aus. Die Kräuter darf man sich gleich selbst aus dem Kräuterbeet abschneiden. Hier entdecke ich die gelben runden Gurken. Neben den gelben Wachsbohnen und den mexikanischen Mini-Gurken. Gelbe runde Gurken, die ich unbedingt haben muss. Es heißt, sie schmecken frisch und sehr fruchtig. Es hat einen Grund, weswegen ich immer mit dem größten Koffer reise, der meist nur zu zwei Drittel gefüllt ist. Ich brauche Platz für all die Sachen, die mitnehmen will. Und dazu gehören die gelben Gurken. Ein Acorn Squash, ein Eichelkürbis, darf auch noch mit. Der Eichelkürbis ist hier auch schwer zu bekommen. Bei den Gurken ist mir sofort klar, dass ich sie einmachen werde. Mit etwas Fenchelkraut, Zitrone und Senfkörnern. Es reicht genau für zwei Gläser.

Man kann ja viel von einer Reise mitbringen und während meine lieben Bloggerkollegen stolz ihre exotischen „Sprinkels“, Kuchen und Cup Cake Toppings, zeigen, streichle ich eben meine runden Gurken.

Vorsichtshalber habe ich einige Kerne zum Trocknen aufgehoben, ich bin zwar denkbar untalentiert in der Aufzucht kleiner Pflänzchen, aber vielleicht gebe ich sie vertrauensvoll in die Hände eines versierten Gärtners. Denn eines ist sicher – die Welt kann nicht genug wunderbar eingemachte Gurken haben.

Blaubeer Pfannkuchen, Bete, ein Sugar Ahorn, Kaffee Mit Maple Sahne, die Liste der Austern Farm, eine Raupe auf dem Ahorn Baum, Holz zum Anheizen der Kessel, wo der Sirup gekocht wird, ein Café an einem Bahnhof und die Blätter des Ahorm Baums

Minigurken und natürlich Blueberries

die köstlichen Zitronen Gurken

 

Gepickelte Zitronengurken

Für zwei Gläser à 400 ml (Einmachgläser mit Gummiring und Klammern)

500 g Zitronengurken
75 ml naturbelassenes Meersalz (ohne Jod und Rieselhilfen)
Schale von einer halben Bio Zitrone
insg. 2,3 Liter Wasser
1 ¼ L weißer Tafelessig
150 g Rübenzucker
1 EL gelbe Senfkörner
1 TL Voatsiperifery Pfeffer
1 TL Kurkumapulver
2 Dolden Fenchelblüten
4 Kardamom Kapseln
4 Sternanis

Die Gurken in ca. 1cm dicke Scheiben schneiden und in eine Schüssel legen.
Das Salz mit 1,5 Litern Wasser mischen und über die Gurken gießen. 3 Stunden an einem nicht zu warmen Platz ziehen lassen.
Die Gurken in ein Sieb gießen, mit Wasser abspülen und abtropfen lassen. Die Salzlake wird nicht mehr benötigt.
In einem großen Topf 700 ml Wasser mit 700 ml Essig mischen und aufkochen lassen. Die Gurken und die Zitronenschale hineingeben und etwa 6 Minuten leicht köcheln lassen. Abgießen, die Flüssigkeit wird nicht mehr gebraucht.
In dem Topf wieder 300 ml Essig mit 150 ml Wasser mischen, den Zucker und die Gewürze dazugeben, aufkochen lassen. Die Temperatur zurückschalten und etwa 5 – 7 Minuten köcheln lassen.
Den Ofen auf 170° vorheizen.
Währenddessen die Gurkenscheiben in die vorbereiteten* Einmachgläser füllen (nicht zu fest) und mit der Einmachflüssigkeit begießen (bis etwa 3 Fingerbreit unter den Rand).
Mit Gummi und Klammern verschließen.

Ein tiefes Backblech mit einer Doppellage Küchenkrepp auslegen, die Gläser daraufstellen und etwa 2 Fingerbreit hoch Wasser einfüllen.
Im Ofen einwecken. Dazu warten bis in den Gläsern kleine Bläschen aufsteigen (jetzt werden die Gurken haltbar gemacht). Sobald die Bläschen aufsteigen die Gläser noch etwa 15 Minuten im Ofen lassen, dann vorsichtig herausnehmen und auskühlen lassen.
Angebrochene Gläser im Kühlschrank aufbewahren.

