rote Walnüsse und „normale“ Walnüsse

Ich könnte schwören, dass der Baum vor meinem Fenster gestern noch voller leuchtend goldgelber Blätter hing. Ich habe gerade nachgeschaut. Sie sind weg. Ein paar letzte hängen noch an den Ästen. Es wird auch wieder früher dunkel. Aber so ist das eben im Herbst. Ganz besonders nach der Zeitumstellung. Doch immer im Herbst gibt es etwas, worauf ich mich ganz besonders freue. Das ist ein bisschen so wie Anfang März, wenn ich langsam hibbelig werde und mich nach dem ersten Spargel sehne. Ich freue mich auf die roten Walnüsse von meiner Tante aus Nordrach. Diese Nüsse sind ungefähr dreimal so groß wie normale Walnüsse, die Furchen auf der Schale sind tiefer und die Kerne sind mit einer karmesinroten Haut überzogen. Die Kerne selbst sind fast weiß. Als mir meine Mutter zum ersten Mal von diesen Nüssen berichtete, konnte ich das nicht recht glauben. Rote Nüsse, wer kennt schon rote Walnüsse? Als ich dann die erste öffnete, war ich kurz sprachlos. In dieser Schale, in absoluter abgeschirmter Dunkelheit bildet sich ein so eindrucksvolles, majestätisches Rot, dass jeder, der das Bild davon betrachtet, als erstes an Bildbearbeitung denken muss. Zwangsläufig. Auch Bilder können heutzutage lügen.
Diese Nüsse werden so gut nie irgendwo zum Verkauf angeboten. Genauso wenig wie es nur eine Sorte der Walnuss gibt, gibt es auch um die zwanzig Sorten der roten Walnuss. Einige kommen aus Österreich, aus Tschechien, den USA und Südamerika. Und eben auch aus Nordrach im Kinzigtal.
Als ich sie bekommen habe, war mein erster Gedanke sofort, was könnte man damit kochen? Diese unglaubliche Nuss wollte gefeiert und zelebriert werden. Ich dachte an Auberginen. Lange, dünne, japanische Auberginen. Vermutlich würde ich auf dem Bauernmarkt damit kein Glück haben. Also musste ich zum Viktualienmarkt fahren. Ich habe zwar keine japanischen Auberginen bekommen, aber dafür kleine, dünne Auberginen, die sich zum Braten in der Pfanne sehr gut eignen. Die gebratenen Auberginen mit Honig, Granatapfelsirup, Zitronensaft, Minze und Zimt sind perfekt für eine Vorspeise und ich garantiere, auch wenn keine roten Walnüsse zu bekommen sind, funktioniert das hervorragend mit den Walnüssen, die man jetzt überall zu kaufen bekommt. Dass die, die man selbst aus der Schale knackt und herauspult mit großem Abstand besser sind, als jene, die man fertig gepult in einer Plastiktüte kaufen kann, brauche ich eigentlich nicht erwähnen. Was mich daran erinnert, dass ich mir endlich mal einen ordentlichen Nussknacker kaufen sollte. Irgendwie mogle ich mich seit Jahren mit so einem komischen Stern durch, dessen Zacken man in die Unterseite der Nuss bohrt, dann muss man den Stern drehen und zack! springt die Nuss auf. Im Idealfall tut sie das zumindest. Man zwickt sich dabei auch gerne mal den Finger ein. Da aber eigentlich nur die Walnüsse meiner Tante meine ungeteilte kulinarische Aufmerksamkeit erfahren, ist das auch nicht weiter tragisch. Ich habe noch jede Schale damit geknackt.

Warmer Auberginensalat mit roten Walnüssen

Für Zwei als Vorspeise

500 g kleine, dünne Auberginen
10 – 15 halbe Walnusskerne
1 kleine rote Zwiebel, halbiert und in feine Scheiben geschnitten
½ TL gemahlener Zimt
½ TL sehr milde Chiliflocken (Niora Chili z.B.)
3 EL plus 1 TL extra Olivenöl
Meersalz
Saft einer Zitrone
1 EL Honig
1 EL Granatapfelsirup (auch Granatapfelmolasse genannt, bekommt man in türkischen Supermärkten)

etwa 2 EL Blätter frische Minze

In einer Pfanne ohne Fett die Walnusskerne rösten, abkühlen lassen und anschließend grob hacken.
Die Auberginen in mundgerechte Stücke schneiden. 3 EL Olivenöl in der Pfanne erhitzen und die Auberginen etwa 7 Minuten darin braten, bis sie goldbraun sind.
Zitronensaft mit einem TL Olivenöl, Zimt und Chiliflocken mischen.
Die Mischung über die Auberginen und roten Zwiebeln gießen, eine Prise Salz darüber streuen und gut vermengen.
Den Honig mit dem Granatapfelsirup mischen.
Die Auberginen auf eine Platte geben und mit den Walnusskernen und Minzblättern bestreuen, zuletzt die Honig-Granatapfelsirup-Mischung darüber geben und noch warm servieren.

2 Kommentare

  1. Ich bin total begeistert davon, dass es solche Walnüsse gibt! Toll, was die Natur sich alles einfallen lässt.

    Auberginen und Walnüsse sind ein Dreamteam, das wissen nicht nur die Georgier. Mit dem Granatapfelsirup stelle ich mir den Salat super vor!

    Antworten
    • Liebe Barbara,
      ich bin auch ganz begeistert von diesen Nüssen und habe jedes Mal, wenn ich welche bekomme so ein „Golum-Feeling“…mein Schatz!!

      liebe Grüße
      Claudia

      Antworten

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