Die große Liebe zu den kleinen Fischen

Orangen-Sardellen-Salat (1 von 1)-2Die Sardelle hat bei uns nicht viele Freunde. Meist wird sie mit spitzen Fingern von der Pizza entfernt und am Tellerrand entsorgt, wenn sie nicht schon bei der Bestellung eliminiert wurde. Doch warum ist das so? Sicherlich mögen Qualitätsunterschiede auch hier eine ganz entscheidende Rolle spielen. Das betrifft das Öl, die Menge des Salzes und natürlich auch ihre Verarbeitung. Doch das kann nicht der alleinige Grund dafür sein.

Fast scheint es, als haben sich kleinen Sardellen mit ihrem Schattendasein abgefunden. Subtil würzen sie Saucen, geben dem Lammbraten eine herrliche geschmackliche Tiefe und drängen sich nur selten in den Vordergrund. Nur da wo sie eben wirklich erwünscht sind. Zum Beispiel in der Pasta Puttanesca. Hier dominieren sie zusammen mit den Kapern voll und ganz den Geschmack.

Ich habe meine Leidenschaft für die Sardelle nie wie einen Schild vor mir hergetragen, war mir doch immer bewusst, dass ich hiermit meist auf wenig Gegenliebe stoße. Bis vor kurzem über eine Dose Sardellen der blanke Futterneid entbrannte. Während des Kustermann Kochevents bereiteten wir diese herrlichen Hühnerleber Crostinis zu (das Rezept findet ihr hier), als ich beobachtete wie die Gabel von Harald und Petra immer wieder in der Dose mit den Sardellen landete. Gelobt wurden sie und gierig verschlungen. Sofort musste ich das Rühren des Risottos unterbrechen und um den Tisch eilen. Und wirklich – es waren außergewöhnlich gute Sardellen. Und in kürzester Zeit war alles, was nicht für die Crostinis gebraucht wurde verschlungen. Und drei Sardellen liebende Seelen strahlten sich an. Wir haben uns geoutet. Ja! Wir lieben Sardellen.

Zur Folge hatte dieses offene Bekenntnis meiner heimlichen Liebe, dass nun fortan die Sardelle durch meinen Kopf geisterte. In Gedanken komponierte ich sie mit Allerlei und begann meine Recherche jenseits der üblichen Pfade in der mediterranen Küche. Und wurde fündig. In einer alten Rezepte-Sammelausgabe des Stern entdeckte ich ein ganzes Kapitel über sie. Und darin einen Salat mit Orangen, Oregano und Sardellen. Die ebenfalls im Rezept angegebenen Paprika strich ich sofort wieder von der Liste. Außerdem sollten es nun hoffentlich die ersten Blutorangen zu uns geschafft haben. Noch vor einigen Wochen waren diese nirgends zu bekommen. Doch Moro, eine zuweilen wirklich tiefdunkle Sorte aus dem südlichen Italien lag in einem Körbchen auf dem Markt und wartete auf mich. Ich besuchte Marina an ihrem Stand und erstand bei ihr ein Glas Sardellen, welches sie mir aufgrund ihres verringerten Salzgehalts wärmstens ans Herz legte.

Zuhause angekommen, hatte kaum meine Tüten abgestellt, als ich auch schon gierig das Glas aufschraubte und mich über die ersten hermachte. Ganz mild waren sie und doch von dieser tiefen geschmacklichen Intensität, wie sie nur wirklich gute Sardellen aufweisen können.

Fast war ich ein bisschen aufgeregt, als ich die Orangen schälte und die restlichen Zutaten für den Salat vorbereitete, denn nun sollte die Sardelle endlich ihre gebührende Aufmerksamkeit bekommen.

Und während es draußen noch immer schneite, ging in meiner Küche die Sonne auf und sandte ihre Strahlen auf meinen Teller. Eine herrliche Kombination aus Frucht und würzig-aromatischer Frische. Und so hört, all ihr Sardellenliebenden und all jene, die noch nicht wissen, dass sie es sein werden – probiert diesen Salat. Er ist grandios.

Orangen-Sardellen-Salat (1 von 1)-3

Orangensalat mit Radicchio und Sardellen

Für Zwei

6 Blutorangen
1 kleine Karotte
4 Schalotten
2 EL schwarze Kalamata Oliven, entsteint und in Stücke geschnitten
3 EL Olivenöl
2 EL Weißweinessig (besser noch Maracuja-Essig)
2 Zweige frischer Oregano
100 g Radicchio
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
8 Sardellenfilets

Orangen-Sardellen-Salat (1 von 1)Die Orangen über einer Schüssel schälen, so dass keine weiße Haut mehr zu sehen ist. Dann die Orangenfilets zwischen den Trennhäuten herausschneiden und diese zum ausgetretenen Saft in der Schüssel geben. Den Rest der Orange auspressen.

Die Oregano Blättchen hacken.

Den Radicchio waschen, trocknen und in Streifen schneiden. Auf Tellern anrichten.

