April, April Rhabarber Törtchen

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Ich backe. Das ist kein April-Scherz. Nehmen Sie mich also ernst. Oder auch nicht, denn meine Künste beschränken sich hier auf das Ausstechen von Blätterteig. Nichtsdestotrotz sind diese kleinen Schönheiten ein Knaller. Alles was es hierzu braucht, lässt sich mehr oder weniger in ein paar Zeilen beschreiben. Und weil es hier echt selten rosa zugeht und weniger gebacken wird, ist das der perfekte Tag für diese Törtchen.

Jeder, wirklich jeder, ist in der Lage aus einer Platte Blätterteig Kreise auszustechen. Dazu bedarf es keines besonderen Werkzeugs. Ich habe das mit einer Müslischale gemacht. Sicher, das geht eleganter, aber das Resultat zählt. Diese Böden platzieren wir nun auf einem mit Backpapier ausgelegtem Blech. Der nächste Schritt heißt Präzision. Wir schneiden mit einem Messer 1cm-breite Steifen und bilden mit diesen einen Rand um die Kreise. 2 Lagen und nicht zu fest drücken. Wer es soweit geschafft hat, auf den wartet der nächste Schritt. Keine Sorge, es ist nicht schwierig einen Esslöffel Crème fraîche mit einem Esslöffel braunem Zucker zu vermischen.

Wagen Sie das!

Natürlich ist die Benutzung eines Sparschälers etwas für Fortgeschrittene. Hier muss man auf den richtigen Winkel beim Ansetzen achten und mit leichtem Schwung aus dem Handgelenk über den Rhabarber streichen. All jene, die schon mal einen Spargel, oder eine Kartoffel geschält haben, sind hier im Vorteil. Üben Sie also heimlich, sollten Sie nicht zu dieser Kategorie gehören.

Lockern Sie nach dieser „Challenge“ Ihr Handgelenk, indem Sie ein Ei aufschlagen. Das verklepperte Ei wird für den Blätterteig benötigt. Das Auftragen auf den Rand wird erleichtert mit der Benutzung eines Pinsels. Der Boden sollte mit einer Gabel mehrmals eingestochen werden. Denken Sie dabei an etwas Schönes – die Löcher sollten nicht zu groß werden.

Auf den Böden wird nun jeweils ein Esslöffel der Crème fraîche-Zucker Mischung gesetzt und sanft verrieben.

Das Aufwickeln der Rhabarber Späne stellt die letzte Herausforderung vor dem glücklichen Genuss (und Erfolg an der Kaffeetafel) dar. Hier müssen Verfärbungen in Kauf genommen werden, die jedoch bei weitem nicht so dauerhaft sind, wie die beim Schälen von blauen Kartoffeln. Es ist darauf zu achten, dass die aufgewickelten Späne nicht gleich groß sind (is klar, oder? Sonst wird das ja nix mit der Rosenform). Wir beginnen also mit sehr kleinen Kringeln und steigern uns dann. Drücken Sie diese sanft in die Crème fraîche.

Während nun also der Ofen auf 220° vorheizt, werden die Törtchen noch mit ein wenig Puderzucker bestäubt. Diesen Vorgang wiederholen wir auch nochmal nach dem Backen, wenn die Törtchen leicht ausgekühlt sind.

Abschließend öffnen wir eine Flasche Rosé farbenen Sekt oder Crémant oder was auch immer so rumsteht, genehmigen uns einen Schluck auf den Back-Erfolg, füllen die Gläser der Gäste und servieren die Törtchen mit einem kleinen Klacks Crème fraîche (optional).

Applaus! Baden Sie in ihrem Erfolg, er ist Ihnen gewiss.

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Ich wünsche einen wunderbaren 1. April!

