Applaus für ein Huhn!

Dass Kochen glücklich machen kann, ist unumstritten. In einer perfekten Welt gleicht die Vorbereitung des Essens einer meditativen Tätigkeit, der Einkauf der Zutaten wird zur Erlebnisreise und natürlich gelingt alles wunderbar- Alle sind glücklich. An diesem Samstag gestaltete sich meine „Erlebnisreise“ auf den Markt eher zu einem unentspannten Stapfen durch den Schneematsch, durchnässten Stiefeln, verbunden mit eiskalten Zehen und völliger Ahnungslosigkeit, was heute wohl auf meinem Tisch landen würde.  Meine kurzzeitig andauernde Fischphase war zu ende, denn als ich vor den in Eis gepackten Fischfilets stand, wurde mir gleich noch kälter.

Und obwohl ich Hühnchenbrust immer für einen dankbaren Träger von so allerlei Aromakompositionen  hielt, jedoch ansonsten durch seine geschmackliche Bedeutungslosigkeit mit Tendenz zum Trockenen kaum erwähnenswert ist, entschied ich mich für eine Hühnerbrust. Mit Haut, das ist wichtig. Sie war so schwer (800 g), dass ich leichte Befürchtungen ob ihres Alters hatte, was sich jedoch als Unsinn erweisen sollte.

Dieses Huhn duftete schon fast in rohem Zustand. Kein abstoßender Geruch ging von ihm aus (wie so manches Mal, wenn ein Supermarkthühnchen aus seinem Cellophan befreit wird), sondern es wirkte frisch, zart und mit guten Sachen genährt. Als ich ihm die gekräuterte Mascarpone unter die Haut schob, glänzte es.

Und weil grade alle Welt um mich herum mal wieder völlig auf dem low-carb-Trip ist, verzichtete ich auf gehaltvolle Beilage und gönnte ihm stattdessen ein Bett aus dunklen Möhrenspänen, gewürzt mit ein wenig gemahlenem Koriander und Butter. All jenen welchen dieses Low-carb-Gedöns ebenso suspekt vorkommt wie die Blutgruppendiät und zu denen auch ich mich zähle, sei auch ein Bett aus Süßkartoffeln ans Herz gelegt.

Es schmeckte so hinreißend dieses Huhn, saftig und aromatisch, dass, kaum waren die Brustfilets runtergeschnitten, meine Gäste sich an das Pulen der Karkasse machten. Letzte Reste der Kräutercreme wurden zusammen gekratzt, hier noch das letzte Fitzelchen Fleisch entfernt. Ein Moment, der schöner nicht sein könnte. Und da war es dann – dieses wirklich überwältigende Glücksgefühl, wenn es gelungen ist, die Gäste mit einem Essen zum Schwärmen zu bringen. Ich fühle mich wie das Mädchen im Sterntaler, auf die es in einem fort Gold regnet. So ein Moment wird ausgekostet, ich wälze mich darin und weiß wieder, warum es sich lohnt, an einem grauen Samstag durch den Schnee zu stapfen. Für genau dieses wunderbare Huhn!

 

Hühnerbrust mit Limonen-Rosmarin-Mascarponecreme auf dunklen Möhren mit Winterportulak

Für Drei

1 Hühnerbrust mit Haut, etwa 800 g

150 g Mascarpone

1 unbehandelte Zitrone

1 unbehandelte Limette

1 Bund Rosmarin

½ Bund Basilikum

Salz, frisch gemahlener Pfeffer

1 EL Butterschmalz

1 Bund vorzugsweise große dunkle Möhren (das dunkle ist eher der Optik geschuldet)

1 knappe Handvoll Winterportulak

1 Messerspitze Kreuzkümmel

1 Messerspitze gemahlener Koriander

1 EL Butter

1 Schuss Weißwein

Salz

Für die Kräutercreme den Rosmarin und das Basilikum fein hacken. Die Limette und die Zitrone heiß abspülen, trocken reiben und mit dem Zestenreißer die Schale abschälen. Die Streifen grob hacken und zusammen mit den Kräutern unter die Mascarpone mischen. Kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken, dabei ruhig großzügig salzen, denn das Huhn zieht einiges davon wieder weg.

Das Huhn trockentupfen und vorsichtig die Haut über den Brustfilets anheben. 2/3 der Mascarponecreme unter die Haut schieben und danach die Haut leicht andrücken.

Den Ofen auf 200° vorheizen.

