12. Mai 2013

Ein neues Food Highlight in Berlin, Bloody Mary 2.0 und das Glück von Pellkartoffeln mit Leinöl

Rezepte, Vegetarisch, Rezeptart, Entdeckungen, Berlin, auswärts essen & events, Salat und Vorspeisen, Cocktails | 6 Kommentare

SpreewaldDie erste kulinarische Entdeckung meiner Berlin Reise hab ich mir sauer verdient. Während ich meine Pellkartoffeln mit köstlichem Spreewälder Leinöl, echten Spreewaldgurken und Quark esse, spüre ich wie langsam ein saftiger Muskelkater in meine Arme kriecht. Ich wollte es ja so und war vorgewarnt. Paddeln im Spreewald mit einer Freundin, die nicht paddeln kann und mangelnde Kenntnisse der Wasserwege (die Option, dass wir GPS-Verwöhnten unfähig im Kartenlesen sind, lasse ich jetzt mal außen vor) führten dazu, dass ich weit länger als geplant allein das Zweier-Kajak durch die traumhafte Landschaft des Spreewalds gepaddelt habe. So was geht gewaltig in die Arme. Kostenlos dazu gab es paar blöde Sprüche von einigen ortsansässigen Kahnführern. Man fühlt sich dann eindeutig besser, wenn man zum wiederholten Mal falsch abgebogen ist. Dafür wurde ich mit frisch geräuchertem Aal entschädigt. Und dem Leinöl, welches sofort im nächsten Bauernladen gekauft werden musste. Es ist im Gegensatz zu anderen Ölen nicht lange haltbar. Ich muss mich also ranhalten.

MarkthalleBerlin

Die nächste kulinarische Entdeckung wartet am nächsten Tag mehr oder weniger gleich um Ecke. Die Markthalle Neun. Mitte der neunziger Jahre, als ich noch in Berlin studierte war ich fast jeden Tag hier. Hab in der Gaststätte, die damals schwer angesagt war, meine Nächte hinter dem Tresen verbracht und fröhlich Tabletts hin und her geschleppt. Nach der Jahrtausendwende ging es bergab mit der Markthalle, es fehlte ein Konzept. Um ein Haar schrappte diese ehrwürdige, wunderbare alte Halle daran vorbei ein Supermarkt zu werden. Letztes Jahr dann die Wiedergeburt. Kleinerzeuger aus der Region wurden eingeladen, Feste und Veranstaltungen wurden organisiert. Seit April gibt es  jeden Donnerstag Abend  den  Streetfood Thursday. Brandenburgische Tapas, Käsespätzle, Glücksrollen und BBQ – alles was das Herz begehrt. Man sitzt an einem der langen Tische und genießt. FrischkäseMarkthalleFood

Heute gibt es hier einen Wein-Käse Event. Mehr als 30 Winzer aus ganz Deutschland und regionale Käsemacher sind erschienen. Man kauft sich ein Bändchen fürs Handgelenk, schnappt sich ein Glas und los geht das fröhliche Probieren. Eigentlich ist es noch früh am Nachmittag aber das macht ja nichts. Fange dann halt mal mit den leichten Rieslingen an. Tolle Weine gibt es, die sich sofort an meinen Gaumen schmiegen (die vollständige Liste aller Winzer hier es hier). Stuart Pigott himself ist auch anwesend, erzählt zusammen mit Nina Bauer, die Winzerin vom Klosterhof Töplitz, über seinen brandenburgischen Grauburgunder. Er macht ihn nicht selbst, aber er unterstützt das Projekt. Ich mag den Wein.

Markthalleneun

Am nächsten Tag startet die Internetkonferenz Republica, der eigentlich Grund meiner Reise nach Berlin. Angesichts all der leckeren Entdeckungen, vernachlässige ich das gern mal. Zwischen spannenden und manchmal sehr nerdigen Vorträgen sitze ich immer wieder zusammen mit anderen Food Bloggern draußen in der Sonne bei einem Fläschchen Club Mate. Das ist erholsam und im Kollektiv zu twittern hat schon was.

Annette von culinary pixel bin ich dankbar für den Tipp mit dem RollinRestaurant. Das war grandioses Essen und ein herrlicher Abend, der dann noch in einer Kreuzberger Bar sein spätes Ende fand. Am meisten beeindruckt hat mich an diesem Abend der Gruß aus der Küche. Ein Kügelchen cremiges Tomateneis (in dieser Qualität absolut nicht herstellbar ohne Profigeräte) mit etwas luftgetrocknetem Schinken und einem Dill-infusierten Wodka. Bloody Mary 2.0. Dass Wodka in nur 24 Stunden so das Aroma von Dill annehmen kann war eine Entdeckung. Und die musste natürlich gleich zuhause getestet werden. Das mit dem Tomateneis scheitert aus oben erwähnten Gründen. Ich besitze nicht einmal eine Eismaschine der einfachsten Art.

