28. März 2022

Usbekisch-Koreanischer Möhrensalat

3 Kommentare

Immer wenn ich auf dem Markt dicke, fette Karotten bekomme, muss ich dran denken, mal wieder den Spiralschneider rauszuholen. Der große Hype der Gemüsenudeln scheint gerade ein wenig abgeklungen zu sein. Wir hatten alle unsere Zucchini Nudeln und haben dann doch wieder zur Hartweizennudel gegriffen. Richtig? Ich heb dann mal die Hand. Aber für Salat und Möhren, finde ich die Spiralschneider nach wie vor perfekt, denn so ein Salat muss eine Weile durchziehen und die Möhrennudeln haben da genau die richtige Dicke, um nicht durchzuweichen.
Als ich von diesem Salat gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum ich mich eigentlich nicht daran erinnern kann, auf dem Markt in Seoul Möhren gesehen zu haben. Möhren sind eindeutig unterrepräsentiert, was nicht heißen soll, dass es sie nicht gibt. Dann habe ich weiterrecherchiert und bin drauf gestoßen, dass dieser Salat eher aus der Ecke Usbekistans kommt. Ich lerne, dass Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Koreaner vor der japanischen Kolonialverwaltung in den östlichen Teil Russlands geflüchtet sind. 1937 als die Spannungen zwischen Japan und der UDSSR zunahmen, wurden die „Koryo-saram“, die koreanische Bevölkerungsgruppe nach Usbekistan und Kasachstan verbannt. Viele überlebten die lange Reise nicht und die, die es taten, waren zu Armut verdammt. Den koreanischen Wurzeln ihrer Küche blieben sie treu, jedoch gab es keinen Chinakohl und so wurde Kimchi oftmals mit Möhren gemacht. Typisch für Usbekistan ist die Zugabe von frischem und getrocknetem Koriander. Und so entwickelte sich daraus etwas ganz Eigenes.
Im Laufe der Zeit verbesserte sich ihre Situation der Koryo-saram wieder. Unter Nikita Chruschtschow waren die Sowjetkoreaner die erste Minderheit, die offiziell rehabilitiert wurde. Heute sind sie an den Universitäten überproportional vertreten. Ihre Küche haben sie sich bewahrt, was im Fall dieses Salats ein großes Glück ist.

Usbekisch-Koreanischer Möhrensalat

Für Zwei

3 große, dicke Möhren (idealerweise orange, gelb und lila)
5 EL mildes Olivenöl oder neutrales Pflanzenöl
1 TL geröstetes Sesamöl
5 EL Reisessig
1 EL Reissirup
1 TL Gochugaru (koreanisches Chilipulver oder Cayenne Pfeffer)
2 Zehen Knoblauch, gepresst
1 gehäufter TL gemahlener Koriander (perfekt, wenn ganze Körner frisch gemahlen werden)
1 kleine rote Zwiebel, in Ringe geschnitten
optional: ein bisschen frischer Limettensaft
Meersalz

Dekoration: gerösteter weißer Sesam, Korianderblättchen

Die Möhren schälen und entweder mit einem Spiralschneider schneiden oder mit dem Sparschäler in Streifen hobeln.
Das Dressing anrühren, mit Salz abschmecken und über die gehobelten Möhren gießen. Die Schüssel abdecken und mindestens eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen.
Nochmals abschmecken mit Salz und Limettensaft, auf Teller verteilen und mit dem Sesam, der ohne Fett in einer Pfanne geröstet wurde und den Korianderblättchen bestreuen.

Das Geschirr habe ich auf einem Markt in Kyoto gekauft.

 

3 Kommentare

  1. Das sieht ja wieder verführerisch aus! Statt Gochugaru könnte ich vielleicht etwas von der (vorhandenen) Gochujang-Paste verwenden. Was meinst Du?

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    • Liebe Julia, ja klar! das geht wunderbar, denn da ist ja auch Gochugaru mit drin. Und du hast noch ein bisschen „Extra-umami“.

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  2. Einmal mehr unglaublich interessant. Und ein verflixt spannendes Rezept. Vielleicht versuche ich mich mal an ner gedünsteten Variante. Rohe Möhren: Da rebelliert leider meine Haselpollen-Kreuzallergie.

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