 

Für 4 Törtchen à ca. 15 cm Ø

1 Packung Blätterteig aus dem Kühlregal

2 Stangen Rhabarber

150 g Crème fraîche

4 EL gestr. EL brauner Zucker

Puderzucker zum Sieben

1 Ei

 

 

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Winzerdinner, und warum ein alter Hase weiß, wie hoch er springen muss

Winzerdinner Tantris

„Winzerdinner“ heißt das neue Zauberwort. Darunter vorstellen darf man sich folgendes – einen ganzen Abend lang wird ein Winzer und seine Weine vorgestellt – der Winzer ist anwesend – dazu gibt es ein korrespondierendes Menü und das Ganze ist völlig ungezwungen. Man kann mit dem Winzer plaudern und erfährt viel über die Weine, das Gebiet und die Ausbaumethoden. Im Idealfall sitzt man mit allen anderen Gästen an einer langen Tafel und tauscht sich lebhaft aus, während man dazwischen immer wieder die Nase tief ins Glas versenkt. Man genießt, hat dabei großen Spaß und lernt in Regel auch noch was. Klingt perfekt? Ist es auch.

In der Tantris Natural Winebar gab es vergangenen Samstag bereits das zweite Winzerdinner. Der Winzer Jakob Peter Kühn, einer der ganz Großen bei den Naturweinen aus dem Rheingau,  ist der Star des Abends. An diesem Abend dreht sich also alles um seine Weine, die ich bereits seit über 17 Jahren mit großem Vergnügen trinke. Entdeckt hatte ich ihn auf einer Weinmesse und seit dieser Zeit seinen Werdegang verfolgt. Ich bin gespannt, ihn persönlich zu treffen. Doch leider erfahre ich, dass er sich von einer Lungenentzündung erholen muss. Sein Sohn Peter ist da. Und der vertritt ihn auch mit großer Leidenschaft. Er erzählt von Lagen, dem Boden (roter und grüner Schiefer), der Demeter Zertifizierung und man spürt, wie stolz er auf das alles ist. Der Wein soll das widerspiegeln worauf er gewachsen ist.

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Peter Kühn jr. – ein leidenschaftlicher Redner wenn es um die natürlichen Weine seines Vaters geht.

Für mich ist das ein wenig wie ein Wiedersehen mit einem alten Freund. Der alte Freund Riesling. Und der ist auch schon im Glas. Ein frisches, spritziges Entrée mit dem 2013 Riesling »Hallgarten Hendelberg«. Viel Frucht, ganz besonders die Grapefruit tritt hier zum Vorschein. Die Säure ist kräftig, sie nimmt vollen Anlauf, macht dann aber im Mund eine elegante Drehung und wird milder. Leichte Bitternoten, wie von der Limette begleiten diesen Schwung. Diese zitrischen Noten werden auch gleich nach einem Amuse von einem schönen Sashimi mit Grapefruit wieder hervorgerufen. Das ist schon mal ein grandioser Auftakt. Dabei erfahre ich auch, dass ich heute Abend auch Testesser bin – zumindest was das Brot angeht. Hier hat sich die Weinbar von der großen Mutter, dem Restaurant Tantris, abgenabelt. Ein Traditionsbäcker aus Landshut, der nur mit Dinkel arbeitet und hier voll seine Kreativität walten lässt, ist seit kurzem der neue Lieferant. Wie beim Wein und der Küche wollte man auch hier spielerischer werden. Brot mit Sepia oder Apfel, verschiedene Nüsse. Ich ertappe mich dabei wie ich ganz unsozial daran denke, das Brotkörbchen mit niemand teilen zu wollen. Soweit kommt es zum Glück nicht. Es ist genug da.  Und es ist köstlich. Wieder seufzen wir ein wenig am Tisch und singen gemeinsam das alte Lied „wo gibt es heute noch richtig gutes Brot?“. Ich stelle also fest – allein für ein Butterbrot und ein Glas Wein lohnt sich der Besuch hier schon.

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yeah! Riesling!

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Küchenchef Simon Schöberl serviert als zweiten Gang Zander auf einem frischen Kräuterpüree. Estragon sticht hervor, es ist rund und harmonisch. Dazu gibt es den nächsten Riesling. Der 2012 Riesling Doosberg Qualitätswein trocken VDP.GROSSE LAGE korrespondiert exakt mit den Kräutern. Leichte rauchige Lakritz Aromen, hefig und frisch. Und wieder ein Hauch von Trockenobst und Vanille. 12 Monate war dieser im Holzfass. Das ist eine tolle Kombination, die mich euphorisch stimmt.

