24. April 2016

Hinterm Kobe Horizont geht’s weiter…
oder was man an einem Abend mit den besten Steaks der Welt erleben kann

Entdeckungen, Wein & Spirits, auswärts essen & events | 11 Kommentare

Da liegen sie. Zwei große, dicke Steaks vom Kobe Rind.
„Was meinst du, was hier an Wert liegt?“, fragt einer der beiden Herren neben mir, die ebenfalls magisch von diesem marmorierten Fleisch angezogen werden. „Kann es nicht genau sagen, aber ein paar hundert Euro liegen hier schon“, meint der andere. Ehrfürchtiges Schweigen.
Die lange Tafel im Showroom des exklusiven Küchengeräteherstellers Gaggenau ist einladend gedeckt, die letzten Sonnenstrahlen des Tages zaubern anmutige Schatten durch die großen Tannenstämme am Fenster. Holz, Stahl alles wirkt edel. Traumküchenambiente.
Heute geht es um nicht weniger als die besten Steaks der Welt. Das klingt natürlich großspurig und weckt hohe Erwartungen. Eingeladen zu diesem einmaligen Event hat das Weinmagazin Fine hinter dem der Verlag Tre Torri steht. Das Magazin erscheint sowohl viermal im Jahr, als auch regelmäßig als Beilage in großen deutschen Tageszeitungen. Die Tatsache, dass ein Weinmagazin zu einem Abend mit den besten Steaks der Welt einlädt, legt den Verdacht nahe, dass es nicht nur um Fleisch, sondern auch um eine ganz besondere Weinbegleitung geht.
Das ist der Part von Dirk Würtz. Der Weinmacher des Weinguts Balthasar Ress ist einer der bekanntesten Blogger in Sachen Wein, er schreibt für große Magazine und gilt als einer der führenden Meinungsmacher in Sachen trocken ausgebautem Riesling. Riesling zum Steak? Wer nun geneigt ist, hier verhalten zu kichern, dem sei verziehen. Ich selbst habe hier die klassische rote Orgie an schweren, vollmundigen Rotweinen erwartet. Kennt man ja so. Rotes Fleisch – roter Wein. Würtz‘ Botschaft an diesem Abend macht Schluss mit diesem vermeintlichen Gebot. Ausnahmslos setzt er hier auf gereifte Rieslinge. Jene, denen ihr Alter Wucht und Fülle verliehen hat. Aus großen Lagen versteht sich. Schätze, die man meist nur noch in Kellern aber nicht mehr in den Weinregalen findet. Wo die opulente Frucht schon von schimmligen Noten begleitet wird. Da sind wir schon fast in der Dessertwein Liga gelandet. Ich bin gespannt und kann mein Glück kaum fassen. Ich liebe diese Weine.
Das Fleisch an diesem Abend hat Jürgen David mitgebracht. Er ist Metzgermeister aus Worms. In seiner Metzgerei, wo er eine der besten Fleischreifekammern des Landes betreibt, setzt er großen Wert auf die Herkunft des Fleisches. Enger Kontakt zu den Produzenten und verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren sind die Werte, die er sich auf die Fahne geschrieben hat. In seiner Metzgerei bietet er Kurse rund ums Fleisch und seine Zubereitung an. Wenn einer weiß, wie man mit Steaks umgeht, dann er. Gegrillt wird das Fleisch an diesem Abend jedoch nicht über rauchenden Kohlen, sondern auf dem Teppanyaki und der Grillpfanne, was eindeutig dem Eigengeschmack des Fleisches huldigt, das pur, ohne Holzaromen auf den Teller kommt.

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Fine Meat

li. oben Dirk Würtz, re.unten Jürgen David- dazwischen Fleisch!

