26. Juni 2022

Traumziel Kanalinseln – Alderney, wilde Natur, blonde Igel, und warum sich eine Bootstour hier besonders lohnt

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Die nördlichste der Kanalinseln, Alderney, erreiche ich mit einer kleinen Propellermaschine. Hier sitzt man direkt hinter den Piloten, es gibt Platz für 12 Passagiere und die Flugzeit beträgt etwa 10 Minuten. Kaum ist die Zwergenmaschine in der Luft, geht sie schon wieder in den Sinkflug. Im Anflug auf den Flughafen entdecke ich die Felsen mit Hunderttausenden von nistenden Vögeln. Unser Fahrer Bill weiß alles über die Insel – ein besserer Guide dürfte nicht zu finden sein. Ich erzähle ihm von der herrlichen Butter auf Guernsey. Er schüttelt nur den Kopf „unsere ist noch viel besser“! Ist eine Steigerung da echt noch möglich?

alles ist noch ein bisschen ruhiger

Wer hier nachts in der einzigen Stadt St. Anne auf den Straßen unterwegs ist, den beschleicht das Gefühl, der einzige Mensch auf der Insel zu sein, so ruhig ist es. Das Inselleben hier ist beschaulich. Klar, im Sommer kommen etliche Segelboote und da wird dann auch in den wenigen Strandbars ziemlich gefeiert, doch wer sich mal komplett aus allem rausziehen möchte, wer wandern will und einsame Stunden am Strand genießen will, für den ist Alderney genau das Richtige. Viel Natur, römische Ruinen, wo immer noch fleißig gegraben wird und eine Farm mit braunen, schwarz-getupften Schweinen, welche die meiste Zeit nur faul im Gras rumliegen. Ein besonderes Highlight ist die Kirche in St. Anne. Weniger weil es eben eine Kirche ist, sondern weil sie viel mehr Glocken (insgesamt 12) hat, als eine normale Kirche. Die werden auch noch von einer Gruppe „Glockenspieler“ bedient (Video dazu gibt es hier). Rein theoretisch könnte man wohl jeden Song der Rolling Stones hier mit Kirchenglocken interpretieren. Machen sie aber nicht, wobei ich vermute, dass es dem „Ober-Glockenläuter“ Donald, manchmal ein bisschen in den Fingern juckt.

Kulinarisches und weiße Igel

Es ist vielleicht naheliegend, das stylischste Hotel der Insel nach ihrem Nationaltier zu benennen. Dem weißen Igel. Nur hier findet man sie noch, denn hier auf Alderney haben die nachtaktiven Tierchen keine natürlichen Feinde, was ihrer Population ausgesprochen zuträglich ist. Mit etwas Glück kann man sie in der Dämmerung entdecken. Wer sie unbedingt sehen und auf Nummer sicher gehen will, der bucht sich eine Tour mit dem Alderney Wildelife Trust.

Im Restaurant des „The Blonde Hedgehog“ wird eine anspruchsvolle Küche aus regionalen Zutaten serviert und das Ambiente könnte kaum schöner sein.  Sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Papageientaucher und Basttölpel

Der Papageientaucher ist für Guernsey das, was der Kiwi für die Neuseeländer ist. Ein Wappentier. Nationalstolz schwingt mit, denn hier findet man gesunde Kolonien an Papageientauchern. Die kleinen Superschwimmer mit ihren bunten Schnäbeln näher zu erkunden, ist jedoch nicht ganz so einfach. Erstens braucht man ein Boot und zweitens ein gutes Fernglas, denn so richtig nahekommen kann man ihnen nicht. Das ist auch richtig so, denn man sollte sie eigentlich am besten in Ruhe lassen. Eindrucksvoller sind da schon die riesigen Felsen vor der Insel, die hunderttausenden Basttölpeln als Brutkolonie dienen. Die Felsen sieht man deshalb so gut, weil sie strahlend weiß von der Vogelscheiße sind. Man kann sie also eher nicht übersehen. Mich fasziniert an diesem Tag auf dem Wasser jedoch ganz besonders der Himmel und das Meer. Alles strahlt so eine unglaubliche Weite aus. Die salzige Luft, das sanfte Schaukeln des Bootes (und vielleicht noch ein bisschen Sonnencreme auf dem Scheitel, denn den vergesse ich IMMER), mehr braucht es für mich nicht, um einen endlos glücklichen Tag auf dem Meer zu genießen.

Eindrucksvolle Felsen und Papageientaucher

ist die goldene Alderney Butter wirklich noch besser?

Jeder, der meinen ersten Artikel zu Guernsey und der goldenen Butter gelesen hat, ist jetzt natürlich gespannt, ob das, was man sich so auf Alderney zuflüstert von wegen die Alderney-Butter sei in Wirklichkeit ja die Beste von allen, nicht doch eher ein Ausdruck von Lokalpatriotismus ist und weniger eine wirklich objektive Meinung. Natürlich musste ich sie unbedingt haben. Und natürlich wusste nur Bill, wo ich sie an einem Sonntag auch bekommen kann. Und Bill sei Dank, kann ich jetzt beide Buttersorten, also Guernsey und Alderney miteinander vergleichen. Die gleiche Rasse aber hier gilt es dann also Terroir und Verarbeitung gegenüberzustellen. Allein wenn man bedenkt, wie aufreibend die Suche nach einem Stück Butter an einem Sonntag auf Alderney war, müsste diese schon gewonnen haben. Sie ist ein bisschen schmalziger und fetter als die Guernsey Butter. Sie ist fein gesalzen und sofort nach dem ersten Probieren, kommt ein Juhu-Signal aus dem Geschmackszentrum. Vielleicht, weil sie so kostbar ist. Sie ist ein Traum. Allein für diese Butter muss man nach Alderney.

Farmshop

Unbedingt besuchen sollte man den Farmshop im Dorf. Hier bekommt man nicht nur die wunderbaren Alderney-Milchprodukte, sondern auch Fleisch und Geflügel von der Insel. Wer wie ich nur an einem Sonntag auf Alderney ist, darf sich das durch das große Fenster anschauen, denn sonntags ist der Shop geschlossen. Unbedingt die Butter mitnehmen. Und nach dem großartigen Fleisch der gefleckten Schweine fragen.

wie kommt man hin?

wie schon oben beschrieben, am besten mit dem Flieger. Die „Salty Blonde Ferry“ bietet ebenfalls eine Passage nach Alderney. Ein Flug mit der Aurigny Airline kostet in der Sommerzeit um die 100 £. Wer freie Sitzwahl haben möchte, zahlt ein wenig mehr. Lohnt sich aber nicht wirklich, denn hier ist jeder Platz ein Fensterplatz.

Adressen

Braye Beach Hotel
Braye Street, St Anne, Guernsey GY9 3XT, Guernsey
www.brayebeach.com

 The Blonde Hedgehog Restaurant
6 Le Huret, St. Anne, Guernsey GY9 3TR
blondehedgehog.com/the-restaurant

Bill’s Taxi: +44 (0)7911 730303  – der beste Tourguide überhaupt!
www.visitalderney.com/see-do/sightseeing-tours/bills-tours/

Avante Boat Trips
avantealderney.wordpress.com/

alle Artikel über die besuchten Kanalinseln

Guernsey

Herm

Alderney

 

Offenlegung: Die Reise wurde unterstützt durch VisitGuernsey. Ich danke ganz herzlich dafür, denn die Tage auf den Inseln waren wirklich traumhaft.

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