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Nova Scotia – ans Meer, dort wo es einsam ist und wo es frischen Lobster gibt…

Schönsein bei Sonnenschein kann jede Landschaft. Doch bei bedecktem, grauem Himmel offenbart sich die wahre, raue Schönheit, dann wenn der Horizont sich auflöst im Nebel, wenn die Farben düster werden. Wenn alles einen morbiden Charme bekommt.
Drei Tage strahlte die Sonne in Nova Scotia, die Blaubeeren leuchteten in den Feldern, doch dann schlug das Wetter um. Genau an jenem Tag, als es an die Küste Richtung Peggys Cove ging. Bestimmt wäre es auch zauberhaft gewesen bei Sonnenschein auf den großen, flachen Steinen zu sitzen, die Wärme dieser Steine zu spüren und das Kribbeln des Lichts auf der Haut zu spüren, doch bei grauem Himmel offenbart dieser Ort seine wirklich Magie. Alte Fischerboote liegen im Wasser, überall findet man alte Reusen, die dazu dienten die Lobster zu fangen, die leuchtend roten Hagebutten sind die einzigen Farbkleckse und das Ufer ist zwischen den Steinen gesäumt von Doldenblüten in gedämpften Farben.

Es gibt hier zu wenig Menschen

Damit sind nicht die Touristen gemeint, die tagein tagaus diesen Ort besuchen. Sie laufen über die Felsen, kaufen Andenken in den Souvenirläden und dann fahren sie wieder weiter. Was damit gemeint war, und wohlgemerkt, diese Aussage stammt nicht von mir, sondern von einem der hier lebt, ist, dass zu wenig Menschen hier in dieser Region leben. Die Jungen zieht es in die Städte. Die Gegend braucht aber genau sie. Und vielleicht ist das auch einer der Gründe, weswegen ich mich hier ein wenig fühle, als habe die Zeit angehalten. Überall auf der Welt haben es ländliche Regionen nicht gerade leicht. In Japan werden Familien, die bereit sind aufs Land zu ziehen ganz besonders gefördert.
Während ich aufs Wasser starre, stelle ich mir die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, hier so abgeschieden zu leben. Vielleicht würde ich meine eigenen Lobster fangen. Vielleicht würde das genügen. Sehr wahrscheinlich würde es das aber nicht.

 

Lobster Galore

Mein Ziel war es, jeden Tag in Nova Scotia Lobster zu essen. Ich hänge hinterher. Es gab Blaubeeren, Scallops, Pancakes, frittierten Haddock und Sandwiches. Aber keinen Lobster. Kaum bin ich hier in Peggys Cove, ist für mich sofort klar – hier muss ich Lobster essen. Fangfrischer Lobster in einem luftigen Brötchen, das mit flüssiger Butter bestrichen und dann getoastet ist, mit etwas selbstgemachter Mayonnaise und vielleicht noch ein bisschen frisch gemahlenem Pfeffer. Dazu einen Krautsalat und ein Gürkchen.
Das kleine rote Haus am Ortsanfang lockt mit seinen Lobster Rolls. Es ist verdammt lang her, dass ich eine gute Lobster Roll hatte. Ganz klar, ich muss jetzt und sofort eine probieren. Ich setze mich an einen der kleinen Tische vor dem Haus und warte geduldig auf meine Lobster Roll. Ich habe Zeit. Hier am Meer hat man immer Zeit. Doch lange muss ich nicht warten, bis die freundliche Dame mir meine „Classic Lobster Roll“ reicht. Üppig belegt mit richtig viel Lobster. Diese Roll ist pures Vergnügen. Eindeutig, es hat sich gelohnt, nicht im Hotel zu frühstücken.
Doch dass es noch besser geht, das lerne ich kurze Zeit später als wir, mit wir meine ich wunderbaren Blogger-Buddies* die mich auf dieser Reise begleiten, in einem kleinen Fischerort in ein eher unspektakuläres Restaurant kommen. Hier kommen die Einheimischen her, wenn sie guten Lobster wollen. Und das Lobster-Sandwich, das ich mir bestellt hatte, toppt alles bisher gegessene. Der Lobster ist noch aromatischer, noch raffinierter gewürzt. Er ist einfach umwerfend. Wen juckt es da, dass es ein wenig regnet, es gibt ja schließlich Schirme und man kann weiter dabei aufs Wasser schauen.

Ich habe mich in diese karge Landschaft verliebt, in die Holzhäuschen und das ruhige Meer. Und während ich das schreibe, muss ich daran denken, wie grandios es wäre, jetzt nochmal in so ein gegrilltes Lobster Sandwich zu beißen. Wenn ich mich anstrenge, dann kann ich es noch ein bisschen schmecken.

 

Adressen:
Shaws Landing (bestes Lobster Sandwich)
6958 Peggys Cove Road, West Dover, NS B3Z 3S8, Kanada
auf Facebook: Shaws Landing

Maritime Pasty Co.
110 Peggys Point Rd, Peggys Cove, NS B3Z 3S2, Kanada
auf Facebook: Lobster Lane & Dee Dee’s Icecream

 

Offenlegung: zu dieser Reise wurde ich eingeladen von der Wild Blueberry Association Nova Scotia. Die Eindrücke sind meine eigenen.

