Food & Fashion

„Wow“, Fausto ist begeistert. Bei diesem „Wow“ neigt sich sein Oberkörper leicht nach hinten, die Unterarme werden dabei nach außen gedreht. So ein „Wow“ ist das. Fausto ist Stylist und hat mir soeben ein hautenges schwarzes Kleid mit einem aus Pailletten bestickten Schwertfisch darauf verpasst. Davor war es ein golden glänzender Faltenrock mit einem Strickoberteil. Das sei aber zu warm für die Party am Abend. Richtig, hier in Mailand ist es warm. Und wie das hier schon alles vermuten lässt, soll ich heute Abend glitzern. Das ist schließlich Faustos Job. Mich glitzern zu lassen. Nebenbei schiebt er mir noch die Karte eines Freundes zu. Arbeitet bei La Rinascente in der Kosmetikabteilung, bei Dolce & Gabbana. Der könnte mir mit dem spektakulären Make-up behilflich zu sein. Die Zeit rennt.

Ich bin in Mailand zur Fashion Week, weil ich dieses Hiersein gewonnen habe. Die italienische Modemarke Marina Rinaldi hatte zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Ich habe geschrieben. Ganze mondäne 140 Wörter war meine Geschichte lang. Länger durfte sie auch nicht sein. Und ich habe gewonnen. Ein Wochenende in Mailand habe ich gewonnen, Flug, Hotel und Teilnahme am Fashion Event des Hauses. Dazu noch Stylingberatung und ein Einkaufsgutschein. Und genau darum geht es gerade, während ich mich wieder aus meinem Schwertfischkleid schäle. Schließlich soll ich beeindrucken heute Abend. Mehr Kleider werden angeschleppt. Am liebsten sähe er mich in einer Lederjacke mit Spitzenrock und schweren Bikerstiefeln. Wäre dieser Event im Winter, könnten wir durchaus über diese Option reden, doch es ist nicht Winter, draußen hat es immer noch über 20°. Er wedelt mit einem Lurexkleid in herbstlichen Farben vor mir. Dann bringt seine Kollegin ein langes schwarzes transparentes Kleid übersät mit glitzernden Pünktchen (mit Unterkleid natürlich). Wieder verziehe ich mich artig in meine Kabine um es anzuprobieren. Und dieses Mal gibt es sogar Applaus. Das, genau das sei es. Mein Kleid. Dazu eine lange, leichte Jacke (zu dumm aber auch, dass es zu warm ist für die gefütterte Lederjacke).

Mit einer großen Tüte verlasse ich den Laden und wäre es nach Fausto gegangen, wäre ich jetzt um einige tausend Euro ärmer. Er hat nur seinen Job gemacht (und das gut) aber die Vernunft siegte.

Es glitzert… und kein Essen in Sicht

Den ganzen Tag hatte ich bis auf eine Piadina, eine Art Sandwich, noch nichts gegessen und ich war voller Hoffnung, dass es beim Event Abends etwas Feines gäbe. Schließlich müssen sie hier auch mal was essen. Dachte ich. Zeit für Dolce & Gabbana war natürlich auch nicht mehr. Tick, Tack… bald beginnt die Show. Heißt also selber ran an die Pinsel.

Mailand um diese Jahreszeit muss man mich so vorstellen, dass die Stadt bevölkert ist mit einer ganz besonderen Sorte Menschen. Menschen, die auffallen wollen um jeden Preis. Und damit meine ich jeden Preis. Zumindest die Füße leiden am allermeisten. Wer hier keine mörderisch hohen Stilettos trägt, ist raus aus dem Spiel. Ich trage Boots, damit komme ich durch. Geht um die Aussage. Fashionmäßig.

Mein Magen hängt kurz nach 18:00 Uhr, wo der Event beginnen soll, mir bereits auf Kniehöhe. Neben mir hält ein Großraumtaxi mit sehr sorgfältig gestylten Damen. Natürlich alle in der Garderobe von Marina Rinaldi. Mein Kleid ist dummerweise auch dabei. Doch das wird nicht das letzte Mal sein, dass es mir an diesem Abend begegnet.

Der Event findet in einem kleinen Theater statt. Auf der Bühne posieren einige Models als würden sie gerade fotografiert. Dann erscheint die Ikone des Abends. Ashley Graham. Das Testimonial der Marke. Und das sicher berühmteste Model mit Kurven. Vermutlich war ich die einzige, die sie noch nicht kannte. Ashley ist eine wunderschöne Frau, anmutig mit fabelhaften Kurven. Der Saal applaudiert frenetisch.  Ich halte mich derweil an meinem dritten Glas Prosecco fest und meine Gedanken kreisen um die quälende Frage, wo denn nun endlich das Buffet aufgebaut wird. Natürlich wird es kein Buffet geben. Kleine Windbeutel mit einer Garnelenpaste müssen reichen. Die sind so schlecht, dass ich es freiwillig sein lasse.

Ashley Graham, die Ikone, und ich

Es geht hier ja auch nicht ums Essen, Claudia! Das habe ich spätestens jetzt auch kapiert. Und mal ehrlich, wer will schon ein Canapée, wenn man ein Selfie mit Ashley Graham haben kann? Wie kann man nur an einen Teller mit Nudeln denken, wenn die Fashionblogger hier grad ausflippen. Es sei ihnen ja gegönnt.

