25. Februar 2024

Georgetown, Penang – Malaysias kulinarisches Traumziel

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so viele Gründe, hierher zu kommen

„Du musst nach Penang. Dort gibt es das beste Essen Malaysias“ – das hörte ich nicht nur einmal, sondern mehrmals. Von unterschiedlichen Personen. Von Personen, deren kulinarischem Urteil ich vertraue. Also fliege ich nach Georgetown, buche mir ein Hotel im alten Viertel und bin gespannt, was mich erwartet. Die alten Geschäfte, die traditionellen Bäckereien, die Nachtmärkte aber auch die üppige Natur und die Strände will ich entdecken. Zehn Tage lang dreht sich alles ums Essen. Wo finde ich das beste Austern Omelette, wo die besten Dim Sum und was hat es mit der Nyonya Küche auf sich? Und dann steht da auch noch Chinese New Year kurz bevor.

Essen, ständig und zu jeder Tageszeit

Das erste, was ich in Malaysia lerne ist, dass sich eigentlich alles ums Essen dreht. Zu jeder Tages- und Nachtzeit wird hier gegessen. Straßenküchen überall. Und überall ist es voll. Vielleicht nicht ganz so voll wie sonst, denn viele sind unterwegs zu ihren Familien, mit denen sie das bevorstehende Chinese New Year verbringen werden. Kaum ist die Sonne untergangen, wird es lebhaft in den Straßen. An meinem ersten Abend in Georgetown laufe ich zur Kimberley Street. Der Nachtmarkt hier ist populär. Noch habe ich das nicht so ganz begriffen, wie das funktioniert mit den Straßenständen. Man sucht sich einen Platz, bestellt bei einem das Essen und bei einem anderen das Getränk. Ich kann mich nicht entscheiden. Eine alte Dame trifft die Entscheidung für mich. Ein Omelett mit Austern und ein paar Satay Spieße vom Wildschwein. Dazu ein kaltes Tiger Bier. Es ist perfekt.

Streetfood Paradise

Hokkien Mee sind Nudeln, dicke Eiernudeln, und die sind überall. Mit Gemüse, Fleisch oder Meeresfrüchten. Gebraten oder in der Suppe. Das erste, was man gefragt wird, wenn man Nudeln bestellt ist, ob man sie „dry“ haben möchte. Das heißt dann, dass sie nicht in Brühe schwimmen, sondern gebraten sind. Und dann sind da noch die gebratenen Garnelen mit Tamarinde, oder Char Kway Teow, breite Reisnudeln, die mit verschiedenen Saucen, Eiern, Garnelen und Mungbohnensprossen im Wok über Holzkohle gebraten werden, so dass sie ein schön rauchiges Aroma bekommen. Aber auch köstliche Pfannkuchen mit Sirup gefüllt. Morgens begegnet einem Otak-Otak, ein Fischküchlein im Bananenblatt gegrillt. Es gibt unzählige Variationen von Pfannkuchen, frittierten Bällchen oder gefüllten Teigrollen. Beliebt sind auch Tofu-Puffs – Tofutaschen, die einem oft in Suppen begegnen. Richtig scharf ist das Essen nur selten. Vielmehr sind es besondere Gewürzmischungen und Shrimppasten, die das Essen sehr aromatisch machen.