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My Blueberry Days in Nova Scotia – wilde Blaubeeren soweit das Auge reicht und ein ziemlich turbulenter Reiseauftakt

Ich werde den Flieger nach Halifax nicht schaffen. Ganz sicher werde ich ihn nicht schaffen. Ich sitze in München und starre auf die Anzeige. Um 15:00 hätte der Flug nach Frankfurt starten sollen. Angezeigt wird nur, dass er verspätet ist. Wieviel? Keine Angabe.
Ich habe in Frankfurt genau 90 Minuten um meine Maschine nach Halifax zu erreichen und diese Zeit dezimiert sich zusehends. Noch immer ist das Flugzeug aus Frankfurt nicht in München eingetroffen. Dann heißt es plötzlich kurz nach 16:00. Hektisch tippe ich eine Nachricht in mein Handy und informiere die anderen über meine missliche Lage. 16:00 Abflug, wäre zu schaffen meinen sie, wenn ich renne. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ich von Gate zu Gate renne. Sportlich, aber machbar. doch dann ändert sich die Anzeige wieder. 16:30. Oh nein! Das hieße, dass es unmöglich ist, die Maschine zu erreichen. Ich fühle mich betrogen in diesem Moment, kaue stumm auf meiner hochsteigenden Wut. „Kein Problem, die buchen dich dann eben um, kommst halt einen Tag später an“, heißt es schon. Ich fühle mich fürchterlich in diesem Moment. Wie als hätte man mich rausgeschickt. Du darfst nicht mitspielen. Ich erwäge den Gedanken überhaupt nicht erst nach Frankfurt zu fliegen. Wozu? Nur um in ein Hotel gebracht zu werden? Ein Eimer Selbstmitleid ergießt sich über meinem Kopf.
16:20 – wir können endlich an Bord der Maschine. Wie ein Roboter laufe ich den anderen hinterher, eingepackt in meine Enttäuschung. Noch sind wir immer nicht in der Luft. Bitter tippe ich meine besten Wünsche für den Flug für die anderen ins Handy. 16:45 sind wir endlich in der Luft.
Der Pilot muss den Turbo eingeschaltet haben, denn kaum hat die Business Class ihre Getränke, werden die Trolleys auch schon wieder verstaut. Keine Getränke, dafür sind wir schon im Landeanflug. Es ist 17: 25. Trotzdem, keine Chance.
Kurz über der Landebahn tue ich etwas, was eigentlich nicht erlaubt ist. Ich schalte mein Handy an. Eine Nachricht. „Die Maschine aus Halifax hat ebenfalls Verspätung“. Renn, Claudia, renn!“
Neben mir sitzt ein Mann in Pilotenuniform. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihm von meiner misslichen Lage, frage ihn wie ich am schnellsten zum Gate komme. Er schaut aus dem Fenster und erkennt die Condor-Maschine, die gerade reingeschleppt wird.
„Wenn sie jetzt erst geschleppt wird, dann dauert es noch 40 Minuten, bis es wieder losgeht meint er. 40 Minuten! Jetzt macht rennen wirklich Sinn. Ein bisschen Drama an der Passkontrolle und ich darf zügig passieren, renne weiter Richtung Terminal B. Meine schwere Kameratasche schneidet mir in die Schulter. Da, endlich! Terminal B. Keuchend komme ich ans Gate. Ich habe es geschafft. Das Boarding hat noch nicht einmal begonnen. Meine mitreisenden Bloggerkollegen freuen sich mit mir, dass ich es doch noch geschafft habe. Ich bin glücklich. Es kann tatsächlich losgehen.

bis die Zunge blau ist….

Es ist eine kurze Erntezeit, vier Wochen dauert es, bis die riesigen Felder mit Blaubeeren abgeerntet sind. Keine Sekunde habe ich gezögert, als ich gefragt wurde, ob ich nach Nova Scotia an die Ostküste von Kanada fliegen möchte, um mir das anzuschauen.
Ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen, wie das aussehen könnte. Riesige Felder mit wilden Blaubeeren, wobei das Wort „Feld“ nicht im Sinne von unserem klassischen Ackerbau her verwendet werden kann. Diese Felder sind wirklich wild. Fällt man in Nova Scotia ein paar Bäume, übernehmen die Blaubeeren das Terrain. Sobald es Licht gibt, beginnen sie zu sprießen. Mehr als 1000 Produzenten gibt es hier, die über eine Fläche von über 40.000 Hektar verfügen. Würde man die Blaubeeren auf die Einwohner Nova Scotias verteilen, so bekäme jeder um die 20 kg Blaubeeren. Die Möwen, die verrückt sind nach Blaubeeren und gerne über den Feldern kreisen, werden dabei sicher auch berücksichtigt.

