[Taiwan #1] Taipeh, Datong – ankommen im schönsten Distrikt der Stadt

headerBeim ersten Mal in einer neuen Stadt fühlt es sich immer ein wenig seltsam an. Ich stehe plötzlich am Flughafen, orientierungslos, drehe mich im Kreis. Geld, Wi-Fi (sorry, aber erzählt mir nix von Free Wifi, das hat bei mir noch nie so doll und vor allem flächendeckend geklappt) und dann irgendwie vom Flughafen in die Stadt kommen. Das ist bereits Routine. Ich nehme auch nie den erstbesten Wifi Anbieter, soviel Zeit muss dann schon sein. Ist das geklärt und ich wieder mit der Welt verbunden, fühlt es sich schon besser an. Geld kommt auch aus dem Automat, es kann losgehen. Der Bus ist ebenfalls kurze Zeit später identifiziert (zweimal nachfragen, ob man auch in der richtigen Reihe steht, gilt nicht als kompliziert), und ab geht nach Taipeh. In mir steckt noch der blaue Himmel und das Licht aus Iriomote. Hier ist der Himmel bedeckt – aber es ist schwül. In heutigen Zeiten zu reisen ist irgendwie einfach geworden. Es gibt Google Maps, die einem überall hin führen, AirBnb wo, wenn man Glück hat, der Gastgeber ein wahrer Schatz ist, der sich bemüht, deinen Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten und es gibt diese großartigen, aufladbaren Karten, die man sich einmal kauft, und damit kann man dann U-Bahn fahren, Fahrräder leihen und alles mögliche machen.

Der Weg vom Flughafen in die Stadt ist weit, vom Bahnhof aus nehme ich für den Rest des Weges ein Taxi. Taxifahren in Taipeh ist günstig, kein Vergleich zu Tokio, wo man einer roten Ampel schon mal fünf Euro verbraten kann.

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Dann bin ich da. Im Datong District. Dem ältesten Teil der Stadt. Im dritten Stock ist mein Zimmer. Ein kleiner Balkon, alles sehr liebevoll und mit viel Geschmack puristisch eingerichtet. Und so sitze ich auch erst einmal mit einer Dose Bier in der Hand und schaue auf die Dämmerung, die sich langsam über Taipeh legt. Hallo, du unbekannte Stadt.
Ich bekomme einen Tipp, ein neues Restaurant, ziemlich schick mit mediterraner-asiatischer Küche. Das lockt und ich beschließe noch nicht gleich am ersten Abend mein Essen auf einem der Nachtmärkte zu holen.
Ich laufe durch die enge Straße, rechts und links Geschäfte für Tee, Räucherstäbchen, allerlei Kräuter, Pilze, Ingwer, Autoreifen. Motorroller werden auf der Straße repariert. Es riecht nach Sternanis, es riecht nach Fleisch, es riecht nach… keine Ahnung, es riecht fremd. Ich bin die einzige Langnase, die sich durch die engen Verkaufsstände zwängt. Überall freundliche Gesichter. Alles wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen. Hier ein Tisch, mitten auf dem Gehweg, wo ein paar Menschen essen, dann wieder werden neben der Straße Pilze sortiert.
Ein paar Straßen weiter habe ich das Restaurant erreicht und die Gegensätze könnten nicht krasser sein. Eben noch stolpere ich fast über eine Kiste Äpfel, dann plötzlich stehe ich in einem geschmacksvoll, sehr eleganten Lokal. Betonwände, die Tische sind alte chinesische Türen, an den Wänden schwarz-weiß Fotos. Ich bestelle ein Glas Wein, einen Salat und das Schwein mit Walnuss Sauce. Es tut fast gut, nach zwei Wochen Japan, plötzlich wieder europäische Aromen auf der Zunge zu haben. Ich habe noch genug Zeit für alles andere. Ich werde vor nichts zurückschrecken. Das sage ich jetzt mal so, nichtsahnend, was da noch kommen könnte. Zum Wohl!

