4. November 2014

Wenn der Postmann zweimal klingelt…. und Trüffel bringt

Rezepte, mit Fleisch, Länderküche, italienisch, nach Saison, Herbst | 9 Kommentare

Steak&Truffles-1Es grenzt ein bisschen an Folter, wenn man mit einer guten Freundin telefoniert und die dann spontan das Gespräch beenden muss, weil der Trüffel-Lieferant aus Italien an der Tür geklingelt hat. Kaum hat sie aufgelegt, sitze ich da und habe plötzlich den Geschmack von Trüffel auf der Zunge. Ich starre auf den Telefonhörer und spüre, wie etwas Sehnsüchtiges meinen Arm hoch kriecht. Ein leichtes Ziehen in der Magengegend. Schluckreflex. Trüffel.

Am übernächsten Morgen klingelt es an meiner Tür und der Postbote bringt ein Päckchen. Mit einem kleinen weißen Styropor Karton darin. Neugierig öffne ich ihn. Mache ich es auch spannend genug? Oder ist bereits jedem klar, was sich in diesem kleinen Karton befindet? Vermutlich. Es ist ein walnussgroßer, frischer Alba-Trüffel. Meine Nase kann gar nicht genug kriegen von diesem Duft. Überschwängliche Glücksgefühle durchfluten mich. Die liebe Freundin im fernen Berlin muss es geahnt haben. Einfach so hat sie mir einen Trüffel geschickt. Meine Dankbarkeit in diesem Moment ist riesengroß. Ich möchte ihn kaum aus der Hand legen, den Kleinen. In meinem Kopf rattert es bereits, was ich daraus machen könnte. Einfach nur ein Spiegelei mit Trüffel, oder doch lieber ein Kartoffelgratin mit Trüffelscheiben. Vielleicht ein getrüffeltes Sellerie Püree? Ein Süppchen wäre ebenfalls eine Option.

Eile ist geboten, denn der Trüffel hat ja schon eine kleine Reise hinter sich. Er will seiner Bestimmung zugeführt werden. Und diese heißt nun mal „gegessen werden“.

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Die Entscheidung darüber, wie man einen Trüffel am besten verputzt, sollte spontan getroffen werden. Nach Gefühl, Lust und Appetit. Genau so mache ich das auch und entscheide mich für ein kleines Filet vom US Prime Beef, kurz gebraten, innen rosig. Mit etwas würzigem, gereiftem Ziegenkäse und mit einer schnellen Tomaten-Thymian Sauce. Das alles auf einem Ciabatta Brötchen vom Lieblingsbäcker. Genau da drüber will ich meinen Trüffel hobeln. Für die Sauce nehme ich eine Handvoll kleine Datteltomaten,  zwei getrocknete Tomaten ohne Öl und eine fein gehackte Zwiebel. In einem kleinen Topf erhitze ich ein wenig Olivenöl und gebe zuerst die Zwiebelwürfel, ein bisschen Zucker und die ebenfalls fein gewürfelten getrockneten Tomaten hinein. Erst nach etwa einer Minute füge ich die frischen geviertelten Tomätchen dazu. Drehe die Hitze runter und verschließe den Topf mit einem Deckel. In der Zwischenzeit brate ich das Steak mit nur einem Tropfen neutralem Öl in der unbeschichteten Pfanne. Kräftig bräunen von jeder Seite (etwa 3 Minuten) und dann erstmal ein Verschnauf Päuschen. Das Fleisch muss kurz ruhen. Bei mir darf es das gerne bei 80° im Ofen tun, ich habe aber am Wochenende gelernt, dass das nicht unbedingt notwendig ist. Es kann auch einfach ein wenig bei Raumtemperatur liegen. Dann muss es aber unbedingt vor dem Servieren nochmal kurz, wirklich kurz – so ein paar Sekunden auf jeder Seite und ohne frisches Öl,  in der Pfanne erhitzt werden. Danach bestreue ich es mit ein wenig Meersalz.