Gleich am ersten Tag geht es zur Dalhousie University, der Universität für wilde Blaubeeren. Das ist eigentlich nur ein kleines, blaues Haus mitten in einem Blaubeerfeld. Dort werden mir und meinen mitreisenden Bloggerkollegen ein paar Infos zu den Blaubeeren vermittelt. Wie das funktioniert, wohin man exportiert und von welchen Größenordnungen wir hier sprechen (72 Millionen Kilogramm, 100 Millionen Umsatz in Kanadischen Dollar). Dann geht es auch schon raus aufs Feld. Es gibt sagenhaft viele verschiedene Sorten, hier „clones“ genannt. Manche sind matt mit einer samtigen Haut, andere sind glatt und tief dunkel. Größer, kleiner, hohe Fruchtdichte, weniger dicht. Die Kleinen werden besonders gerne von der örtlichen Gastroszene verlangt, da sie auf dem Teller einfach hübscher aussehen.

Als Kind schon war ich verrückt nach einem Teller frische Blaubeeren mit kalter Milch. Das konnte ich immer essen. Es ist ein ganz eigener Geschmack, den die Blaubeere präsentiert, subtil, manche kommen mit Noten von grünem Apfel daher, andere wiederum offerieren eine Erdigkeit, die nach Erde nach einem Regen schmeckt oder grasige Noten. Ich stehe auf diesem Feld und kann es irgendwie gar nicht recht glauben. Blaubeeren, überall Blaubeeren. „Das Feld hier ist eigentlich bereits abgeerntet“, meint Gary Brown. Wie das aussieht, wenn es das nicht ist, erlebe ich dann in Parrsboro, wo es nach einer köstlichen Mittagspause hingeht. Wir fahren vorbei an der Bay of Fundy, die bekannt ist für ihren unglaublich großen Tidenhub von 21 Metern. Als wir passieren sehe ich nur Sand und Boote, die herumliegen wie tote Käfer auf dem Rücken. Es gibt an einem der Aussichtspunkte einen ganz entzückenden Leuchtturm. Wenig Menschen sind hier für einen Sonntag. Das ist wunderbar.

die beste Fishchowder ever

Chowder, ich liebe Chowder. Als ich in New York lebte, konnte ich nicht genug kriegen von Mais- und Clam-Chowder. Diese cremige Suppe, die im unglücklichen Fall mehlig-klumpig und im Idealfall samtig und wundervoll ist, ist pures Soulfood. Natürlich bestelle ich mir eine Schale Fish Chowder im Harbour View Restaurant. Und sie ist wundervoll. Keine der späteren Chowders, die ich im Laufe meiner Reise noch essen werde, wird an diese Suppe herankommen. Allein für sie würde ich wieder nach Nova Scotia reisen. Der Fisch schmeckte so herrlich, war von einer so umwerfenden Frische – man sollte nicht glauben, dass das am Meer eine Selbstverständlichkeit ist, wie ich noch lerne – dass ich kurz überlege, ob ich mir noch eine Schüssel bestellen soll.

Wilde Bio-Blaubeeren

Und diese werden in einer schier unglaublichen Fisselarbeit mit der Hand sortiert. Stundenlang läuft die Sortiermaschine auf der North of Nuttby Farm, wo alles, selbst die Ernte der Beeren reine Handarbeit ist. Hier sehen wir den Garten und das Blaubeerfeld und die erste Erntemaschine, die rein mit eigener Kraft betrieben wird. Eine große Packung mit 5 Pfund Blaubeeren wird für 24 canadische Dollar verkauft, was mir alles andere als viel erscheint, angesichts der Arbeit, die man sich hier damit macht. Leider schaffen es auch diese Beeren nicht frisch nach Deutschland, dafür ist die Blaubeere einfach viel zu empfindlich, aber in gefrorenem Zustand findet man hier in Deutschland im Supermarkt viele Blaubeeren aus Nova Scotia (unbedingt danach Ausschau halten).
Ich hab sie also schon mal für euch vorgetestet und kann nur sagen – die Beeren sind wunderbar!
Und glaubt jetzt nicht, dass frisch unbedingt besser ist als gefroren. Ich musste feststellen, dass der Kälteschock, die Beeren sogar noch ein wenig aromatischer macht.

In den nächsten Berichten nehme ich euch dann mit an die wilde Küste zum Lobster, zeige euch typische Farmen für Maple Sirup und Gemüse und grille ein Flanksteak mit einer spicy Blueberry Sauce.

einen perfekten Regenbogen gab es gleich noch dazu auf der Rückfahrt aus Parrsboro

schön, nicht wahr?

so sieht es neben den Blaubeerfeldern aus. Es blüht und duftet.

ein typisches Blaubeerfeld mit „Erntekörbchen“.

Echter Blaubeersaft aus Direktpressung. Schmeckt umwerfend gut (leider teuer).

Ich glaube das war Blaubeerkuchen #2. Einer war besser als der andere…..

Riley, mein Blaubeerhund. Den hätte ich am liebsten mitgenommen. Der liebt es, durch Blaubeerfelder zu hechten und Stöckchen zu holen.