Also wird aus dem Tomateneis kurzerhand eine Tomatenmousse. Dill und Pfeffer werden in die halbvolle Wodkaflasche gestopft. Das Ergebnis – Begeisterung. Wer also seine Gäste mal mit etwas wirklich Abgefahrenen entzücken will, dem sei dieser Auftakt wärmstens empfohlen.

BloodyMary

Bloody Mary 2.0

Für Vier

eine Dose sehr gute italienische Tomaten, 400 g

1 TL Tomatenmark

150 g Sahne, geschlagen

2 EL milder Balsamessig

1 TL frische oder getrocknete Kräuter wie Thymian und Rosmarin

Eine Prise Zucker, Salz, Chili Pfeffer

6 Blätter Gelatine oder ein Päckchen Gelatine Fix

4 Scheiben Bacon, ohne Fett in einer beschichteten Pfanne knusprig gebraten

½ kleine Flasche Vodka (klar, da bleibt ne Menge übrig, aber anders macht das Ansetzen wenig Sinn)

½ Bund Dill

einige Pfefferkörner

 

Den Dill zusammen mit den Pfefferkörnern in den Wodka geben und 24 Stunden ziehen lassen. Zum späteren Abseihen am besten ein kleines Sieb benutzen.

Die Tomatenmit dem Tomatenmark pürieren, mit dem Essig, und den Gewürzen abschmecken und die Sahne unterheben. Die Gelatine nach Packungsanweisung aufweichen und dazu geben. Im Kühlschrank gelieren lassen.

Die Mousse in Schälchen anrichten , mit dem Speck garnieren und ein Gläschen Dill-Wodka dazu reichen.

 

6 Kommentare

  1. Im Spreewald paddeln mag ich unheimlich gern, mache es aber viel zu selten. Ich benötige (obwohl ich gut Karte lesen kann) auch starke Oberarmbegleitung, weil meine Muckis machen nach wenigen Kilometern schlapp.
    Kulinarisch hat sich in Berlin viel getan. Obwohl ich vom Stadtrand aus, vieles gar nicht so in live und Farbe mitbekommen kann, versuche ich, am Geschehen zu bleiben. Habe mit anderen Bloggern zusammen eine Insider-Map aufgezogen: http://berlin-food.info

    Das Tomateneis (mousse)-Dill-Wodka-Rezept gefällt mir. Hätte ich doch im russ. Supermarkt Wodka mitgehen lassen sollen… Hoffentlich ist Paul nicht böse, wenn es die Runde macht.. 😉

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  2. Ah, eine Ex-Berlinerin ;-)! Toller Bericht vom Spreewald-Känen über Republica bis Tomaten-Mousse, gefällt mir alles sehr. Republica hatte ich mir auch überlegt, aber da ich in zwei Wochen zu The Hive gehe, dachte ich mir, das reicht erstmal als Einstieg in das Thema Blog-Konferenz und bin schon gespannt.

    Markthalle Neun: Believe it or not, ich lebe seit 17 Jahren in Berlin und war noch nie da, weil Moabit nie so richtig auf meinem doch sehr Mitte-Kreuzberg-fixierten Radar war. Die Markthalle steht aber schon länger auf meiner Liste (und Moabit gehört ja ohnehin neben Treptow, Lichtenberg/Rummelsburger Bucht und Wedding zu den Stadtteilen, wo derzeit viel Interessantes in Sachen Kultur passiert). Der Streetfood-Thursday ist jedenfalls gespeichert – vielen Dank nach München für den guten Berlin-Tipp ;-).

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  3. Hi Claudia, schön, dass du da warst und gleich auch die Bloody Mary ausprobiert hast :). Wir haben im Vodka statt Pfeffer im Übrigen angeröstete Senfkörner gehabt und im Eis war ein bisschen Sellerie und Tabasco zu den Tomaten. Probiers mal aus. Evtl. ja auch so lecker wie deine Variante! Viele Grüße, paul

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    • Lieber Paul, danke für den Tipp mit den Senfkörnern! Das war echt so abgefahren und ich musste das Samstag gleich meinen Gästen vorsetzen. Die waren hin und weg von dem Dill Aroma. Die Flasche wurde dann zum Nachtisch geleert (hicks).
      Schade, schade, dass ich nicht öfters bei euch dabei sein kann. Ihr macht das großartig.
      liebe Grüße
      Claudia

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  4. Ich bin begeistert: Vodka, Dill, Tomate. Das mach ich nach!
    Liebe Grüße
    Julia

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    • Liebe Julia, Yes! Mach es. Ich war begeistert.
      Liebe Grüße
      Claudia

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