29. März 2018

11 Gründe, sofort nach Martinique zu fliegen

Martinique, kulinarische Reisen, Nordamerika | 0 Kommentare

Die französische Insel der kleinen Antillen hat viel zu bieten. Großartige Küche und traumhafte Strände sind nur zwei davon.

Martinique, ja überhaupt die ganze Karibik, war ein weißer Fleck auf meiner Landkarte. Das hat sich nun geändert. Mittlerweile ist es auch ganz einfach, das französische Überseedépartement der Kleinen Antillen zu erreichen. Es gibt Direktflüge mit Condor ab München. Grund genug also, in die wilde Schönheit dieser Insel einzutauchen, sie zu erkunden, mich am Meer und auf den Märkten treiben zu lassen. Auf dem Heimflug habe ich dann eine Liste geschrieben, alle mit Gründen, warum ich auf jeden Fall wiederkommen werde. Sie war zu lang. Ehrlich, allein für den Kokoskuchen könnte ich mich gleich wieder in den Flieger setzen. Daher –  nur die allerwichtigsten Gründe. Und natürlich meine ganz persönlichen Tipps.

1. Rum Agricole

Ich muss mit Rum beginnen, genauer gesagt mit „Rum Agricole“. Diese besondere Art des Rums macht nur einen klitzekleinen Anteil von etwa 3% der weltweiten Rumproduktion aus. Er wird aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt. Die zehn aktiven Destillerien auf Martinique sind weltweit die einzigen mit der Bezeichnung „A.O.C“ (Appellation Origine Contrôlée), die generell französischen Weinen von großer Qualität vorbehalten ist. Schon deshalb ist dieser Rum etwas ganz Besonderes. Es ist also ein unbedingtes Muss, mindestens eine dieser Destillerien, auf Martinique Habitation genannt,  zu besichtigen. Ich habe getrödelt, als ich die Produktion der Habitation Clément besichtigt habe, stand viel zu lange vor der großen Zuckerrohrpresse und plötzlich war ich da ganz alleine. Meine Begleiter waren verschwunden. Ich folgte meiner Nase, vorbei an dem Bassin, in welches der frische Saft floss und stand auf einmal ganz allein in der Halle mit den Fässern. Dieser Duft ist unbeschreiblich. Süß und würzig. Diese Stille und der Duft in diesem Moment haben sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt.

Und natürlich ist auch klar, dass das Nationalgetränk der Insel ein Cocktail mit Rum ist. Ti Punch heißt er. Eine Mischung aus braunem Zucker oder Zuckerrohrsirup, weißer oder brauner Rum und Limettensaft. Ich durfte sogar noch den internationalen Ti Punch Cup erleben, wo die besten Barkeeper der Welt gegeneinander angetreten sind und grandiose Interpretationen dieses Cocktails präsentierten (zum Bericht geht‘s hier entlang).

Und ich habe auch ein Rezept für euch. Das des deutschen Finalisten Florian Springer aus der Turmbar in Hamburg (der Cocktail hat mir ganz besonders gut geschmeckt):

45 ml Clément weißer Rum Agricole (50%)
15 ml Limettensaft
10 ml Zuckerrohrsirup
10 ml Scheibel Finesse Himbeere
eine Prise Salz
frische Himbeeren

Mit Eis in Shaker mischen, abseihen und mit einer Himbeere garnieren.

2. Strand und Meer

das Aufregende hier ist, dass Martinique sowohl weiße Strände, wie auch schwarze Strände hat. Letztere verdankt die Insel ihrem immer noch aktiven Vulkan Mont Pélée, der im Norden der Insel thront (es soll toll sein, ihn zu besteigen). Erleben muss man beides. Die perfekte Karibik-Stimmung im Süden (weiße Strände), gerne auch mit Aussicht auf kleine vorgelagerte Inseln, oder die dunklen Strände im Norden (mein Favorit ist der Plage du Coin). Hinausstarren auf türkisblaues Wasser, Palmen und die bunten Boote der Fischer. Mehr geht eigentlich nicht. Die Strände der Insel sind so groß, so vielfältig und niemals so stark besucht, dass man das Gefühl bekommen könnte, einer unter vielen zu sein. Manchmal hat man einen kleinen Strand auch ganz für sich allein.

3. Fauna, Flora und ein bisschen wie Jurrasic World

Willkommen in der Urzeit. Meterhohe Farnbäume säumen die Straße auf dem Weg in den Norden. Dazwischen Palmen, Lianen, Bambus und immer wieder die wunderschönsten Blumen. Nicht umsonst hat diese Insel den Namen „Blumeninsel“. Die Insel ist auf die allerüppigste Weise mit Blumen gesegnet. Und sie stehen einfach so rum. Betören mit ihrer Pracht. Oft wirkt es wie aus der Zeit gefallen. Zurück in eine Zeit, lange vor unserer Zeit. Beim Blick über den tropischen Urwald auf die Kegelberge scheint es mehr als möglich, dass sich plötzlich das dichte Gras vor einem teilt und ein Tyrannosaurus Rex oder Raptor mich fresslustig anstarrt. Wenn nicht hier, wo dann? Wer die atemberaubende Natur in komprimierter Form erleben möchte, der besucht den botanischen Garten Jardin Balata. Ein Ausflug hierher lohnt sich unbedingt. Allein schon wegen der Kolibris, die man hier bewundern kann.