In einer beschichteten Pfanne das Butterschmalz erhitzen und das Huhn mit der Brustseite nach unten eine knappe Minute anbraten, umdrehen und ebenfalls ganz kurz anbräunen lassen.

Das Huhn in eine feuerfeste Form setzen, etwas von der verbliebenen Kräutercreme daraufsetzen und für 30 min (je nach Größe des Huhns, mein Wonneproppen brauchte 40 min) im Ofen garen.

In der Zwischenzeit die Möhren schälen und mit dem Sparschäler in längliche Späne schneiden, so dass sie ein bisschen wie Nudeln aussehen.

In einem Topf die Butter schmelzen, die Möhren dazugeben und unter Rühren kurz andünsten. Den Weißwein, die Gewürze und das Salz zufügen und einige Minuten unter geschlossenem Deckel garen, sie sollten jedoch noch Biss haben.

Das Huhn aus dem Ofen nehmen, die restliche Mascarponecreme darauf schmelzen lassen und die Brustfilets in Scheiben schneiden.

Die Möhren auf den Tellern zu einem Nest anrichten, den Portulak drüberstreuen und mit den Filetscheiben anrichten.

Dazu schmeckte uns ein großartiger Rheingau Riesling.

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16 Responses to Applaus für ein Huhn!

  1. Sylvia 13. April, 2013 at 22:28 #

    Heute spontan Dein Huhn ausprobiert….. Ohne Möhren dafür mit lila Kartoffelpüree von der blauen Anneliese…… die Kinder, die bestimmt nicht jedes unserer Geschmackserlebnisse teilen, und wir waren begeistert!!! Herzlichen Dank für diese Inspiration!

    • Dinner um Acht 14. April, 2013 at 12:25 #

      Liebe Sylvia, das freut mich sehr, dass es allen geschmeckt hat und noch mehr, dass du mich daran teilhaben lässt. Die blaue Anneliese ist mir noch nicht begegnet, muss ich Ausschau halten danach, aber vielleicht hat sie ja auch nur einen deutschen Namen und nennt sich nicht immer Vitelotte. Wünsche dir noch einen sonnigen Tag,
      Claudia

      • Sylvia 28. April, 2013 at 12:44 #

        Liebe Claudia,
        Heute Abend wird es wieder das köstliche Huhn geben!
        Die blaue Anneliese ist von unserem regionalen demeter Bio-Kisten- Lieferanten sannmann.com hier aus den Vierlanden bei Hamburg.
        Vielleicht findest du etwas ähnliches im Süden?
        Herzliche Grüsse
        aus Hamburg
        Sylvia

    • Bernd 19. August, 2015 at 11:02 #

      Lese seit einiger Zeit diesen hervorragenden Blog und bin begeistert über die Rezepte. Habe gestern diese unverschämt leckere Hähnchenbrust nachgekocht…einfach super. anstatt dem Portulak habe ich Bio-Mangold (sehr kleine Blätter) und normale Möhren genommen. Sah sehr gut auf dem Teller aus und meine Frau war voll des Lobes!

      Schönen Tag noch!

      • Dinner um Acht 19. August, 2015 at 11:13 #

        Lieber Bernd,
        vielen lieben Dank, dass du deine Begeisterung mit mir teilst. Es freut mich sehr, dass es so gut geschmeckt hat.Mangold ist auch eine prima Kombination.
        Dir auch einen schönen Tag!
        Claudia

  2. wabbi 31. März, 2013 at 23:08 #

    Liebe Claudia, ich reihe mich gerne ein in die Menge der Applaudierenden Genießer!
    Meine Geschichte dazu: am Samstag schlenderte ich auf den Markt um mir Hühnerbrustfilet für irgendein Currygericht zu kaufen. Also los zum besten Geflügelhändler der meine Umgebung zu bieten hat: ohhh vermutlich zu spät, es liegt keine Brust mehr in der Theke…. “ haben Sie vielleicht noch irgendwo eine Hühnerbrust versteckt?“ „leider nein, die letzte habe ich soeben verkauft…“
    Hm, naja „dann nehme ich 10 Eier“… plötzlich eine Dame rechts hinter mir: „ich habe die letzte gekauft, habe aber auch noch eine zu Hause, gerne gebe ich Ihnen meine ab““. Nein, so wichtig ist das nun auch wieder nicht, Sie dürfen Ihre gerne behalten“. „Nein, nein, nehmen Sie meine ich habe ja noch eine daheim“. Also, alles klar: da kann ich nun wirklich nicht mehr nein sagen… ich bezahle der Dame den Kaufpreis und bekomme die Brust… nur es ist kein Filet sondern eine wunderschöne kleine Hühnerbrust mit Haut und Knochen.
    Viel zu schade für irgendein Curry!!!
    Also ich erinnere mich an das „Applaushühnchen“ welches ich vor kurzer Zeit auf meine „to do“ Liste gesetzt habe… schaue zu Hause kurz in den Rechner und kaufe noch Mascarpone und Basilikum, alles andere habe ich noch. Heute sollte es so weit sein! Ich sage Euch dieses Gericht ist wirklich ein Traum! Super einfach und schnell in der Zubereitung und eines der allerleckersten Hühnergerichte die ich in meinem Leben gegessen habe!

