15. März 2018

Ti’Punch Cup – der Spirit von Martinique geht um die Welt

Martinique, kulinarische Reisen, Nordamerika | 0 Kommentare

Man muss es einfach mal erlebt haben. Martiniques Nationalgetränk von den besten Bartendern der Welt interpretiert

„Das ist echt so unglaublich hier“, meint Vincent, der Finalist aus Holland. Es sei großartig mit den 14 anderen Teilnehmern aus aller Welt, man habe ja schließlich die gleichen Themen, einfach cool sei das. Wer hierher zum Ti Punch Cup World Final nach Martinique kommen durfte, musste im Vorjahr die Auswahl in seinem Heimatland bestehen. 12 Männern und 3 Frauen ist das gelungen, sie durften gemeinsam nach Martinique reisen, um hier gegen einander anzutreten. Alle zwei Jahre veranstaltet die Destillerie (hier nennt man sie Habitation) Clément diesen World Cup. Eine große Sache ist das hier, über 1000 Leute sind zum großen Finale eingeladen. Alles was auf der Insel Rang und Namen hat, trifft sich an diesem Tag in der alten Brennerei, die eine gigantische Kulisse für diesen Event bietet.

Was ist eigentlich ein Ti Punch?

Das Nationalgetränk der Insel besteht lediglich aus 3 Zutaten. Rum, Limette und Rohrzucker. Egal ob brauner oder weißer Rum. Drei Zutaten – da mag man jetzt denken, hey, was soll der ganze Zauber? Was kann man da schon falsch oder richtig machen? So ziemlich alles, lerne ich hier. Die Aufgabe war, einen Ti Punch zu kreieren, der einerseits vom Original geprägt ist, und dennoch eine ganz eigene Note bekommen soll. Das ist dann ein bisschen so wie mit der neapolitanischen Tomatensauce. Da sind auch einfach nur Tomaten und sonst wenige Zutaten drin und doch ist es die allerhöchste Herausforderung aus etwas vermeintlich so Einfachem etwas Göttliches zu schaffen. So ist das auch mit dem Ti Punch.

An meinem ersten Abend auf der Insel habe ich mir natürlich in einer Strandbar einen Ti Punch bestellt. Ich habe ein Glas mit etwa 4 cl braunem Rum bekommen in dem zwei Limettenviertel schwammen und ein Päckchen brauner Zucker dazu. Den schüttete ich ins Glas, rührte um und probierte. War jetzt nicht so meins. Zu stark, zu eindimensional. Was habt ihr nur alle mit eurem Ti Punch, fragte ich mich. Vergleicht man das jetzt wieder mit der Tomatensauce, so wäre das vermutlich die Variante aus der Packung gewesen. Dass da noch extrem viel Luft nach oben ist, werde ich genau hier, beim Ti Punch Cup kennenlernen.

Gemeinsam und kein Konkurrenzdenken

Am Tag vor dem Cup hatte ich schon die Gelegenheit, die Teilnehmer kennenzulernen. Gemeinsam besuchten wir die Brennerei, wer wollte durfte mit dem Harvester in die Zuckerrohrfelder fahren und wir besichtigten den wundervollen Garten der Habitration Clement. Bereits am Vorabend haben die Jungs und Mädels ein bisschen gefeiert, aber kein einziger macht hier den Eindruck müde zu sein, im Gegenteil, sie singen zusammen, lachen und tauschen sich angeregt aus. Kommt denn da nicht auch so was wie Konkurrenzdenken auf, will ich wissen. Keine Spur, das ist einfach nur total geil, wir machen ja alle das gleiche Ding, meint einer der Teilnehmer aus Frankreich. Es wirkt absolut überzeugend. Alle sprechen Englisch, alle haben das gleich Gen in sich, alle haben Spaß. Man hilft sich gegenseitig.

