9. Dezember 2020

Herrlich würzig und wärmend.

Diese Woche las ich einen Artikel in der New York Times, dass man in Korea ein wenig ungehalten darüber sei (das ist vermutlich „asiatisch höflich“ formuliert), dass China sich anstelle, die Erfindung des Kimchis für sich zu beanspruchen. Das ist natürlich ein Affront. Kimchi gehört sowohl für Süd- wie auch Nordkorea zum Weltkulturerbe. Es ist so ur-koreanisch, dass vermutlich keiner je auf die Idee hätte kommen können, es ihnen streitig zu machen. Aber ganz so unschuldig sind sie an der ganzen Misere leider auch wieder nicht. Wie es nun mal mit vielen Traditionen so ist, geht diese im Laufe der Zeit verloren, weil die Industrialisierung unentwegt voranschreitet. Sieht man bei uns ja auch. Früher haben viele ihr Brot selbst gebacken, dann hat man sich immer mehr auf gekauftes verlassen, irgendwann stellte man dann fest „Mensch, das war doch alles mal viel besser“, besinnt sich rück und das Bäckerhandwerk, das richtige zumindest, erlebt eine Renaissance. So ähnlich erging es dem Kimchi. Immer weniger hatten Lust diesen selbst zu machen, man kaufte ihn lieber ein oder wandte sich westlicher Ernährung zu und stellte irgendwann fest, dass 40% des in Korea konsumierten Kimchis Importware aus China sind. Schlimm genug, mag man nun denken. Und um das Ganze auf die Spitze zu treiben, stellt sich China jetzt hin und behauptet ihr „Paocai“ sei das eigentliche Kimchi. Obwohl in China kaum einer danach gefragt hat und der Stein erst ins Rollen kam, als man begann, für Korea den Kohl zu fermentieren. Dass China beim Thema Hoheitsrechte und Kopierschutz schon immer zwei Augen zugedrückt hat, mag jetzt eine böse Unterstellung sein. Von der Hand zu weisen ist sie nicht. Und wenn mich jemand fragen sollte, dann gehört für mich Kimchi zu 100% nach Korea. Und auch wenn dieser ob dieses Zwists gerade noch mehr in aller Munde als sonst – meine Kimchi-Gläser sind noch nicht leer und ich hege derzeit eine leidenschaftliche, ein wenig obsessive, Hingabe zu diesem scharfen, fermentierten Kohl. Deshalb wollte ich diesen auch meinem Schnell-Schmorgericht angedeihen lassen. Wer die Fleischscheiben besonders fein haben möchte, der legt das Fleisch für eine knappe Stunde ins Gefrierfach. Leicht angefroren lassen sich die Scheiben sehr schön fein schneiden. Zum Essen trinken wir dann einen koreanischen Reiswein und heben solidarisch unser Glas – „auf Korea!“

 

Koreanisches Lammragout

Für Zwei

400 g Lammfleisch aus der Schulter oder Keule, in feine Scheiben geschnitten
2 EL neutrales Pflanzenöl
3 EL leichte Soja Sauce
1 EL geriebenen frischen Ingwer
3 Zehen Knoblauch. fein gehackt
1,5 EL flüssiger Honig (Reissirup als vegane Alternative)
½ Nashi Birne, grob geraspelt
1 EL geröstetes Sesamöl
1 EL Gochujang Paste (aus dem Asia Laden)
2 EL Kimchi, fein gehackt
2 Frühlingszwiebeln, in Röllchen gehackt, den weißen Teil abteilen
Meersalz

Sesam und ein paar frische Korianderblättchen
dazu Reis und extra Kimchi

Das Öl in einer Pfanne (mit Deckel, den brauchen wir aber erst etwas später) erhitzen und den weißen Teil der Frühlingszwiebeln mit dem Knoblauch andünsten, dann das Lammfleisch dazugeben. Bei mittlerer Hitze anbraten.
Für die Sauce die Soja Sauce, Ingwer, Knoblauch, Honig, Gochujang Paste, Sesamöl und Birne mischen und über das Fleisch gießen. 4 EL Wasser hinzufügen. Bei geschlossenem Deckel etwa 15 Minuten bei mittlerer Hitze garen lassen. Das feingehackte Kimchi und den hellgrünen und grünen Teil der Frühlingszwiebel hinzufügen. Ein wenig vom grünen Teil zurückbehalten für die Dekoration. Nochmal etwa 5 Minuten bei geschlossenem Deckel garen lassen. Die Hitze abschalten und so lange mit geschlossenem Deckel stehen lassen, bis der Reis fertiggekocht ist (was so 15 – 20 Minuten dauert). Probieren und mit Salz abschmecken.
Dann Sesam und Koriander darüber streuen und – wer mag – mit einer Extra Portion Kimchi und dem Reis servieren.

auf dem Markt in Seoul

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.