Und so sehen die Felder dann nach der Ernte im Oktober aus…. unglaublich, oder?

(C) Gary Brown

Offenlegung: zu dieser Reise wurde ich eingeladen von der Wild Blueberry Association Nova Scotia. Die Eindrücke sind meine eigenen.

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Veggie Italia –
Caponata mit Gartentomaten und Bruschetta mit weißer Bohnenpaste mit Olivenkraut und Rosmarin

Nichts ist verführerischer als ein Marktbesuch im Spätsommer. Nie sind die Marktstände praller und farbenfroher als jetzt. Ich kann mich nicht entscheiden zwischen den bunten Tomaten, den verschiedenen farbigen Auberginen, den grün-gelb gestreiften Zucchini. Ich will sie alle. Und wünsche mir im gleichen Atemzug die Zeit, all diesen wunderbaren Gemüsen gebührend zu huldigen. Ich würde gerne Tomatensauce einmachen, Auberginen einlegen, würde gerne mal wieder meine luftigen Zucchinipuffer machen. Doch wann? Noch immer lachen mich die eingemachten Bohnen vom Vorjahr an, wenn ich sie im Keller besuche.
Alle Jahre wieder habe ich meine Bestellung an Einmachgläsern platziert, die jetzt darauf warten gefüllt zu werden. Eigentlich habe ich schon gar keinen Platz mehr dafür. Letzte Nacht musste ich unbedingt noch die letzten Gurken einmachen.
Und dann waren da noch diese herrlichen Bohnen. Pinkfarben leuchteten sie mir entgegen. Ehrlich, gegen so viel Schönheit bin ich einfach machtlos. Ich will sie festhalten mit meiner Kamera und dann eine samtige Bohnenpaste aus ihnen machen. Einfache Bruschette, wie in Italien. Voller Aroma und Sonne. Dazu noch eine Caponata mit den bunten Tomaten vom Markt. Caponata kann es sowieso nie genug geben. Die Mischung aus ofengegarten Gemüsen und Tomaten, den Kapern und den Pinienkernen ist einfach Urlaub pur.
Ein kühler Rosé dazu, den Abend im Freien genießen und einfach mal alles gut sein lassen.
Seid ihr dabei?

Für Vier

Caponata
50 g Sultaninen
2 Zwiebeln
2 kleine Zucchini
1 Aubergine
2 Stangen Sellerie
1 TL getrockneter Oregano
5 EL Olivenöl
2 TL Puderzucker
40 g Pinienkerne
6 EL passierte Tomaten (Pck.)
6 EL Sherryessig
30 g Kapern, abgetropft
300 g kleine Tomaten, gerne in allen Farben
4 Zweige Basilikum
frisch gemahlener Pfeffer
Salz

Den Ofen auf 220° vorheizen.
Die Sultaninen mit 80 ml kochendem Wasser übergießen und beiseite stellen.
Die Zwiebeln abziehen und in Spalten schneiden, die Zucchini waschen und in Scheiben schneiden. Die Aubergine zuerst in dicke Scheiben schneiden und dann würfeln. Die Selleriestangen putzen und entfädeln und ebenfalls in Scheiben schneiden. Die Tomaten halbieren.
Das Gemüse (ohne die Tomaten) auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit 4 EL Öl, einer guten Prise Salz und Oregano vermengen. Den Puderzucker drüberstreuen.
Im Ofen ca. 25 Minuten braten (nach etwa 15 Minuten einmal durchmischen).
Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett rösten.
Den Essig mit den passierten Tomaten mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Olivenöl, Kapern und die eingeweichten Sultaninen mit ein wenig vom Einweichwasser dazugeben.
Das Gemüse damit vorsichtig vermengen und etwa eine Stunde ziehen lassen.
Zuletzt die halbierten Tomaten und die gezupften Basilikumblätter unterheben.

Bruschette mit Bohnenpüree
600 g Feuerbohnen
2 EL Olivenöl
2 EL Schmand
1 Zweig Rosmarin
Salz
etwas Olivenkraut
6-8 getoastete Baguettescheiben

Die frischen Bohnenkerne palen und in Salzwasser etwa 35 Minuten kochen. Abseihen und im Mixer mit dem Olivenöl, den gezupften und fein gehackten Rosmarinnadeln und dem Schmand pürieren. Mit Salz abschmecken.
Auf die getoasteten Baguettescheiben streichen und mit ein paar Zweigen des Olivenkrauts garnieren.

