1. August 2021

Auf dem Markt in Straßburg – warum es für Gourmets hier so verlockend ist

Strasbourg, Europa, kulinarische Reisen, Frankreich | 10 Kommentare

Wer einen tollen Wochenmarkt in der näheren Umgebung hat, ist zu beneiden. Die Frankfurter haben ihre Kleinmarkthalle, die Münchner den Viktualienmarkt und die Hamburger schätzen ihren Isenmarkt (und natürlich gibt es noch in vielen anderen Städten tolle Märkte). Und die BadenBadener? Die haben zwar auch Märkte in der Stadt, aber man ist auch ganz schnell über die Grenze nach Frankreich gefahren. Und genau das habe ich am vergangenen Wochenende gemacht. Sicher, man könnte sich den Weg sparen, wenn es nur darum geht einen Kopfsalat, ein paar Tomaten und Zucchini zu kaufen, denn die findet man auch in sehr guter Qualität auf dem städtischen Wochenmarkt. Hat man aber Lust darauf, was Besonderes zu entdecken, dann lohnt sich der Weg nach Straßburg.
Wenn ich also Bavette, grüne Mandeln, eine riesige Auswahl an feinstem Ziegenkäse und grandiose Merguez (jene scharfen Würstchen, die so toll mit Kreuzkümmel gewürzt sind) haben möchte, dann nichts wie los. Ich habe Glück mit dem Wetter, eigentlich war Regen angesagt, doch kaum erreiche ich Straßburg, kommt auch schon die Sonne hinter den Wolken hervor. Eine Boulangerie artisanale – eine traditionelle Bäckerei, ist das Erste, was lockt. Noch ist es früh am Morgen, kurz vor Neun, und Straßburg scheint wie verlassen. Kaum Autos sind unterwegs, direkt am Marché de la Robertsau gibt es sogar freie Parkplätze. Das Wunderbare an diesem Markt ist, dass alles ein bisschen anders ist als bei uns und trotzdem jeder Deutsch spricht – wenn er will. Ein freundliches Bonjour sollte schon drin sein, wenn man hier beraten werden möchte.
Ein Marktbesuch im Ausland gehört für mich zu dem Schönsten und Spannendsten, was ich auf meinen Reisen erlebe. Ein Markt ist nicht nur ein Spiegel der Jahreszeiten, sondern auch ein Ausdruck der Kultur des Landes. Während bei uns die Rohmilch längst verbannt wurde, bekommt man hier auf dem Markt immer noch eine „Lait cru“. Das ist ganz besonders interessant für all jene, die Bibeleskäs‘, Labne oder indischen Palak machen möchten. Auch für all jene, die mal ganz verwegen mit Milchhaut experimentieren möchten, wie es der berühmte Sternekoch Michel Bras beispielsweise getan hat, ist Rohmilch die einzige Option. Klar, kann man hier bei uns einfach zum Bauern des Vertrauens fahren, was aber, wenn man keinen solchen in der Nähe hat? Dann eben ein Markt in Frankreich.
Viele Fleischstücke, die man bei uns beim Metzger vorbestellen muss, wie Onglet (Nierenzapfen) vom Rind, Bavette vom Ibérico Schwein oder einfach nur Bäckchen, kann man auf diesem Markt kaufen. Was Pasteten angeht, ist es hier ein wahres Paradies und erst die Würste! Ich habe den großen Koch und Kochbuchautor Yotam Ottolenghi einmal in einem Interview gefragt, was ihm an der deutschen Küche so besonders gut gefalle. Die Würste, meinte er. Die seien einfach großartig. Ich finde, unsere französischen Nachbarn sind hier ebenfalls Weltklasse. Ich kaufe ausgezeichnete Merguez (besser als vom arabischen Metzger hier in München) und kleine pikante Würste, die wirklich außergewöhnlich toll gewürzt sind. Zwei kleine Pasteten wandern auch noch ins Körbchen. Auf die eine, die mit Münsterkäse und Kartoffeln gefüllt ist, freue ich mich ganz besonders. Und ich kaufe Ananas-Tomaten. Herrliche leuchtend gelbe Tomaten, die wie Ochsenherz-Tomaten aussehen, nur eben in Gelb.