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Wenn Peter Kühn jr. von den Weinen spricht, spricht er auch immer von den Herausforderungen, die das Klima, der Boden und die Anbaumethoden so mit sich bringen. 2012 sei ein gutes Jahr gewesen. Wie werden also die kommenden Jahrgänge? Als er von den Herausforderungen spricht fällt der Satz „ein alter Hase, weiß wie hoch er springen muss“ und wir müssen alle lachen. Wir wissen alle was gemeint ist und auch wenn hier so ein paar alte Weisheiten irgendwie vermischt wurden – es ist klar, was er damit sagen will. Wer so viel Erfahrung hat wie sein Vater, den haut so schnell nichts um.

Der nächste Riesling kommt ins Glas. Der 2012 Riesling St. Nikolaus GG ist ein opulentes Kraftpaket von einem Riesling. Nur 150 m vom Ufer des Rheins entfernt liegt dieser Weinberg für diesen Wein an einem kleinen Südhang. Der an dieser Stelle sehr breite Rhein fungiert als Wärmespeicher und ergänzt die Wirkung der Sonneneinstrahlung. Der Austrieb und die Blüte beginnen hier immer einige Tage früher und gewähren eine sehr lange Reifezeit. An den auf sandigem Löß stehenden dicht gepflanzten über 60-jährigen Reben wachsen wenige kleinbeerige Trauben mit intensivem Aroma. Mein Tischnachbar ist entzückt. Ich habe zu diesem Zeitpunkt mein Herz schon mehr an die Nummer zwei vergeben, doch auch hier sind es die vielschichtigen Eindrücke – wir trinken auch aus großen Gläsern – die mir großen Spaß machen. Rieslingfeuer.

Beim vierten Wein des Abend machen wir einen kleinen Exkurs nach Spanien und verlassen bis zum Dessert die Kühn’schen Weinberge des Rheingaus. Stefan Peter, ehemaliger Tantris Sommelier, der das Konzept für diese Weinbar entwickelt hat, hat sich etwas ganz Besonderes für uns einfallen lassen. Ein Wein aus dem Priorat von Dominik Huber. Dieser Wein, der aus einer kargen Schieferlandschaft, 600m über dem Meeresspiegel kommt, betört mit einer schmelzigen Wucht, die wie geschaffen ist für eine butterzarte Roulade auf Topinambur und Ratatouille.

Doch was wäre ein solcher Abend ohne ein Dessert und einen entsprechenden Dessertwein? Richtig – nur halb vollkommen. Und dazu kehren wir wieder zurück ins Rheingau zu Peter Jakob Kühn und dürfen uns jetzt über die schöne Beerenauslese hermachen. Ananasnoten und würzige Frische begleiten unseren kleinen Strudel und die Honigaromen des Weins finden sich wieder in einer Art Caponata, die an türkischen Honig erinnert. In diesem Wein entdecke ich aber auch pfeffrige Noten und einen Hauch von Safran. Ein sehr würdevoller Wein.

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Glas leer? Gibt’s nicht. Doch wer ist schneller? Der Weinexperte Florian Severin freut sich über so perfekten Service.

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ein feiner Dessertwein mit Gewürznoten

Und so wurde an diesem Abend viel gelacht, geredet und jeder, der zu fortgeschrittener Stunde die Tantris Natural Weinbar verlässt, hat ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Es hat eben einfach alles gepasst. Ambiente, Wein, Essen und nicht zuletzt der sensationell professionelle Service, für den ich mich mit Freude aus ganzem Herzen bedanke.

Wer jetzt noch überlegt, ob er da auch mal dabei sein will, sollte schnell sein.

