2. Januar 2015

Underdog – ein Riesling, ein Weingut und die Erfolgsgeschichte von
Sven Nieger

Entdeckungen, Wein & Spirits, auswärts essen & events | 0 Kommentare

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„Komm, lass uns erst mal in die Reben fahren“, ungefähr so werde ich von Sven Nieger in Varnhalt begrüßt und natürlich will ich sofort in die Reben. Schließlich sind es für mich ganz besondere Reben. Es sind die Reben meiner Kindheit. Hier, überm Berg bin ich aufgewachsen, Familienfeste wurden im Rebland gefeiert, ich bin mit meinen Großeltern durch die Reben spaziert, war Kuchen essen auf der Yburg. Der Wein zuhause wurde natürlich aus der hiesigen Winzergenossenschaft bezogen. Das meiste davon gibt es nicht mehr. 2012 schloss die Winzergenossenschaft für immer ihre Tore. Abriss. Das Familienlokal gibt es auch schon lange nicht mehr. Viele der ansässigen Winzer geben auf, weil sie keinen Nachfolger haben. Sie verkaufen oder verpachten ihre Parzellen. Zum Beispiel an Sven Nieger. Er bekommt viele solche Angebote. Sie vertrauen ihm ihre Weinberge an, weil er sie überzeugt hat, dass er es kann. Der 32jährige startete 2012 mit seinem ersten eigenen Wein. Davor hat er Weinbau studiert, arbeitete in der Pfalz und in Neuseeland. Neuseeland hat ihn am besten gefallen. Aber wirklich anstrengend ist das Leben und Arbeiten dort nicht, meint er. Er wollte zurück nach Baden-Baden. Es gelang ihm mehr oder weniger auf Anhieb, die Weinwelt zu beeindrucken. Falstaff gab ihm gleich 95 Punkte für seinen 2012 Riesling Neuweier Mauerberg, 92 Punkte für den Varnhalt Klosterbergfelsen Riesling trocken 2013.

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Leicht war das nicht, denn im Gegensatz zu vielen seiner Mitstudierenden ist er nicht in einem Wein produzierenden Betrieb aufgewachsen. Er musste sich das alles selbst erarbeiten. Soviel zu seinem Ehrgeiz. Das rückt auch seine Aussage über das Arbeiten in Neuseeland in ein anderes Licht. Er will alles dafür tun, damit es gut wird.

Zum ersten Mal getroffen habe ich ihn im Mai auf einer Messe in Berlin. Es war etwas Besonderes, einen badischen Winzer dort anzutreffen. Da habe ich seinen 2013 Rosé „Sophia“ getrunken. Ein Vergnügen, das ich leider nicht mehr wiederholen kann, denn er ist restlos ausverkauft. Wir redeten viel und ich nahm mir vor, beim nächsten Besuch in der Heimat bei ihm vorbeizuschauen. Bevor es dazu kam, trafen wir uns erneut auf einer Messe. Hier hatte er seinen Pinot Noir dabei und einen Riesling mit dem Namen „Underdog“. Der Pinot Noir ist ungefiltert und nur in Magnum Flaschen zu bekommen. Davon gibt es ganze 200 Stück. Volle Beeren und gezuckerte, junge Tannenspitzen entdecke ich darin. Kantig und doch mit einem eleganten Schmelz. Ich war begeistert. Doch noch neugieriger war ich auf den Underdog. Warum dieser Name?

Wer sich in dieser Weingegend auskennt weiß, dass der Mauerberg mit das Beste ist,  was Baden zu bieten hat. Eine Premium Lage. Auch hier hat Sven Nieger Parzellen. Es sollte sein großer 2013 Riesling Mauerberg werden. Und dann  ist der in der Gärung plötzlich stehen geblieben. Für Nieger steht sofort fest – in diesem Jahr gibt es keinen Mauerberg. Damit will er authentisch bleiben. Er machte trotzdem damit weiter. Gab dem Kind aus der besten Lage mit viel Potential den neuen Namen Underdog und präsentierte ihn, entwickelte ein neues Design für die Flasche und sprayte den Namen drauf. Das verschmierte zwar ein wenig (für die neue Produktion hat er Etiketten) aber der Wein wurde zur Sensation. Aprikosen und Zitrusfrüchte finden sich darin, die mineralischen Böden, feine Säure, die auf der Zunge tanzt. Einfach alles, was ich bisher meiner Heimat so nicht zugetraut hätte.

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Das wird mir bewusst während ich in den Weinbergen stehe und den gleichen weiten Blick wie früher über die Rheinebene streifen lassen. Rechts liegt die Pfalz und wenn es nicht so diesig ist wie heute, kann man links das Straßburger Münster sehen.

Er wartet noch auf den ersten Frost damit er beginnen kann, die Reben zurück zu schneiden. Bisher gab es den noch nicht. Ich will von ihm wissen, was es mit dieser Bezeichnung „Garagenwein“ eigentlich auf sich hat. Das klingt doch nach aufstrebendem Unternehmertum à la Bill Gates. Will man ihm damit eine besondere Position einräumen?

In seinem Fall entspricht das aber ganz einfach den Tatsachen, wie ich kurze Zeit später lernen soll.

„Echt? Kein Scheiß? Du machst das wirklich in der Garage?“ – ich bin kurz sprachlos. Da muss er lachen. „Klar, in der einen steht die Presse und die großen 2000 Liter Tanks stehen in der anderen“.

Es steht natürlich nicht nur die Presse drin, sondern vieles mehr und es bedarf eines gewissen Hüftschwungs, um sich hier keine blauen Flecken zu holen. Stolz zeigt er mir die Lagerstelle für den Underdog. Genau zwei Flaschen liegen noch drin. Überhaupt ist es hier ziemlich leer. Fast alles ist verkauft. Hauptabnehmer ist die Spitzengastronomie der Region. Bareiss aus Baiersbronn, Jörg Sackmann und das Sterne Restaurant Ritter aus Durbach. Ich entdecke eine einzelne 0,75l Flasche des 2012 Pinot Noirs. Ja, eigentlich sei das nicht die richtige Flasche, meint er. Ich weiß, es gibt ihn nur in großen Flaschen. Es ist die perfekte Flasche für mich. Ein Unikat. Ich muss sie haben.

Ob es 2014 wieder einen Mauerberg oder einen Klosterbergfelsen geben wird, kann er noch nicht sagen. Die Ernteausfälle waren groß. Um die 45 Prozent. Und die Erwartungen werden nicht kleiner, wenn man so gelobt wird.

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Natürlich hat Sven Nieger nicht immer nur Lob erfahren, teilweise wurde er heftig kritisiert, sogar als arrogant wurde er bezeichnet. Seine Weine beginnen bei zehn Euro für den 2013 Riesling, trocken, der 2013 Riesling vom Klosterbergfelsen liegt schon bei zwanzig. Er hat eine ganz genaue Vorstellung davon, was er für seine Weine tut und warum sie es wert sind. Der Erfolg, gibt ihm ja gewissermaßen Recht. Dem „Underdog“ aus Baden.

Dem sympathischen jungen Winzer kann ich jedenfalls nur alles Gute wünschen. Ich werde aufmerksam verfolgen, wie sich meine Heimat-Weinregion zu neuer Größe erhebt. Zugegeben, ein bisschen „Fremdstolzsein“ ist hier dabei.

Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den Riesling und überlege bereits, was gut zu ihm passen könnte. Möglich, dass er noch eine Weile ruhen darf. Spargel wäre ein toller Begleiter.

Kontakt:
Sven Nieger
76534 Baden-Baden
info@sven-nieger.de
www.sven-nieger.de

 

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