4. Januar 2017

Frieren an der Moldau und Aufwärmen mit Borschtsch

Rezepte, Länderküche, osteuropäisch, Winter, Suppe | 2 Kommentare

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Ich habe die Marktleute an diesem Silvestermorgen nicht beneidet, selbst die Luft wirkte blau vor Kälte. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Gut, nicht wirklich weit unter dem Gefrierpunkt, aber kalt genug, dass ich mich darüber ärgerte, meine Mütze in München vergessen zu haben. Doch Dank meines Mangels an Vorstellungskraft, was Wollverbrauch und Dimensionen beim Stricken betrifft, geht mein Schal auch noch als Kopfbedeckung durch (eine lange Unterhose wäre auch schön gewesen).
Den Jahreswechsel in Prag zu verbringen war trotzdem eine gute Idee. Ich war lange nicht mehr da, und so oder so ist es immer schön, nach Prag zu kommen, sofern man nicht dahin geht, wo alle hingehen. Auf die Karlsbrücke beispielsweise.
Am liebsten bewege ich mich in einer fremden Stadt so, als wäre sie meine Homebase. Wenig touristisch und ganz besonders gerne auf dem Markt. Der angeblich coolste Metzger der Stadt – die Real Meat Society – hat leider geschlossen, dumm gelaufen, denn ich brauche für unser Silvesteressen ein schönes Stück Fleisch. Dann also der Markt. Es ist noch früh am Morgen, die Sonne kämpft sich langsam durch den Nebel, die ersten goldenen Dächer erstrahlen und der wohl einzige Markt, der auch am Silvestermorgen geöffnet ist, direkt am Ufer der Moldau, ist meine Hoffnung.
Mal abgesehen von den frischen Temperaturen, ist es atemberaubend schön an diesem Morgen. Selbst einigen Möwen ist es nicht zu kalt.
Auffallend ist, dass auf dem Markt gerne getrunken wird. Es gibt Wein, Honigwein und nochmal Wein. Daneben natürlich die berühmten Würste. Würste sind immer gut, nur dummerweise stehen die nicht auf meiner Liste. Doch der Metzger einige Stände weiter hat alles, was ich brauche. Beim Gemüse gibt es das, was es eben nun mal gerade gibt. Rüben, Kohl, gelagerte Äpfel. Gebraucht hätte ich einen Daikon Rettich doch wenn mich eine hübsche Navette Rübe anlacht, dann wird alles gut. Im Grunde genommen ist so eine zarte Rübe sogar die eindeutig bessere Wahl, denn ich koche gerne asiatisch mit dem, was es gerade gibt auf dem Markt.
Und dann, als die Kälte sich schon langsam durch die Sohlen zieht entdecke ich ihn – den Suppenstand! Jetzt eine heiße Suppe. Das einzige, was ich identifizieren kann ist Borschtsch. Eine heiße Schale Borschtsch ist genau das Richtige jetzt. Glücklich strahle ich die Dame an, als sie mir einen Klecks Schmand auf meine Suppe gibt. Dill? Wer braucht schon Dill, wenn es darum geht, sich aufzuwärmen. Als erstes freuen sich die Finger, als sie die warme Schale berühren, ich muss schnell essen, damit sie nicht gleich wieder kalt wird. Und dann plötzlich, als habe jemand einen Schalter umgelegt, breitet sich langsam ein wohlig, warmes Gefühl in mir aus. Bis in die Fingerkuppen strahlt es und die Wärme zieht langsam den Rücken entlang.
Jetzt noch ein bisschen durch die Straßen schlendern und dann zurück in die warme Wohnung. Das Feuerwerk um Mitternacht kann man auch wunderbar vom Fenster aus sehen…
Nach nicht einmal 48 Stunden geht es wieder nach Hause, und zwei Sachen sind so was von klar für das neue Jahr – ich koche sofort zuhause einen großen Topf Borschtsch und nach Prag komme ich im Sommer wieder.

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Für Vier

600 g Suppenfleisch (wer mag kauft auch noch ein paar schöne Knochen dazu)
1 Bund Suppengrün
6 Pfefferkörner
5 Pimentkörner
2 Lorbeerblätter
Salz
4 Möhren
2 Petersilienwurzeln
1 kleinen Weißkohl

500 g vorgekochte Rote Bete
2 EL Butterschmalz
2 EL Weißweinessig
Schmand
einige Zweige Dill

1. Das Suppenfleisch in einen großen Topf geben und knapp mit Wasser bedecken. Einmal aufkochen lassen, dann durch ein Sieb abschütten. Den Topf säubern.

2. Das Fleisch zusammen mit dem grob gewürfelten Suppengrün und den Gewürzen zurück in den Topf und mit 2 L Wasser begießen. 2,5 Stunden sanft köcheln lassen. Abgießen und die Brühe dabei auffangen. Das Gemüse entsorgen und das Fleisch würfeln.

3. Den Kohl vierteln, den Strunk herausschneiden und die Blätter in feine Streifen schneiden. Die Möhren und die Petersilienwurzeln schälen und in nicht zu feine Scheiben schneiden. Im einem zweiten Topf das Butterschmalz erhitzen und die Gemüse darin anschwitzen. Die Rote Bete würfeln und samt dem Saft dazugeben.

4. Das Fleisch zusammen mit den Gemüsen zurück in die Brühe geben und nochmal 40 Minuten bei niedriger Hitze leicht köcheln lassen. Mit Essig und Salz abschmecken.

Zum Servieren eine Klecks Schmand draufgeben und mit Dillspitzen bestreuen.

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2 Kommentare

  1. Toller Blog, tolle Bilder und ein ehrliches Gericht! Nun weiß ich, was es Morgen bei mir zu Essen gibt, wunderbar!

    Die Wren

    Antworten
    • Liebe Wren, ich hoffe, es hat geschmeckt!
      herzlichst, Claudia

      Antworten

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