Nyonya und Peranakan Küche

Penangs Nyonya oder Perankan-Küche gilt als einzigartig. In ihr vereinen sich die Einflüsse Chinas mit den Gewürzen Malaysias. Während Zitronengras, Pandanblätter, Kurkuma, Muskat und Limettenblätter in der chinesischen Küche nicht so vorkommen, entstanden herrliche neue Klassiker, wie beispielsweise „Chicken Kapitan“ oder „Chicken Cincalok“. Und tatsächlich ist die Küche Malaysias ihr größter Schatz, denn in ihm spiegelt sich das wieder, was das Land so bezaubernd macht. Die friedliche Koexistenz verschiedener Kulturen. Es scheint geradezu magisch und färbt ab, wie friedvoll hier die größten Weltreligionen nebeneinander leben und sich in der Küche eine einzigartige Verbundenheit all dieser entwickelt hat. Die Rücksicht aufeinander, wie zum Beispiel das fehlende Angebot von Alkohol in manchen Restaurants in muslimischen Regionen haben eine ganz eigene Kultur von nichtalkoholischen Getränken hervorgebracht. Muskat-Punch (auf der Insel wächst viel Muskat), Rosensirup mit Basilikumsamen, Pandan-aromatisierte Limonade mit Calamansis (kleine Zitrusfrüchte mit grandiosem Aroma) aber auch Kombucha und enzymatische Säfte mit Drachenfrucht und Ananas.

Chicken Cincalok

Laksa

Auntie Gaik Lean’s school eatery

Chicken Kapitan

Restaurant Sambal

Gefüllter Calmar

Ein Salat aus Ingwerblüten, Kokosflocken, grüner Mango und Belinjo Bohnen auf Kräckern

Restaurantempfehlungen

Richard Rivalee Nyonya Cuisine Restaurant (so gut, vor allem das Chicken Cincalok)
62 & 64, Lorong Macalister
George Town, 10400 George Town, Pulau Pinang, Malaysia

Auntie Gaik Lean’s Old School Eatery (bester Nutmeg-Punsch und ein wunderbares Chicken Kapitan)
1, Bishop Street
Georgetown, 10200 George Town
Penang, Malaysia

Sambal 三佰
300, Lebuh Pantai
George Town, 10300 George Town, Pulau Pinang, Malaysia

Ivys Nyonya Cuisine
100,102, 104, Jalan Kedah
George Town, 10050 George Town, Pulau Pinang, Malaysia

Durch die Straßen von Georgetown

Ein Teehaus zum Träumen – das Bao Teck Tea House

Man betritt eine andere Welt. Draußen die Hitze und drinnen ist es dunkel und kühl, in der Mitte des kleinen Teehauses ein kleiner tropischer Garten eingehüllt von wabernden Nebelschwaden. Das Teehaus ist bekannt für die allerbesten Dim Sum der Stadt. Glücklich, wer einen Platz bekommt. Das Angebot an wahlweise gedämpften oder gebratenen Teigtaschen und kleinen Köstlichkeiten ist überwältigend. Knusprige Tofuhaut wird gefüllt mit Garnelen, kleine Fleischbällchen mit einem Hauch von Fünf-Gewürze-Pulver in einer herrlichen Sauce und luftige, gedämpfte Teigtaschen mit Pandan und Kokos sind meine Favoriten. Dazu bestelle ich mir keinen Tee, sondern fermentierten Ananassaft (und weil der so toll war noch einen fermentierten Drachenfruchtsaft). Es fällt einem schwer, den Tisch wieder freizugeben, denn man fühlt sich wie in einem glücklichen Kokon. Umringt von lauter spektakulären Dim Sum.