Die weiteren Termine sind:

18.04. Luca Roagna

23.05. Terroir al Limit

20.06. Tscheppe / Pranzegg

Anmelden kann man sich unter winebar@tantris.de

Die Weine, die wir an diesem Abend getrunken haben, gibt es natürlich in der Tantris Natural Winebar oder zu bestellen bei: Vinaturel.de

 

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Tapas Olé! – Reisbällchen mit Pata Negra Schinken, Manchego und Mozzarella

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Eigentlich hätte er sich das Grinsen verkneifen können, als der Meteorologe gestern Abend auf die Südhälfte Spaniens zeigte. 25° in der Spitze und hier gerade mal 8°. Pff. Das ist bitter, wo noch dazu der liebe Nachbar mir die ersten Erdbeeren der Saison – aus Spanien natürlich – vorbei brachte. Es ist sonnig, doch auf den eisigen Wind kann ich getrost verzichten heute.
Gedanklich beame mich also nach Málaga, dort wo die Temperaturen jetzt schon zum sonnenbaden locken, wo ich im vergangen Herbst so herrlich gegrillten Fisch an der Strandpromenade hatte. Wo ich auf Meer hinaus starrte und mir schön die Schultern verbrannte.
Das führt dazu, dass ich Lust auf Tapas bekomme. Ich fahre auf den Markt und kaufe diesen grandiosen luftgetrockneten Schinken von diesen schwarzfüßigen Schweinen, die sich die ganze Zeit den Bauch mit Eicheln vollschlagen. Diesen Luxus-Schinken. Ganze 50 g gönne ich mir, was mickrigen sieben Scheiben entspricht. Ich lege ihn natürlich nicht in den Kühlschrank, sondern warte bis das Fett bei Zimmertemperatur langsam glasig wird und mache mich sofort über die ersten zwei Scheiben her. Göttlich. Buttrig und würzig breitet er sich in meinem Mund aus und wieder ist es ein bisschen so wie vor einigen Jahren auf Mallorca, wo ich in der Markthalle mir den teuersten Schinken gekauft hatte und es gerade bis zu den nächsten Treppen schaffte. Mit geschlossenen Augen saß ich auf den Stufen, die Abendsonne im Gesicht und gab mich ganz diesem Schinken hin. Wenn man also bedenkt, wie lange ich schon von diesem Erlebnis zehre, so war dies eine gute Investition.
Doch kommen wir zum Reis. Um diesen soll es ja heute gehen und ich stelle mir würzige Reisbällchen mit diesem Schinken, Manchego Käse und zerfließendem Mozzarella vor. Knusprig frittiert in Öl und serviert mit frischer Limette und frischem, kühlem Weißwein.
Beim Frittieren achte ich immer darauf, dass ich den kleinstmöglichen Topf hernehme. So kann ich zwar immer nur ein Bällchen frittieren, aber ich brauche nicht so viel Öl. Der kostbare Schinken drumherum wird dabei zum Niederknien knusprig, der kleingewürfelte Manchego steuert die Würze bei und der Limettensaft gibt den letzten Kick.
Und jetzt setze ich mich wieder in die Sonne, bevor sie verschwindet, schiebe mir so ein Bällchen in den Mund und fühle mich Spanien schon ganz viel näher. Ja. So ist es richtig.

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Für etwa 10 Bällchen

200g Rundkorn Reis (z.B. Arborio)
500 ml Gefügelfond
Meersalz und frisch gemahlener Pfeffer
70 g Büffel Mozzarella in Würfel geschnitten
50 g Manchego Käse in feine Würfel geschnitten
10 dünne Scheiben Pata Negra oder Serrano Schinken in feine Scheiben geschnitten
1 Ei, verkleppert
Maisgries zum ummanteln
Öl zum Frittieren
Limetten zum Servieren

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Den Reis in einem Topf mit dem Gefügelfond aufkochen lassen und bei mittlerer Temperatur etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis die Flüssigkeit aufgesaugt ist und der Reis noch Biss hat. Auskühlen lassen und sich dann dem Abschmecken widmen.
Mit feuchten Händen aus dem Reis Bällchen formen und jeweils ein Stück Mozzarella und einige kleine Würfel des Manchegos in die Mitte drücken. Mit einer dünnen Scheibe Schinken umwickeln. In das verklepperte Ei tauchen und im Maisgries wälzen.
Das Öl in einem kleinen Topf erhitzen und mit einer Zange die Bällchen darin nach einander goldgelb frittieren.
Mit geviertelten Limetten servieren.

Diese Tapas sind für Zorras spannenden Blog Event, wo sich diesmal alles um Reis dreht.