Die Schalotten in feine Ringe schneiden und die Möhre fein raspeln. Das Olivenöl in der Pfanne erhitzen und beides anbraten. Mit dem Essig und etwas Saft von der Blutorange ablöschen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit den Oliven und den Orangenfilets mischen. Die Mischung etwa 30 Minuten ziehen und auskühlen lassen.

6 Sardellenfilets aus dem Öl nehmen und mit Küchenpapier abtupfen. Klein schneiden und zusammen mit dem Oregano zu der Orangenmischung geben.

Die Mischung über den Radicchio verteilen und mit je einer Sardelle dekorieren.

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12 Responses to Die große Liebe zu den kleinen Fischen

  1. Carmen 17. Februar, 2014 at 10:59 #

    Mein Verhältnis zu Sardellen ist gespalten. Einerseits macht Jamie Oliver so tolle Dinge damit, dass es gar nicht schlecht sein kann. Andererseits bekomme ich die Dinger einfach nicht hinunter, wenn ich einen Blick auf die Gräten werfe. Ich versuch mal die Fischis in einer Soße zu zerkochen oder ähnliches :D

    LG Plötzlich Köchin

  2. Claudia ~ Food with a View 5. Februar, 2014 at 18:45 #

    Du bringst mich auf Ideen! Fisch kommt bei mir ja gelegentlich schon auf den Tisch, und Sardellen gehen zudem ja fast als Gewürz durch ;-). In Deinem Salat sehen sie unwiderstehlich aus, liebe Claudia.

  3. Ines kocht 26. Januar, 2014 at 23:24 #

    Auch ich bin bekennender Sardellenfan, yeahhhh! Königsberger Klopse, Caesar salad oder auch Sauce Pizzaiola geht gar nicht ohne! I Love it

    • Jörn 30. Januar, 2014 at 18:12 #

      Ja, die gab es gestern Die Klopse. Und ja, es waren Sardellen drin! Man muss halt richtig dosieren und die wirken wunderbar.

  4. Bonjour Alsace 26. Januar, 2014 at 19:06 #

    Ich möchte bitte auch in den Club der Sardellen-Fans aufgenommen werden. Und bitte nicht anonym, das haben wir nicht nötig. Wir stehen zu unserer Sardellen-Leidenschaft ;-)

    • Dinner um Acht 26. Januar, 2014 at 22:16 #

      Du bist dabei! (wir applaudieren an dieser Stelle auch alle, das macht dann doch so in diesen Clubs)

  5. katha 26. Januar, 2014 at 17:56 #

    kein kühlschrank ohne sardellen! gründen wir den club der anonymen sardellensüchtigen? schöner salat, könnte es so ähnlich heute geben, danke für die inspiration. hier sind die ersten tarocco angekommen, meine absoluten orangenlieblinge. bekommst du die auch? moro gibt’s seit einigen wochen, die sind auch ein bissl früher dran.

    • Dinner um Acht 26. Januar, 2014 at 22:15 #

      Jetzt wo ich mich ja schon geoutet habe, quasi als Sardellenfan voll im Rampenlicht stehe, bekenne ich dazu und schlage vor, das anonym zu streichen. Sardellensüchtige aller Länder vereinigt euch!

  6. Cheriechen 26. Januar, 2014 at 14:47 #

    Diese Leidenschaft teile ich auch! Seit Jamie Oliver sie an so Vieles dazu gibt, wandern sie bei mir auch nicht nur an Pasta und Pizza, sondern auch an Salate.
    Deine Variante gefällt mir sehr gut und wird bald zubereitet!
    Ein schönes Restwochenende
    Cheriechen

    • Dinner um Acht 26. Januar, 2014 at 16:33 #

      Jamie Oliver als Ritter der Sardellen! Da bekommt er doch mal wieder ein Sternchen.. Dir auch ein schönes Restwochenende, Cheriechen
      LG
      Claudia

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  1. Anonyme Köche » Blog Archive » Bitte ein Bittersalat - 28. Januar, 2014

    […] widme ich ihn den beiden enthusiasmierten Sardellen-Liebhaberinnen Claudia und Katharina. Denn so, wie er in Rom serviert wird, gehören Sardellen unbedingt an die […]

  2. wie schmeckt nach vegan? tag 5/7 - kulinarische notiz - esskultur - 26. Januar, 2014

    […] blutorangen-radicchio-salat nach claudias rezept (dinner um acht), mit zwei sorten blutorangen – moro und tarocco! -, statt radicchio zuckerhut vom ernteanteil (der kann auch bitter), außerdem schalotten und karotten von ebendort, dazu eine handvoll kalamata-oliven in öl, reichlich olivenöl, hollerblütenessig aus eigenem ansatz und eigener pflückung, getrockneter oregano, salz, pfeffer, und aus gründen, die wir hier nicht näher erläutern wollen, nur zwei sardellen. indiskutable zwei sardellen. kein notfallreserveglas in den kühl- und kuchelschränken zu finden. war trotzdem sehr fein und erfrischend, genau das, was ich nach so einem mittagessen am abend essen mag. […]

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