Eigentlich ist dieser Markt recht überschaubar aber trotzdem gibt es so viel zu entdecken. Seine Größe ist nicht vergleichbar mit den Märkten in Paris aber er ist perfekt dafür, wenn man einfach so am Wochenende mal in eine andere Welt eintauchen möchte. Nebenan gibt es ein hübsches, kleines Café, wo man herrliche Eclairs und kleine Törtchen bekommt.
Dann mache ich mich wieder auf den Weg nach Baden-Baden. Und mit mir im gekühlten Einkaufskorb Bibbeleskäs‘ mit Knoblauch, Pasteten und Würste. Und natürlich ein duftendes Flûte.

Pasteten mit unterschiedlicher Füllung

Rohmilch

wo es auch noch echten Bibbeleskäs‘ aus Rohmilch gibt

natürlich darf im Elsass der Gugelhupf nicht fehlen

gute Laune gibt es hier gratis

Kohl gehört natürlich im Elsass dazu

Croissant, Brioche & Co.

hier kommt fast alles aus der direkten Umgebung

grüne Mandeln

bunte Bete und Zwiebeln

ein guter Metzger darf natürlich nicht fehlen

Knoblauch darf in meiner Küche nie ausgehen

Reineclaudes

elsässische Limonade

 

Marché de la Robertsau

Place du Corps de Garde 67000 Strasbourg

Dienstag und Samstag 7h00 bis 13h00

und auch dafür ist Straßburg berühmt

10 Kommentare

  1. So ein schöner Bericht, da bekomme ich sofort Fernweh. Essen gehört für mich beim Reisen sowieso zu den intensivsten Erfahrungen und, genau wie Du schreibst, Marktbesuche sind auf Reisen immer ein besonderes Erlebnis. Durch Corona und Schwangerschaft war ich viel zu lange nicht mehr unterwegs, habe dieses vollkommene Erleben von Aromen, Zutaten und Gerichten aber so vermisst. Jetzt freue ich mich schon so, diese Erfahrungen wieder machen zu können – und dann sogar mit Tochter! Hach, hach!
    Herzliche Grüße
    Marie-Louise

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    • Liebe Marie-Louise,
      dann wünsche ich dir schon mal alles Gute für die kommenden Reisen.
      sei lieb gegrüßt
      Claudia

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  2. Oh, da bekomme ich Lust, mal in Strasbourg vorbeizuschauen, wenn ich mal wieder im Elsass bin. Danke für die schönen Markteindrücke!
    Gruss,
    Sarah

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  3. Ich kann diesen Marktbesuch nur all zu gut nachvollziehen, sowie auch die Verordnungs- und Richtlinienwut der deutschen Buerokraten!
    Ich fahre regelmaessig auf den samstaeglichen Wochenmarkt in Ceret und erfreue mich immer wieder an der Vielfalt der Angebote, die noch nicht von einer Verordnungwut zusammengestaucht ist.
    Sei es am hausgemachtem Biovollkornbrot einer Baeckerin die in den umliegenden Bergen wohnt oder auch am Kleinbauern, der nur Zwiebln und Knoblauch aus eigenem Anbau verkauft. Nur muss man zeitig seinen Einkauf taetigen, denn er ist regelmaessig gegen 11 Uhr ausverkauft!
    Daneben gibt es eigentlich fast all das, was man benoetigt, wie Schnuersenkel, Oliven, Brathuehnchen frisch aus der mobilen Rotisserie, Blumen, Ziegenkaese in jedem Alter, etc, etc.
    Und zum Abschluss ein Glaeschen in der BAR LE PABLO, wie derselbe Maler es in seiner Zeit in Cert gemacht hat.
    So kann ich dem Autor mehr als Recht geben, wenn er behauptet, das ein franzoesischer Markt die Kultur des Volkes wiederspiegelt!!