Blog-Event CVII – ¡Fiesta del arroz! (Einsendeschluss 15. April 2015)

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Verliebt in Bitteres und Pastellfarben

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Ich stehe mitten auf dem Markt und wundere mich über mich selbst. Heute ist ein rosaroter Tag. Frühlingsanfang, Hormone – alles mögliche Erklärungen dafür, dass mein Herz höher schlägt, als ich Salat in zartem Rosa erblicke. Ja und da noch diese entzückenden kleinen Blättchen, Mini-Blutampfer, schön mit fuchsiafarbenen Linien durchzogen. Und dieses helle, zarte Grün der Puntarelle. Spätestens jetzt sollte ich erwägen, erst mal einen ordentlichen Schuss Koffein zu tanken, denn es ist noch früh am Morgen. Doch das Auge kreist weiter über den frischen Navettes. Kleine, knubbelige Rüben,  mit einer weißen Spitze und einen blass lila Ansatz. Das wäre doch alles schön, so als Salat und so. Da würde ja auch der Wassermelonen Rettich sehr gut dazu passen, der innen so leuchtend Pink ist. Also gut, allesamt ins Körbchen und wehe einer sagt jetzt was. Ich kaufe noch ein paar Alibi-Kräuter in Grün und wandle zufrieden weiter über den Markt.

So weit ist es also gekommen, dass ich jetzt schon über Farben schreibe, für die ich mich irgendwie zu erwachsen fühle. Oder vielleicht doch nicht? In meiner Vorstellung stehe ich in einem japanischen Garten und der Wind weht tausende von rosaroten Kirschblütenblättern über mich. Frühling. Auf dem Heimweg halte ich Ausschau nach den ersten Kirschblüten, doch das hier ist München. Hanami ist wo anders. Hier blüht zu dieser Zeit vielleicht grad mal der Goldregen.

Zuhause probiere ich den rosa farbenen Salat und attestiere ihm eine ausgewogene Bitterkeit. Typischer Radicchio. Sowohl der Rettich, wie auch die Rote Bete Blättchen, für die ich mich dann letztendlich entschieden habe punkten ebenfalls mit einer zarten, bitteren Note. Meine Heilpraktikerin ist der Meinung bitter sei genau das Richtige für den Frühling. Es vertreibe die Müdigkeit und kläre die Organe. Es mag daran liegen, dass die Natur schon weiß, was gut für uns ist, und so finden sich auch die meisten bitteren Gewächse im Frühling. Spargel – der zugegeben früher viel bitterer war – Artischocken und so manches Blättchen oder Salat eben.

Ich will es jedoch mit der Bitterkeit nicht auf die Spitze treiben und entscheide mich dafür, einige meiner tiefgefrorenen Himbeeren dazu zu mischen. Das bringt immerhin ein Quäntchen an Frucht und eine leichte Süße. Und entdecke dabei, dass Himbeeren hervorragend mit Petersilie und Koriander harmonieren. Im Joghurt zumindest. Ich schneide die Blätter des Salats klein, wie es meine Großmutter immer mit dem bitteren Endivien Salat machte (schon in meiner Kindheit war ich besessen von Bitterstoffen), dann hoble ich den Rettich, zerzupfe die größeren der Rote Bete Blätter und schneide die Puntarelle in mundgerechte Stücke. Ein paar der abgetauten Himbeeren gebe ich zum Salat, die restlichen kommen ins Dressing.

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Für einen Salat für Zwei Personen werden gebraucht:

1  Kopf rosa Radicchio
1 Wassermelonenrettich, in feine Scheiben gehobelt
1 gute Handvoll Rote Bete Btättchen oder Blutampfer
1 kleiner Kopf Puntarella
1 Handvoll Löwenzahn
3 Stiele Petersilie, Blättchen gezupft und fein gehackt
3 Stiele Koriander, Blättchen gezupft und fein gehackt
3 EL Joghurt (3,8%)
2 EL Olivenöl
1 EL Rotweinessig
5 Himbeeren für das Dressing (optional) und etwa 10 für die Garnitur
Salz, Zucker

 

Die fein gehackten Kräuter mit dem Joghurt, Öl, Essig, den Himbeeren, einer Prise Salz und Zucker vermischen und über den Salat geben.