Und dann stehe auch ich neben dieser Ikone mit den ausladenden Kurven. Sie nimmt mich ganz bezaubernd in den Arm, lächelt, ein Fotograf geht auf die Knie und zack! –  das wars. Mein Moment mit Ashley Graham.

Fabiana, die Siegerin aus Italien, die ich schon am Nachmittag im Shop kennengelernt habe, will auf jeden Fall danach noch was Essen gehen. Mir ist alles recht. Zwei Stunden später trotte ich ergeben hinter ihr und ihren Freunden her. Hauptsache Essen. Sogar das so ziemlich mieseste Sushi meines Lebens konnte an diesem glücklichen Frieden nichts mehr ändern.  Sitzen. Endlich sitzen.

Das mit dem Essen musste also noch ein wenig länger warten. Bis zum kommenden Mittag. Dann endlich saß ich im Ratanà, einem fabelhaften Restaurant, das ich schon vor zwei Jahren, als ich zur Expo hier war, besucht hatte. Zum Rindermark gab es frisch geröstetes Brot und einen Salat aus Gartenkräutern, danach luftige Gnudis, Ricotta Klößchen, mit Petersilienpesto und Sonnenblumenkernen.  Ich gönnte mir einen biodynamischen Wein. Obvius Giallo IGT 2016 von Salcheto, ungefiltert und aus der südlichen Toskana. Sehr harmonisch zu meinen fluffigen Ricotta Klößchen.

Was Fashion mit Food gemeinsam hat

So einiges. Auch wenn ich glaubte, mich hier auf fremdem Terrain zu bewegen, so gibt es hier doch immens viele Parallelen. Modeerscheinungen – kennen wir doch alle. Auch beim Essen. Jeder rennt grade den Poké Bowls hinterher, als gäbe es kein Morgen. Trends? Natürlich. Auch beim Essen gibt es Trends. Und schließlich kann jeder selbst entscheiden, ob es nun die Besinnung auf das ganze Tier oder die ganze Pflanze ist, oder eben ein Pulli mit einem kraftvollen Motto vorne drauf. Ob die Röcke kurz oder lang sind, ob Tahini, Cashewmus und Miso in keiner Küche fehlen dürfen, ob wir wie wild fermentieren oder Lederjacken zu schwingenden Kleidchen tragen. Immer wird es Trends geben. Egal ob die Vorboten nun Heston Blumenthal oder Tom Ford heißen. Und wir brauchen sie, diese Trends. Sie erhalten den Fluss aus ständigen Neu- und Wiederfinden am Fließen.  Sie inspirieren uns und wir folgen ihnen. Foodfotografie wird plötzlich dunkel und mystisch? Yeah! Graue Haare sind plötzlich hip? Gleich nochmal Yeah!

Das Rad dreht sich eben nicht nur um Smoothies, Poké Bowls und Low Carb. Es dreht sich immerzu. Auch, und seit jeher, genauso um die Mode. Jeder kann sich seine Spielwiese aussuchen.

Meine ist und bleibt die Küche. Das Glitzerkleid kann ich trotzdem gut brauchen. Schließlich kann man auch auf Dinner-Events glänzen. Dort ist die Gefahr dann auch geringer, dass die Damen am Tisch das gleiche Kleid tragen.

· 1 Kommentare ·

Tagged: , , ,

in auswärts essen & events, Italien, kulinarische Reisen, Mailand

Eingemachte Zitronengurken aus Nova Scotia und warum Farmfood dort immer eine gute Wahl ist

Zuhause gingen die Vorräte an gutem Maple Sirup bereits zur Neige. Ein Zustand, der mich ein wenig nervös macht und ich kann nicht genau sagen, warum mir das Maple Sirup, das man hier bekommt, nie diese Befriedigung verschafft hat, wie jenes aus Kanada. Keiner hier weiß, aus welcher Phase der Ernte, die im März beginnt und im September endet,  das Sirup genau stammt. Dass der Zeitpunkt einen ganz erheblichen Einfluss auf den Geschmack und die Farbe hat, lernte ich erst dort. Späte Ernte ist dunkler. Der Zucker reagiert ganz anders. Das erklärt uns Quita Gray von der Sugar Moon Farm als sie uns die großen Kessel zeigt, in denen der Sirup gekocht wird. Am Anfang ist es ein fast klares Wasser. Das dann aber durch den Kochprozess immer konzentrierter und köstlicher wird. Mittlerweile wird auch der reine Saft verkauft. Der ist dabei, dem so gehypten Kokoswasser zumindest in Nordamerika den Rang abzulaufen. Sehr gesund, kalorienarm, doch weitgehend geschmacksneutral. Kaum zu glauben, dass daraus einmal ein richtig guter Ahornsirup entstehen kann.

Sugar Moon Farm Frühstück

Wer anhand der GPS Koordinaten die Sugar Moon Farm mitten in den Wäldern Nova Scotias findet, der darf sich freuen, denn das Frühstück, welches sie dort servieren ist grandios. Angefangen mit einem „Detox“ Drink – heißes Wasser mit Zitronensaft, Maple Sirup und Chili – kann man lustvoll in einen Kaffee mit Maple Sahne eintauchen, schmiert sich Ahornbutter auf frisch gebackene Bisquits, während man im Duft von frisch gebratenem Speck auf seine Pfannkuchen mit Blaubeeren, Speck und Sirup wartet. Das mit dem heißen „Detox“ Saft dürfte so ziemlich das einzig wirklich gesundheitszuträgliche auf der Karte sein, doch das interessiert keinen. Es schmeckt einfach großartig, wen kümmert es da, dass es kein Müsli gibt. Hier regiert der Pfannkuchen.

