die perfekte Stadt für einen kulinarischen Kurzurlaub
Ljubljana, die Stadt der Drachen. Sie sind nicht nur im Wappen der Stadt vertreten, vier der Ungetüme beschützen auch die Zmajski Brücke. Sie tun nichts, sie sind aus Bronze und beliebtes Fotomotiv. Sie sind dennoch nur eines von unzähligen Motiven, die ganze Stadt ist gespickt mit wunderschönen Ecken und Details. Parks, Cafés und charmante Gassen in der Altstadt. Alles kann man wunderbar zu Fuß erlaufen. Oder mit dem Rad. Wenn man sich keines mitgebracht hat, kann man eines der öffentlichen Räder mieten, die taugen zwar nicht viel, aber für einen Euro Miete pro Stunde, darf man wohl auch nicht zu viel erwarten. Herumschlendern ist ein absolutes Muss hier. Ebenso wie das Sitzen am Fluss, der sich mitten durch die Stadt zieht. Kulinarisch ist die Stadt, wie auch die gesamte Region, zu bedeutender Größe aufgestiegen. Und das wirkt unbeschwert und wird mit Leidenschaft zelebriert. Und warum habe ich bisher so wenig von slowenischem Wein erfahren? Ich weiß jetzt warum und das ist ein weiterer Grund wiederzukommen.
Durch die Innenstadt schlendern
Ljubljana hat eine der konsequentesten autofreien Innenstädte Europas – und nach eigener Darstellung die größte autofreie Zone der EU. Heißt also, sobald man angekommen ist, lässt man das Auto stehen, zieht sich bequeme Schuhe an und läuft los. Das Auto braucht man höchstens dann noch, wenn man die großen Fachmarktzentren am Stadtrand besuchen will, weil man vielleicht, so wie ich eine Kühltasche vergessen hat und sich ohne die kein Käse bis nach Hause transportieren lässt.
Zuerst geht es in Richtung Fluss. Durch kleine Nebenstraßen, vorbei am Center Rog, einer ehemaligen Fahrradfabrik, die heute ein modernes Kreativzentrum mit Galerien, Kochschule, Café und einer Weinbar ist. Weiter in Richtung Prešerenplatz. Immer am Fluss entlang. Vielleicht in der TarBar ein Glas besten Kombucha trinken, weil es noch zu früh ist für einen Wein. Die Entscheidung, wo man dann einen Kaffee trinken könnte, fällt schwer, denn ein Café ist hübscher als das andere. Mit Blick auf den Fluss oder lieber in einer schattigen Seitenstraße. Die Stadt wirkt lebendig, jung und überraschend unkommerzialisiert. Es gibt größere Geschäfte, aber irgendwie fallen sie nur auf, wenn man auch nach ihnen sucht. Ich entdecke einen kleinen Laden für Nischenparfums, dessen Betreiber so leidenschaftlich über Duft spricht, dass ich ihm beinahe ein Parfum abkaufe, das seiner Beschreibung folgend nach Steinen riecht, auf die die Sonne scheint. Ungemein spannend, aber wer will schon jeden Tag wie ein Stein riechen, auf den die Sonne scheint? Dann doch lieber nach Mezcal und Schokolade duften.
Ana Roŝ und das JAZ
Ana Roŝ ist der eigentliche Grund, weswegen ich hier nach Ljubeljana gekommen bin. Ich habe ein Interview mit ihr vereinbart. Über den Inhalt muss ich mich noch eine Zeitlang bedeckt halten, nur so viel – sie ist sehr inspirierend.
Jedenfalls stehe ich am Nachmittag vor ihrem Restaurant JAZ in einer kleinen Seitenstraße unweit des großen Prešerenplatzes. Das Gebäude ist modern und das Innere strahlt sofort eine wohlige Wärme aus. Stilvoll, dunkles Holz, grüner Samt und eine breite Glasfront, mit einer kleinen Terrasse. Das JAZ ist nicht das mit 3 Michelin Sternen ausgezeichnete Restaurant von ihr. Es ist sozusagen die kleine Schwester in der Hauptstadt. Eine die zugänglicher sein will, ohne jedoch am Anspruch einzusparen. Hier isst man keine großen Menüs, sondern gönnt sich vielleicht nur etwas Besonderes zum Lunch. Ihr Walldorfsalat mit getrockneten Rote Beten und einer leichten Kefir Sauce und Liebstöckel Öl ist eine Offenbarung. Die Agnolotti mit brauner Butter und Topinambur ebenso. Es sind die kleinen Besonderheiten, wie die braune Butter in der Umami-Hollandaise, das Lorbeerpulver oder der knusprige Buchweizen, die ihre Küche hervorheben. Dazu werden vorzugweise slowenische Weine serviert. Gleich der Erste aus der Region Štajerska Slovenija, Selection Ana (das mit dem Namen ist ein Zufall) aus 65% Chardonnay und 35% Pinot Blanc begeistert mich. Den merke ich mir schon mal, davon will ich ein paar Flaschen mitnehmen. Zwei Tage später in einem Weinladen werde ich erfahren, dass er ausverkauft ist. Ich frage nach, warum diese Weine bei uns nicht bekannter sind. Ihr Sohn antwortet „weil wir nicht so viel produzieren und ihn selbst trinken“. Wie in der Schweiz also.
Das JAZ ist mittags wie abends geöffnet. Das 4 gängige Mittagsmenü (ich liebe Mittagsmenüs) kostet 43 €. Eine unbedingte Empfehlung.
