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Nichts bringt mich besser auf den Boden der Tatsachen zurück, als eine gute Nudelsuppe. Nach einem Kurzbesuch in Berlin auf der weltgrößten Reisemesse war das Bedürfnis danach groß. Nach zwei Tagen Messe, gefühlten 20 Kilometern Wegstrecke (diese Messe ist aber auch riesig), und ganz vielen neuen Ideen, wohin es sich zu Reisen lohnt, empfing mich mein Kühlschrank mit einem Sparprogramm.
Dankbar erinnere mich an den letzten Rest Hühnerbrühe in meinem Gefrierfach. Welch vorausschauende, weise Handlung, wenn man ohnehin von Zeit zu Zeit ein Suppenhuhn kocht, die Brühe portionsgerecht einzufrieren. Denn schließlich ist eine Miso Suppe zwar was Feines, aber noch um ein vielfaches feiner, wenn sie mit Hühnerbrühe gemacht ist.
Nudeln gibt es immer im Küchenschrank und so ein wunderbarer kleiner Wassermelonen Rettich bringt den nötigen Farbtupfer. Große Vorfreude also.
Was zur perfekten Erdung nun also noch fehlt ist meine wunderbare Schale, die ich aus New York mitgebracht habe und die zur allerliebsten Nudelschale avancierte. Die Geschichte dieser Schale ist eine Geschichte darüber, wie gut es manchmal im Nachhinein ist, wenn gute Vorsätze einfach scheitern.
Es war ein eher grauer Tag mit Nieselregen, als ich mit der Subway bis weit hoch Richtung Harlem fuhr, wo es einen Kochbuchladen gab. Angeblich der größte von ganz New York. Ich hatte mir ein wenig mehr erhofft, wurde nicht so richtig fündig und verließ entgegen aller Erwartungen den Laden ohne ein einziges Buch. Ziellos lief ich 3rd Avenue hinunter in Richtung Downtown. Irgendwann stand ich dann vor einem kleinen Laden mit japanischer Keramik. Neugierig späte ich durch die Fenster. Nein, ich würde mir nicht schon wieder Geschirr kaufen. Kurze Meditationssekunde um diesen Vorsatz zu verinnerlichen und schon betrete ich den Laden. Kleine bemalte Schälchen locken, herrliche Teller lassen mich schon die Menge an möglichem Handgepäck durchkalkulieren, als ich plötzlich die braune Suppenschale entdecke. Ein Einzelstück. Matt und rau ist sie, doch von so einer eleganten, schlichten Form, dass ich sie sofort in Hand nehmen muss.
„Die hat ein japanischer Künstler aus Colorado angefertigt“, meint die freundliche Verkäuferin zu mir. Dieser Künstler habe einige Zeit bei einem großen Keramikmeister in Japan verbracht und arbeite nur nach traditionellen Verfahren. Musste sie das jetzt sagen? Wo ich doch ohnehin schon schwächelte, was meine guten Vorsätze anging?
Der Preis! Der soll es entscheiden, beschließe ich. Der belief sich auf sechzig Dollar (damals stand der Kurs noch erheblich besser als heute). Einmal tief einatmen, lächeln und alle guten Vorsätze mit einem Hurra! über Bord werfen. Und wenn schon die Suppenschüssel, dann auch gleich noch 5 kleine handbemalte Tellerchen dazu. Jetzt ist es eh schon wurscht (ich komme bestimmt in die Hölle der Geschirrsüchtigen).
Sie packte es mir in vielen Lagen Luftpolsterfolie und Zeitungspapier ein und so flog die neu erworbene Schale einige Tage später in meinem Handgepäck über den Atlantik.
Die Investition hat sich gelohnt. Immer, wenn ich sie mit Nudelsuppe oder Reis fülle, gehen meine Gedanken auf Reisen.
Damit dürfte auch jedem klar sein, unter welchen Aspekten ich meine zukünftigen Reiseziele, zu denen mich die Messe inspiriert hat, auswählen werde. Geschirr und Essen.
Ganz ehrlich – gibt es einen besseren Grund?

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Für eine Person

400 ml Hühnerbrühe
1 ½ EL rotes Miso
3 getrocknete Shiitake Pilze
50 g chinesische Nudeln
1 Wassermelonen Rettich
½ TL geröstetes Sesamöl
1 Spritzer Ume Su – alternativ ein Spritzer Limettensaft
einige Blättchen Shiso Kresse und Koriander
einige Blätter Radicchio, in feine Streifen geschnitten
1 TL geröstete Zwiebeln

Die Shiitake Pilze in ein wenig warmen Wasser etwa 30 Minuten einweichen. Die Stiele herausdrehen, sie sind zäh. Das Aufweichwasser behalten.
Die Nudeln in der Hühnerbrühe kochen bis sie bissfest sind. Das Miso und das Sesamöl unterrühren. Nicht mehr kochen sonst flockt das Miso. Die Pilzbrühe und die Pilze dazu geben und mit dem Ume Su oder dem Limettensaft abschmecken.
In einen Suppenschale füllen.
Den Wassermelonenrettich in feine Scheiben und Streifen schneiden und die Suppe damit garnieren. Zum Schluss noch die Kresseblättchen, Korianderblätter, Zwiebeln und die Radicchio Streifen darüber verteilen. Auch feine Ringe von der Frühlingszwiebel passen hier gut.

Ein Beitrag zum Geburtstags-Blog Event meiner geschätzten Bloggerkollegin Dorothée von Bushcook.de

4. Geburtstags-Blog-Event - Souvenirs in der Küche

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3 Kommentare

  1. Ich sehe Dich da stehen und ganz zerknirscht schauen. Eine schöne Schale ist jede kleine Sünde wert. Vielen Dank für Deinen schönen Beitrag.

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    • Nach dem Kauf habe ich eigentlich ganz zufrieden geschaut und noch zufriedener, als ich alles heil nach Deutschland gebracht habe. 🙂

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