17. November 2022

Aserbaidschan, Shamakhi –  eine andere Welt hinter Baku

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Baku liegt bereits hinter uns, vor uns und um uns herum nur Wüste. Viel Verkehr gibt es nicht auf der Straße, die hoch in die Berge führt, was den Fahrer dazu verleitet, in den Kurven die Ideallinie zu fahren und mir dabei immer wieder einen Schrecken einzujagen. Die Reise geht nach Lahij, einem kleinen Dorf, das noch wie in alten Zeiten sein soll, weiter durch nebelverhangene Täler zu einem See unweit eines der Weingüter von Shamakhi.

„Seidenroutenfeeling“ in der Wüste und der erste Schnee

Nach einer Stunde durch die karge Landschaft, die so nach alten Kamelrouten aussieht – oder zumindest muss ich ständig daran denken, dass es so hätte sein können – sehe ich die ersten schneebedeckten Gipfel. Ein eisiger Wind weht. Zu sehen gibt es ansonsten nur Schafe. Nach dem wuseligen Baku, ist das hier das volle Kontrastprogramm. Der Himmel ist weit, die Wolken ziehen schnell und ich frage mich, ob das im Frühjahr vielleicht bisschen grüner aussieht. Trotzdem hat diese braune Wüste etwas Magisches. Spätestens ab hier kann man sich von unseren „Sitztoiletten“ verabschieden und plötzlich ist keiner der Mitreisenden mehr besonders durstig. Ein Tässchen Tee ist genug – auch wenn er wie immer toll schmeckt.

Streetfood

Wer auf der Reise Hunger bekommt, der sollte nicht auf Rasthöfe warten. Doch es gibt gekochten Mais entlang der Straße. So ein heißer Maiskoben ist beliebt, wenn es draußen immer kühler wird. Ob sich das saisonale Angebot irgendwie unterscheidet, wenn man beispielsweise im Frühjahr auf diese Reise geht, kann ich nicht in Erfahrung bringen. Schwer vorstellbar, dass es trotz vieler verschiedener Klimazonen im Land, das ganze Jahr über Mais geben soll. Wer hier draußen am Straßenrand in der Kälte Maiskolben kocht, muss hart im Nehmen sein.

Lahij

Ein Dorf mit einer fast 2000 Jahre alten Geschichte.  Berühmt für sein Kupferhandwerk, welches in die gesamte Kaukasusregion exportiert wurde? Das klingt ein bisschen zu schön um wahr zu sein. Richtig ist, dass das Dorf und seine Straßen wirklich alt sind. Richtig ist ebenfalls, dass es auch heute noch eine Kupferschmiede gibt. Aber das Angebot ist längst touristenfreundlicher geworden. Neben tatsächlich selbst gesammelten Kräutern für Tees blitzt hier und da auch etwas aus Plastikkitsch im Angebot auf. Irgendwie ist es nachvollziehbar, denn mit Äxten und Kupferschalen kann heute keiner mehr überleben. Und vielleicht, weil es an diesem Tag ganz besonders leer ist, hat das Dorf einen ganz besonderen Charme.

Kühe mit Fellohren

Ich würde am liebsten eine der sanften, freundlichen Kühe mit ihren Plüschohren mitnehmen. Sie sind so hübsch und auch ein bisschen scheu. Sie schauen mich mit ihren großen Augen an und vielleicht fragen sie sich, was diese deutsche Besucherin eigentlich von ihnen will.

Blütentee und eine Anleitung, wie man Fasali macht

Die Blüten für diese Tees werden in der Region gesammelt. Hätte ich nicht schon auf dem Markt in Baku zugeschlagen, dann würde ich mir noch mehr kaufen. Spannend war, dass ich dabei zuschauen durfte wie Fasali, ein süßes Gebäck mit Safranbutter, zubereitet wird. Der Teig ist blättrig und eigentlich gar nicht so süß. Aber voller Safran-Aroma. Herrlich!

beim Kupferschmied daheim

Es war eine etwas eigenartige Situation. Meine kleine Reisegruppe wurde eingeladen in das Privathaus des Schmieds. Um zu sehen, wie sie so leben. Ich dringe nicht gerne in die Privatsphäre fremder Menschen ein, schon gar nicht, wenn ich überhaupt nicht ihre Sprache spreche. Ablehnen wäre unhöflich gewesen, also ziehe ich brav wie meine Mitreisenden meine Schuhe aus und gehe hinein in das kleine Haus. Mittelpunkt des kleinen Wohnzimmers ist ein Ofen auf dem mehrere Teekannen stehen. Wir setzen uns an den einzigen Tisch in dem kleinen Raum und schauen uns ein bisschen fragend an. Was sollen wir nun für Fragen stellen? Der Übersetzer schaut uns erwartungsvoll an, während im Hintergrund der Fernseher läuft. Wir bekommen Tee. Die Frau des Schmieds ist in der Küche und kocht. Es ist alles sehr einfach hier. Keiner von uns will über die vergangenen zwei Jahre sprechen, wo mit Sicherheit so gut wie keine Touristen ins Dorf kamen. In Momenten wie diesen hilft nur ein Thema. Essen. Ich frage, wie sie ihren Kohl machen und ob sie ihn selbst anbauen. Sofort bringt mir die Frau des Schmieds aus der Vorratskammer etwas von ihrem eingelegten Kohl zum Probieren. Er ist frisch und knackig. Kaum fermentiert. Er schmeckt sehr gut. Das Eis ist gebrochen. Als ich sie dann noch frage, was sie gerade kocht, reicht sie mir eine Schale und schöpft etwas von der Suppe, die gerade kocht hinein. Es ist eine würzig, fette Suppe mit Gemüse. Ich hatte gelesen, dass man hier gerne mit dem Fett der Fettschwanzschafe kocht und muss daran denken, als ich eine feine Note von Lamm herausschmecke. Und so stehe ich in einer Küche in einem Dorf mitten in den Bergen Aserbaidschans und löffle fette Suppe.

das Weingut Meysari in Shamakhi

mit eine der größten Überraschungen war eine Flasche Wein aus Aserbaidschan, die ich zu Beginn des Sommers geschenkt bekommen hatte. Ich traute dem Ganzen nicht so recht und hatte vorsorglich zu einem Essen noch für eine Alternative gesorgt. Doch der Wein war fabelhaft. Ein weicher, runder Rotwein aus der Madrasa Traube. Nun wollte ich mehr darüber erfahren. Auf dem noch recht jungen Weingut Meysari wird Wein aus einigen autochthonen Trauben hergestellt. Diese Trauben gibt nur hier in der Region. Gerne hätte ich die Gelegenheit genutzt und noch mehr Weingüter besucht, aber der Zeitplan lässt das nicht zu. Wir müssen zurück nach Baku. Noch sind Weine aus Aserbaidschan hier eher schwer zu bekommen aber ich werde das aufmerksam verfolgen.

Offenlegung: Die Reise wurde unterstützt vom Azerbaijan Tourism Board. Danke für die unglaubliche Gastfreundschaft.

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