JAZ Ljubljana
Čopova ulica 5a
1000 Ljubljana
Georgie Bistro
Ein neuer Tag, ein neues Mittagsmenü. Dieses Mal im Georgie Bistro. Küchenchef ist Gregor Jelnikar. Ich bekomme einen Platz direkt neben einem großen Bücherregal. Das ist definitiv ein besonderer Bonus, denn zwischen den Gängen in Kochbüchern zu blättern ist einfach großartig. Heute entscheide ich mich für das 5-Gängige Menü. Was ich bekomme, entscheidet die Küche. Nachdem abgeklärt wurde, dass ich außer Bananen und Austern (unwahrscheinlich in einem Menü hier) alles esse, geht es nach ein paar entzückenden Häppchen los mit einer in Zucker und Salz gebeizten Makrele mit Crème fraîche, Forellenrogen und einer Kalamansi Mayonnaise. Weiter mit Linsen Blinis mit Schweinefilet und Lauch. Würzig und leicht. Mein absolutes Highlight ist der Rettich „cacio e pepe“. Hydrierter und rehydrierter Rettich in einer würzigen Sauce mit Käse, aromatischem Pfeffer und Limette. Das ist so gut, dass ich darüber mit dem Souschef Gal Mavretič reden muss. Und der mir sehr bereitwillig alles darüber erzählt. Darüber, dass man den Rettich zweimal schälen muss, dass er in brauner Butter, Soja Sauce und Brühe ein zweites Mal gekocht wird und dass der Käse ein Jamar ist, der in 70 Meter tiefen Höhlen in der Karstregion gelagert wird. Und dass die Sauce mit Natriumcitrat so wunderbar geschmeidig wird. Ich muss das unbedingt zuhause nachkochen, egal wie aufwändig das mit dem Hydrieren des Rettichs werden würde. Ich erfahre auch gleich, wo ich den Käse dafür kaufen kann. Dafür muss ich auf den Markt. Ich liebe dieses Restaurant. Es ist ein Grund, wieder herzukommen.
Georgie Bistro (unbedingt reservieren)
Čufarjeva ulica 5,
1000 Ljubljana
Weinbars und wo man slowenischen Wein kaufen kann
Ein weiterer Vorteil der großartigen Mittagsmenüs ist, dass man am Abend eigentlich keinen Hunger mehr hat. Eigentlich. Ein bisschen vielleicht. Ich spaziere also wieder zum Fluss und setze mich in eine Weinbar. Heute sei ein besonderer Tag, erklärt mir der Kellner der Weinbar Most, heute gibt es nur bestimmte Weine deren Winzer allesamt hier sind. Eigentlich geht es kaum besser, ich sitze direkt am Fluss, der Abend ist mild und jeder Wein, den ich bestelle, ist etwas Besonderes mit ausführlicher Einführung durch den Hersteller. Dann bekomme ich natürlich doch ein Hüngerchen und bestelle mir eine Caprese mit einem wirklich toll gemachten Pesto. Das reicht. Lieber noch ein Glas Wein. Ich muss ja nicht fahren.
Fest steht nun, dass ich unbedingt slowenischen Wein mit nach Hause nehmen werde. Und dazu besuche ich das Weingeschäft Vina Koželj unweit des Zentralmarktes. Ich bin ein bisschen verloren, was ich nehmen soll. Aber hier wird man ausgezeichnet beraten. Selection Ana ist wie bereits erwähnt ausverkauft aber in die Richtung gibt eine große Auswahl. Einen Orange Wein möchte ich auch mitnehmen und ich kann definitiv keine 2 Kisten Wein durch die halbe Stadt schleppen. Die Entscheidung fällt schwer. Aber es sind großartige Entdeckungen. Und ja, er schickt auch nach Deutschland (hurra!).
Most Wine Bar
Petkovškovo nabrežje 23,
1000 Ljubljana
Koželj Wines Dvor Ljubljana
Dvorni trg 2
1000 Ljubljana
TaBar (Weinbar mit kleinen Gerichten und selbstgemachtem Kombucha)
Trubarjeva cesta 72
1000 Ljubljana
auf dem Markt und wo man den besten Käse findet
Ich soll auf jeden Fall am Freitag oder Samstag auf den großen Markt, empfiehlt mir Ana Roŝ. Und unbedingt zu dem Stand mit dem fermentierten Kraut und den fermentierten Rettichen. Zu meinem Besuch Ende Mai ist der Markt voll mit Aprikosen, Kirschen und Erdbeeren. Neben dem Zentralmarkt in den alten Marktarkaden, finde ich den Käseladen, der Jamar Käse anbietet. Der Markt hier ist wirklich zentral. Rundherum gibt es jede Menge Cafés, jeden Freitag ab 11:00 Uhr gibt es unzählige kleine Stände mit frisch gekochten Köstlichkeiten und Streetfood Klassikern. Den Mann, der gerade den Kohlegrill anheizt, beneide ich nicht an diesem Tag. Es hat schon fast 30°C.
Man muss ihn einfach lieben diesen Markt. Ich verbringe hier so viel Zeit, dass ich meine geplante Fahrt mit der Seilbahn hoch zur Burg nicht mehr schaffe. Wieder ein Grund, wieder herzukommen.
Hiša domačih sirov ‚Aljaževe dobrote‘ (Käseladen)
Adamič-Lundrovo nabrežje 3
1000 Ljubljana
Die kleine Hauptstadt hat mich begeistert. Ich habe da allerdings noch was ausgelassen: Die beiden Restaurants AFTR und Strelec (hab keinen Platz mehr bekommen). Da will ich auf jeden Fall noch hin. Und jetzt werde ich Rettiche dörren.




































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