22. Oktober 2014

And the Eckart goes to…..

Entdeckungen, auswärts essen & events | 2 Kommentare

Eckart HeaderVermutlich wird genau dieser Satz so in diesem Moment ausgesprochen, da ich ihn schreibe. Gestern durften die vier Gewinner des Preises ihn nur kurz fürs Foto mal in die Hand nehmen, nicht so richtig eigentlich, denn offiziell überreicht wird er erst heute. Der Eckart 2014.
Eine Ehrung für herausragende Verdienste um Kochkunst und Esskultur. Mit dem Eckart würdigt Eckart Witzigmann seit 2004 einzigartige Leistungen und das besondere Engagement im facettenreichen Themenkreis der Lebenskultur.

Ich durfte dabei sein. Im imposanten Ambiente des BMW Museums. Mit weißem Bändchen am Arm. Die Strahlkraft dieses renommierten Preises verstärkte sich von Jahr zu Jahr und so gab es in diesem Jahr erstmalig eine Presse Gala mit allen anwesenden Gewinnern, natürlich dem Namensgeber Eckart Witzigmann und einem grandiosen Menü. Eben alles genau so, wie jetzt es in diesem Moment wieder am gleichen Ort geschieht. Nur dürfen die Preisträger ihre Auszeichnung diesmal auch behalten. Nicht nur fürs Foto.

Doch für wen hat die Jury sich entschieden?

Der erste Preis an diesem Abend in der Kategorie „Große Kochkunst“ geht an Heinz und Heinz Reitbauer, Vater und Sohn aus Österreich. Der Sohn ist nicht anwesend, er wird erst zur eigentlichen Verleihung da sein. Sein Vater, dessen Restaurant Steirereck 1992 als bestes Restaurant Österreichs bewertet wurde, besticht sofort mit seinem Charme. Ein Grandseigneur betritt die Bühne. Einer der die ganze Welt bereiste auf der Suche nach Inspirationen für seine Küche. Und der allem Chichi widerstand und mit Erfolg heute ein Almwirtshaus am Pogusch, einem abgelegenen Alpenpass betreibt. Sein Sohn übernahm die Position des Küchenchefs im Wiener Steirereck.

Eckart 2014-1-14

Den Preis für „Lebenskultur“ erhält Mick Hucknall. Der Frontmann und Sänger der Gruppe Simply Red schätzt hohe Lebenskultur und setzt sich auch nachhaltig dafür ein. Seit über einem Jahrzehnt baut er selbst Wein am Ätna an. Dass ihm das ausgesprochen gut gelungen ist, davon dürfen wir uns später beim Hauptgang selbst überzeugen. Dieses Engagement dient jedoch nicht nur dem Weinkeller, sondern auch einer ganzen Region, die von diesem Erfolg profitiert. Er will sich um die Menschen kümmern, die Hilfe brauchen um den nächsten Schritt zu gehen. Er will etwas zurückgeben, sagt er. Derzeit unterstützt er ein Projekt in Irland, das den Erhalt eines Flusses mit Wildlachsen zum Ziel hat.

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Die Reise geht weiter nach Asien. Den Preis für „Innovation“ erhält der Drei Sterne Koch Shuzo Kishida. Es ist eine Ehrung ganz besonders für das, wofür er steht und worauf er in seiner Küche Wert legt. Respekt vor den Lebensmitteln, exakte Verfolgung des Garprozesses und höchste Genauigkeit beim Würzen. Wäre Japan nicht soweit, ich würde sofort hinfliegen. Das ist Küchen-Zen in Reinform. Seine Prinzipien wurden durch einen außergewöhnlichen Werdegang geprägt. Er lernte in den renommiertesten Häusern in Japan und Frankreich und wurde 2008 zum jüngsten Sternekoch weltweit mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Witzigmann beschreibt seine Kochkunst als eine revolutionäre Kraft, mit geradezu poetischem Ausdruck, worin er die Reinheit der japanischen Küche mit der Finesse der französischen verbindet. Wieder will ich sofort nach Japan fliegen.

Eckart 2014-1-12

Große Freude ist natürlich das Wiedersehen mit Alex Atala. Im letzten Jahr durfte er den Preis für „kreative Verantwortung und Genuss“ mit nach Brasilien nehmen und hat mit dem Preisgeld eine Kooperative für Chili Anbau im Amazonas Gebiet gefördert. Und so ist er in diesem Jahr der Laudator für den Gewinner in dieser Kategorie. Jon Rose. Wer wie ich wenig Bezug zu den Wellen und den Surfbrettern hat, dem dürfte dieser Name wenig sagen. Nicht so den Surfern unter uns. Mit 17 Jahren schlug Rose eine Karriere als Profi Surfer ein. Reiste um die Welt. Wegen der perfekten Welle. Da denkt man gerne an Hawaii oder Australien, doch die meisten der besten Surf Spots der Welt liegen in eher ärmeren Gegenden. 2009 wurde er Augenzeuge des katastrophalen Erdbebens in Padang (Indonesien). Die Versorgung mit Trinkwasser war eines der größten Probleme. Dies war auch die Geburtsstunde seines Projektes „Waves4Water“. Einfache, günstige Wasserfilter, die mit einer Membran das Wasser filtern und so klein sind, dass jeder sie mitnehmen kann. Er will nicht dass ein Mensch tausend Filter verteilt, sondern hunderte in kleinen Mengen. Dafür ist er konsequent in den sozialen Netzwerken aktiv und hat bereits Tausende von Unterstützern dafür gewonnen. So konnte vielen Opfern von Katastrophen in Pakistan, Haiti und Brasilien schnell und effektiv geholfen werden. Dafür und für seine natürliche Art schenke ich ihm meine tiefe Bewunderung.

