24. Juni 2018

Was man auf Hawaii gegessen haben muss und die Frage was genau ist eigentlich „Hawaiian Food“?

Hawaii, USA, kulinarische Reisen | 2 Kommentare

Was ist typisch für Hawai'i? Was gibt es außer Poke?
Garen sie immer noch kleine Schweine in der Erde? - Um das zu beantworten habe ich mich auf die Suche gemacht.

Es ist ja nicht so, dass ich unvorbereitet nach Hawaii geflogen bin, ganz im Gegenteil, was ich recherchieren konnte, habe ich recherchiert. Habe jedes Magazin, das sich mit Essen und Hawaii beschäftigte durchforstet und mir sogar einige Berichte im Fernsehen dazu angeschaut. Da ging es beispielsweise um Luau, ein Schwein, das im Boden über viele Stunden gegart wird (jetzt weiß ich dass der Name Luau einfach nur für Feier steht). Das sei total typisch für Hawaii. Dumm nur, dass das auf den Inseln keiner so sieht. Für die Touristen würde das ab und zu noch gemacht, doch wer jetzt glaubt, es wimmelt dort nur so von Feuerstellen, in denen kleine Schweine gegart werden, sucht diese vergeblich. Ich erfahre, dass dies schon allein für diese Fernsehproduktion mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden war.
Also dann Poke? Unbedingt, das ist ein Muss. Es dürfte schwer sein, irgendwo auf der Welt besseres Poke zu finden als hier auf Hawaii. (Dazu gibt es auch einen eigenen Bericht).

Wenn Du nicht weißt, was du essen sollt, iss Shrimps!

Als ich ankomme, ist mein erstes Essen während der Festlichkeiten zum Lei Day ein Korean Beef Sandwich. Alternativ hätte ich noch Maiskolben oder Cheeseburger essen können. Wie auch immer, hätte ich vermutlich alles davon überall auf der Welt bekommen können. Auch wenn das Sandwich wirklich hervorragend war und von einem der beliebtesten Restaurants (The Lady and the Pig) angeboten wurde.
Vielleicht habe ich ein wenig darauf spekuliert, dass man mir sofort mit Lila Brot von der Taro Wurzel vor dem Gesicht rumwedelt, doch davon keine Spur. Ich hatte zuvor davon gelesen und wollte es unbedingt kennenlernen.

Meine ersten Tage auf Oahu fahre ich von einem Punkt der Insel zum anderen, kaum ein Foodtruck an dem ich nicht angehalten hätte, denn die sind hier über alle Maßen beliebt. Ganz besonders für Shrimps. Shrimps in Butter-Knoblauch Sauce, Shrimp mit Kokosnuss oder scharfer Zitronen Sauce. Am Wasser zu sitzen, und Shrimps in Sauce zu pulen ist großartig. Und vergleichsweise günstig. Das Meiste wird vom Festland auf die Insel gebracht, es wird zu wenig selbst erzeugt und selbst das wenige hat seinen Preis. Auf Hawaii ist man verrückt nach Knoblauch und Zwiebeln, doch selbst die können nicht in ausreichender Menge produziert werden, so groß ist die Nachfrage.

Drei Dinge lerne ich also in den ersten Tagen:
Unbedingt Knoblauch Shrimps essen (egal wo, denn ich habe verschiedene Food Trucks ausprobiert und fand sie überall gut).
Ein Shave Eis in allen Regenbogenfarben danach essen (das ist geraspeltes Wassereis).
Es ist völlig in Ordnung, sich Poke im Supermarkt zu kaufen (das macht dort nämlich jeder)

 

 

Die allerbeste Französisch-Asiatische Allianz

George Mavrothalassitis, kurz Chef Mavro genannt, hat mich nicht nur auf den Fischmarkt in Honolulu begleitet, ich durfte ihn auch in seinem Restaurant besuchen. Er ist besonders engagiert, wenn es darum geht, möglichst viel aus der Region zu verarbeiten. Und das ist eine echte Herausforderung. Meist nimmt er eine lokale Zutat und baut drumherum einen Gang auf. Das ist ebenso genial wie köstlich. Ahi und Opah (Gelbflossenthun und Mondfisch) serviert er zu ofengetrockneten Tomaten mit Saft von kleinen Kalamansi Zitronen und Rogen. Seine Bouillabaisse ist zum Schwärmen gut und beim Hühnchen (regional) serviert mit Estragon Mousse, hawaiianischem Mais, Mangold und Foie Gras Jus, begleitet von einem Chateau Musar 2009 Rouge aus dem Libanon, bin ich kurz davor, ihn zu umarmen, so sehr macht mich seine Küche glücklich. Es ist klassisch französische Küche und dann auch wieder nicht, denn zum Ziegenkäse gibt es hier keinen Lavendelhonig, sondern eine Marmelade aus Poha Beeren und weißen Kiawe Honig. Dazu dann auch einen Riesling von Robert Weil aus dem Rheingau.
Unbedingte Empfehlung, wenn es mal etwas ganz Besonderes sein soll.