4. Im Urwald baden

Einfach mal die Hauptstraße in den Norden verlassen um auf eine unbefestigte in den Urwald abzubiegen? Die Chance, dass man dann einen Wasserfall erreicht, wo man Baden kann ist groß. Ein bisschen über Steine klettern und dann rein ins erfrischende Nass. Wer hat davon noch  nicht geträumt?

Und wer einfach nur im Urwald wandern will, für den hat Martinique ein gut gepflegtes 250 km langes Wandernetz.

5. Autofahren auf der Insel

muss man unbedingt machen. Nichts ist aufregender, wie wenn man die steilen Berge durch üppige Vegetation oder die Küstenstraße entlang fährt. Man muss es vielleicht nicht so machen wie ich, die im ersten Gang die oft steilen Straßen hochfährt, weil ich ein Schisser bin und mit Schaltgetriebe nicht so gut zurechtkomme. Wer jetzt denkt, dass dann sofort hinter einem das nächste Auto hektisch zu hupen beginnt, der hat sich getäuscht. Hier ist man entspannt. Fährt brav im Schneckentempo hinterher und überholt, wenn es geht. Hupen ist hier nicht angesagt. Warum auch. Wer langsam fährt hat mehr davon.

6. man hat Zeit und ist freundlich hier

ein Taxifahrer, der fließend englisch, deutsch und italienisch spricht? Kein Problem auf der Insel. Das Ausbildungsniveau hier ist hoch. Viel wichtiger als die Kommunikation ist jedoch die Freundlichkeit, mit welcher die Menschen einem begegnen. Hier ein Lächeln, dort eine freundliche Geste. Das ist nicht gekauft, das ist kein Anbiedern, das ist echt. Selbst auf dem großen Markt in Fort de France, eine der ersten Anlaufstellen für die Touristen von den Kreuzfahrtschiffen, ist man noch freundlich.

Spontane Gesangseinlagen sind ebenfalls nicht ausgeschlossen.

Und wer ein echtes Original der Insel erleben möchte, der besucht Guy Ferdinand in seinem Restaurant Le Petitbonum und lässt sich von ihm in die Kunst der Rumverkostung einführen und bekochen. Dieser Mann weiß wirklich alles.

eine Rumprobe mit Guy Ferdinand darf man nicht verpassen

auf dem Fischmarkt

7. endlich kreolische Küche

gleich an meinem ersten Abend zog es mich an den Strand in eines der kleinen Restaurants. Es war Samstag Abend, ich hatte Hunger, nichts reserviert, doch auch das war kein Problem. Ich war keine 4 Stunden auf der Insel und schon durfte ich die wohl berühmteste Sauce Martiniques, die Sauce Chien, mit frischem Fisch probieren (ein Rezept dazu gibt es hier).

Die Küche der Insel wird bestimmt von den Gewürzen. Teils mit indischen und afrikanischen Einflüssen, sind die typischen Gerichte eine Sinfonie der Aromen. Frische Passionsfrüchte werden mit Butter gemischt und mit Fisch serviert. Lambi, die große Fechterschnecke, ist eine besondere Spezialität, die man unbedingt probiert haben sollte.

Im Le Zandoli, einem gehobenen Restaurant in Les Trois-Îlets, habe ich ein Risotto mit wirklich überwältigend guten Garnelen gegessen. Sie schmeckten nach Milch und Butter. Der frische Thunfisch wurde mit aromatischen Bohnen serviert.

In dem wohl schönsten Resort der Insel (und einzigen 5* Resort) habe ich einen hinreißenden Seeigel gegessen. Eigentlich sind der Seeigel und ich keine Freunde, aber dieser hatte ganz atemberaubende Rauchnoten.

Wer es bodenständig haben möchte, der muss unbedingt eines der Restaurants im hinteren Teil der Markthalle in Fort de France besuchen. Es gibt kaum einen Ort, wo man der kreolischen Küche näher sein könnte.

Blanc-manger mit Kokosnuss

kreolische Suppe mit Krebsen

Pâtés salés antillais – herzhafte kleine Kuchen

Risotto mit Kokosmilch und Garnelen (fast aufgegessen)

ein Traum von einer Languste

8. Märkte

wer frischen Fisch will, der muss früh aufstehen. Besucht man den kleinen Fischmarkt in Fort de France erst später am Vormittag, muss man sich damit abfinden, dass das Angebot geringer ist, denn hier ist die allerbeste Adresse für frischen Fisch. Das Besondere an diesem Fischmarkt ist, dass er direkt an einem kleinen Kanal liegt, von wo aus der Fisch vom Hafen hertransportiert wird. Alles andere, die Taro Wurzeln, die exotischen Früchte, die Gewürze, die kauft man auf einem der Märkte in Fort de France. Während der große Marché Couvert auch allerhand touristischen Nippes anbietet, findet man auf den kleineren Märkten (um die Ecke vom Fischmarkt) einfach alles, was die üppige Vegetation der Insel hervorbringt. Nicht entgehen lassen sollte man sich die milden, aromatischen Chilis der Insel. Die können allerdings auch anders, heißen dann Scotch Bonnets und sind höllisch scharf.