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Das Datong Viertel ist eine Mischung aus sehr alten, sehr traditionellen Läden und neuen, eher hippen Galerien, Geschäften und kleinen Restaurants. Morgens einen Kaffee aufzutreiben, gestaltet sich als schwieriges Unterfangen, viele der Läden öffnen erst gegen 11 Uhr. Dann eben eine Nudelsuppe. Solange ich warme Flüssigkeit am Morgen habe, soll mir das recht sein. Auffallend ist, wie viele Menschen hier in Taipeh ausgezeichnet Englisch sprechen. Und wie umwerfend hilfsbereit sie sind. Kaum stehe ich länger als dreißig Sekunden ratlos schauend irgendwo rum – was mir durchaus öfters so geht und ganz besonders gerne in U-Bahn Stationen – schon kommt jemand auf mich zu und fragt, ob er oder sie helfen kann.
Eine Straße weiter von meinem Haus entdecke ich einen Korbwarenladen. Oder besser einen Küchenladen. Bambuskörbe, -schalen, -löffel. Tabletts aus federleichtem Holz, wunderbare gusseiserne Pfannen, die einen Bruchteil von dem kosten, was sie zuhause kosten. Ich kaufe ein. Den schamvollen Gedanken an die Gepäckbestimmungen, von wegen zulässigem Gewicht, schiebe ich großzügig beiseite. Tee? Oh Ja, ich will unbedingt noch Tee kaufen. Dazwischen eine kleine süße Köstlichkeit? Aber gern. Gleich eine Tür weiter ist ein Bioladen, dessen Angebot ich jetzt und sofort leerkaufen könnte. Getrocknete Pomeloschalen, asiatische Datteln? Immer her damit. Wird schon irgendwie noch in den Koffer passen. Und natürlich steht auch irgendwo wieder so ein verlockendes kleines Schälchen rum, das mitgenommen werden will.
Als ich am Abend an dem Platz um die Ecke meines Quartiers vorbei laufe, übt gerade eine Frauengruppe eine Choreografie auf einen Song von Elvis. Eine Straße weiter gibt es einen kleinen Tempel, wo auch tagsüber etliche kleine Garküchen ihre Stände haben. Ich brauche drei Tage, dann setze ich mich hin und esse das, was auch die anderen um mich herum essen. Frittierte Leber. Der Verkäufer versucht noch mir zu erklären, dass das Innereien sind, aber ich nicke schon fröhlich, immer her damit. Und dann, dann sitze ich mit allen anderen auf einem winzigen Hocker und esse frittierte Shrimps und Schweineleber. Zum Frühstück. Kann man ja mal machen. Die älteren Herren um mich herum haben ihren Spaß.
Je mehr ich auch die umliegenden Viertel entdecke, desto mehr weiß ich zu schätzen, in welchem Schatz ich hier gelandet bin. Es ist wundervoll hier und die Frau vom Suppenstand grüßt mich nach zwei Tagen.

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谢谢 – Xièxiè (ausgesprochen: schesche und heißt Danke), du spannende Stadt!
Und im nächsten Beitrag nehme ich euch dann mit auf einen der Nachtmärkte. Die sind wirklich das Allergrößte in Taipeh.

Adressen:

Walkingbook (Restaurant, Asia-Mediterran)
No. 33, Section 2, Yanping N Rd, Datong District, Taipei City, Taiwan 103
walkingbook.tw

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2 Responses to [Taiwan #1] Taipeh, Datong – ankommen im schönsten Distrikt der Stadt

  1. Ursula 8. November, 2016 at 16:07 #

    ich bin von den Reiseberichten fasziniert…. danke :)

    • Claudia 9. November, 2016 at 0:57 #

      Liebe Ursula, vielen Dank und mit so einem netten Feedback machst du mir eine Freude.
      Liebe Grüße
      Claudia

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