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Japanische Grillparty –
Rumpsteak in Gyu Dare Marinade, Sancho-Pfeffer Tomaten
und Spinatsalat mit Sesam Dressing

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Es ist soweit, ich besitze endlich einen eigenen Grill! Vorhang auf, Premierenstimmung. Das Schnuckelchen ist bereit. Über die Jahre habe ich eine schier unglaubliche Menge an Gewürzen für Rubs gesammelt, wohlwissend, dass es damit nicht ganz einfach wäre, genau das zu machen, wofür sie eigentlich gedacht sind. Zum Grillen nämlich. Ich habe sie immer mitgebracht, wenn irgendwo eine Grillparty veranstaltet wurde.
Geliebäugelt habe ich schon immer mit der „Perle aller Grills“, dem Big Green Egg. Zum ersten Mal gesehen habe ich ihn während meiner Reise nach Südafrika. Die sind ja da am Kap absolut vernarrt ins Grillen, dort Braii genannt. Ich war neugierig, denn schließlich kann man in so einem Grill nicht nur einfach nur grillen – man kann räuchern, Pizza backen und kochen.
Zuerst muss ich mich allerdings mit den Basisfunktionen auseinandersetzen. Ich und das hübsche kleine, grüne Ei müssen uns kennenlernen. Schließlich habe ich noch nie vorher an einem Grill gestanden. Reißen sich ja immer die Männer drum, was vermutlich seit Urzeiten in deren Genen so verankert ist. Wohlgemerkt, ich spreche hier nicht von Raclette Grills, die man auf den Esstisch stellt.
Feuer, richtiges Feuer. Und Holzkohle.
Jetzt bin ich ja nicht so der Typ, der sich gerne Handbücher durchliest, eher bin ich der Meinung, dass gutes Design selbsterklärend sein muss. Trotzdem habe ich mir einige Video Anleitungen auf youtube angeschaut. Für solche Anleitungen liebe ich diesen Medium. Und schließlich sollte nichts schiefgehen bei meiner Premiere.
Für mich war sofort klar, dass ich endlich einmal das machen wollte, worauf ich schon seit langer Zeit hin schmachte. Japanisch Grillen. Nicht dass die Japaner beim eigentlichen Grillprozess irgendetwas anders machen, und sie hauen auch nicht bei jeder Gelegenheit Kobe Rind auf den Grill, sie würzen das Fleisch, bereiten es mit den typischen Zutaten wie Soja Sauce, Sake und Reiswein darauf vor. Was dabei herauskommt ist einfach atemberaubend gut.

Der Geschmack von Feuer und Umami

Für dieses Gericht habe ich ein Dry Aged Roastbeef Steak vom Hereford Rind, bestes Irish Beef, verwendet. Der Geschmack dieses Fleisches überzeugt mich – hocharomatisch, mürbe und gut gereift. Zu dünn durfte es auf gar keinen Fall geschnitten sein, sondern ordentlich dick, gerne auch noch mit einem Fettrand. Das gibt Aroma. Mariniert und während des Grillens bestrichen wird es mit einer Gyu Dare Marinade, was im Japanischen einfach nur soviel wie „Rindfleisch-Sauce“ heißt. Sie besteht aus Soja Sauce, Sake, Mirin und Reisessig.
Gegrilltes Fleisch mit dem Geschmack von Holzkohle, nur gewürzt mit ein paar Meersalzflocken, an sich ist schon großartig, ein Erlebnis wird es jedoch, wenn auch diese Marinade als würzige Umami Bomben ihren Beitrag leistet. Die Aromen des Feuers verbinden sich mit der leichten Süße des Reisweins und den runden Tönen der Soja Sauce. Es ist Magie.

Auf Anhieb perfekt

Alles, was es brauchte, war ein wenig Geduld, bis der Grill die gewünschte Temperatur erreicht hatte. Hibbelig starrte ich auf das Thermometer an seiner Außenseite. Endlich. Es war soweit. 5 Minuten von jeder Seite, dann etwas ruhen lassen, nochmal bestreichen und von jeder Seite ein weiteres Mal kurz auf den gusseisernen Rost. Das Fleisch war zartrosa und von einem umwerfenden Aroma.
Dazwischen habe ich mich um die Tomaten gekümmert. Die brauchen wirklich nur ein paar Minuten, bis sie fertig sind. Und was dieser zitronige Pfeffer aus Japan mit ihnen macht, ist grandios.

Glücklich verschloss ich das Big Green Egg (MiniMax) wieder und sonnte mich im Ruhm meines ersten Grill-Erlebnisses. Oh ja – es werden noch viele folgen.

Für Vier

1,2 kg Hereford Roastbeef Rumpsteaks Dry-Aged (à 250 – 300 g)

Gyu Dare Marinade
3 EL gute Soja Sauce
2 EL Mirin
1 EL Sake
1 El Reisessig (Genmai Su)

für die gegrillten Tomaten
2 große Ochsenherztomaten
1 TL Sancho Pfeffer
1 TL Togarashi Gewürz (aus dem Asialaden)
Meersalzflocken

für den Spinat Sesam Salat
700 g Spinat
1 walnussgroßes Stück Ingwer, gerieben
1 EL Sesammus (Tahini)
1 TL geröstetes Sesamöl
2 EL Soja Sauce
eine Prise Zucker
weißer Sesam

Das Fleisch auf Zimmertemperatur bringen.
Die Marinade anrühren und das Fleisch damit bestreichen. Etwa eine Stunde ruhen lassen.