Bevor wir dann wirklich hinausgehen um endlich mal auch einen echten „Sugar Maple Tree“ zu sehen. Der Name Sugar Moon hat übrigens auch eine Bedeutung. Es ist der Name des ersten Vollmonds während der ersten Maple Sirup Ernte.

nicht grade ein leichtes Frühstück, aber Pfannkuchen mit Sahne, Ahorn Sirup, Blaubeeren und Speck sind einfach soo gut.

Eindrücke von der Sugar Moon Farm mitten in den Wäldern

Der Hofladen mit den schönen Gurken

Wieder sind wir irgendwo im Nirgendwo, wieder gibt es nur Koordinaten, doch unser Koch Alain bringt uns auf eine Farm, wo er gerne sein Gemüse kauft. Alles ist Bio und alles sieht sehr gut aus. Die Kräuter darf man sich gleich selbst aus dem Kräuterbeet abschneiden. Hier entdecke ich die gelben runden Gurken. Neben den gelben Wachsbohnen und den mexikanischen Mini-Gurken. Gelbe runde Gurken, die ich unbedingt haben muss. Es heißt, sie schmecken frisch und sehr fruchtig. Es hat einen Grund, weswegen ich immer mit dem größten Koffer reise, der meist nur zu zwei Drittel gefüllt ist. Ich brauche Platz für all die Sachen, die mitnehmen will. Und dazu gehören die gelben Gurken. Ein Acorn Squash, ein Eichelkürbis, darf auch noch mit. Der Eichelkürbis ist hier auch schwer zu bekommen. Bei den Gurken ist mir sofort klar, dass ich sie einmachen werde. Mit etwas Fenchelkraut, Zitrone und Senfkörnern. Es reicht genau für zwei Gläser.

Man kann ja viel von einer Reise mitbringen und während meine lieben Bloggerkollegen stolz ihre exotischen „Sprinkels“, Kuchen und Cup Cake Toppings, zeigen, streichle ich eben meine runden Gurken.

Vorsichtshalber habe ich einige Kerne zum Trocknen aufgehoben, ich bin zwar denkbar untalentiert in der Aufzucht kleiner Pflänzchen, aber vielleicht gebe ich sie vertrauensvoll in die Hände eines versierten Gärtners. Denn eines ist sicher – die Welt kann nicht genug wunderbar eingemachte Gurken haben.

Blaubeer Pfannkuchen, Bete, ein Sugar Ahorn, Kaffee Mit Maple Sahne, die Liste der Austern Farm, eine Raupe auf dem Ahorn Baum, Holz zum Anheizen der Kessel, wo der Sirup gekocht wird, ein Café an einem Bahnhof und die Blätter des Ahorm Baums

Minigurken und natürlich Blueberries

die köstlichen Zitronen Gurken

 

Gepickelte Zitronengurken

Für zwei Gläser à 400 ml (Einmachgläser mit Gummiring und Klammern)

500 g Zitronengurken
75 ml naturbelassenes Meersalz (ohne Jod und Rieselhilfen)
Schale von einer halben Bio Zitrone
insg. 2,3 Liter Wasser
1 ¼ L weißer Tafelessig
150 g Rübenzucker
1 EL gelbe Senfkörner
1 TL Voatsiperifery Pfeffer
1 TL Kurkumapulver
2 Dolden Fenchelblüten
4 Kardamom Kapseln
4 Sternanis

Die Gurken in ca. 1cm dicke Scheiben schneiden und in eine Schüssel legen.
Das Salz mit 1,5 Litern Wasser mischen und über die Gurken gießen. 3 Stunden an einem nicht zu warmen Platz ziehen lassen.
Die Gurken in ein Sieb gießen, mit Wasser abspülen und abtropfen lassen. Die Salzlake wird nicht mehr benötigt.
In einem großen Topf 700 ml Wasser mit 700 ml Essig mischen und aufkochen lassen. Die Gurken und die Zitronenschale hineingeben und etwa 6 Minuten leicht köcheln lassen. Abgießen, die Flüssigkeit wird nicht mehr gebraucht.
In dem Topf wieder 300 ml Essig mit 150 ml Wasser mischen, den Zucker und die Gewürze dazugeben, aufkochen lassen. Die Temperatur zurückschalten und etwa 5 – 7 Minuten köcheln lassen.
Den Ofen auf 170° vorheizen.
Währenddessen die Gurkenscheiben in die vorbereiteten* Einmachgläser füllen (nicht zu fest) und mit der Einmachflüssigkeit begießen (bis etwa 3 Fingerbreit unter den Rand).
Mit Gummi und Klammern verschließen.

Ein tiefes Backblech mit einer Doppellage Küchenkrepp auslegen, die Gläser daraufstellen und etwa 2 Fingerbreit hoch Wasser einfüllen.
Im Ofen einwecken. Dazu warten bis in den Gläsern kleine Bläschen aufsteigen (jetzt werden die Gurken haltbar gemacht). Sobald die Bläschen aufsteigen die Gläser noch etwa 15 Minuten im Ofen lassen, dann vorsichtig herausnehmen und auskühlen lassen.
Angebrochene Gläser im Kühlschrank aufbewahren.

