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Lange vor der Musik des Buena Vista Social Clubs, die kurz nach dem Millenium zu mir durchdrang, hatte ich schon eine mystische Vorstellung von Kuba. Tropeninsel, Ferienparadies, Schweinebucht und vor allem – die Krise. Die ganz besonders, denn wegen ihr brachte ich über viele Jahre meinen Freunden in Amerika Cohiba Zigarren mit. Dort durften sie ja offiziell nicht verkauft werden. Wie schlimm es wirklich in Kuba ist, davon habe ich eine Ahnung bekommen, als ich den Roman von Zoe Valdes „Das tägliche Nichts“ gelesen hatte. Der Roman ist ein Meisterwerk. Durch ihn habe ich erfahren, wie grausam arm alles dort ist, jenseits der Ferienanlagen, die ein Tourist wohl nur selten verlassen hat. Der zerbrochene Glanz, die Scherben einstigen Glamours waren immer noch zu sehen, doch mehr und mehr legte sich der Staub des Elends darüber.
Ich wollte alles über die Bacardis wissen, jenem großen Rum Imperium, welches seinen Ursprung auf Kuba hat, und stürzte mich geradezu auf ein Buch über sie, das 2005 erschienen ist. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der die Exil Kubaner verstehen will. Und auch ihre Macht.
Doch jetzt endlich weht ein neuer Wind aus dem Westen auf die Insel. Die USA und Kuba haben ihre Botschaften wieder eröffnet. Das Eis schmilzt. Ein Gedanke, der sich sehr gut anfühlt.
Ich selbst war noch nie auf Kuba. Ich kenne es aus Büchern, Filmen und Erzählungen. Ehrfurchtsvoll bin vor einigen Jahren der Bloggerin Yoani Sánchez auf der Republica in Berlin begegnet, der es gelungen war, über Jahre ohne wirkliches Internet über ihr Land zu bloggen. Ständig mit der Angst im Nacken, verhaftet zu werden (was durchaus auch passierte). Ich bekam und bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich an ihre Geschichte denke, wie sie zur einflussreichsten Kritikerin und Bloggerin Kubas wurde, wie zigtausende aus dem Ausland ihren Berichten folgten, wie sie twittern konnte, ohne jeglichen Zugang zum Internet. Sie musste immer mit ihrem Handy erst mehrere SMS an den Twitter Server schicken, bevor sie die 140 Zeichen absetzen konnte, denen so viele folgten, die wissen wollten, wie die politische Lage im Land war, wie sie kurz vor einer Kundgebung verhaftet wurde und ihm letzten Moment jenen Tweet in die Welt hinaus schicken konnte, so dass kurz nach ihrer Festnahme ein Anruf einging, der nur mit den Worten kommentiert wurde „they know..“ – sie wissen es. Die ganze Welt wusste es. Yoani Sánchez ist eine mutige Frau, vor der ich mich verneige.
Das Einzige jedoch, was nie wirklich in meinen Fokus rückte, war die kubanische Küche. Die aktuelle Lage eines Endes der Eiszeit zwischen den USA und Kuba haben mich dazu animiert, mich näher damit zu befassen. Und so habe ich ihn entdeckt, jenen kubanischen Salat, der mich sofort begeisterte. Noch immer bin ich total hingerissen von der Kombination aus Ananas, Avocado, Minze und Kresse. Es kursieren mehrere Varianten durchs Netz, doch jenes mit der frischen Minze hat mein Herz im Sturm erobert.
Lauschen wir also ein weiteres Mal dem großen Ibrahim Ferrer und seiner Musik (hier zum reinhören), in der so viel Sehnsucht mitschwingt. Lehnen wir uns zurück an einem lauen Sommerabend, genießen den Salat und träumen von einer Welt, die vielleicht jetzt wieder ein bisschen besser geworden ist, wenn die großen Unternehmen es nicht wieder sofort mit ihrer Profitgier verkacken und dieses Land aussaugen – und es endlich den Menschen dort besser gehen würde.

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Kubanischer Salat mit Ananas, Avocado, Minze, und Limette dazu „Creole Shrimp Toast“

Für Zwei – Vier
½ Ananas, fein gewürfelt
2 reife Avocados, geschält,entkernt und gewürfelt
1 rote Zwiebel, in feine Ringe geschnitten
1 Kästchen Kresse

Dressing
3 EL gutes Olivenöl
Saft und abgerieben Schale von einer unbehandelten Limette
1 grüne Chili, sehr fein gehackt
eine große Handvoll frische Minzeblätter, grob gehackt
eine Prise Meersalz
½ TL Angostura oder ein ähnlicher Bitter

1 – 2 weitere Limetten, in Spalten geschnitten zum Salat servieren

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Die Zutaten des Dressings in einem verschließbaren Glas (ideal mit breiter Öffnung) gut durchschütteln und etwa 30 Minuten stehen lassen, so dass sich die Aromen der Minze gut entfalten können.
Die Ananaswürfel mit den Avocado würfeln und der Kresse mischen und das Dressing unterheben. Mit den Limettenspalten servieren.

Creolischer Shrimp Toast
ungegarte Shrimp in Öl anbraten und dabei kräftig mit Chiliflocken, Thymian, Knoblauch, etwas Salz, einigen sehr fein geschnittenen Kaffir Limonenblättern und Limettenabrieb würzen. Getoastete Hälften von Brötchen durch die Pfanne ziehen, salzen und mit den Shrimps belegen.
Alternativ passt auch ein gegrilltes Hühnchen großartig zu diesem Salat.

Meine Lieblings Kuba Bücher:

Bacardis zoeValdesleider sind beide nicht mehr neu erhältlich.

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4 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Post. Ich war letztes Jahr 3 Wochen auf Kuba, jenseits des Massentourismus und wir sind mit dem Fahrrad in den Westen gefahren. Wir haben in Casa particulares (Privatpensionen) übernachtet und dort meist auch zu Abend gegessen. Unterwegs auf den Landstrassen haben wir uns Wettrennen mit alten fahrradfahrenden Kubanern geliefert, die Pizza aus dem Ofen am Straßenstand genossen und selbstgemachte Limonade am Erfrischungsstand an der Landstrasse getrunken. Es ist ein wunderschönes Land, die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Die wenigen einheimischen Autofahrer sind rücksichtsvoll gegenüber Fahrradfahrern (die Touristen eher nicht). Kubaner sind selber viel mit dem Fahrrad unterwegs, da Autos und Benzin teuer sind und uns sind nur positive Reaktionen begegnet.

    Es ist sicher eine Armut im Land, aber nichtsdestotrotz sind Kubaner stolz und was für mich eher spürbar war, ist Einfachheit und Freude. Kubaner haben i.d.R. eine gute Schulbildung und es gibt kaum Kriminalität.

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    • Liebe Silvia, danke dir für diesen wunderbaren Kommentar. Ich finde es großartig, dass ihr Kuba mit dem Fahrrad erkundet habt und Kontakt zu den Menschen hattet. Das entspricht genau meinem Verständnis zu reisen. Und die Limonaden hätte ich auch gerne probiert.
      Liebe Grüße
      Claudia

      Antworten
  2. Der Salat gefällt mir 🙂 den mach ich mir mal ganz alleine, der Mann hier mag keine Avocado, ich liebe sie…
    Gestern sind mir gerade die Orishas in den Kopf gekommen, schon lange nicht mehr gehört, das ist kubanischer Hip Hop vom Feinsten und passen auch perfekt in diesen Sommer!

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