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Dann noch schnell ein Foto und den Preis wieder zurückstellen, denn jetzt geht es erst mal zwei Stockwerke tiefer. Die Wände entlang der spiralförmigen Rampe sind geschmückt mit den Konterfeis der Preisträger. Das Diner wartet. Kurz schauen alle ein bisschen verwirrt. Gibt es nun eine Sitzordnung oder nicht? Es gibt keine. Erlösung. Es kann beginnen. Ich sitze bei Alex und Jon am Tisch. Die Menüfolge ist natürlich auf Deutsch. Und auch wenn ich die korrekte Übersetzung für eine Renke nicht kenne, es ist nicht schwer einem Menschen wie Alex, der ebenfalls fischt zu beschreiben, was ein Salmonide ist. Die leichte Süße der roten und gelben Bete dazu harmoniert fein zum 2012er Weißburgunder von Heitlinger. Dieses Weingut, das ich im letzten Jahr besucht habe, produziert allerfeinste Weine von denen noch einige Exemplare in meinem Keller auf mich warten.

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Schön natürlich kommt auch der nächste Gang daher. Ein Graupenrisotto mit Pfifferlingen und jungem Kraut. Diese kleinen Wickelchen aus jungem Kraut schmeckt so hinreißend, dass es kaum zu übertreffen ist. Heimische Küche in Höchstform (Anmerkung für mich – am Wochenende unbedingt dem Krauthändler auf dem Bauernmarkt einen Besuch abstatten).

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Auch beim nächsten Gang setzt die Küche ganz auf die regionalen Produkte. Bayerisches Wagyu, rosa gebraten und gekocht wird mit Schwarzwurzeln und einer Sherry Jus serviert. Der 2006 Etna Rosso „Il Cantate“ vom Weingut Mick Hucknalls ist eine würdige Granate und streichelt das edle Vieh auf meinem Teller.

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Dann gibt es noch eine Sondereinlage. Eine bei der Alex Atala schmunzeln muss. Man habe wohl lange überlegt, ob man diesen Zwischengang servieren solle. Ein Gang mit Gänsehaut Faktor. Dem aufmerksamen Leser meiner Reiseberichte aus Südamerika dämmert es sicher schon. Richtig. Es geht um seine Ameisen. Formicas für München also. Jene Ameisen für die ich durch ganz Sao Paolo gerannt bin, auf der Suche nach geeigneten Kühl Akkus, damit ich sie heil nach Deutschland bringen kann. Und genau diese Ameisen hat er uns mitgebracht. Welch ein Wiederschmecken! Zitronengras und Kardamom. Alle am Tisch sind begeistert. Gut – erst tief Luft holen, ein bisschen Mut zusammen kramen und dann rein damit. Ohs! und Ahs! überall. Spaßeshalber wirft er noch einige dieser kleinen Aromabomben in den Weißwein und lässt uns davon kosten. Das ist echt yeah!

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Als das Dessert serviert wird – ein schönes Delice von Kürbis und Birne – sind wir alle immer noch Feuer und Flamme für die Ameisen. Er holt uns Nachschub. Und so streuen wir freudig auch diese über unsere Birnentarte frei nach der Maxime „Auf zu neuen Geschmackshorizonten“! Damit hatte dieser Abend noch eine ganz besonders zum Anlass passende Note bekommen. Großer Geschmack, großes Engagement mit ganz viel Leidenschaft. Und wir haben alle beim Defilee des Küchenchefs und seinem Team (BMW Event Catering) besonders enthusiastisch geklatscht. Sie haben es verdient. Das war eine tolle Leistung.

und noch ein paar Bilder zum Draufklicken:

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2 Kommentare

  1. Was für ein grandioser Abend muss das gewesen sein, liebe Claudia und was für eine wirklich spannende Auswahl an Preisträgern, die aus ganz verschiedenen Zusammenhängen kommen! Ich bin sehr beeindruckt – auch vom Menü. Und an deinen begeisterten Ameisen-Bericht kann ich mich noch gut erinnern ;-).

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    • Oh ja… das hat großen Spaß gemacht. Und du darfst raten, was wieder im Gefrierschrank liegt….Richtig! Amazonas Ameisen!! In üppiger Menge. 😉

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