· 0 Kommentare ·

Tagged: , , ,

in Eingemachtes, Kanada, kulinarische Reisen, Nordamerika, Nova Scotia, Rezepte

Nova Scotia – ans Meer, dort wo es einsam ist und wo es frischen Lobster gibt…

Schönsein bei Sonnenschein kann jede Landschaft. Doch bei bedecktem, grauem Himmel offenbart sich die wahre, raue Schönheit, dann wenn der Horizont sich auflöst im Nebel, wenn die Farben düster werden. Wenn alles einen morbiden Charme bekommt.
Drei Tage strahlte die Sonne in Nova Scotia, die Blaubeeren leuchteten in den Feldern, doch dann schlug das Wetter um. Genau an jenem Tag, als es an die Küste Richtung Peggys Cove ging. Bestimmt wäre es auch zauberhaft gewesen bei Sonnenschein auf den großen, flachen Steinen zu sitzen, die Wärme dieser Steine zu spüren und das Kribbeln des Lichts auf der Haut zu spüren, doch bei grauem Himmel offenbart dieser Ort seine wirklich Magie. Alte Fischerboote liegen im Wasser, überall findet man alte Reusen, die dazu dienten die Lobster zu fangen, die leuchtend roten Hagebutten sind die einzigen Farbkleckse und das Ufer ist zwischen den Steinen gesäumt von Doldenblüten in gedämpften Farben.

Es gibt hier zu wenig Menschen

Damit sind nicht die Touristen gemeint, die tagein tagaus diesen Ort besuchen. Sie laufen über die Felsen, kaufen Andenken in den Souvenirläden und dann fahren sie wieder weiter. Was damit gemeint war, und wohlgemerkt, diese Aussage stammt nicht von mir, sondern von einem der hier lebt, ist, dass zu wenig Menschen hier in dieser Region leben. Die Jungen zieht es in die Städte. Die Gegend braucht aber genau sie. Und vielleicht ist das auch einer der Gründe, weswegen ich mich hier ein wenig fühle, als habe die Zeit angehalten. Überall auf der Welt haben es ländliche Regionen nicht gerade leicht. In Japan werden Familien, die bereit sind aufs Land zu ziehen ganz besonders gefördert.
Während ich aufs Wasser starre, stelle ich mir die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, hier so abgeschieden zu leben. Vielleicht würde ich meine eigenen Lobster fangen. Vielleicht würde das genügen. Sehr wahrscheinlich würde es das aber nicht.

 

Lobster Galore

Mein Ziel war es, jeden Tag in Nova Scotia Lobster zu essen. Ich hänge hinterher. Es gab Blaubeeren, Scallops, Pancakes, frittierten Haddock und Sandwiches. Aber keinen Lobster. Kaum bin ich hier in Peggys Cove, ist für mich sofort klar – hier muss ich Lobster essen. Fangfrischer Lobster in einem luftigen Brötchen, das mit flüssiger Butter bestrichen und dann getoastet ist, mit etwas selbstgemachter Mayonnaise und vielleicht noch ein bisschen frisch gemahlenem Pfeffer. Dazu einen Krautsalat und ein Gürkchen.
Das kleine rote Haus am Ortsanfang lockt mit seinen Lobster Rolls. Es ist verdammt lang her, dass ich eine gute Lobster Roll hatte. Ganz klar, ich muss jetzt und sofort eine probieren. Ich setze mich an einen der kleinen Tische vor dem Haus und warte geduldig auf meine Lobster Roll. Ich habe Zeit. Hier am Meer hat man immer Zeit. Doch lange muss ich nicht warten, bis die freundliche Dame mir meine „Classic Lobster Roll“ reicht. Üppig belegt mit richtig viel Lobster. Diese Roll ist pures Vergnügen. Eindeutig, es hat sich gelohnt, nicht im Hotel zu frühstücken.
Doch dass es noch besser geht, das lerne ich kurze Zeit später als wir, mit wir meine ich wunderbaren Blogger-Buddies* die mich auf dieser Reise begleiten, in einem kleinen Fischerort in ein eher unspektakuläres Restaurant kommen. Hier kommen die Einheimischen her, wenn sie guten Lobster wollen. Und das Lobster-Sandwich, das ich mir bestellt hatte, toppt alles bisher gegessene. Der Lobster ist noch aromatischer, noch raffinierter gewürzt. Er ist einfach umwerfend. Wen juckt es da, dass es ein wenig regnet, es gibt ja schließlich Schirme und man kann weiter dabei aufs Wasser schauen.

Ich habe mich in diese karge Landschaft verliebt, in die Holzhäuschen und das ruhige Meer. Und während ich das schreibe, muss ich daran denken, wie grandios es wäre, jetzt nochmal in so ein gegrilltes Lobster Sandwich zu beißen. Wenn ich mich anstrenge, dann kann ich es noch ein bisschen schmecken.

 

Adressen:
Shaws Landing (bestes Lobster Sandwich)
6958 Peggys Cove Road, West Dover, NS B3Z 3S8, Kanada
auf Facebook: Shaws Landing

Maritime Pasty Co.
110 Peggys Point Rd, Peggys Cove, NS B3Z 3S2, Kanada
auf Facebook: Lobster Lane & Dee Dee’s Icecream

 

Offenlegung: zu dieser Reise wurde ich eingeladen von der Wild Blueberry Association Nova Scotia. Die Eindrücke sind meine eigenen.

