7. Dezember 2019

Eine Variation der klassischen Pho mit einer kräftigen Wildbrühe, Rehfilet und den typischen Gewürzen.

Eine gute Pho hat etwas Magisches. Bereits zum dritten Mal in Folge saß ich in dieser winzigen Garküche unweit einer der großen Straßen in Ho Chi Min City und schlürfte eine tiefdunkle, köstliche Suppe. Pho ist DIE Suppe Vietnams. Sie wird stundenlang geköchelt, manchmal über Tage, und wird mit frischen Kräutern, Chili und Reisnudeln serviert. Diese Suppe erdet mich. Sie macht glücklich, schön und zufrieden. Pho Bo heißt sie, wenn sie mit Rindfleisch gekocht wird, Pho Ga wenn sie mit Hühnchen gemacht ist. Korrekterweise wäre also eine Pho, wo Reh im Spiel ist, eine Pho Thit Nai.
Reh, ganz besonders Rehrücken hat in meiner Familie eine lange Tradition. Alle Jahre wieder und eben nur einmal im Jahr gibt es an Weihnachten Rehrücken. Meist mit Rotkraut, abwechselnd mit (Haselnuss)Spätzle oder Klößen, gerne auch mal mit Rosenkohl dazu. Was grundsätzlich fehlt, weil ich koche und somit ich auch entscheide, sind Birnen und Preiselbeeren. Das konnte ich noch nie leiden und obwohl ich Badnerin bin, kann ich mir die klassische Version des Badischen Rehrückens gut verkneifen. Fragt also nicht mal, ob ich da ein Rezept für euch habe.
Heute also war der allerliebste Jäger mit einem Stand auf dem Wochenmarkt. Und irgendwie war da diese Ungeduld. Ich wollte mit dem Reh nicht noch fast drei Wochen warten. Und sowieso war nur noch ein winziges Stückchen Rehfilet da. Ich war wehrlos. Das Rehfilet und eine Tüte mit Knochen mussten mit. Warum nicht mal eine Pho mit Reh machen? Fernweh und Heimat zusammenbringen?
So ganz vertraue ich da natürlich nicht auf die alleinige Aromengebung von den Knochen, etwas Fleisch sollte da schon noch in die Brühe und ich entscheide mich für ein Stück Brustfleisch vom Bio Rind. Eine weitere Zutat, die hier zum Einsatz kommen sollte, hatte ich bereits. Eine frische Kaffir Limette. Büffetdekoration auf dem Empfang des thailändischen Konsuls anlässlich des Thailändischen Nationalfeiertages (4. Dezember). Ich war eingeladen und es gab ein opulentes Büffet. Anstelle von frischen Früchten, habe ich mich für die Deko entschieden und ich habe sie vor dem sicheren sinnlosen Mülleimer bewahrt. Sie duftete so intensiv, dass ich noch am nächsten Morgen einen Hauch von ihr im Auto wahrnehmen konnte. Und irgendwie ist eine Pho mit Reh wirklich eine Suppe, die mich weihnachtlich stimmt. Sie symbolisiert für mich die Vorfreude auf Weihnachten in meiner Heimat Baden-Baden und gleichzeitig meine immerwährende Lust auf die große, weite Welt. Vereint in einer Suppenschale.

Habt eine schöne Adventszeit!

Erinnerungen an Vietnam

Letztes Jahr gab es um diese Zeit Xmas Sushi. Das Rezept dazu gibt es hier.

Oder wie wäre es mal mit einer Xmas Noodle Bowl mit Rotkohl und Ente?

Xmas Pho

Für Zwei

400 g Rehknochen
500 g Rinderbrust (Brisket)
2 Markknochen
1 Stange Lauch, in groben Scheiben
1 Zwiebel, geschält in 3 dicke Scheiben geschnitten
3 Möhren, geschält und grob gewürfelt
200 g Sellerie, geschält und grob gewürfelt
50 g Ingwer, Bio, ungeschält in Scheiben geschnitten
1 TL getrocknetes Zitronengras
1 TL getrockneter grüner Pfeffer
5 Stern Anis
3 Nelken
3 Kardamom Kapseln
5 Pimentkörner
2 Stangen Zimt
4 Liter Wasser
Salz

120 g Rehfilet
ein bisschen Öl zum Anbraten
Meersalz oder Soja Sauce

100 g Reisnudeln
1 Frühlingszwiebel
½ Bund frischer Koriander
1 Radieschen
1 Kaffir Limone (alternativ eine Limette)
Thai Basilikum und Mungbohnensprossen nach Belieben

Sesam oder gehackte Erdnüsse zum Bestreuen

Zuerst die Gewürze (ohne das Salz) zusammen mit der Zwiebel und dem Ingwer in einem großen Topf ohne Fett anrösten. Die Knochen dazugeben und unter Rühren rösten.
Die Rinderbrust und das Gemüse dazugeben.
4 Liter kaltes Wasser dazugeben und zum Kochen bringen.
Immer wieder Schaum abschöpfen.
Etwa 2 – 3 Stunden köcheln lassen, danach durch ein Sieb abseihen. Die Rinderbrust für ein anderes Rezept verwenden. (z.B. Rindfleischsalat mit Kürbiskernöl)
Die Brühe mit Salz und etwas ausgepresster Kaffir Limone abschmecken.
Die Reisnudeln etwa 2 Minuten kochen und auf Schüssel verteilen.
Die Brühe darüber gießen.

Etwas Öl in einer kleinen Pfanne erhitzen und das Rehfilet auf jeder Seite etwa 15 Sekunden anbraten. Salzen.
Das Rehfilet in Scheiben schneiden und auf die Brühe geben.
Mit feinen Radieschenscheiben, Frühlingszwiebelröllchen, viel Koriander und Sesam bestreuen und sofort servieren.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.