23. Oktober 2019

Jamaikas Nationalgericht – Ackee mit Saltfish

karibisch, Jamaika, Rezepte, Rezeptart, Länderküche, kulinarische Reisen, Nordamerika, Snacks | 0 Kommentare

Auf Jamaika gibt es seltsame Früchte, die zusammen mit Fisch zum Frühstück gegessen werden. Und das schmeckt toll. Ich habe dort gelernt, wie man es zubereitet.

Manchmal ist es ja fast besser, man weiß nicht so genau, was man isst. Ich bin da furchtlos. An meinem ersten Morgen auf Jamaika zog es mich sofort beim Frühstück in die jamaikanische Ecke, wo ein großer Topf mit „Ackee& Saltfish“ stand. Fisch, super, dachte ich mir und griff unerschrocken zu. Dazu noch ein bisschen Callaloo, was eigentlich aussah wie gedünsteter Spinat, und bei Gemüse kann man ja eigentlich nicht viel falsch machen. Das schmeckte auch wirklich prima zusammen, also jetzt nicht so übermäßig wow, aber es war alles ziemlich würzig. Natürlich hatte ich keinen Schimmer, was ich da eigentlich aß. Ich wusste nicht, dass man zu Ackee eigentlich keinen Callaloo isst, sondern eher frittierte Kochbananen und sonstige mehlige Wurzeln. Es sollte einen Tag dauern, bis ich dann endlich mehr über Ackee erfahren sollte. Das ging dann in etwa so: „Also diese Frucht wächst fast überall auf der Insel und sie ist giftig.“ Wie bitte? Ich esse also eine giftige Frucht zum Frühstück. Ich höre in meinen Bauch hinein. War da vielleicht ein Grummeln, das da nicht sein sollte? Ein Brechreiz, den ich bis grad eben nicht bemerkt hatte? Doch da ist nichts. Rein gar nichts. Ich frage also nach, warum man denn ausgerechnet eine giftige Frucht zum Nationalgericht erklärt habe. Schließlich ist das hier nicht Japan und die Ackee kein Fugu Fisch, an dem man schon mal verrecken kann. Die Antwort ist einfach – sie ist sehr gesund, wenn man sie erstens reif, sprich, in geöffnetem Zustand, und zweitens nur die Samenmäntel davon isst. Aus diesem Grund kauft auch keiner auf dem Markt fertig gepulte Früchte, denn in diesem Fall kann man ja nicht mehr überprüfen, ob die Frucht auch wirklich geöffnet war. Die Ackee stammt ursprünglich aus Afrika und sie wurde nach Jamaika gebracht, weil sie noch ein bisschen nahrhafter ist als die Avocado. Da meint man also, eine Avocado ist schon fast wie so ein Stückchen Butter, da kommt die Ackee daher und toppt das nochmal. Deshalb auch der cremige Geschmack. Schaut man genauer hin, dann ist der Unterschied dann doch nicht so groß. Gerade 10 Kalorien bei 100 Gramm trennen die beiden. Beim Protein sieht es schon differenzierter aus. Da hat die Ackee ein Drittel mehr. Wäre da also nicht die Sache mit dem Gift, ich bin sicher, wir würden nur noch Ackee als neues Superfood angepriesen bekommen.
Das mit dem Saltfish ist nicht weniger seltsam, denn das ist Kabeljau und der hat Besseres zu tun, als in der Karibik rumzuschwimmen. Das ist ein Fisch, der es kalt mag und deshalb kommt der aus Norwegen. Ungefähr 5200 Tonnen importiert Jamaika jedes Jahr von dort. Die Frage, warum man das nicht mit dem heimischen Snapper machen kann, wird schnell damit beantwortet, dass der sich nun mal nicht zum Stockfisch eigne. Das Nationalgericht ist also eine bunte Mischung aus Afrika und Norwegen auf dem Teller. Dazu kommt dann wenigstens die lokale Scotch Bonnet Chili.
Ich habe an jedem Morgen auf Jamaika Ackee mit Salzfisch gegessen und die allerbeste Version gibt es im Jake’s Hotel am Treasure Beach. Und hier wollte ich dann wissen, wie man dieses Gericht zubereitet. Küchenchef Randy ist dafür sogar über die Straße auf die andere Seite gesprintet, auf einen Ackeebaum geklettert, nur um mir eine Frucht zu zeigen. Von ihm lerne ich dann auch, wie sie gepult werden muss und dass die Häute zwischen den Samenmänteln auf jeden Fall entfernt werden müssen. Dann geht es eigentlich ganz schnell. Zwiebeln, Chili, grüne Paprika, etwas Knoblauch, vorgekochte Ackees, Thymian und Frühlingszwiebeln in Rapsöl braten, den eingeweichten Stockfisch dazu und  – zack! – schon ist man fertig.
Auch wenn ich weiß, dass ihr meine lieben Leser, diese Früchte ganz sicher nicht frisch hier bekommen werdet (über die Dosenversion kann ich mir kein Urteil erlauben), möchte ich euch trotzdem das Rezept dafür geben. Denn wer weiß, vielleicht fliegt ihr ja auch mal nach Jamaika und denkt, „toll!, das will ich mit nach Hause nehmen“. Bitteschön, hier ist die Anleitung dazu.

Die Zutaten: Frühlingszwiebel, Thymian, Zwiebel, Tomate, Paprika, Stockfisch, Scotch Bonnet Chili und Ackee

So sehen die Früchte am Baum aus. Aber Achtung – die hier sind noch nicht reif

Küchenchef Randy kocht mit mir Ackee & Saltfish (bei gefühlten 40° in der Küche)

so müssen sie aussehen

fast fertig

wir haben es dann auch hübsch angerichtet

Ackee mit Salzfisch

Pro Person

3 Zweige Thymian, Blättchen gezupft
1 Scotch Bonnet Chili, die Samen entfernt und fein gehackt
2 Frühlingszwiebeln, in Röllchen geschnitten
1 kleine Knoblauchzehe, gehackt
¼ Schalotte, längs in Streifen geschnitten
80 g vorgekochte Ackee (etwa 2 Minuten im Wasser blanchiert)
etwa 4- 5 Streifen von einer grünen Paprika
3 Cocktailtomaten
2 EL gewässerter Stockfisch (oder einfach etwas Kabeljau, das passt auch gut)
Meersalz
je ein Esslöffel Olivenöl und Rapsöl

Zuerst die beiden Öle in einer Pfanne erhitzen, Knoblauch und Zwiebeln dazugeben und kurz anbräunen. Dann die restlichen Zutaten bis auf Fisch und Salz dazugeben und kräftig für etwa eine Minute anbraten. Den Fisch dazugeben. Mit dem Salz nach Bedarf abschmecken.

Wer es ganz originalgetreu will, serviert Süßkartoffeln und frittierte Kochbananen dazu.

hier gibt es großartiges Ackee mit Salzfisch

Offenlegung: die wunderbare Reise nach Jamaika wurde unterstützt vom Jamaica Tourism Board. Die Eindrücke sind wie immer meine eigenen.

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