28. Februar 2019

Würzige Shiitake-Pilze mit Wirsing, Ingwer und Sesamöl sind die perfekte Füllung für diese japanischen Teigtäschchen in dieser neuen Runde von "Saisonal schmeckt's besser!"

Meine ersten Gyoza hatte ich tatsächlich in Tokio. Freunde nahmen mich mit in ein Restaurant, das ich vermutlich niemals allein gefunden hätte, so versteckt lag es in einem Wirrwarr aus Gassen und Marktständen. Nicht unterirdisch, aber in einer Passage, die von außen völlig unscheinbar war. Meine Freunde kannten den Besitzer, wir setzten uns an den Tresen, sie redeten eifrig mit ihm, über mich, wie ich vermuten konnte, denn zwischendurch drehten sie sich immer wieder zu mir und alle strahlten mich an. Ich lächelte freundlich zurück. Während sie sich also unterhielten schielte ich nach den großen Teigtaschen, die immer wieder über den Tresen gereicht wurden. Ich gab meinen Begleitern zu verstehen, dass ich genau das haben wollte. Natürlich sollte ich genau das bekommen, denn eben wegen dieser Gyoza seien wir hergekommen, erklärte mir mein Begleiter. Das und die Ramensuppe. Für beides sei dieses Restaurant bekannt. Ich schaute mich um und stellte fest, dass ich die einzige Ausländerin war.
Kaum standen die glühend heißen, fettig glänzenden Teigtaschen vor mir, musste ich sie probieren. Normalerweise, das wussten meine Begleiter bereits, nehme ich mir Zeit, erst ein Foto zu machen, oder zwei oder drei, doch ich wollte unbedingt sofort die Gyoza probieren. Sie waren göttlich. Die Füllung, soweit ich das identifizieren konnte, war mit Hackfleisch – schmeckte würzig, voller umami, die Teighülle war luftig und auf einer Seite knusprig gebraten. Ich dippte sie vor jedem Bissen in eine säuerliche Sauce und träufelte ab und zu noch ein wenig von dem scharfen Chili Öl darüber. Immer wenn ich die samtige Hülle auf meiner Zunge spürte, voller Vorfreude, gleich die Füllung mit dieser zu vermischen, während das komplette Imperium, das in meinem Hirn für das Geschmackserleben zuständig war in Hab-Acht Stellung ging, nur um sich wie eine komplette Footballmannschaft über den zu werfen, der gerade den Ball in der Hand hält. So schmeckten diese Teigtaschen.
Ich musste auch noch eine Ramensuppe probieren, was viel zu viel war und mir dämmerte es bereits, dass diese heißen, fettigen Täschchen, ganz sicher nicht das waren, was man im Allgemeinen meint, wenn man von der leichten Japanischen Küche spricht.
Wieder zuhause, entdeckte ich die Teigblätter im japanischen Supermarkt in der Tiefkühltruhe. Und ich werde nervös, wenn ich nicht mindestens eine Packung davon in meinem Tiefkühlfach weiß. Im Grunde sei es einfach, meint eine Teigtaschen-besessene Freundin, diesen Teig auch selbst zu machen, wie eben alles einfach ist, was man schon dutzendfach gemacht hat, aber ich verlasse mich da nicht darauf. Ich und hauchdünner Teig sind nicht unbedingt die besten Buddies auf diesem Planeten.
Beim ersten Mal ging ich noch ganz klassisch ans Werk und füllte sie mit Weißkohl, Hackfleisch und chinesischem Schnittknoblauch nur um bereits beim nächsten Mal die bekannten Pfade zu verlassen. Was mit Hackfleisch funktioniert, funktioniert auch mit Shiitake und heute ist Wirsing mein Favorit. Ich spare weder am Ingwer, noch am Knoblauch und schon gar nicht am Sesamöl.
Und jetzt waren sie einfach mal wieder fällig. Sofort als ich das Wort Wirsing in der Liste der saisonalen Gemüse gelesen hatte, erschienen diese Gyoza vor mir, eine kulinarische Fata Morgana also, die jetzt mit euch teile. Denn ihr wisst ja, saisonal schmeckt’s einfach besser!

Gyoza mit Wirsing und Shiitake

Für 25 Gyoza

100 g Wirsing
100 Shiitake
40 g Ingwer
2 große Knoblauchzehen
1 Frühlingszwiebel
1, 5 EL Tamari* (siehe unten)
2 EL Mirin
1 EL Miso
1 TL geröstetes Sesamöl (plus etwas mehr zum Braten)
neutrales Pflanzenöl
25 Gyozablätter (tiefgekühlt)

Helle Shoyu mit Reisessig gemischt (3:1) zum Dippen

Die Teigblätter auftauen lassen.

Wirsingblätter in der Mitte teilen, den Strunk herausschneiden, dann in feine Streifen schneiden und die Streifen quer in feine Würfel schneiden.

Die Stiele der Pilze entfernen und die Hüte ebenfalls fein würfeln. Je feiner hier gearbeitet wird, desto leichter ist es hinterher, die Gyoza zu füllen.

Den Ingwer schälen und fein würfeln. Ebenso den Knoblauch und die Frühlingszwiebel.
Einen Esslöffel Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen und alles unter Zugabe von Tamari, Mirin und Miso etwa 5 Minuten dünsten und etwas auskühlen lassen.

