5. November 2020

Eine echte Umami-Granate!

Vor etwa zwei Wochen traf ich mich mit einer Freundin zum Essen. Zuerst wussten wir nicht so recht, wo wir hingehen sollten, schließlich mussten wir auch wegen der Sperrstunde um 21:00 Uhr wieder draußen sein. Nicht allzu weit von mir entfernt hatte vor einiger Zeit ein vietnamesisches Restaurant sein Interieur komplett verändert und schien immer gut besucht zu sein. Nachdem ich bestimmt schon zehnmal daran vorbeigefahren bin und den Laden googelte, stellte ich fest, dass es sich nun um ein vietnamesisch-veganes Restaurant handelte. Aus Spaß schlug ich das vor. „Cool, da wollte ich schon immer mal hin“ kam als Reaktion. Also gut, dann eben vegan. Ich hatte einen langen Tag hinter mir, war so in der Stimmung nach einer leichten Betäubung und bestellte mir ein Bier. „Wir haben hier nur Alkoholfreies“, antwortete die Bedienung. Ihr Spielverderber! Also gut, dann eben ganz gesund. Ein kurzer Check, was die Flüssigkeitsaufnahme an diesem Tag anging, gab auch grünes Licht. Ich bestellte mir ein paar mit „Shrooms“ (Pilzen) gefüllte Teigtäschchen vorab und danach eine Udon Bowl. Mit Seitan, dem man hier den Namen „Duckylicious“ gegeben hat. Vermutlich werde ich in diesem Leben nicht mehr dahinterkommen, warum man sich unbedingt an diese Ersatzprodukte klammern muss und ihnen auch noch Namen geben muss, die an Fleisch erinnern. Hätte man ganz einfach nur Seitan auf die Karte geschrieben, wäre das vermutlich nicht mal im Ansatz so cool. Und das Publikum ist an diesem Abend (und vermutlich auch jedem anderen) jung, weiblich und tendenziell hip. Die vereinzelten Männer dazwischen fielen nicht auf. Die gedämpften Teigtäschchen waren ok. Wie eben gedämpfte Teigtäschchen so sind. Weich, ganz lecker und vor allem schnell weg. Dann kam die Udon Bowl. Und die konnte wirklich was. Es waren die echten japanischen Udon Nudeln, dick und weich, die in einer würzigen Sauce mit Pilzen, Brokkoli, einer stattlichen Menge von Röstzwiebeln und einigen Seitanstreifen serviert wurden. Das Gefühl im Mund stimmte, da war jede Menge umami im Spiel und ich war wirklich begeistert. Dabei liegt es eigentlich auf der Hand, dass wenn vegan, dann bitte mit möglichst viel asiatischen Zutaten. Die Saucen bringen den Geschmacks-Boost, sie machen das Ganze spannend und zum Verlieben gut. Kurz spielte ich schon mit dem Gedanken, in der kommenden Lockdown-Phase das ein oder andere Mal zum Hörer (oder der Tastatur) zu greifen, und mir ein Tellerchen zum Abholen zu bestellen. Auf die Idee, dass das alles ja überhaupt kein Hexenwerk ist, kam ich erst zwei Tage später, als mir einfiel, dass im Tiefkühler noch eine große Packung mit diesen allerliebsten dicken, japanischen Udon Nudeln rumliegt. Also dann einfach Nachbauen. Auf „Ducky“ konnte ich verzichten aber ich wollte hier die Menge an Pilzen unbedingt ein wenig erhöhen. Der Rest ist japanische Küchen-Mathematik. Shoyu + Mirin + Zucker = hammermäßige Sauce. Dazu noch Ingwer und Knoblauch und wir sind schon fast am Ziel. Den Rest erledigen die Röstzwiebeln. Fertig ist die Umami-Bombe.

Vegane Udon Noodle Bowl mit Shiitake und Brokkoli

Für Zwei

350 g japanische Udon Nudeln (tiefgekühlt)
3 EL Shoyu (japanische Soja Sauce)
3 EL Mirin (japanischer Kochwein)
1 TL Zucker
1 EL geriebener oder sehr fein gehackter Ingwer
1 TL dunkles Sesamöl
1 Möhre
1 kleiner Kopf Brokkoli
2 Zehen Knoblauch
10 Shiitake Pilze
Meersalz
Neutrales Pflanzenöl
1 mittelgroße Zwiebel
etwas Mehl
grüner und hellgrüner Teil einer Frühlingszwiebel, in feine Röllchen geschnitten

Zuerst die Zwiebel in Ringe schneiden, die Ringe in etwas Mehl wenden und dann in einer Pfanne mit etwa 3 Esslöffeln Öl goldbraun rösten. Dann bis zur weiteren Verwendung auf einen Teller legen und die Pfanne säubern.
Die Möhre schälen und ich hauchfeine Streifen schneiden. Den Brokkoli waschen, trocknen und in kleine Röschen teilen. Die Stiele der Shiitake Pilze abschneiden, entsorgen und die Hüte in Scheiben schneiden. Den Knoblauch fein hacken.
Wieder 2 Esslöffel Öl in der Pfanne erhitzen und die Pilze darin abraten. Aus der Pfanne nehmen und beiseitestellen. Diesmal muss die Pfanne aber nicht gesäubert werden.
Die tiefgekühlten Nudeln, den Brokkoli und das Sesamöl hineingeben, abdecken und einige Minuten anbraten.
Shoyu, Mirin, Zucker, Ingwer und Knoblauch mischen und über die Nudeln gießen. Die Pilze wieder dazugeben, ebenfalls die Möhrenstreifen hinzufügen und gut umrühren. Den hellgrünen Teil der Frühlingszwiebel dazugeben. Noch ein, zwei Minuten weiterrühren. Nach Bedarf nun noch mit etwas Salz abschmecken.
Auf Schüsseln verteilen und mit den restlichen Frühlingszwiebeln und Röstzwiebeln bestreuen.

 

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