Ausflüge

Ein Auto leihen und die Insel entdecken, das war der Plan. Das lief auch soweit ganz gut, wenn man mal vom allgegenwärtigen Stau auf den Hauptstraßen absieht. Auch das mit dem Linksverkehr und dem Steuern des Wagens von der anderen Seite aus, ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ich wollte zu den tropischen Gärten und weiter zu einer Obstplantage. Doch diese Plantage erreichte ich nie, weil ich auf einer kurvigen Straße durch den Dschungel einen Stein rammte und mit einem Platten liegen blieb. Nachdem ich endlich die Autovermietung erreichte, hieß es, dass es mindestens zwei Stunden dauern würde, bis mir jemand helfen könne. Nicht gut. Nachdem ich so zwanzig Minuten vor mich hin geflucht hatte und mich dann meinem Schicksal hätte ergeben können, besann ich mich auf die notwendigen Schritte, um vielleicht doch noch früher Hilfe zu bekommen. Und nein – ich kann keine Reifen wechseln. Habe es nie gemacht und wollte das jetzt nicht unbedingt hier in Malaysia ausprobieren. Ich suchte also den Ersatzreifen aus dem Kofferraum und faltete das Warndreieck auf. Kaum hatte ich es auf die Straße gestellt, kam eine Gruppe Motorradfahrer den Berg hoch. Einer der Fahrer schaute mich an und formte mit den Lippen das Wort „help“ – ich nickte. Er hupte und die etwa zwanzig Fahrer hielten an und wendeten ihre Maschinen. Ich erfuhr, dass sie aus Ipoh hergefahren sind und heute einen Ausflug machten. In kürzester Zeiten bockten sie den Wagen hoch und hüpften abwechselnd auf das Radkreuz, um die Muttern zu lockern und hatten nach etwa 10 Minuten den Reifen gewechselt. Ich war ihnen unendlich dankbar. „Und mit diesem kleinen Reifen bist du dann wieder zurückgefahren?“, fragte mich der Besitzer der Autovermietung, der mir dann gleich mal 50 € für einen neuen Reifen abknöpfte. Was hätte ich denn sonst tun sollen, denke ich und lächle, denn die Kratzer am Kotflügel hat er mir zum Glück nicht in Rechnung gestellt.

Tropical Spice Garden

Wie eine Pfefferpflanze aussieht, weiß ich. Aber Kurkuma, Nelken oder Kardamom? Tee und Kakao? Das und unendlich viel mehr wächst im Tropical Spice Garden. Es ist manchmal nicht so ganz einfach, die einzelnen Pflanzen zu identifizieren, vermutlich, weil irgendwelche dummen Touristen die Blüten oder Früchte abzwicken, aber als Gesamtkunstwerk ist dieser Garten ein Traum. Es ist wie im Dschungel, dicht bewaldet und doch wohl strukturiert. Da gibt es den Teil mit den giftigen Pflanzen, den Gewürzen und den mit den Tee-, Kaffee- und Kakaopflanzen. Auch eine Kochschule gibt es hier, doch leider gab es an diesem Tag keine Kurse. Dafür aber umso mehr zu entdecken in der kleinen Boutique neben dem Ausgang. Natürlich gibt es Gewürze, aber auch Kochbücher und Honig von Wildbienen aus Borneo. Ich kaufe ein prämiertes Kochbuch einer Köchin aus Penang, die wie ich erfahren soll, auch eine Kochschule in Georgetown betreibt. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten (dazu später).

Monkey Beach

Es geht an den Strand. Einmal zumindest. Und meine Wahl trifft auf den Monkey Beach. Irgendwie zieht es mich nicht an die Strände von Batu Ferringhi, wo all die großen Hotels angesiedelt sind. Ich will etwas Ursprünglicheres und das erreicht man nur mit dem Boot. Der Strand liegt im Naturschutzgebiet und ist normalerweise auch gut besucht aber jetzt, so kurz vor Chinese New Year, ist kaum was los. Nur eine Strandbar ist geöffnet. Der Weg zum Ableger der Boote ist abenteuerlich und führt über windige Planken. Dann aber habe ich ein Boot ganz für mich allein, das mich an den Strand bringt. Und ja, der Name Monkey Beach kommt nicht von ungefähr. Direkt am Strand baden Affen in einem Tümpel. Überhaupt muss man immer auf der Hut sein, denn die Racker lieben es, Taschen zu klauen und nach Fressbarem zu suchen. Bis zum späten Nachmittag liege ich in einer Hängematte und trinke abwechselnd ein Bier oder eine Kokosnuss. Hier am Wasser ist die Hitze erträglich. Einige hier baden. Obwohl einem jeder vor den Quallen hier warnt. Ich kann das gut ohne Baden genießen.