· 2 Kommentare ·

Tagged: , , , ,

in Kanada, kulinarische Reisen, Nordamerika, Nova Scotia

My Blueberry Days in Nova Scotia – wilde Blaubeeren soweit das Auge reicht und ein ziemlich turbulenter Reiseauftakt

Ich werde den Flieger nach Halifax nicht schaffen. Ganz sicher werde ich ihn nicht schaffen. Ich sitze in München und starre auf die Anzeige. Um 15:00 hätte der Flug nach Frankfurt starten sollen. Angezeigt wird nur, dass er verspätet ist. Wieviel? Keine Angabe.
Ich habe in Frankfurt genau 90 Minuten um meine Maschine nach Halifax zu erreichen und diese Zeit dezimiert sich zusehends. Noch immer ist das Flugzeug aus Frankfurt nicht in München eingetroffen. Dann heißt es plötzlich kurz nach 16:00. Hektisch tippe ich eine Nachricht in mein Handy und informiere die anderen über meine missliche Lage. 16:00 Abflug, wäre zu schaffen meinen sie, wenn ich renne. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ich von Gate zu Gate renne. Sportlich, aber machbar. doch dann ändert sich die Anzeige wieder. 16:30. Oh nein! Das hieße, dass es unmöglich ist, die Maschine zu erreichen. Ich fühle mich betrogen in diesem Moment, kaue stumm auf meiner hochsteigenden Wut. „Kein Problem, die buchen dich dann eben um, kommst halt einen Tag später an“, heißt es schon. Ich fühle mich fürchterlich in diesem Moment. Wie als hätte man mich rausgeschickt. Du darfst nicht mitspielen. Ich erwäge den Gedanken überhaupt nicht erst nach Frankfurt zu fliegen. Wozu? Nur um in ein Hotel gebracht zu werden? Ein Eimer Selbstmitleid ergießt sich über meinem Kopf.
16:20 – wir können endlich an Bord der Maschine. Wie ein Roboter laufe ich den anderen hinterher, eingepackt in meine Enttäuschung. Noch sind wir immer nicht in der Luft. Bitter tippe ich meine besten Wünsche für den Flug für die anderen ins Handy. 16:45 sind wir endlich in der Luft.
Der Pilot muss den Turbo eingeschaltet haben, denn kaum hat die Business Class ihre Getränke, werden die Trolleys auch schon wieder verstaut. Keine Getränke, dafür sind wir schon im Landeanflug. Es ist 17: 25. Trotzdem, keine Chance.
Kurz über der Landebahn tue ich etwas, was eigentlich nicht erlaubt ist. Ich schalte mein Handy an. Eine Nachricht. „Die Maschine aus Halifax hat ebenfalls Verspätung“. Renn, Claudia, renn!“
Neben mir sitzt ein Mann in Pilotenuniform. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihm von meiner misslichen Lage, frage ihn wie ich am schnellsten zum Gate komme. Er schaut aus dem Fenster und erkennt die Condor-Maschine, die gerade reingeschleppt wird.
„Wenn sie jetzt erst geschleppt wird, dann dauert es noch 40 Minuten, bis es wieder losgeht meint er. 40 Minuten! Jetzt macht rennen wirklich Sinn. Ein bisschen Drama an der Passkontrolle und ich darf zügig passieren, renne weiter Richtung Terminal B. Meine schwere Kameratasche schneidet mir in die Schulter. Da, endlich! Terminal B. Keuchend komme ich ans Gate. Ich habe es geschafft. Das Boarding hat noch nicht einmal begonnen. Meine mitreisenden Bloggerkollegen freuen sich mit mir, dass ich es doch noch geschafft habe. Ich bin glücklich. Es kann tatsächlich losgehen.

bis die Zunge blau ist….

Es ist eine kurze Erntezeit, vier Wochen dauert es, bis die riesigen Felder mit Blaubeeren abgeerntet sind. Keine Sekunde habe ich gezögert, als ich gefragt wurde, ob ich nach Nova Scotia an die Ostküste von Kanada fliegen möchte, um mir das anzuschauen.
Ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen, wie das aussehen könnte. Riesige Felder mit wilden Blaubeeren, wobei das Wort „Feld“ nicht im Sinne von unserem klassischen Ackerbau her verwendet werden kann. Diese Felder sind wirklich wild. Fällt man in Nova Scotia ein paar Bäume, übernehmen die Blaubeeren das Terrain. Sobald es Licht gibt, beginnen sie zu sprießen. Mehr als 1000 Produzenten gibt es hier, die über eine Fläche von über 40.000 Hektar verfügen. Würde man die Blaubeeren auf die Einwohner Nova Scotias verteilen, so bekäme jeder um die 20 kg Blaubeeren. Die Möwen, die verrückt sind nach Blaubeeren und gerne über den Feldern kreisen, werden dabei sicher auch berücksichtigt.

