15. März 2012

Paris Cookbook Fair – von abwesenden Australiern, chinesischem Wein, freundlichen Schweden und natürlich Kochbüchern

Entdeckungen, auswärts essen & events | 2 Kommentare

„Festival du livre culinaire“, das muss man ganz langsam aussprechen, oder noch besser, mit der Vorstellung, dass einem gerade ein zartes Karamellbonbon auf der Zunge schmilzt. Irgendwie klingt es auf französisch noch ein bisschen schöner. Und so hab ich mir von der Lufthansa diesen Flug spendieren lassen, gut, zum Austausch gegen ein paar Meilen, und bin nach Paris zur Kochbuchmesse geflogen. Im Gepäck all die guten Ratschläge meiner Freunde, es doch ruhig angehen zu lassen und nicht mit Unmengen von Kochbüchern zurückzukommen.

Diese Gefahr bestand jedoch nicht einmal ansatzweise. Sämtliche zum Verkauf stehenden Kochbücher waren fast ausnahmslos in Französisch und hätten meine Sprachfähigkeiten, die über das freundliche bestellen eines Café au laits und dem Nachfragen, ob man sich jetzt völlig verlaufen habe, nicht hinausgehen. Bedauerlicherweise war auch das mal anders.

Pünktlich um zehn Uhr am Samstag stehe ich also vor den Toren des CentQuatre, dem Ausstellungsgelände um erst einmal zu erfahren, dass man an den Wochenenden nicht vor elf Uhr zu öffnen gedenke. Ein erboster Ansturm protestierender Frauen, ich vermute mal Kolleginnen der bloggenden Zunft, ließ den armen Angestellten am Eingang schließlich einknicken.

Auf den ersten Blick schien alles echt überschaubar. Im ersten Stock die Ausstellungsflächen der Verlage und im Basement Bereich die Showküchen, Snackbars und die Wein Bar. Dazu noch einzelne Verkaufsstände, welche unter anderem, wie originell für Frankreich, diverse Variationen von Foie Gras zum Kauf anboten.

Wenn ich erwartet habe, alles darüber zu erfahren, was in den nächsten Monaten auf den Markt kommt, welche traumhaft schönen Bücher es unbedingt zu besitzen gilt, dann war das, was auf den Regalen präsentiert wurde, nicht unbedingt das, was mein Herz höher schlagen ließ. Der Phaidon Verlag, in exponierter Lage, direkt nach dem Aufgang, konzentrierte sich hauptsächlich auf die Präsentation des „Modernist Cuisine“. Ein 2400seitiges Monumentalwerk. Natürlich war schön, es mal in die Hand zu nehmen, darin zu blättern (dummerweise landete ich ausgerecht auf der Seite über Schimmelpilze) doch für etwa 400,00 € wird dieses Werk sicher niemals seinen Weg in mein Regal finden. Wunderschön waren allerdings die Bücher des 99 Pages Verlag aus Hamburg (http://www.99pages.de/verlag.html). Eine wertvolle Entdeckung. Daneben sollten eigentlich die Australier von Murdoch Books ausstellen, doch sie sind entweder erst gar nicht angereist, oder haben die Messe frühzeitig verlassen, um dem Ansturm der „public days“ zu entkommen, was ich sehr bedauert habe, denn ich liebe die Bücher von Donna Hay und hätte mich gefreut, hier etwas neues zu entdecken. So gab es also außer leeren Regalen nichts zu bestaunen.

Umso mehr zu bestaunen gab es allerdings in der „Hall of  Fame“, wo jene Bücher ausgestellt wurden, die ausgezeichnet worden sind. Und obwohl die meisten dieser Bücher bereits im vergangenen Jahr erschienen sind, hatte sich hier noch so das eine oder andere Kochbuchschätzchen versteckt. Es wurde sofort fotografiert für spätere Bestellungen. Oder um zumindest ein einstweiliges Dasein auf der Wunschliste zu fristen.

Die Gefahr, auf dieser Messe in den Unterzucker zu fallen bestand auf jeden Fall nicht. Die entzückenden Schweden versorgten jeden mit Knäckebrot, Käse und Rentierfleisch, die deutsche „Bloggeuse“ – c’est moi – wurde zusätzlich noch mit einer ganzen Tüte all dieser guten Sachen beschenkt, und wem all diese Gratisgaben nicht genügten, der konnte sich noch bei Pasta oder leckeren Quiches vergnügen. Diese allerdings gegen Gebühr. Zwischendurch ein Probierschlückchen chinesischen Wein (erstaunlich gut, muss ich sagen)und weiter ging es zur nächsten Kochshow.

Diese Kochshows, deren Sinn und Zweck es war, dass sich Autoren und Köche präsentieren und deren Bücher es im Anschluss auch zu kaufen gab, die meisten zumindest, waren für die den Großteil der Besucher wohl der eigentliche Magnet dieser Messe. Man darf getrost davon ausgehen, dass hier nicht das gemeine VorabendSat1Voxwasauchimmer Publikum Platz genommen hatte, sondern es wurde schon kritisch beäugt, was an den Töpfen so passierte. Neu war mir an dieser Stelle auch, dass in der indischen Iyengar Küche die Verwendung von Zwiebeln und Knoblauch im Essen strikt untersagt ist. Ich war also gespannt auf die Präsentation. Das Kochbuch von Vijee Krishnan wurde letztes Jahr als bestes vegetarisches Kochbuch in Indien ausgezeichnet und wanderte auf die shortlist des besten Kochbuchs in dieser Kategorie weltweit (siehe auch: http://www.gourmand-magazine.com/gourmand-awards/). Gekocht wurde ein Curry aus frischen Gemüsen. Die Sauce wurde aus frischer gewürfelter Kokosnuss, Wasser und Gewürzen im Blender püriert und den Gemüsen zugegeben. Ich würde jetzt gerne an dieser Stelle erzählen, dass das Ergebnis einfach überragend war, eine orale Geschmacksexplosion, doch diese Beschreibung muss ich leider für was anderes aufsparen. Das Ergebnis war schlicht und ergreifend sehr sehr fad. Ich will jetzt nicht behaupten, dass es an den fehlenden Zwiebeln oder Knoblauch lag, aber vielleicht dominierte hier das kulturkulinarische Missverständnis, dass wir Europäer doch eher sparsam mit den Gewürzen und der Schärfe seien.

Sieben Stunden lang pendelte ich also zwischen Büchern, Essen, interessanten Gesprächen hin und her, war glücklich und zufrieden und vor allem fix und fertig. Darauf ein Glas Wein, oder zwei. Französischen. Unbedingt. Santé.

2 Kommentare

  1. Da wäre ich gern Reisebegleitung gewesen! Ich habe mich zunächst auch nicht an französische Kochbücher getraut. Sie haben aber mittlerweile ihren Schrecken verloren. Ich empfehle dir, mit Zeitschriften anzufangen, Elle a Table oder Saveurs. Einfach geschrieben, toll zum Lernen. Grüße

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    • Vielen Dank für den Tipp!
      Ich hatte mir dort auf der Messe zwei Gratisexemplare eines französischen Magazins namens Régal nitgenommen und lerne fließig. Aber „a Table“ ist viel schöner. Ein tolles französisches Buch, das ich gesehen habe (wäre also was für dich) „La cuisinière du cuisinier“.
      viele Grüße
      Claudia

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