hier gibt es sogar ein eigenes Museum für Bananen

Fische, so bunt wie alles hier

9. die besten Kuchen und Törtchen (und dazu noch tolle Keramik)

ja sicher, ich konnte nicht anders. Geschirr muss einfach sein, wenn ich auf Reisen bin. Und wer auch nur ansatzweise ein Faible für bunte Schalen und Schüsseln hat, der muss ins Village de la Poterie in Les Trois-Îlets. Am besten vormittags gegen 10 Uhr. Da öffnet nämlich das Café Coup de Coeur. Ich habe wirklich gerne gewartet, bis der Herr vor mir sich endlich für einen Kuchen entschieden hatte, denn die Auswahl ist grandios. Außergewöhnlich Quiches, Petit fours, entzückende Törtchen und Torten. Hier gibt es einfach alles. Und ich schwöre, dass die Eclairs mit die besten waren, die ich je gegessen habe. Zuerst probierte ich eine Quiche mit Brokkoli und Rum, dann ein Apfeltörtchen mit Safran Streusel um das Ganze noch mit einem Eclair zu krönen. Das musste sein. Es war unwiderstehlich. Und während man dort so auf der Terrasse sitzt, kann man schon mal die Auslagen der Töpfer begutachten. Um natürlich dann eine dieser wundervollen bunten Schüsseln zu kaufen (günstig, eine große Schale kostet um die 15 €).

10. Hotels für jeden Geschmack

Luxus pur oder doch lieber ein Zimmer mit Aussicht und Selbstversorgung? Auf der Insel gibt es alles. Egal ob man den kolonialesken Charme einer Plantage erleben möchte, auf welcher man zum Sonnenuntergang an seinen Ti Punch nippt oder ein Privat Jacuzzi in einem stylishen Hotel (La suite Villa)mit gläsernen Böden (nicht in den Zimmern natürlich).

Ich habe es geliebt, einige Tage im edlen Cap Est (einziges 5* Resort der Insel)  zu verbringen. Die Suiten bieten neben einem kleinen Privatpool auch noch eine exzellente Bar und ein lobenswertes Restaurant. Hier kann man gerne mal einen ganzen Tag einfach nur am Strand verbringen und vergessen, dass es drumherum ganz viel Aufregendes zu erleben gibt. Ein Tag nur auf der Strandliege mit Blick auf das blaue Meer ist erlaubt.

von links nach rechts: Cap Est, der Strand vom Cap Est, Le Bambou, Le Paronamic

11. der Wind

er ist eigentlich immer da, der Wind. Ständig streicht er durch die Palmen und über das Meer. Die Surfer danken es ihm. Ich danke es ihm, weil er das Liegen am Strand so angenehm macht, weil ich nachts vom Rascheln der Palmblätter in den Schlaf gewiegt werde. Weil es wenig Moskitos gibt, wenn der Wind geht. Und weil es dennoch nie so viel Wind ist, dass man es Hurricane nennen könnte. Das ist der Vorteil einer Insel „unter dem Wind“. Während die nördliche Karibik oft mit schweren Stürmen geplagt ist, erreicht so gut wie nie einer dieser Stürme die Insel Martinique. Das macht sie so beliebt, denn die meist gleichbleibenden angenehmen Temperaturen das ganze Jahr über, die hohen Berge im Norden, wo es immer feuchter ist als auf dem Rest der Insel, machen sie zu einem idealen Reiseziel.

 

Adressen

Wohnen :

Le Panoramic Hotel  (für Selbstversorger)
Anse à l’Ane – 97229 TROIS-ILETS
15, Rue du Dauphin
MARTINIQUE
www.lepanoramic.fr

Cap Est Resort & Spa (ein Traum)
La Prairie, Le François 97240
Martinique
www.capest.com

Hotel Bambou (Mittelklasse, direkt am Strand)
Anse Mitan, Trois-Îlets 97229, Martinique
www.hotelbambou.fr

Suites & Villas (für Extravagante)
Route du Fort d’Alet – Anse Mitan
97229 TROIS-ILETS
MARTINIQUE
la-suite-villa.com/suites-villa

Essen :

Le Zandoli (feine,  gehobene Küche)
la-suite-villa.com/restaurant/

Le Petitbonum (unbedingt – grandiose Meeresfrüchte)
www.facebook.com/lepetibonum

Le coup de coeur (genialste Törtchen)
www.poterie-village.fr/boutiques-et-services/ocoup-d-coeur

Pignon nouvelle vague (Kreolisch und toller Fisch)
www.pignonnouvellevague.com

 

Hinweis : diese Reise wurde unterstützt von Martinique Tourisme. Herzlichen Dank für die wunderbare Betreuung. Meine Begeisterung für diese Insel ist ganz und gar meine ganz persönliche Meinung

 

 

 

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