 

 

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in Rezepte, Salat und Vorspeisen

Nigel Slaters Karotten mit Bohnen und Koriander

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Vor zwei Tagen war ich in einem sehr angesagten Lokal. Woher ich weiß, dass es angesagt ist? Mindestens drei der männlichen Gäste trugen Vollbart, lange Haare zum Zopf gebunden, einer davon ein Karohemd, die anderen Hemd und Sakko, darüber einen voluminösen Wollschal. Die urbanen Holzfäller gehen vorzugsweise dahin, wo es angesagt ist. Natürlich musste man in diesem Laden reservieren. Einfach so reinschneien ist da nicht. Das Lokal hat sich die Küche mit authentischen, natürlich lokalen Produkten auf die Fahne geschrieben. Die Lampen sind Kunstwerke aus Einmachgläsern. Gegessen wird Menü. Wir vergessen jetzt mal, dass die große Cedrat Zitrone, die meinen Hauptgang zierte, nicht aus dem näheren Umkreis von München kommt, sondern von der Amalfi Küste. Überhaupt regt sich da so der Verdacht, dass Bayern sich plötzlich zum kulinarischen Eldorado entwickelt haben soll, wo es von blauen Kartoffeln, Topinambur und Macadamia Nüssen nur so wimmelt. Getrunken wird Wein aus deutschen Landen. Das immerhin ist etwas, was es zu preisen gilt. Deutscher Wein kann was. Aber auch das wissen ja nicht erst seit gestern.

Warum ich das in Zusammenhang mit diesem Rezept schreibe? Weil ich es grundsätzlich befürworte, dass ein Restaurant sich der natürlichen Küche verschreibt. Egal ob hip oder nicht und weil dieses Rezept ein wunderbares Beispiel für natürliche, ungekünstelte Küche ist. Eben jene, die so im Trend liegt.

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Möhren, Bohnen und Zwiebeln. Die Feuerbohnen dafür habe ich in Baden-Baden auf dem Markt gekauft, sie eingekocht und seitdem warten sie auf ihren Einsatz. Die Freude war groß, als ich das Rezept von Nigel Slater entdeckte. Das genau wollte ich probieren.
Dabei entdeckte ich, dass das karamellisieren von Zwiebeln wirklich eine der schönsten Tätigkeiten in der Küche ist. Ganz langsam werden die Zwiebelringe in der Butter zuerst ein wenig durchscheinend und wenn sie sanft weitergebraten werden, werden sie golden. Sie entwickeln dabei eine subtile Süße und ich konnte mich kaum zurückhalten, sie nicht sofort mit einer Prise Salz zu essen.

Die für dieses Rezept erforderlichen Senfkörner in der Pfanne zu rösten ist eine lustige Sache, die man jedoch besser nicht ohne Deckel ausprobieren sollte. Die kleinen Körner hüpfen wie Miniatur Popcorn. Ich habe das ein wenig zu spät erkannt. Das Rezept spricht nur von anrösten. Dass sie einem dann gleich entgegenspringen blieb irgendwie in dem Originalrezept unerwähnt. Dazu passt ein frischer Salat aus Puntarelle mit Zitronen Dressing.

 

Für Zwei

600 g Karotten
2 ½ EL Butter
2 TL Senfkörner
400 g gekochte Feuerbohnen oder schwarze Bohnen
1 weiße Zwiebel
1 große Prise Chiliflocken
Salz
2 EL Korianderblätter. optional noch einige Zesten von der Bio Orange

Die Karotten schälen, würfeln und in reichlich Salzwasser gar kochen. Abgießen und etwa 100 ml des Kochwassers dabei auffangen. Die Karotten mit diesem Wasser und 1 EL Butter pürieren. Bei Bedarf noch abschmecken.

Einen halben EL Butter in einem flachen Topf zerlassen und die Senfkörner dazugeben. 1 -2 Minuten unter einem Deckel aufpoppen lassen. Die abgetropften Bohnen dazugeben und abgedeckt etwa 5 Minuten erwärmen.

In einer Pfanne den Rest der Butter erwärmen. Die Zwiebel in feine Ringe schneiden und in der Butter goldbraun braten. Salzen.