Gleich am ersten Tag geht es zur Dalhousie University, der Universität für wilde Blaubeeren. Das ist eigentlich nur ein kleines, blaues Haus mitten in einem Blaubeerfeld. Dort werden mir und meinen mitreisenden Bloggerkollegen ein paar Infos zu den Blaubeeren vermittelt. Wie das funktioniert, wohin man exportiert und von welchen Größenordnungen wir hier sprechen (72 Millionen Kilogramm, 100 Millionen Umsatz in Kanadischen Dollar). Dann geht es auch schon raus aufs Feld. Es gibt sagenhaft viele verschiedene Sorten, hier „clones“ genannt. Manche sind matt mit einer samtigen Haut, andere sind glatt und tief dunkel. Größer, kleiner, hohe Fruchtdichte, weniger dicht. Die Kleinen werden besonders gerne von der örtlichen Gastroszene verlangt, da sie auf dem Teller einfach hübscher aussehen.

Als Kind schon war ich verrückt nach einem Teller frische Blaubeeren mit kalter Milch. Das konnte ich immer essen. Es ist ein ganz eigener Geschmack, den die Blaubeere präsentiert, subtil, manche kommen mit Noten von grünem Apfel daher, andere wiederum offerieren eine Erdigkeit, die nach Erde nach einem Regen schmeckt oder grasige Noten. Ich stehe auf diesem Feld und kann es irgendwie gar nicht recht glauben. Blaubeeren, überall Blaubeeren. „Das Feld hier ist eigentlich bereits abgeerntet“, meint Gary Brown. Wie das aussieht, wenn es das nicht ist, erlebe ich dann in Parrsboro, wo es nach einer köstlichen Mittagspause hingeht. Wir fahren vorbei an der Bay of Fundy, die bekannt ist für ihren unglaublich großen Tidenhub von 21 Metern. Als wir passieren sehe ich nur Sand und Boote, die herumliegen wie tote Käfer auf dem Rücken. Es gibt an einem der Aussichtspunkte einen ganz entzückenden Leuchtturm. Wenig Menschen sind hier für einen Sonntag. Das ist wunderbar.

die beste Fishchowder ever

Chowder, ich liebe Chowder. Als ich in New York lebte, konnte ich nicht genug kriegen von Mais- und Clam-Chowder. Diese cremige Suppe, die im unglücklichen Fall mehlig-klumpig und im Idealfall samtig und wundervoll ist, ist pures Soulfood. Natürlich bestelle ich mir eine Schale Fish Chowder im Harbour View Restaurant. Und sie ist wundervoll. Keine der späteren Chowders, die ich im Laufe meiner Reise noch essen werde, wird an diese Suppe herankommen. Allein für sie würde ich wieder nach Nova Scotia reisen. Der Fisch schmeckte so herrlich, war von einer so umwerfenden Frische – man sollte nicht glauben, dass das am Meer eine Selbstverständlichkeit ist, wie ich noch lerne – dass ich kurz überlege, ob ich mir noch eine Schüssel bestellen soll.

Wilde Bio-Blaubeeren

Und diese werden in einer schier unglaublichen Fisselarbeit mit der Hand sortiert. Stundenlang läuft die Sortiermaschine auf der North of Nuttby Farm, wo alles, selbst die Ernte der Beeren reine Handarbeit ist. Hier sehen wir den Garten und das Blaubeerfeld und die erste Erntemaschine, die rein mit eigener Kraft betrieben wird. Eine große Packung mit 5 Pfund Blaubeeren wird für 24 canadische Dollar verkauft, was mir alles andere als viel erscheint, angesichts der Arbeit, die man sich hier damit macht. Leider schaffen es auch diese Beeren nicht frisch nach Deutschland, dafür ist die Blaubeere einfach viel zu empfindlich, aber in gefrorenem Zustand findet man hier in Deutschland im Supermarkt viele Blaubeeren aus Nova Scotia (unbedingt danach Ausschau halten).
Ich hab sie also schon mal für euch vorgetestet und kann nur sagen – die Beeren sind wunderbar!
Und glaubt jetzt nicht, dass frisch unbedingt besser ist als gefroren. Ich musste feststellen, dass der Kälteschock, die Beeren sogar noch ein wenig aromatischer macht.

In den nächsten Berichten nehme ich euch dann mit an die wilde Küste zum Lobster, zeige euch typische Farmen für Maple Sirup und Gemüse und grille ein Flanksteak mit einer spicy Blueberry Sauce.

einen perfekten Regenbogen gab es gleich noch dazu auf der Rückfahrt aus Parrsboro

schön, nicht wahr?

so sieht es neben den Blaubeerfeldern aus. Es blüht und duftet.

ein typisches Blaubeerfeld mit „Erntekörbchen“.

Echter Blaubeersaft aus Direktpressung. Schmeckt umwerfend gut (leider teuer).

Ich glaube das war Blaubeerkuchen #2. Einer war besser als der andere…..

Riley, mein Blaubeerhund. Den hätte ich am liebsten mitgenommen. Der liebt es, durch Blaubeerfelder zu hechten und Stöckchen zu holen.

Und so sehen die Felder dann nach der Ernte im Oktober aus…. unglaublich, oder?

(C) Gary Brown

Offenlegung: zu dieser Reise wurde ich eingeladen von der Wild Blueberry Association Nova Scotia. Die Eindrücke sind meine eigenen.