Chef Mavro serviert einen Fisch in der Salzkruste

Keahole Lobster mit frittiertem Grünkohl, Okra und Soursop

Ahi mit einer Sake Emulsion und Taro Chips

links: Hühnchen von der Insel, Estragon Mousse, cremiger Maais, Mangold und Foie Gras Jus rechts: Lamm von den Elysian Fields mit Erbsen und verschiedenen Tapenaden

 

 

Das beste Beef Broccoli der Insel

Ja richtig, Beef Broccoli ist ebenfalls kein Gericht, dessen Ursprung in Hawaii liegt. Es ist ein Gericht aus der chinesischen Küche. Und ich habe es auch nicht in einem Restaurant gegessen, sondern habe es, als mich der Regen überraschte, in einem kleinen Delikatessen Laden in Makawao (Maui) fertig verpackt mitgenommen, habe mich ins Auto gesetzt und mehr aus Hunger, denn aus besonderer Neugier gegessen. Und war total überrascht. Denn was ich anfangs nur so nebenbei registrierte war, dass dieses Rindfleisch echtes „Maui Beef“ war. Das beste Beef seit langem! Würzig aber zart, hocharomatisch und von angenehmem Biss. Es schmeckte so großartig , dass ich von diesem Moment an total verrückt nach diesen Rindern war.
Doch wer nun glaubt, dass alle mit den Rindern und deren Fleisch auf der Insel glücklich sind, der darf gerne mitmachen, wenn es darum geht, fassungslos den Kopf zu schütteln. Maui Beef sei den Besuchern hier zu „gamy“, also schmecke zu sehr nach Wild. Gut, diese Rinder stehen jeden Tag in der salzigen Luft und können sich so frei bewegen, wie sie nur wollen und ja, ihr Fleisch ist genau deshalb etwas würziger. Und genau aus diesem Grund wird alles Rindfleisch in den Restaurants vom Festland eingeflogen. American Prime Beef. Dem beliebigen Geschmack wird der Vorzug gegeben.
Kaufen könne ich es, aber nirgendwo schmeißt mir auch nur einer ein Steak vom echtem Maui Cattle in die Pfanne. Es ist ein Jammer. Wer es also probieren möchte, der kommt um diesen kleinen Deli nicht drum herum.

 

Was ist jetzt wirklich total „Hawaiian“?

frage ich also Jeff Scheer, Küchenchef des Maui Millhouses. Das Millhouse ist eines der schönsten Restaurants auf der Insel, direkt neben den tropischen Farmen. Die Küche bietet Gerichte wie Papaya Beef, selbstgemachten Kichererbsen Tofu mit Harissa Sauce oder knusprigen Schweinebauch im luftigen Reis Bun. Und das alles mit einer spektakulären Aussicht auf einen erloschenen Vulkan.

Jeff überlegt und meint dann „eigentlich nichts, mal abgesehen von der Taro Wurzel“.
Diese fade Wurzel ist also wirklich das Einzige, was wirklich hundert Prozent hawaiianisch ist. Alles andere, seien es Ananas, Lilikoi oder was immer, ist erst mit den ersten Besuchern auf die Insel gekommen. Aus Taro Wurzel wird auch ein Pudding „Poi“ gemacht. Nichts, was einem geschmacklich aus den Socken haut.
Das Hotel in dem ich auf Maui wohne, serviert lila Taro Brot zum Frühstück. Vom Geschmack her unterscheidet es sich nicht besonders von normalem Toastbrot, aber es ist eben schön lila.
Ich fahre also zu Foodland und will Taromehl kaufen. Das bekomme ich nur leider nicht. Gleiches bei Whole Foods. Eine fertige Pudding-Mischung könnte ich wahlweise mitnehmen. Da muss man dann auch erstmal darauf kommen, dass es einfacher ist, dieses Mehl von Deutschland aus beim großen Online Versender zu bekommen, als im Supermarkt auf Hawaii.

Die Antwort, dass eigentlich nichts außer dieser Wurzel so richtig original ist, enttäuscht mich jedoch nicht. Denn irgendwie ist es doch genau das, was diese grandiose Mischung aus asiatischen, polynesischen, europäischen und amerikanischen Einflüssen so bemerkenswert macht.
Denkt also an mich, wenn ihr zum Sonnenuntergang eure Shrimps in Garlic-Lemon-Butter pult und ein eiskaltes Craft Beer der Maui Brewery dazu trinkt.
Das Essen hat hier eben auch ganz viel Aloha!

Adressen:

Food Trucks

besonders beliebt: Haleiwa North Shore, Giovannis Shrimp sind sehr zu empfehlen.

 

 

 

Hawaiian Cattle (Maui Beef)

Rodeo General Store

3661 Baldwin Ave

96768-9546 Makawao, Hawaii

 

THE MILL HOUSE
1670 Honoapi’ilani Hwy
Waikapu, HI 96793

www.millhousemaui.com

 

 

Chef Mavro

1969 South King Street

Honolulu, Hawaii  96826

www.chefmavro.com

 

 

Mama’s Fishhouse

799 Poho Place,
Paia, HI 96779

www.mamasfishhouse.com

 

Hinweis: Die Reise nach Hawaii wurde unterstützt von Hawai’i Tourism Europe. Ein herzliches Mahalo dafür. Wie immer bleibt meine Meinung davon unbeeinflusst. 

2 Kommentare

  1. Bitte für mich eine Dreifach-Portion Shrimps in Garlic-Lemon-Butter und ein eiskaltes Craft Beer der Maui Brewery dazu. Beim Bier reicht eins.
    Ein schöner Sehnsuchtsbericht. Mahalo. 😉

    Antworten
    • Alles klar, liebe Thea
      ich kann mir grad nicht mehr so richtig vorstellen, dass es mal einen Tag dort gab, wo ich tatsächlich meinte „och nö, heute nicht schon wieder Shrimps“… jetzt grad würd‘ ich alles dafür geben.

      Antworten

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