Den Auftakt macht ein Entrecôte, Greater Omaha Packers, Gold Label aus den USA. Perfekt rosig-roh mit ein paar Salzflöckchen. Noch bedienen wir uns alle großzügig bei den Beilagen von gegrilltem Gemüse, was wir jedoch im weiteren Verlauf des Abends zunehmend vernachlässigen werden.
Ich kaue den ersten Bissen im Mund, sauge die Säfte aus dem zarten Fleisch und gebe mich ganz dem Fettrand hin, der wie eine Creme am Gaumen zerfließt. Und trinke den ersten Schluck einer Rieslinge Spätlese 2011 vom Weingut Toni Jost. Kurz halte ich inne und lasse den üppigen Geschmack auf mich wirken. Das Hirn sendet ein erstes „Wow“. Noch deutlicher wird es beim zweiten Wein zu diesem Gang. Eine 2002 Riesling Spätlese vom Weingut Hans Lang. Noch mehr Schmelz, noch mehr Potential, sich mit dem Fettrand zu vergnügen. Das Fleisch bekommt durch die Fruchtsüße eine neuartige Leichtigkeit. Eine überwältigende Erkenntnis.
Weiter geht es mit einem Black Angus Entrecôte, Jack’s Creek aus Australien gefolgt von einem Porterhouse Steak vom Limousin Rind aus Deutschland, welches sechs Wochen in der Salzgrotte trocken reifte. Im Glas zuerst Weingut Balthasar Ress 1995 Riesling Spätlese (genial) gefolgt von einem Riesling vom Weingut Rumpf 2006 Pittersberg. Mittlerweile ist der hohe Raum getränkt vom Geruch des Fleischs. Ein rauschhafter Zustand stellt sich ein. Mehr Fleisch (wie schon bereits erwähnt, werden spätestens jetzt die Beilagen immer unwichtiger)!
Unsere kulinarische Reise führt uns weiter nach Irland. Wieder Angus, wieder dry-aged gereift. Wieder überraschend, denn jedes der Stücke hat seinen ganz eigenen Charakter. Mal schmeckt man die salzige Luft des Meeres, mal geht es in eine aromatische Kräuter-Richtung. Wir sind an dem Punkt, wo wir alle festen Glaubens sind, dass es jetzt kaum noch besser werden kann. Vielleicht noch das Kobe, das wird unser Höhepunkt, aber mehr geht dann sicher nicht mehr. Die Luft wird jetzt ganz dünn.

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Jürgen David serviert ein Rib Eye aus Galizien von einer 10 Jahre alten Kuh. Gereift in der Salzgrotte und nach dem ersten Bissen ist mir klar, dass ich soeben ein wahres Wunder erlebe. Dieses Fleisch ist aus einer anderen Dimension. Wunderbar aromatisch, butterzart und von so einer Reichhaltigkeit, dass es mir fast die Sprache verschlägt. Ich muss einen Schluck trinken. Im Glas ist ein Traminer 2013 vom Weingut Gunderloch. Dieser Traminer setzt krachend seine volle Frucht auf die Fleischaromen, hebt sie noch höher und für einen kurzen Moment prallt ein ganzes Orchester von Fanfaren an meinen Gaumen. Das ist es! Hier stimmt einfach alles. Textur, Geschmack und das Nachbeben.
Den Schlussakkord setzt das Kobe aus Japan.
Erst seit einem Jahr darf dieses Fleisch aus Japan exportiert werden und es beschränkt sich auf die überschaubare Anzahl von dreitausend Rindern. Für die ganze Welt.
Ich habe es bei den wenigen Anlässen, zu denen ich es kosten durfte, nur in sehr kleinen Portionen gegessen. Und das hat auch durchaus seinen Grund. Ich bin nicht die einzige, die vor der massiven Fettmarmorierung beinahe kapituliert. Die Reichhaltigkeit dieses Fleisches ist überwältigend, einzigartig sein Geschmack.
Dennoch – die alte Kuh wurde nicht mehr übertroffen.
Wenn ich eines gelernt habe an diesem Abend, dann dass ich zukünftig bei der Weinbegleitung zum Steak jegliche Zurückhaltung ablegen werde und tief in den untersten Regalen meines Weinkellers auf die Suche gehen werde.
Ich weiß, da liegen noch ein paar alte Schätze.

