Kamasutra, Orangen Saibling, grüner Spargel, Mönchsbart
und Miso Hollandaise

Miso Hollandaise mit Orangen Saibling-1-2Im Kamasutra geht es darum, die Lust möglichst lange hinauszuzögern. Ganze 16 Tage soll das Vorspiel dauern. Solange, bis das Verlangen ins Unermessliche wächst. Mein Fischhändler auf dem Wochenmarkt macht es gerade ähnlich mit mir. Zwei Wochen hintereinander fuhr ich hin und stand vor einem leeren Platz. Und das, wo ich so große Lust auf seine Saiblinge hatte, wo ich schon einen festen Plan fürs Wochenende hatte. Zwei Stände weiter gibt es Mönchsbart und grünen Spargel. Eine Bio Orange wäre auch noch aufzutreiben, nur das mit dem Fisch schaut schlecht aus. Ich drehe also eine weitere Warteschleife. Werde langsam nervös, so sehr wächst mein Verlangen nach seinen Saiblingen. Eine Woche später ist er wieder da. Erlösung. Doch manchmal hat man so eine Vision von einem Gericht, perfektioniert es in Gedanken, nur um dann festzustellen, dass vielleicht eine andere Komponente plötzlich verschwunden ist. Innerlich bereite ich mich also auf die „Mensch-ärgere-dich-nicht“ Situation vor. Ich habe Glück. Die Dame am Gemüsestand fragt sich sicherlich, ob ich so früh am Morgen schon eine Tüte geraucht habe, so selig lächelnd stehe ich vor dem Mönchsbart und den Orangen. Alles ist gut. Wie auch sollte ich ihr erklären, dass ich die ganze Woche darauf gewartet habe, genau dieses Gericht zu kochen. Gut, der Mönchsbart war optional, es wäre auch ohne ihn gegangen, aber mit ist es einfach besser.
Mein Saiblingsfilet ist eher klein, was den Vorteil hat, dass ich es wunderbar in der Pfanne garen kann. Ist es dicker, ist ein auf 100° Grad aufgeheizter Ofen eine gute Option, ihm nach dem Anbraten noch einige Minuten in der Wärme zu gönnen.
Die Kombination von Miso Hollandaise und Orangen Saibling löst wohlige Schauer aus. Sie sind für einander geschaffen. Das Warten hat sich gelohnt. Man muss das ganz eben nur aus kamasutrischer Sicht betrachten.

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Für Zwei als Vorspeise
1 Saiblingsfilet
1 EL Orangenabrieb von einer unbehandelten Orange
1 TL Butter
Fleur de Sel

500 g grüner Spargel
100 g Mönchsbart (Agretti)
1 TL Butter
Salz, Pfeffer

Miso Hollandaise
200 g Butter
1 EL weiße Miso Paste
1 Ei
1 Eigelb
1 EL Zitronensaft

Holunderblüten nach Lust und Laune

1. Den Spargel waschen und im unteren Drittel schälen. Den Mönchsbart waschen und trocknen.
2. Die Butter in einer Pfanne aufschäumen lassen und den Spargel darin bei mittlerer Hitze garen.
3. Die Butter für die Hollandaise sanft erhitzen, vorsichtig mit einem EL die Molke abschöpfen.
4. In einer zweiten Pfanne die Butter für den Fisch erhitzen, den Saibling nochmals quer durchschneiden und auf der Hautseite anbraten. Nicht wenden, und die Temperatur zurückschalten. Den Orangenabrieb in die Butter geben, kurz umrühren und dann die Oberseite damit beträufeln. Den Fisch so lange sanft weitergaren, bis die Oberseite nur noch leicht glasig ist.
5. Den Mönchsbart zu dem Spargel geben und etwa 2 Minuten mitgaren. Salzen
6. Die Temperatur für Fisch und Spargel ausschalten.
7. In einem hohen Gefäß Das Eigelb mit dem Ei, dem Zitronensaft und der weißen Miso Paste mit dem Stabmixer aufschlagen und langsam die flüssige Butter dazugeben. Sollte die Hollandaise trotzdem gerinnen, kann man ein bisschen schummeln, indem man einen knappen TL Sahnejoghurt mit schlägt.
8. Den Spargel mit dem Mönchsbart auf die Teller verteilen, dem Fisch draufsetzen. Mit der restlichen Orangenbutter beträufeln und mit ein paar Salzflocken bestreuen. Die Miso Hollandaise dazu reichen.

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5 Responses to Kamasutra, Orangen Saibling, grüner Spargel, Mönchsbart
und Miso Hollandaise

  1. Stefan 17. Juni, 2016 at 17:10 #

    Das Rezept ist ja schon ein Traum… aber diese blaue Schale. Ich glaub ich bin verliebt!
    (kann man das Objekt der Begierde irgendwo sehen oder gar für schnöden Mammon erwerben?)

    • Dinner um Acht 17. Juni, 2016 at 18:12 #

      Hallo Stefan, ich habe die Schale auf einem Töpfermarkt in Iffezheim gekauft. Ich suche dir die Adresse raus. Gib mir ein paar Tage Zeit.
      Liebe Grüße
      Claudia

  2. Maria 16. Juni, 2016 at 20:21 #

    Hallo Claudia,
    absolut beste Einleitung für einen Blogpost! 🙂
    Toll geschrieben.
    Viele Grüße
    Maria

  3. Ti saluto Ticino 16. Juni, 2016 at 17:05 #

    ein Träumchen, sorry, mehr fällt mir vor lauter Begeisterung dazu gerade nicht ein 😉
    begeisterte Tessiner Grüsse
    von Sabine

    • Claudia 16. Juni, 2016 at 17:10 #

      Danke liebe Sabine, mehr muss einem manchmal auch gar nicht einfallen…
      liebe Grüße
      Claudia

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