Donald aus Belgien und Leanne aus USA

Ashera aus UK und Vincent aus Holland mit Yannick aus Martinique

im Mixen haben sie es alle drauf

 

der deutsche Finalist Florian Springer aus der Turmbar in Hamburg

ein DJ, der nicht müde wurde, Vincent aus Holland und eine (Fast) Miss France

Das Finale

Am Vormittag des Finales geht es nochmals darum, dass jeder Teilnehmer seinen Ti Punch mit dem er oder sie gewonnen hat, vorstellt. Die Reihenfolge bestimmt das Los. Jeder hat 5 Minuten Zeit alles vorzubereiten und ab dann läuft die Uhr rückwärts und es sind nochmal 5 Minuten fürs Mixen. Dabei erzählt auch jeder, was er sich bei seiner Kreation gedacht hat, welche Inspirationen sie bewogen haben, diese oder jene Komponente dazu einzusetzen. Mal sind es die Gewürze, die Geschichte des Landes, mal etwas sehr Persönliches. Florian aus Deutschland hat ein Hauch von Himbeere dazu entwickelt. Sein Cocktail ist angenehm, floral und doch nicht zu feminin. Auch wie der Ti Punch präsentiert wird, kommt in die Bewertung. Mal sind es Silberbecher, mal ein Tiki Becher, dann wieder feine orientalische Teegläser.

Manch einem der Teilnehmer zittern die Hände. Es zehrt, wenn im Rücken die Stoppuhr läuft und doch sind sie alle souverän. Wer ein bisschen „Barzauber“ bietet, shaken, aus großer Höhe treffsicher eingießen, der bekommt frenetischen Applaus und der Saal beginnt zu johlen. Den härtesten Job hat natürlich die Jury, denn sie muss/darf jeden dieser tollen Drinks probieren. Kaum hat einer daran genippt und sich seine Notizen gemacht, wird das Glas herumgereicht. Jeder darf mal probieren. Die Teilnehmer gratulieren sich gegenseitig, umarmen sich, High Five.

Backstage

Alle sind sie hier mit einem extra Koffer nur für ihr Equipment angereist. Egal ob besondere Gläser oder Becher, Räucher Apparte, Bunsenbrenner oder Wäscheklammern für die Dekoration. Immerhin geht es nicht nur darum den Cocktail, mit dem man gewonnen hat, noch mal zu kreieren, sondern in der zweiten Runde, wo nur noch 10 Teilnehmer antreten dürfen, auch noch spontane Pairings zu entwickeln. Als Gericht gibt es eine Languste mit Vanille. Keine einfach Sache, hier den perfekt passenden Ti Punch zu kredenzen. Ruhig und konzentriert, herrscht hier selbst auf engstem Raum keine angespannte Atmosphäre.

Wer hat gewonnen?

Am Ende war es Bethany Ham aus Los Angeles, die alle überzeugte. Die sympathische Amerikanerin schaffte es in die Endrunde, wo nur noch drei gegeneinander antreten. Seit gestern darf sie sich nun auf eine ganz besondere Auszeichnung freuen: nichts weniger als Worldchampion! Freudentränen, überwältigender Zuspruch der Kollegen inklusive. Ich gratuliere ihr von ganzem Herzen.

Die weiteren Plätze belegen China und Martinique.

die strahlende Siegerin Bethany aus USA

Dave Lam aus China

Yannick aus Martinique

auch die Jury hatte Spaß

Danke!

Danke an die Habitation Clément für diesen absolut großartigen Event. Die Stimmung, das Ambiente und die Location waren wirklich unschlagbar. Der DJ war in Hochform, der Rum floss in Strömen. Ich finde es eine tolle Geste, dass man hier keine elitäre Veranstaltung macht, sondern die ganze Insel daran teilhaben lässt. Aus Dankbarkeit, weil die Insel immer gut zu den Cléments war. Danke, dass ich dabeisein durfte, dass ich diesen unglaublichen Saft aus grünen Pflaumen, die es nur auf der Insel gibt, kennenlernen durfte, dass ich mich in den traumhaften Park verlieben durfte.

Besser hätte es nicht sein können.

Eine Insel, die es versteht, ihre Lebensfreude und ihren Spirit mit ihren Besuchern zu teilen.

Kunst und seltene Bäume (mit Stacheln) im Park der Habitation Clément

Hach…..Martinique

Hinweis: die Reise nach Martinique wurde unterstützt von Martinique Tourisme. Meine Begeisterung ist wie immer unkäuflich und absolut mein persönliches Empfinden.

 

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