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    • Lieber Arnd,
      Das klingt so toll. Was für eine tolle Kombination von Brot, Schnürsenkeln und Oliven.
      Mir gefällt das auch immer in Italien so gut, wenn das so bunt gemischt ist.
      Herzliche Grüße
      Claudia

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  4. Jetzt könnte ich hier in Berlin nur weinen: Pastetchen mit Münsterkäse und Kartoffeln gefüllt; Rohmilch? Dafür müsste ich extra ins schon lange nicht mehr „geliebte“ KaDeWe fahren. Bibbeleskäs‘: Hach, Kindheitserinnerungen, weil der damals noch Butterbröckchen hatte. Lange Zeit gab es eine wirklich alte Frau, die solchen Bibbeleskäs‘ auf dem Freiburger Münstermarkt anbot. Wegen irgendeiner neuen und dämlichen Lebensmittelverordnung durfte sie den nicht mehr anbieten. Wer sich aber auskannte und schon bei ihr gekauft hatte, bekam köstliche „Bückware“. Sicher ist sie inzwischen verstorben.
    Hast Du ein gutes Rezept für Bibbeleskäs‘ mit Butterbröckele?
    Ananastomaten fand ich neulich im Biomarkt – als wohl einmalige Marienerscheinung. Fand bei Nata von „pastasciutta“ ein köstliches Rezept dafür, das ich jeden Tag so lange fabriziert habe, bis die wunderbare Tomaten alle waren.
    Schönen Sonntag und lieben Gruß aus Berlin.
    P.S. In Baden-Baden wäre ich fast ins Internat gekommen. Ein anderes hat mir dann besser gefallen.

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    • Ach liebe Thea,
      Ich kenn das noch gut aus meiner Berlinzeit. Nicht so doll… aber – was hier echt schwer zu kriegen ist, ist frisches Leinöl. Vielleicht tröstet das ein bisschen. Und wegen dem Bibbeleskäs frage ich mal meine Tante. Als die selber noch Kühe hatte, hat sie den auch gemacht.
      Liebe Grüße
      Claudia

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      • Danke, liebe Claudia, für den Tante-Bibbelekäs‘. Frisches Leinöl, oh ja. Leider ist der Mann, bei dem ich immer topfrisches, vor meinen Augen gepresstes Leinöl gekauft habe, vom für mich leicht erreichbaren Markt auf dem Wittenbergplatz an den „schicken“ Winterfeldtmarkt gezogen; da ist es mir zu trubelig, zu hektisch, und der akademische Mittelbau verliert da zu oft die Contenance. Die verschiedenen Ölmühlen hier in der Gegend bieten Gott sei Dank so kleine Flaschen an, dass bei mir Leinöl nie schlecht wird. Aber bevor ich mich da kümmere, müsste ich schon Deine Ansprüche kennen.
        P.S. Ich liebe ja Notizzettel, auch digitale. Mir ist zum Bibbelekäs‘ etwas eingefallen. Eine Mitarbeiterin aus den Anfängen von manufactum hier in Berlin hatte mal einen Blogversuch gestartet; vielleicht bereitet Dir der Link ja ein wenig Vergnügen. Wir alle wissen nicht, wo die Verfasserin abgeblieben ist.
        http://cenacolumn.de/bibbeleskas/#more-427

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        • Liebe Thea,
          habe meine Tante gefragt und sie meinte, das mit dem Bibbeleskäs sei ganz einfach. Rohmilch, so etwa 1,5 Liter, mit 3 EL Buttermilch ansetzen und so 1 -2 abgedeckt stocken lassen. Dann ist es schon fertig. Geht mit vollfetter und mit entrahmter Milch. Mit entrahmter fast noch besser, denn dann gibt sie nach dem Stocken nochmal Sahne dazu. Dann noch ein bisschen würzen – fertig!

          liebe Grüße
          Claudia

          Antworten
          • Danke, liebe Claudia, und liebe Grüße.

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