· 4 Kommentare ·

Tagged: , , ,

in Kanada, kulinarische Reisen, Nordamerika, Nova Scotia

Veggie Italia –
Caponata mit Gartentomaten und Bruschetta mit weißer Bohnenpaste mit Olivenkraut und Rosmarin

Nichts ist verführerischer als ein Marktbesuch im Spätsommer. Nie sind die Marktstände praller und farbenfroher als jetzt. Ich kann mich nicht entscheiden zwischen den bunten Tomaten, den verschiedenen farbigen Auberginen, den grün-gelb gestreiften Zucchini. Ich will sie alle. Und wünsche mir im gleichen Atemzug die Zeit, all diesen wunderbaren Gemüsen gebührend zu huldigen. Ich würde gerne Tomatensauce einmachen, Auberginen einlegen, würde gerne mal wieder meine luftigen Zucchinipuffer machen. Doch wann? Noch immer lachen mich die eingemachten Bohnen vom Vorjahr an, wenn ich sie im Keller besuche.
Alle Jahre wieder habe ich meine Bestellung an Einmachgläsern platziert, die jetzt darauf warten gefüllt zu werden. Eigentlich habe ich schon gar keinen Platz mehr dafür. Letzte Nacht musste ich unbedingt noch die letzten Gurken einmachen.
Und dann waren da noch diese herrlichen Bohnen. Pinkfarben leuchteten sie mir entgegen. Ehrlich, gegen so viel Schönheit bin ich einfach machtlos. Ich will sie festhalten mit meiner Kamera und dann eine samtige Bohnenpaste aus ihnen machen. Einfache Bruschette, wie in Italien. Voller Aroma und Sonne. Dazu noch eine Caponata mit den bunten Tomaten vom Markt. Caponata kann es sowieso nie genug geben. Die Mischung aus ofengegarten Gemüsen und Tomaten, den Kapern und den Pinienkernen ist einfach Urlaub pur.
Ein kühler Rosé dazu, den Abend im Freien genießen und einfach mal alles gut sein lassen.
Seid ihr dabei?

Für Vier

Caponata
50 g Sultaninen
2 Zwiebeln
2 kleine Zucchini
1 Aubergine
2 Stangen Sellerie
1 TL getrockneter Oregano
5 EL Olivenöl
2 TL Puderzucker
40 g Pinienkerne
6 EL passierte Tomaten (Pck.)
6 EL Sherryessig
30 g Kapern, abgetropft
300 g kleine Tomaten, gerne in allen Farben
4 Zweige Basilikum
frisch gemahlener Pfeffer
Salz

Den Ofen auf 220° vorheizen.
Die Sultaninen mit 80 ml kochendem Wasser übergießen und beiseite stellen.
Die Zwiebeln abziehen und in Spalten schneiden, die Zucchini waschen und in Scheiben schneiden. Die Aubergine zuerst in dicke Scheiben schneiden und dann würfeln. Die Selleriestangen putzen und entfädeln und ebenfalls in Scheiben schneiden. Die Tomaten halbieren.
Das Gemüse (ohne die Tomaten) auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit 4 EL Öl, einer guten Prise Salz und Oregano vermengen. Den Puderzucker drüberstreuen.
Im Ofen ca. 25 Minuten braten (nach etwa 15 Minuten einmal durchmischen).
Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett rösten.
Den Essig mit den passierten Tomaten mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Olivenöl, Kapern und die eingeweichten Sultaninen mit ein wenig vom Einweichwasser dazugeben.
Das Gemüse damit vorsichtig vermengen und etwa eine Stunde ziehen lassen.
Zuletzt die halbierten Tomaten und die gezupften Basilikumblätter unterheben.

Bruschette mit Bohnenpüree
600 g Feuerbohnen
2 EL Olivenöl
2 EL Schmand
1 Zweig Rosmarin
Salz
etwas Olivenkraut
6-8 getoastete Baguettescheiben

Die frischen Bohnenkerne palen und in Salzwasser etwa 35 Minuten kochen. Abseihen und im Mixer mit dem Olivenöl, den gezupften und fein gehackten Rosmarinnadeln und dem Schmand pürieren. Mit Salz abschmecken.
Auf die getoasteten Baguettescheiben streichen und mit ein paar Zweigen des Olivenkrauts garnieren.

· 4 Kommentare ·

Tagged: , , , , , ,

in italienisch, Länderküche, nach Saison, Rezepte, Sommer, Vegetarisch

Japanische Grillparty –
Rumpsteak in Gyu Dare Marinade, Sancho-Pfeffer Tomaten
und Spinatsalat mit Sesam Dressing

Dieser Beitrag enthält Werbung*

Es ist soweit, ich besitze endlich einen eigenen Grill! Vorhang auf, Premierenstimmung. Das Schnuckelchen ist bereit. Über die Jahre habe ich eine schier unglaubliche Menge an Gewürzen für Rubs gesammelt, wohlwissend, dass es damit nicht ganz einfach wäre, genau das zu machen, wofür sie eigentlich gedacht sind. Zum Grillen nämlich. Ich habe sie immer mitgebracht, wenn irgendwo eine Grillparty veranstaltet wurde.
Geliebäugelt habe ich schon immer mit der „Perle aller Grills“, dem Big Green Egg. Zum ersten Mal gesehen habe ich ihn während meiner Reise nach Südafrika. Die sind ja da am Kap absolut vernarrt ins Grillen, dort Braii genannt. Ich war neugierig, denn schließlich kann man in so einem Grill nicht nur einfach nur grillen – man kann räuchern, Pizza backen und kochen.
Zuerst muss ich mich allerdings mit den Basisfunktionen auseinandersetzen. Ich und das hübsche kleine, grüne Ei müssen uns kennenlernen. Schließlich habe ich noch nie vorher an einem Grill gestanden. Reißen sich ja immer die Männer drum, was vermutlich seit Urzeiten in deren Genen so verankert ist. Wohlgemerkt, ich spreche hier nicht von Raclette Grills, die man auf den Esstisch stellt.
Feuer, richtiges Feuer. Und Holzkohle.
Jetzt bin ich ja nicht so der Typ, der sich gerne Handbücher durchliest, eher bin ich der Meinung, dass gutes Design selbsterklärend sein muss. Trotzdem habe ich mir einige Video Anleitungen auf youtube angeschaut. Für solche Anleitungen liebe ich diesen Medium. Und schließlich sollte nichts schiefgehen bei meiner Premiere.
Für mich war sofort klar, dass ich endlich einmal das machen wollte, worauf ich schon seit langer Zeit hin schmachte. Japanisch Grillen. Nicht dass die Japaner beim eigentlichen Grillprozess irgendetwas anders machen, und sie hauen auch nicht bei jeder Gelegenheit Kobe Rind auf den Grill, sie würzen das Fleisch, bereiten es mit den typischen Zutaten wie Soja Sauce, Sake und Reiswein darauf vor. Was dabei herauskommt ist einfach atemberaubend gut.