Die komplette Weinliste des Abends:

Weingut Kruger-Rumpf 2006 PITTERSBERG, Riesling Auslese, VDP.GROSSE LAGE
Weingut Toni Jost – Hahnenhof 2011, Bacharach, Riesling Spätlese ,feinherb, VDP.ORTSWEIN
Weingut Hamm 1990, Hasensprung, Riesling Spätlese , VDP.GROSSE LAGE
Weingut Hans Lang, 2002 Hattenheimer Schützenhaus, Riesling Spätlese , VDP.ERSTE LAGE
Weingut Johannishof 2007 Berg Rottland, Riesling Spätlese , VDP.GROSSE LAGE
Weingut Gunderloch 2013 Rothenberg, Riesling Auslese, VDP.GROSSE LAGE
Weingut Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe 2011 Schloss Proschwitz, Traminer Auslese, lieblich, VDP.GROSSE LAGE
Weingut Balthasar Ress Hattenheimer Auslese und 1995 Riesling Spätlese

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11 Kommentare

  1. Das Fleisch schaut herrlich aus! Ich liebe ein gutes Stück Fleisch! Deswegen kann ich auch echt nicht komplett Vegetarier werden, hin und wieder brauche ich ein Stück gutes Fleisch!
    Ich erinnere mich nur zu gut, als meine Gastfamilie in Austin, Texas mir ein T-Bone Steak servierte, da ich das vorher noch nie gegessen hatte. Von dem Steak wurde die ganze Familie satt. Schee war´s!
    LG
    Martina

    Antworten
    • Das klingt nach einem tollen Erlebnis, liebe Martina. Fleisch in Texas MUSS genau so sein!
      Liebe Grüße
      Claudia

      Antworten
  2. Oh … da macht sich doch jetzt wahrhaftig ein kleines Hüngerchen breit bei mir. Und der Speichel fliesst bei jeder Zeile mehr.
    Ich verstehe das aber schon richtig, alle Weine wurden trocken ausgebaut … oder doch nicht?
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    Antworten
    • Nein trocken waren die nicht. Eher das Gegenteil. Aber Dirk Würtz hat den trockenen Ausbau für Riesling im Rheingau entschieden vorangetrieben. Mit den Weinen des Abends stand dies jedoch nicht in Zusammenhang.
      Liebe Grüße in die Schweiz!
      Claudia

      Antworten
  3. Ich durfte Kobe Rind schonmal direkt in Kobe genießen. Das war wirklich der Hammer, das zarteste Fleisch, dass ich jemals gegessen habe.

    Liebe Grüße,
    Simone

    Antworten
    • Tolles Erlebnis, liebe Simone. Und auch noch im Heimatland des Kobe Rinds.
      Bleibt lange in Erinnerung.
      Liebe Grüße
      Claudia

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  4. Oh, hier also auch der David 😉 ich hab das Fleisch auch schon ein paar Mal gegessen, es ist einfach ein Traum. Da lasse sogar ich die Beilagen liegen 😉

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    • Stimmt, liebe Britta, du bist ja viel näher an der Quelle als ich (du Glückliche).
      Liebe Grüße in die Pfalz
      Claudia

      Antworten
  5. Hallo Claudia,

    der Bericht hat mich etwas hungrig und neidisch gemacht 🙂 Klingt als ob du einen tollen Abend gehabt hättest. Das die 10 Jahre alte Kuh das Kobe Rind schlägt, hätte ich nicht erwartet. Gut zu wissen.

    Vielen Dank für diesen toll geschriebenen Bericht. Ich gehe jetzt mal schauen, wo ich eine 10 Jahre alte Kuh finde 🙂

    Gruß, Martin „cookingdaddy“ W.

    Antworten
    • Hallo Martin,

      die famose alte Kuh aus Galizien gibt es bei den Genusshandwerkern jede Woche frisch ins Haus geliefert.

      Herzlichst

      Hans-Georg

      Antworten
      • Gut zu wissen, Hans-Georg!

        Antworten

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