Die Jettys

Wie Finger reichen die Stelzendörfer ins Wasser. Als im frühen 20. Jahrhundert immer mehr Chinesen vornehmlich aus der Provinz Fujian nach Georgetown kamen, waren es etwa 6 Familien Clans, die ihre Häuser auf dem Wasser bauten. Sie mussten keine Steuern bezahlen, denn das Gesetz besagte, dass wer nicht auf dem Land lebt, von Steuern befreit ist. Und so bauten sie sich ihre eigene Welt auf dem Wasser. Mit eigenen Tempeln und Geschäften. Heute findet man hier zwar viele Läden mit allerlei Touristen Nippes, aber wenn man an manchen Tagen, besonders früh am Morgen, hier auf den Planken zwischen den Häusern unterwegs ist, dann hat das noch ganz viel von dem ursprünglichen Leben in den Jettys. Der Regierung waren die Stelzendörfer oftmals ein Dorn im Auge. Sie wurden zerstört und von ihren Anwohnern wieder neu aufgebaut. Heute sind sie Teil des UNESCO Weltkulturerbes .

Soja Sauce, chinesisches Gebäck und Muskat Sirup

Jeden Abend liegt ein anderes Betthupferl auf meinem Bett. Mal sind es kleine knusprige Kekse mit Pandanblatt aromatisiert, mal mit einer salzig-würzigen Füllung, dann sind es wieder besondere Bonbons. Was die kleinen Aufmerksamkeiten so besonders macht ist, dass damit kleine Bäckereien in der Umgebung des Hotels unterstützt werden. Und eigentlich hatte ich Kekse nicht auf meinem Radar. Keiner hatte mir gesagt, dass es ganz vorzügliche chinesische Kekse gibt. Ich will also mehr Kekse. Besonders die mit der Zwiebelfüllung. Frisch gebacken sind sie ein Traum. Luftiger Teig, der sandig-buttrig im Mund schmilzt. Das Dumme ist nur, dass diese Kekse nicht besonders lange haltbar sind. Bereits nach drei Tagen haben sie 50% ihres unvergleichlichen Charmes eingebüßt. Schweren Herzens kaufe ich also nur ein paar. Bis ich wieder zuhause sein würde, wäre ihre Magie verflogen. Doch ich fahre noch in eine andere Bäckerei. Ich fahre zu Him Heang Sdn Bhd. Dieses Geschäft ist mein Ruin. Hier gibt es nicht nur überwältigend viele Kekssorten (süß und salzig), hier gibt es auch Muskat Sirup, Muskat Saft, Soja Saucen von der Insel, verschiedene Sambals und getrocknete Saure Pflaumen und Calamansis für Getränke. In Gedanken räume ich schon meinen Koffer leer, und verstaue möglichst viel in meinem faltbaren Rucksack, nur damit ich all das mitnehmen kann. Es ist ein Rausch. Im Taxi zurück knabbere ich schon an dem ersten Keks. Was vermisse ich diese Kekse!!

Ich habe nicht übertrieben, oder?

Übernachten

Ich wollte ein kleines Hotel im Zentrum von Georgetown. Das Noordin Mews war ein Glücksgriff. Ein altes Peranakan Stadthaus aus den 1920’er Jahren, das liebevoll in ein Hotel umgewandelt wurde. Es gibt einen Pool und eine lauschige Terrasse im Innenhof. Selten habe ich so hilfsbereites und freundliches Personal erlebt. Sehr empfehlenswert. Und direkt um die Ecke sind zwei tolle Streetfoodmärkte.

schon der Eingang ist wunderschön

Frühstück im Noordin Mews

Noordin Mews
53, Lebuh Noordin
10300 George Town, Pulau Pinang, Malaysia

Und dann noch diese Abendstimmung

und das sah auch tatsächlich so aus und wurde nicht nachträglich eingefärbt.

und wer jetzt noch mehr über die Historie von Georgetown erfahren möchte, findet viele Informationen (in Englisch) hier: Georgetown

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