Ich toaste mein Brötchen und lege auf eine der heißen, frisch getoasteten Hälften den gereiften Ziegenkäse, damit er ein wenig geschmeidig wird. Zu meinen Tomaten füge ich jetzt noch eine Messerspitze Pimenton de la Vera hinzu, rauchiges Paprikapulver und Thymian Blättchen von etwa 2 Zweigen. Salzen ist wegen der getrockneten Tomaten hier überflüssig. Ein bisschen frischer Pfeffer darf allerdings sein.

Das Fleisch schneide ich in dicke Scheiben und hoble den Trüffel darüber. Das Fleisch, die Trüffel, der Duft – gleich ist es soweit. Ohne einen guten Tropfen darf diese „Edel-Streetfood Variante“ nicht auf den Tisch. Zu diesen erdigen Aromen wünsche ich mir ein wenig Säure und entscheide mich für den 2013 Dunkelbunt vom Weinbau Schreiner. Ein reiner Sauvignon Blanc vom Neusiedler See, der 10 Tage auf der Maische vergoren wurde und anschließend für 11 Monate im kleinen, gebrauchten Eichenfass ausgebaut wurde. Ein Weißwein der stark in die Richtung „Orange Wein“ geht, aber dann doch nicht weit genug. Genau richtig weit.

Eine frische Würze, Noten von Birnen und Quitten und kräftige Struktur, das habe ich mir zu den Trüffeln gewünscht. Der Wunsch wurde erfüllt.

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Dass ich auf das Salatblatt nicht weiter eingehe, ist rein seiner Alibi-Funktion zur optischen Aufwertung dieses Gesamtkunstwerkes geschuldet. Es schmeckt mit oder ohne hinreißend.  Mein ganz privates Trüffelfest.

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9 Kommentare

  1. Liebe Claudia, das ist jetzt Folter ;-). Was hast Du Dir da Köstlichs gezaubert! Genau so liebe ich Trüffeln auch – nicht kapriziös, sondern leicht rustikal mit besten Zutaten. Und dann auch noch Alba… Dieses Fest sei Dir – im Nachhinein – von Herzen gegönnt!

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    • Danke, dass ist so lieb von Dir. Wo ich doch weiß, wie sehr dir die kleinen Knubbel am Herzen liegen. Ich hoffe auf ein Relaunch des Trüffel Events.

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  2. Hallo, danke fuer den tollen Bericht! Ich habe dir auch schon eine Mail geschrieben. Groesses Lob an dich und an deinen schoenen Blog !

    Liebe Gruesse,

    die Trueffel–Lieferanten Leonie und Ettore

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    • Liebe Leoni, vielen Dank für das Lob.
      Wenn die nächste Trüffel Fuhre über die Alpen kommt, darf sie gerne in München Rast machen.. 😉
      Liebe Grüße
      Claudia

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  3. Mmmh. Appetit bekommen… einen Trüffel werde ich mir dieses Jahr auch wieder gönnen, aber noch ein bisschen warten… Vorfreude…
    Ich bin ja da aber totaler Purist, am liebsten Bandnudeln oder Ei 😉

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  4. Dein Text grenzt aber auch ein bißchen an Folter 😉
    Weil er so realistisch geschrieben ist, als würde man mit dir in der Küche Steak brutzeln. Verdammt, klingt das lecker!!! Ich kann den Trüffel fast riechen. Wirklich zum Wasser im Mund zusammenlaufen!

    Liebe Grüße,
    Denise

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    • Liebe Denise,
      herzlichen Dank dafür – natürlich wollte ich damit nicht bis an die Schmerzgrenze gehen 😉
      liebe Grüße
      Claudia

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  5. Liebe Frau Namenskollegin, wie gerne würde ich mich da jetzt an Deinen Tisch setzen, obwohl, das gute Zeux ist ja ohnedies nur mehr am Foto vorhanden. Das sind die Momente, da hadere ich dann ein klein wenig. So ein Stück Fleisch, das fehlt mir öfter.
    Ganz liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

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    • Liebe Namensschwester,
      Du bist herzlich an meinem Tisch willkommen!
      Und das ist ernst gemeint. Ganz liebe Grüße zurück, Claudia

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