Die Tomaten in dicke Scheiben schneiden.

Den Spinat waschen und nass mit einer Prise Salz in einen Topf geben und bei mittlerer Hitze zusammenfallen lassen. Abgießen und abtropfen lassen und vorsichtig auspressen.
Das Dressing für den Salat anrühren und mit dem Spinat vermischen. Mit Sesam bestreuen.

Den Grill auf 170° anheizen.

Das Fleisch von jeder Seite 5 Minuten grillen, vor dem Wenden wieder mit der Marinade bestreichen.
Auf einem Teller kurz ruhen lassen.

In der Zwischenzeit die Tomaten auf den Grill legen, mit Salz, Sancho Pfeffer und Togarashi Gewürz bestreuen und etwa 1 Minute auf jeder Seite grillen.

Das Fleisch noch einmal für ein paar Sekunden auf den Grill legen, dann in Scheiben schneiden und mit den Tomaten und dem Spinat anrichten.

*Hinweis: der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Irish Beef und Big Green Egg. Im Artikel werden die Produkte genannt und die Webseiten der Kooperationspartner verlinkt.

 

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Social cooking – Essen ist das stärkste soziale Medium
Fünf Nationen an einem Tisch und Wildkräuterknödel mit Tomaten-Zimt Sauce

„Food is the strongest social media“, diesen Satz habe ich von Alex Atala. Bestimmt hat auch dieser großartige Koch aus Sao Paulo, den ich kennenlernen durfte, diese Aussage nicht selbst erfunden, doch das macht sie nicht weniger wahr. Er hat Recht, denn nichts bringt Menschen mehr zusammen, als ein gemeinsames Essen. Noch schöner ist es, wenn man es gemeinsam kocht.
Genau das war der Plan. Gemeinsam kochen mit den Girls vom MAMoo.

Das alles hat natürlich auch eine Vorgeschichte. Als ich im vergangenen Jahr den Food Blog Award gewinnen durfte, bekam ich unter anderem einen Gutschein für Lebensmittel geschenkt. Der Gutschein war großzügig und meine Freude darüber groß. Vielleicht teile ich dieses Gefühl mit anderen Menschen, dass, wenn mir etwas wirklich Großartiges widerfährt, ich das Bedürfnis habe, der Welt etwas davon zurückzugeben. Und da kam Tatendrang, die Agentur für ehrenamtliches Engagement und der Internationale Bund ins Spiel. Ich meldete mich dort und erklärte, dass es mein großer Wunsch sei, mit diesem Gutschein, einer sozialen Einrichtung in München eine Freude zu machen. Und Tatendrang vermittelte mich an eine Schutzstelle für Flüchtlingsmädchen. Die durften sich bestellen, was sie wollten und mit diesem Gutschein ihr Weihnachtsfest ausrichten. Ich bekam eine wunderbare Dankeskarte. Ich hatte diesen Mädchen eine Freude gemacht und das wiederum machte mich glücklich.
Doch damit war die Verbindung zum Internationalen Bund noch nicht vorbei und der Kontakt mit meiner Ansprechpartnerin Judith blieb erhalten. Eine von uns beiden hatte die Idee, dass es doch toll wäre, einmal gemeinsam zu kochen. Vielleicht in einer Einrichtung, wo die Mädchen, eigentlich junge Damen, schon etwas älter sind. Ich sagte zu. Ich steckte mitten in der heißen Phase meines Buches und war dankbar um jede Minute, die ich mir freischaufeln konnte, um mich diesem zu widmen. Es wurde April, es wurde Mai und auch der Juni verging wie im Flug. Dann hatten wir endlich einen Termin gefunden.

Was ist das MAMoo?

Das MAMoo bietet für Mädchen und junge Frauen Wohneinrichtungen an, wo sie in größtmöglicher Eigenständigkeit und dennoch mit der Option sozialpädagogischer Betreuung leben können. Auch junge Frauen aus Flüchtlingsländern leben hier. Die angebotene sozialpädagogische Begleitung umfasst im Wesentlichen die schulische/berufliche Unterstützung und bei der gesellschaftlichen Integration. Sie endet mit dem Umzug in die Selbständigkeit.
Soviel wusste ich also vorab. Wem ich dort begegnen würde … ich hatte keine Ahnung.

Let’s cook!

