25. Mai 2018

Maiwipfel – jetzt sammeln und eingelegte Fichtenspitzen und Fichtenspitzen Sirup daraus machen

Rezepte, Rezeptart, Länderküche, Eingemachtes, deutsch | 0 Kommentare

Jetzt noch schnell in den Wald und sammeln!

Vor kurzem habe ich einen Artikel über das „Waldbaden“ gelesen. Wo, daran kann ich mich nicht erinnern, wohl aber, dass dieser Begriff und womit er verbunden ist, nämlich dem Spazieren im Wald, sich als Therapie etabliert habe. Wegen mir hätte es diesen Begriff nicht gebraucht, auch ohne ihn wusste ich schon immer, dass der Wald mich glücklich macht. Das Spiel des Lichts auf dem Waldboden, der einzigartige Duft, die Geräusche und natürlich die friedliche Atmosphäre, die ein Wald einfach ausstrahlt. Ich bin gerne im Wald. Im Winter, wenn die Farben fast gänzlich daraus verschwunden sind, dann spüre ich nirgends mehr die Sehnsucht nach dem Frühling. Dieses Jahr hätte ich es beinahe verpasst. Ende April, als ich nach Japan flog, waren es noch sehr zarte Triebe, ganz helles Grün, welches den Wald bestimmte. Kaum 4 Wochen später hat sich die Natur mit aller Kraft zurückgemeldet. Ich war mir nicht sicher, ob ich es noch rechtzeitig schaffen würde, aber die Tatsache, dass ich hier in München ja immerhin 580 Meter über dem Meeresspiegel wohne und der Frühling sich immer ein wenig länger Zeit lässt, als beispielsweise in meiner badischen Heimat, ließen mich hoffen, noch die letzten Fichtensprossen zu ergattern.
Einen Tag nach meiner Rückkehr radelte ich in den Wald. Und ich war nicht zu spät. Überall zarte, junge Triebe an den Tannen und Fichten. Perfekter Erntezeitpunkt.
Meine Tante im Schwarzwald schwört noch heute bei Erkältungen, ganz besonders bei Atemwegserkrankungen, auf Tannenspitzenlikör. Selbstgemacht natürlich. Ich habe einmal in meinem Lieblingskräuterladen hier in München einen Hustensirup aus Tannenspitzen gekauft und diesen Sirup schamlos für eine Sauce eingesetzt und zu Steaks serviert. Es schmeckte hervorragend.
In diesem Jahr wollte ich mich nun endlich mal näher mit den Fichten- und Tannenspitzen auseinander setzen. Warum also nicht auch gleich ein paar in Apfelessig eingelegte Fichtenspitzen? Sollen toll sein zu Käse oder kaltem Braten.
Das Sammeln im Wald allein ist schon großartig. Ich laufe über das weiche Moos, zupfe die jungen Triebe und genieße das Licht der Sonne an einem Frühsommerabend, das langsam zwischen den Bäumen versinkt, während kleine, wilde Wespen um mich herum surren. Dann setze ich mich auf eine Lichtung und lasse mir die letzten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen. Vielleicht fahre ich noch ein Stück weiter, bis zum großen Holunderbusch. Vielleicht aber auch erst beim nächsten Mal. Als ob ich einen Grund bräuchte, wieder in den Wald zu kommen. Zum „Baden“ natürlich.

 

Fichten- oder Tannenspitzen Sirup

für 250 ml Sirup

200 g junge Fichtenspitzen (oder Weißtannenspitzen)
200 g Rohrohrzucker
1 Zitrone, ausgepresst

ein sterilisiertes Einmachglas

Die abgezupften Spitzen waschen und trocknen. Schichtweise abwechselnd mit dem Zucker in das Glas füllen und mit dem Zitronensaft übergießen (ich habe noch ein paar Zesten mit dazugetan).
Das Glas verschließen und etwas schütteln.
Drei Wochen in der Sonne stehen lassen, möglichst täglich kurz schütteln.
Dann das Sirup durch ein Haarsieb oder Tuch in eine sterilisierte Flasche abfiltern. Im Kühlschrank aufbewahren.

Der Sirup hält sich etwa 3 Monate. Fügt man noch 25 ml Obstschnaps hinzu, hält er sich länger.

Eingelegte Fichtenspitzen

3 Gläser à 250 ml

250 g junge Fichtenspitzen
300 ml Apfelessig
150 ml Wasser
12 schwarze Pfefferkörner
50 g Rohrzucker (Rübenzucker passt auch gut)
1 TL Salz

Die Gläser zuerst sterilisieren (ich stelle sie dazu immer etwa 20 Minuten nach dem Auswaschen in den heißen Ofen).
Die Fichtenspitzen waschen und trocken tupfen.
Den Essig mit Wasser in einem Topf aufkochen lassen.
Den Pfeffer grob mörsern.
Pfeffer, Zucker und Salz auf die Gläser verteilen, dann die Fichtenspitzen ebenfalls gleichmäßig verteilen.
Das kochend heiße Essigwasser drübergießen und die Gläser verschließen. Schütteln bis sich Zucker und Salz aufgelöst haben und auf den Kopf stellen.
An einem lichtgeschützten, kühlen Ort mindestens einen Monat ziehen lassen.

 

DieRezepte habe ich aus dem wunderbaren Buch „Wilde Waldküche“ von Linda Louis, erschienen 2014 im Hädecke Verlag.

(weiter zur Rezension)

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