Die Pfanne auswischen.

Ein Schale mit Wasser bereitstellen.

Ein Teigblatt auf die Handfläche legen (links, wenn ihr Rechtshänder seid) mit zwei Fingern der rechten Hand ins Wasser tauchen und rundherum das Teigblatt am Rand anfeuchten. Einen Teelöffel Füllung in die Mitte legen. Jetzt die Hand etwas einklappen, eine Seite in Falten legen und fest an die Gegenseite andrücken. Die fertigen Gyoza auf einen bemehlten Teller legen.

Einen Esslöffel Öl in die Pfanne geben und die Teigtaschen mit einigem Abstand zueinander hineinsetzen. Etwa 30 – 40 Sekunden anbraten lassen. Dann 40 ml Wasser in die Pfanne geben und einen Deckel daraufsetzen (idealerweise ist das ein Deckel aus Glas). Die Gyoza werden nun im Dampf gegart. Sobald das Wasser fast verdunstet ist, den Deckel wieder abnehmen, ein paar Tropfen Sesamöl hineingeben und nochmal ein wenig anbraten. Dann rausnehmen, warmstellen und mit der nächsten Fuhre weitermachen.

Zügig servieren und in die Shoyu-Reisessig Sauce dippen.

* japanische Zutaten:
Tamari: ist eine glutenfreie Soja Sauce, die nur aus Soja, Salz und Wasser besteht. Sie ist dunkel und kräftig
Mirin: ist japanischer Reiswein zum Kochen
Shoyu: Sojasauce, die heller und flüssiger ist und aus Weizen, Soja, Salz und Wasser besteht.

Und wie immer gibt es hier die Rezepte der Bloggerkollegen (und in ein paar Tagen dann an dieser Stelle auch ein e-Book mit allen Rezepten zum Herunterladen)

 Mehr saisonale Rezepte bei:

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S-Küche Radicchio mit Bohnenpüree und Ziegenkäse

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16 Kommentare

  1. Ahhhhh, ich liebe Gyoza mit jeglichen Füllungen. Deine sehen perfekt aus.

    Viele Grüße,
    Ines

    Antworten
  2. Ordentlich Knoblauch, so gehört sich das! Ich liebe Wirsing, vielleicht mach ich mich demnächst auch mal ran an den Teig und es gibt eine Portion deiner leckeren Gyozas.
    Viele Grüße,
    Julia

    Antworten
  3. Gyoza stehen schon so lange auf meiner to-do Liste. Wenn ich deine Fotos hier sehe will ich gleich anfangen welche zu kochen.
    LG, Diana

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    • von Gyoza kann man nie genug bekommen. Machen!

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  4. Na da ist es dir ja gut gelungen, die Taschen nachzukochen. Gut, dass du einen Guide hattest, der dich mit in das Insider-Restaurant genommen hat. Als einfacher Tourist kommt man da ja nicht unbedingt hin, obwohl die Esskultur dort natürlich viel authentischer ist 🙂 Und so hast du dann auch gleich ein interessantes Rezept für deinen Food Blog bekommen 🙂

    Liebe Grüße

    Mo

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  5. Ich liebe Teigtaschen aller Art und diese Gyoza mit Wirsingfüllung würden mir bestimmt sehr gut schmecken!

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  6. Liebe Claudia,
    deine Gyoza sprechen mich total an. Die Füllung klingt köstlich und wäre genau das Richtige für mich.
    Danke für die Inspiration und das tolle Rezept. Wird direkt abgespeichert. 🙂

    Liebe Grüße
    Nadine

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    • Danke liebe Nadine,
      die Kleinen sind wirklich unglaublich vielseitig zu füllen, da passte der Wirsing super.
      Liebe Grüße
      Claudia

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  7. Solche Geschichten aus fernen Ländern liebe ich ja – bin immer wieder fasziniert, wie diese Erinnerungen so lebendig bleiben, wenn es um köstliches Essen geht. Das klingt wirklich lecker.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    • Ja, das ist wirklich außergewöhnlich. Ich kann mich auch immer besser an etwas erinnern, wenn es in Zusammenhang mit Essen ist.
      Liebe Grüße
      Claudia

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  8. Ich bin ja nicht so der Fan der asiatischen Küche, aber diese Kombination könnte auch mir gefallen

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    • Das freut mich aber!

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  9. Es gibt ja nichts feineres als frische, heiße, knusprige Gyoza, da bin ich ganz auf deiner Seite.
    Und deswegen freue mich schon sehr auf den nächsten Besuch in Japan. 😉

    Mit Wirsing stelle ich mir das übrigens total interessant vor!

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    • Hach, Japan. Ich hab schon wieder so Sehnsucht. So viel Tolles, was man da essen kann. Ich wünsche Dir schon mal viel Spaß bei der Vorfreude.

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  10. Hach Claudia, ich schmelze gerade vor meinen PC dahin – es sieht einfach nur super aus. Ich liebe ja solche „verrückten“ Kombinationen – lecker!
    Lieben Gruß aus Kanada
    Ina

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    • Hey du Kanadierin!
      Das ist ja lieb von Dir.
      Ich hoffe, es geht dir gut da und du hast eine tolle Zeit.

      liebe Grüße,
      Claudia

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