Die Das Karottenpüree auf Teller oder Schüssel verteilen und die Bohnen darunter rühren. Die Zwiebeln mitsamt der Butter darübergeben. Die Korianderblätter und Orangenzesten darüberstreuen.

 

Das Rezept stammt aus dem neuen Buch von Nigel Slater „Eat“ (zur Rezension: Klick)

 

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Winzige Nudeln, frische Mairübchen und der erste Spargel

 

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Nüdelchen.  „chen“ – diese Verniedlichungen seien unnötig, meint ein Freund. Falsch. Erstens bin ich Badenerin und wir verniedlichen alles – also Tellerle, Süpple und Löffele – und zweitens sind Orzo Nudeln so groß wie ein Nagel meines kleinen Fingers, also passt das schon. Im Allgemeinen trifft man diese Nüdelchen in der griechischen Küche. In Italien heißen sie dann Fregola, sind etwas runder und noch relativ unbekannt hier. Also auch schwerer zu bekommen.

Diese niedlichen Nudeln sollen jetzt also in den Topf. Es ist ihrem geringen Volumen geschuldet, dass sie es gerade mal 7-8 Minuten im Salzwasser aushalten. Danach sind sie verkocht. Ihr großer Vorteil ist es, dass sie sich an so ziemlich alles anschmiegen, was sich zu ihnen auf den Teller gesellt. In diesem Fall Pilze, Mairübchen (ha!, noch ein „chen“) und der erste grüne Spargel. Rucola gibt es ja das ganze Jahr über.

Diese Kombination aus dem wirklich inspirierenden, neuen Kochbuch von Nigel Slater beschreibt für mich perfekt das Jetzt. Jetzt gibt es den ersten grünen Spargel (auch wenn er noch nicht aus hiesigem Boden kommt, aber dass möge man mir jetzt mal nachsehen denn die Lust darauf war einfach zu groß) und jetzt findet man überall auf dem Markt die schönen weißen Mairübchen. Sie sind das jahreszeitenmäßige Pendant zu den Herbstrüben. Die haben dann auch kein „chen“ weil im Herbst wohl alles eher groß und üppig ist, wohingegen der Frühling zart und stellvertretend für kleine Pflänzchen ist.

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Das Gericht ist schnell gemacht und vielseitig zu variieren. Eigentlich darf hier alles Grüne, was sich so findet, mitmachen.

Das Original Rezept sieht nur Champignons, Mairübchen und Rucola vor. Auch von einem Schuss Sherry oder weißem Portwein steht nichts in dem Rezept, aber das ist wurscht, denn damit wird es noch ein kleines bisschen raffinierter.

Perfekte Wohlfühlküche und alles in allem fertig in etwa einer halben Stunde. Wer allerdings mit Hingabe und Inbrunst die Champignons bürstet – ich nehme hier ein Küchenkrepp und wische zweimal drüber – der möge noch einige Minuten dazu addieren.

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Für Zwei

100 g Orzo Nudeln (griechische, reisförmige Nudeln)
1 mittelgroße Zwiebel
200 g Mairübchen
100 g braune Champignons
5 grüne Spargel
2 Handvoll Rucola
1 Schuss trockener Sherry
2 EL Butter
1 TL Olivenöl
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die Orzo Nudeln in reichlich Salzwasser 7 -8 Minuten kochen, abgießen das Olivenöl unterrühren und warmhalten. Die Zwiebel in feine ringe schneiden und in einer Pfanne in 1 EL Butter goldgelb dünsten. Herausnehmen und zur Seite stellen. Die Mairübchen waschen und achteln, die Champignons säubern und in Scheiben schneiden. Den Spargel im unteren Drittel schälen und dann in mundgerechte Stücke schneiden. In der restlichen Butter die Rüben, die Champignons und den Spargel anbraten. Die Temperatur zurück schalten.. Mit einem Schuss Sherry ablöschen und abgedeckt weiter dünsten. Das dauert etwa 6 Minuten. Mit den Nudeln mischen und den frischen Rucola unterrühren.

Mit den Zwiebeln garnieren.

Das Rezept stammt aus dem neuen Buch von Nigel Slater “Eat”, erschienen im DuMont Verlag (zur Rezension Klick!)

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