30. März 2015

Winzerdinner, und warum ein alter Hase weiß, wie hoch er springen muss

München, Entdeckungen, Wein & Spirits, auswärts essen & events | 0 Kommentare

Winzerdinner Tantris

„Winzerdinner“ heißt das neue Zauberwort. Darunter vorstellen darf man sich folgendes – einen ganzen Abend lang wird ein Winzer und seine Weine vorgestellt – der Winzer ist anwesend – dazu gibt es ein korrespondierendes Menü und das Ganze ist völlig ungezwungen. Man kann mit dem Winzer plaudern und erfährt viel über die Weine, das Gebiet und die Ausbaumethoden. Im Idealfall sitzt man mit allen anderen Gästen an einer langen Tafel und tauscht sich lebhaft aus, während man dazwischen immer wieder die Nase tief ins Glas versenkt. Man genießt, hat dabei großen Spaß und lernt in Regel auch noch was. Klingt perfekt? Ist es auch.

In der Tantris Natural Winebar gab es vergangenen Samstag bereits das zweite Winzerdinner. Der Winzer Jakob Peter Kühn, einer der ganz Großen bei den Naturweinen aus dem Rheingau,  ist der Star des Abends. An diesem Abend dreht sich also alles um seine Weine, die ich bereits seit über 17 Jahren mit großem Vergnügen trinke. Entdeckt hatte ich ihn auf einer Weinmesse und seit dieser Zeit seinen Werdegang verfolgt. Ich bin gespannt, ihn persönlich zu treffen. Doch leider erfahre ich, dass er sich von einer Lungenentzündung erholen muss. Sein Sohn Peter ist da. Und der vertritt ihn auch mit großer Leidenschaft. Er erzählt von Lagen, dem Boden (roter und grüner Schiefer), der Demeter Zertifizierung und man spürt, wie stolz er auf das alles ist. Der Wein soll das widerspiegeln worauf er gewachsen ist.

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Peter Kühn jr. – ein leidenschaftlicher Redner wenn es um die natürlichen Weine seines Vaters geht.

Für mich ist das ein wenig wie ein Wiedersehen mit einem alten Freund. Der alte Freund Riesling. Und der ist auch schon im Glas. Ein frisches, spritziges Entrée mit dem 2013 Riesling »Hallgarten Hendelberg«. Viel Frucht, ganz besonders die Grapefruit tritt hier zum Vorschein. Die Säure ist kräftig, sie nimmt vollen Anlauf, macht dann aber im Mund eine elegante Drehung und wird milder. Leichte Bitternoten, wie von der Limette begleiten diesen Schwung. Diese zitrischen Noten werden auch gleich nach einem Amuse von einem schönen Sashimi mit Grapefruit wieder hervorgerufen. Das ist schon mal ein grandioser Auftakt. Dabei erfahre ich auch, dass ich heute Abend auch Testesser bin – zumindest was das Brot angeht. Hier hat sich die Weinbar von der großen Mutter, dem Restaurant Tantris, abgenabelt. Ein Traditionsbäcker aus Landshut, der nur mit Dinkel arbeitet und hier voll seine Kreativität walten lässt, ist seit kurzem der neue Lieferant. Wie beim Wein und der Küche wollte man auch hier spielerischer werden. Brot mit Sepia oder Apfel, verschiedene Nüsse. Ich ertappe mich dabei wie ich ganz unsozial daran denke, das Brotkörbchen mit niemand teilen zu wollen. Soweit kommt es zum Glück nicht. Es ist genug da.  Und es ist köstlich. Wieder seufzen wir ein wenig am Tisch und singen gemeinsam das alte Lied „wo gibt es heute noch richtig gutes Brot?“. Ich stelle also fest – allein für ein Butterbrot und ein Glas Wein lohnt sich der Besuch hier schon.

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yeah! Riesling!

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Küchenchef Simon Schöberl serviert als zweiten Gang Zander auf einem frischen Kräuterpüree. Estragon sticht hervor, es ist rund und harmonisch. Dazu gibt es den nächsten Riesling. Der 2012 Riesling Doosberg Qualitätswein trocken VDP.GROSSE LAGE korrespondiert exakt mit den Kräutern. Leichte rauchige Lakritz Aromen, hefig und frisch. Und wieder ein Hauch von Trockenobst und Vanille. 12 Monate war dieser im Holzfass. Das ist eine tolle Kombination, die mich euphorisch stimmt.