Allein die Auswahl, was wir gemeinsam kochen wollen, stellt mich vor eine Herausforderung. Ich will nicht komplett daneben liegen. Vegetarisch ist da schon mal ganz gut. Und gerne mit regionalem Bezug, aber auch mit ein paar mediterranen Aromen. Einfach, raffiniert und für eine größere Menge geeignet. Ich entscheide mich für kleine Knödel mit Wildkräutern mit einer Sauce aus frischen Marzano Tomaten und Parmesan in der Hoffnung, dass keine Glutenunverträglichkeit diesen Plan gleich scheitern lassen sollte. Dazu noch einen Salat.
An eine mögliche Laktose-Intoleranz habe ich natürlich nicht gedacht, doch auch lakto-freie Milch ist schnell noch besorgt. Anfangs sind wir nur zu viert, zwei junge Frauen, eine Betreuerin und Judith, die ich jetzt endlich einmal persönlich kennenlernen darf. Geplant war für zehn Personen. Doch dann kommen immer mehr dazu – eine junge Frau aus Afghanistan, eine Somali, es wird immer vielfältiger. Gemeinsam rollen wir die kleinen Knödel, hacken Kräuter, hobeln Käse und unterhalten uns über alles Mögliche. Und ja, es gab auch nachdenkliche Momente, dann, als die junge Frau aus Afghanistan mir von ihrer Flucht erzählte. Doch dann lachen wir auch alle wieder.

Sie waren alle wunderbar diese jungen Damen (und verrückt nach meinem kanadischen Ahornsirup)! Ich hatte einen so fantastischen Abend mit ihnen. Und meine Sorge, dass alles viel zu viel sein würde, war völlig unbegründet.

Wie machst du das mit der Salatsauce?

Genau dafür habe ich den Ahorn Sirup mitgebracht. Eine gute Salat Sauce braucht etwas Süße und dafür nehme ich gerne Ahornsirup. Was für Kräuter ich nehme, wollen sie wissen. Ich erkläre die Wildkräuter, die in die Knödel wandern.
„Krass, da sind ja auch Blumen drin!“
Ja genau, in einem guten Wildkräutersalat sind meistens auch Blüten drin. Es gibt viele Blüten, die man essen kann. Gibt es Einwände, wenn Knoblauch in die Sauce kommt, frage ich. Auf gar keinen Fall. Knoblauch darf gerne viel und reichlich sein.

Die Tomatensauce ist der Hammer!

Tomatensauce mit etwas Zimt, Baharat und gedünsteten Zwiebeln. Das ist alles. Im Topf sanft geschmolzen. Sie ist als erstes verputzt. Immer wieder werden die Teller aufgefüllt, alles wird mit Begeisterung aufgegessen. Allen schmeckt es.
In diesem Moment sitze ich in einer Kapsel aus Glück. Ich sehe alles, bin mittendrin und doch sehe ich diesen wunderbar großen Tisch aus einer höheren Perspektive. Ich genieße diesen Moment.
Diese fabelhaften jungen Frauen haben mir mit ihrer Begeisterung viel mehr mitgegeben, als was ich in drei Tüten angeschleppt habe.

Er ist also einfach wahr dieser Satz. Nichts verbindet mehr, als ein gemeinsames Essen. Probiert das einfach mal aus. Kocht mit Menschen, die ihr noch nie im Leben zuvor gesehen habt. Esst gemeinsam. Die Gespräche kommen von ganz allein.

Wildkräuterknödel mit Tomaten-Zimt Sauce und Parmesan

Für Vier
500 g Knödelbrot
ca. 400 ml lauwarme Milch
2 Handvoll Wildkräuter
1 Schalotte
1 El Butter
2 Eier (Größe M)
Salz, Pfeffer
evtl. noch 2 – 3 El Semmelbrösel

Tomaten-Zimt Sauce
500 g Kirschtomaten
2 Schalotten, feingehackt
2 Knoblauchzehen
1 TL Zucker
½ TL Zimt
½ TL Baharat (arabische Gewürzmischung)
Salz, Pfeffer

50 g frisch geriebener Parmesan

Für die Knödel das Knödelbrot in eine große Schüssel geben und mit der Milch begießen und ziehen lassen. Die Schalotte fein hacken und in der Butter glasig dünsten. Zusammen mit den Wildkräutern und Eier dazugeben und mit den Händen vermischen.
Mit feuchten Händen tischtennisballgroße Knödel formen.

Einen großen Topf mit Salzwasser zum Sieden bringen und die Knödel darin etwa 12 Minuten sieden lassen, bis sie an die Oberfläche aufsteigen.

Für die Sauce die Kirschtomaten halbieren. In einem breiten Topf das Öl erhitzen und die gehackten Schalotten darin andünsten. Die Tomaten dazugeben und bei mittlerer Hitze schmelzen lassen. Zucker dazugeben. Sobald die Tomaten geschmolzen sind, die Gewürze dazu geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Knödel mit der Sauce servieren und Parmesankäse drüberstreuen.

Hinweis: Agenturen für freiwilliges Engagement wie Tatendrang gibt es in jeder größeren Stadt. Einfach mal nachfragen!

Fotocredits: alle Fotos (c) Magdalena Jooß

Danke liebe Magdalena für die wunderbaren Fotos!

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