16. November 2015

Auf nach Okinawa!
Awamori, das königliche Getränk, das Dorf der Hundertjährigen und eine
Slow Farm mit schwarzen Schweinen

Okinawa, Japan, kulinarische Reisen | 0 Kommentare

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Don’t call it Sake! Hört ihr? Awamori ist kein Sake, auch wenn mancher dies glauben mag, weil der Grundstoff für beide Reis ist. Awamori ist destilliert, nicht gebraut wie Sake, auch die Reissorte unterscheidet sich. Fast sämtlicher Reis für Awamori wird aus Thailand importiert. Während der Gärung macht er Bekanntschaft mit dem schwarzen Koji, einem Schimmelpilz, während für Sake der Weiße hergenommen wird. Hätte Awamori für mich ein Geschlecht, so wäre er maskulin, nicht so federnd, elegant und vielschichtig wie der Sake. Seinen Namen hat er von den Blasen (awa), die er beim Herstellungsprozess erzeugt – je mehr Blasen, desto mehr Alkohol.

Schatzkeller in den Kalksteinhöhlen

Wird auf Okinawa ein Baby geboren, und das werden im Vergleich zum Rest von Japan überdurchschnittlich viele, so wird eine Hand oder eine Fußsohle des Babys in rote Farbe getaucht und der Abdruck ziert mitsamt Namen und Geburtsdaten ein Etikett, das an einer Flasche Awamori angebracht wird und die dann für 20 Jahre in den Höhlen lagert. Dann darf der Besitzer des Abdrucks sie trinken. Offiziell darf man hier mit zwanzig anfangen zu trinken.

In der Matsufuji Brauerei steige ich hinab in einen dieser Keller, wo tausende dieser Flaschen lagern. Die Luft ist salzig-feucht bei  konstanter Temperatur. Das Licht ist ein bisschen unheimlich und auch die Decken hier sind für Menschen, die kleiner geraten sind als ich. Das also ist das Endprodukt. Wie es gemacht wird, erfahre ich auch und darf auch gleich mal die großen Becken umrühren, in denen die graue Masse vor sich hin blubbert. Nachdem er gefiltert wurde muss er sich sanft anfühlen. Zerreibt man die Flüssigkeit zwischen den Händen soll die Haut weich werden und nicht klebrig sein. Meine Hände fühlen sich seidig an. Junko Sakiyama die Besitzerin ist stolz. Sie macht guten Awamori. Überall hängen Prämierungen an der Wand. Bei der anschließenden Probe verschiedener Awamori erklärt sie uns die Unterschiede und Qualitätsmerkmale. „Kushu“ ist er, wenn er mehr als 3 Jahre gelagert wurde. Wer jedoch darauf hofft, hier wirklich alte Schätze zu finden, der wird enttäuscht. Der Krieg und die Besatzung haben fast alles vernichtet. Uralt sind hier 30 bis 40 Jahre. Meine Wahl ist schnell getroffen, schließlich hat die ganze Luftpolsterfolie in meinem Koffer einen tieferen Sinn. Dazu noch etwas preisgekrönten Miso. Zum Abschied drückt Frau Sakiyama mir noch ein Heftchen mit Cocktailrezepten in die Hand. Ich bin höflich und nehme es mit. Aber ich werde den Awamori bis zum letzten Schluck pur trinken.

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Essen für ein langes Leben

Ich sehe es meinen beiden mitreisenden Bloggerkollegen Yannicke und Eric an, eigentlich ist es überhaupt nicht zu übersehen – sie wünschen sich jetzt genau in diesem Moment ein schönes großes Steak. Oder zumindest eine Pizza oder ein paar Nudeln. Das kleine Schälchen mit Ramen ist bei weitem nicht genug. Ich dagegen bin im Himmel. Verschenke mit Freuden meine Okinawa-Donuts, hinter denen sich ein Schmalzgebäck verbirgt, auf das ich wirklich großmütig verzichten kann und bekomme im Gegenzug all deren fermentiertes Gemüse, den rohen Fisch und vor allem den Seetang. Genau –  ich liebe dieses Essen! Es ist wunderbar. Wer was anderes möchte – einfach nur in die Nähe einer der großes Airbases fahren und schon ist man in allerbester Gesellschaft mit amerikanischen Fastfood Ketten und italienischen Restaurants. Nicht für mich, Freunde. Ich grinse und schiebe mir eine Umeboshi in den Mund. Es tut mir ja leid, dass ihr grad nicht ganz so glücklich seid, aber ich, ich bin es gerade sehr. Die beiden sind tapfer. In dem kleinen Restaurant das von einer älteren Dame betrieben wird, deren 94 jährige Mutter noch jeden Tag mit dem Fahrrad auf den Markt fährt, um ihre Kräuter zu verkaufen, gibt es das „Longevity Food“. Dazu gehört auch hauchfein frittierte Leber. Auf die schwören sie hier. Bestimmt habe ich an diesem Mittag eine halbe Stunde Lebenszeit gewonnen. Ich fühle mich blendend. Nasche auch gleich noch eine vitamin-bombige Acerola Kirsche aus dem Garten (köstlich) und darf mich ein wenig in ihrem Kräutergarten umsehen.