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Wenn Peter Kühn jr. von den Weinen spricht, spricht er auch immer von den Herausforderungen, die das Klima, der Boden und die Anbaumethoden so mit sich bringen. 2012 sei ein gutes Jahr gewesen. Wie werden also die kommenden Jahrgänge? Als er von den Herausforderungen spricht fällt der Satz „ein alter Hase, weiß wie hoch er springen muss“ und wir müssen alle lachen. Wir wissen alle was gemeint ist und auch wenn hier so ein paar alte Weisheiten irgendwie vermischt wurden – es ist klar, was er damit sagen will. Wer so viel Erfahrung hat wie sein Vater, den haut so schnell nichts um.

Der nächste Riesling kommt ins Glas. Der 2012 Riesling St. Nikolaus GG ist ein opulentes Kraftpaket von einem Riesling. Nur 150 m vom Ufer des Rheins entfernt liegt dieser Weinberg für diesen Wein an einem kleinen Südhang. Der an dieser Stelle sehr breite Rhein fungiert als Wärmespeicher und ergänzt die Wirkung der Sonneneinstrahlung. Der Austrieb und die Blüte beginnen hier immer einige Tage früher und gewähren eine sehr lange Reifezeit. An den auf sandigem Löß stehenden dicht gepflanzten über 60-jährigen Reben wachsen wenige kleinbeerige Trauben mit intensivem Aroma. Mein Tischnachbar ist entzückt. Ich habe zu diesem Zeitpunkt mein Herz schon mehr an die Nummer zwei vergeben, doch auch hier sind es die vielschichtigen Eindrücke – wir trinken auch aus großen Gläsern – die mir großen Spaß machen. Rieslingfeuer.

Beim vierten Wein des Abend machen wir einen kleinen Exkurs nach Spanien und verlassen bis zum Dessert die Kühn’schen Weinberge des Rheingaus. Stefan Peter, ehemaliger Tantris Sommelier, der das Konzept für diese Weinbar entwickelt hat, hat sich etwas ganz Besonderes für uns einfallen lassen. Ein Wein aus dem Priorat von Dominik Huber. Dieser Wein, der aus einer kargen Schieferlandschaft, 600m über dem Meeresspiegel kommt, betört mit einer schmelzigen Wucht, die wie geschaffen ist für eine butterzarte Roulade auf Topinambur und Ratatouille.

Doch was wäre ein solcher Abend ohne ein Dessert und einen entsprechenden Dessertwein? Richtig – nur halb vollkommen. Und dazu kehren wir wieder zurück ins Rheingau zu Peter Jakob Kühn und dürfen uns jetzt über die schöne Beerenauslese hermachen. Ananasnoten und würzige Frische begleiten unseren kleinen Strudel und die Honigaromen des Weins finden sich wieder in einer Art Caponata, die an türkischen Honig erinnert. In diesem Wein entdecke ich aber auch pfeffrige Noten und einen Hauch von Safran. Ein sehr würdevoller Wein.

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Glas leer? Gibt’s nicht. Doch wer ist schneller? Der Weinexperte Florian Severin freut sich über so perfekten Service.

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ein feiner Dessertwein mit Gewürznoten

Und so wurde an diesem Abend viel gelacht, geredet und jeder, der zu fortgeschrittener Stunde die Tantris Natural Weinbar verlässt, hat ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Es hat eben einfach alles gepasst. Ambiente, Wein, Essen und nicht zuletzt der sensationell professionelle Service, für den ich mich mit Freude aus ganzem Herzen bedanke.

Wer jetzt noch überlegt, ob er da auch mal dabei sein will, sollte schnell sein.

Die weiteren Termine sind:

18.04. Luca Roagna

23.05. Terroir al Limit

20.06. Tscheppe / Pranzegg

Anmelden kann man sich unter winebar@tantris.de

Die Weine, die wir an diesem Abend getrunken haben, gibt es natürlich in der Tantris Natural Winebar oder zu bestellen bei: Vinaturel.de

 

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