    Auch noch jetzt, einige Stunden später schwelge ich in Glückseligkeit 😉

    DANKE!
    und liebe Grüße
    Wabbi

    • Dinner um Acht 1. April, 2013 at 11:07 #

      Liebe Wabbi,
      du machst mir mit dieser Geschichte eine riesige Freude. Ein Ostergeschenk. Wären nicht letztes Wochenende meine Esszimmerstühle abtransportiert worden, hätte ich es für meinen Mädels-Canasta-Kreis gleich nochmal machen müssen, so begeistert waren sie. Es ist also nur eine Frage der Zeit (mittlerweile sind die neuen Stühle da), wann das Huhn wieder auf den Tisch kommt.
      Ich wünsche dir noch einen wunderbaren Ostermontag,
      Liebe Grüße
      Claudia

  3. multikulinaria 26. Januar, 2013 at 19:51 #

    Eigentlich versuche ich ja, deutlich weniger Fleisch zu essen, aber angesichts solch verführerischer Rezepturen und Fotos werde ich schwach. Wird nachgekocht!! Wo kann man denn Winterportulak bekommen? Habe den noch nie gesehen… Wochenmarkt?

    • Dinner um Acht 27. Januar, 2013 at 0:10 #

      ja genau – Wochenmarkt ist da die richtige Adresse. Ich würde mal tippen – auf dem Winterfeldt-Markt bekommst du sie.
      liebe Grüße
      Claudia

  4. SAPRI 24. Januar, 2013 at 22:05 #

    Das sieht wahnsinnig toll aus!
    Mir ist direkt das Wasser im Mund zusammen gelaufen 🙂

    Lieben Gruß
    Sarah

  5. Sybille 20. Januar, 2013 at 20:06 #

    Da klatsche ich doch auch gleich mit.
    Gigantisch lecker schaut dieses Huhn aus.
    Ich habe zwar überhaut nichts gegen Beilagen einzuwenden, doch hier würde mir das Huhn mit Möhren völlig reichen.

    Liebe Grüße

    • Dinner um Acht 21. Januar, 2013 at 9:23 #

      Liebe Sybille, womit mal wieder bewiesen wäre, dass es auf die Optik ankommt. So ein paar Möhren sind ausreichend, wenn sie bunt sind. Ob das nun Möhren oder Nudeln sind ist (fast) wurscht.
      Liebe Grüße, Claudia

  6. Marie 20. Januar, 2013 at 18:36 #

    Anregend geschrieben und Bilder, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen lassen! Danke für das Rezept! Wenn du magst, schau doch mal bei mir vorbei! Ich würde mich sehr freuen!
    Liebe Grüße, Marie

    • Dinner um Acht 21. Januar, 2013 at 9:25 #

      Liebe Marie, die kleinen Gugels auf deiner Seite hätten es mir angetan!

  7. Juliane 20. Januar, 2013 at 15:23 #

    Applaus und da capo! Sieht sehr ansprechend aus und ich wäre gerne dabei gewesen und hätte alles restlos aufgegessen. Schön, wenn man den Gästen etwas servieren kann, das so gut ankommt und alle (auch die Köchin)glücklich macht! Da lohnt sich dann auch das Frieren beim Marktgang.

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

    • Dinner um Acht 20. Januar, 2013 at 15:33 #

      Ist ja nicht immer so, dass man den Geschmack so genau trifft.. Und das ist dann wirklich ein sehr schönes Gefühl. Dir auch noch einen schönen Sonntag und ein grandioses Kalbsrahmgulasch. Liebe Grüße, Claudia

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