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Beschwipste Schweine und Drachenfrüchte (aka „die Prinzessin tritt in Entenscheiße“)

Es geht weiter nach Norden der großen Hauptinsel zur Farm von Yoda Hanae. Sie ist die Herrin über 250 schwarze Schweine, ein paar Kobe Rindern und einer Drachenfrucht Plantage. Zur Farm gehört das einfache eco-stay Hotel Canaan Slow Farm. Alles, was hier auf den Teller kommt, ist aus eigenem Anbau.

Kaum angekommen, lädt sie uns in ihren Off-Roader und es geht auf ausgewaschenen, steilen Straßen durch den Dschungel den Berg hinauf. Zu den Schweinen. Die Kleinsten sind grade ausgebüchst aus dem Gehege und haben sich unter dem Pick Up versteckt. Es riecht nach vergorenem Obst. Was auf den ersten Blick wie Müll aussieht ist tatsächlich Obst und Gemüse, das hier lustig in der Sonne in Plastiktüten vor sich hin gärt, und dessen vergorener Saft auf die Erde tropft. Zum allergrößten Vergnügen der kleinen Schweinchen. Die können nicht genug davon bekommen. Diese indigene Rasse der Agu ist der Stolz von Okinawa – sie sehen aus, wie die rabenschwarze Mischung aus Wild- und Hausschwein. Die kleinen Racker sind scheu, doch die Lust auf noch mehr Most lässt sie nicht los. Derweil schauen die erwachsenen Tiere neidisch auf ihre zechende Brut.

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Einmal kräftig durchschütteln und es geht wieder zurück über die holprige Straße. Zu den Drachenfrüchten. Die reifen in einem großen Gewächshaus und im Gegensatz zu jenen, die ich aus Vietnam kenne, habe diese hier ein tief dunkel-lila farbenes Fruchtfleisch. Eine schnatternde Gruppe kleiner Enten begrüßt uns, als wir das Gewächshaus betreten. Es scheint ihnen hier zu gefallen und nur unter größtem Protest machen sie uns den Weg frei zu den Drachenfrüchten. Deren Zeit ist noch nicht gekommen, noch gibt es mehr Blüten als Früchte. Hier baut Frau Yoda auch Kaffir Limetten an. Bio natürlich. Wehmütig streichle ich über die duftenden Blätter, sind doch frische Kaffir Limettenblätter so gut wie nicht zu bekommen in Deutschland.

Und dann, wo ich gerade noch glücklich mich dem betörenden Duft dieser Limettenblätter hingebe, übersehe ich ihn. Den Haufen mit Entenscheiße. Direkt vor dem Ausgang (in Flip Flops, sonst wäre es ja langweilig). Ich bin entsetzt, hechte durch die Tür und wälze meine Sohlen hektisch im Gras. Und werde ausgelacht. Ich bin verwirrt. „The Princess stept into duck poo!“, kreischt Eric und biegt sich vor Lachen. Genau, ich habe mich gerade so richtig schön zum Deppen gemacht, denn jeder ist die Entenscheiße getreten, nur ich mache ein Drama daraus. Tusse trifft es wohl besser, denke ich und muss einfach mitlachen.
Die Runde Bier zum Sonnenuntergang geht auf mich. Ich habe es verdient.
An diesem Abend kocht Yoda uns ein köstliches Schwein mit Rosmarin Kartoffeln. Die beiden sind selig. Immerhin – ich bekomme all ihre fermentierten Gemüse der Vorspeise.

 

Adressen:

Matsufuji Awamori BOkinawa-1-29rauerei +8198 9682417
http://sakiyamashuzo.jp/
Preisgekrönte Miso Manufaktur Yakuzen
http://www.yakuzen-miso.jp/
ein umwerfendes Rezept mit Miso und Awamori zu kochen gibt auch auf der Seite: http://www.yakuzen-miso.jp/recipe/pork-souki/ (Überstzung einschalten, es sei denn ihr könnt Japanisch)

 

Essen (vegetarisches Highlight)
Café Garamanjyaku, 10507-4 Kin, Kunigami-gun, Kin-cho 904-1201

Übernachten
Canaan Slow Farm café & eco-stay (einfach und gemütlich)
863-2 Taira, Kunigami-gun, Higashi-son 905-1204, Okinawa Prefecture
www.canaan-farm.com / Tripadvisor

Hotel Nikko Alivira (für mehr Luxus 5*)
600 Gima, Nakagami-gun, Yomitan-son 904-0393, Okinawa Prefecture
http://www.alivila.co.jp/

Demnächst im dritten und letzten Teil: Krönungszeremonien, die besten Ramen Suppe und natürlich die Frage: was shoppen?

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung des Okinawa Convention & Visitors Bureau (visit.okinawa). Herzlichen Dank dafür. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.
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