Der Geschmack von Feuer und Umami

Für dieses Gericht habe ich ein Dry Aged Roastbeef Steak vom Hereford Rind, bestes Irish Beef, verwendet. Der Geschmack dieses Fleisches überzeugt mich – hocharomatisch, mürbe und gut gereift. Zu dünn durfte es auf gar keinen Fall geschnitten sein, sondern ordentlich dick, gerne auch noch mit einem Fettrand. Das gibt Aroma. Mariniert und während des Grillens bestrichen wird es mit einer Gyu Dare Marinade, was im Japanischen einfach nur soviel wie „Rindfleisch-Sauce“ heißt. Sie besteht aus Soja Sauce, Sake, Mirin und Reisessig.
Gegrilltes Fleisch mit dem Geschmack von Holzkohle, nur gewürzt mit ein paar Meersalzflocken, an sich ist schon großartig, ein Erlebnis wird es jedoch, wenn auch diese Marinade als würzige Umami Bomben ihren Beitrag leistet. Die Aromen des Feuers verbinden sich mit der leichten Süße des Reisweins und den runden Tönen der Soja Sauce. Es ist Magie.

Auf Anhieb perfekt

Alles, was es brauchte, war ein wenig Geduld, bis der Grill die gewünschte Temperatur erreicht hatte. Hibbelig starrte ich auf das Thermometer an seiner Außenseite. Endlich. Es war soweit. 5 Minuten von jeder Seite, dann etwas ruhen lassen, nochmal bestreichen und von jeder Seite ein weiteres Mal kurz auf den gusseisernen Rost. Das Fleisch war zartrosa und von einem umwerfenden Aroma.
Dazwischen habe ich mich um die Tomaten gekümmert. Die brauchen wirklich nur ein paar Minuten, bis sie fertig sind. Und was dieser zitronige Pfeffer aus Japan mit ihnen macht, ist grandios.

Glücklich verschloss ich das Big Green Egg (MiniMax) wieder und sonnte mich im Ruhm meines ersten Grill-Erlebnisses. Oh ja – es werden noch viele folgen.

Für Vier

1,2 kg Hereford Roastbeef Rumpsteaks Dry-Aged (à 250 – 300 g)

Gyu Dare Marinade
3 EL gute Soja Sauce
2 EL Mirin
1 EL Sake
1 El Reisessig (Genmai Su)

für die gegrillten Tomaten
2 große Ochsenherztomaten
1 TL Sancho Pfeffer
1 TL Togarashi Gewürz (aus dem Asialaden)
Meersalzflocken

für den Spinat Sesam Salat
700 g Spinat
1 walnussgroßes Stück Ingwer, gerieben
1 EL Sesammus (Tahini)
1 TL geröstetes Sesamöl
2 EL Soja Sauce
eine Prise Zucker
weißer Sesam

Das Fleisch auf Zimmertemperatur bringen.
Die Marinade anrühren und das Fleisch damit bestreichen. Etwa eine Stunde ruhen lassen.

Die Tomaten in dicke Scheiben schneiden.

Den Spinat waschen und nass mit einer Prise Salz in einen Topf geben und bei mittlerer Hitze zusammenfallen lassen. Abgießen und abtropfen lassen und vorsichtig auspressen.
Das Dressing für den Salat anrühren und mit dem Spinat vermischen. Mit Sesam bestreuen.

Den Grill auf 170° anheizen.

Das Fleisch von jeder Seite 5 Minuten grillen, vor dem Wenden wieder mit der Marinade bestreichen.
Auf einem Teller kurz ruhen lassen.

In der Zwischenzeit die Tomaten auf den Grill legen, mit Salz, Sancho Pfeffer und Togarashi Gewürz bestreuen und etwa 1 Minute auf jeder Seite grillen.

Das Fleisch noch einmal für ein paar Sekunden auf den Grill legen, dann in Scheiben schneiden und mit den Tomaten und dem Spinat anrichten.

*Hinweis: der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Irish Beef und Big Green Egg. Im Artikel werden die Produkte genannt und die Webseiten der Kooperationspartner verlinkt.

 

· 1 Kommentare ·

Tagged: , , , , ,

in japanisch, Länderküche, mit Fleisch, nach Saison, Rezepte, Sommer