13. Juni 2013

Siebenhundertsechundzwanzig Seiten lang lief ich neben ihnen her, flog über die Schönheit der Worte, der Sätze, und ließ ihren Schmerz tief in mich eindringen.  David Grossmanns Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ gehört definitiv zu den wenigen Büchern, die ich in mir aufgesogen habe. Eines, welches so überragend gut ist, dass ich traurig war, als die letzte Seite erreicht war.

Aus der Ferne anfangen?

Er nickte einmal und wandte den Blick sofort wieder ab.

Sie setzte sich auf, betastete ihr Finger, erregt und plötzlich auch etwas verängstigt. Er saß ihr gegenüber. Das Zimmer um sie herum lärmte, und nur sie beide hielten die Köpfe gesenkt, ihre Körper waren schwer und entspannt. Einen langen Augenblick schwebten sie beiden irgendwo, in einer Zeit, die keine war.

Bleiben wir zum essen? Fragte Ora etwas später, ohne Stimme, nur mit den Lippen. Wie du willst, flüsterte Avram, und sein Kehlkopf hüpfte im Gedanken an die Speisen.

Aus der Ferne anfangen – Erzähle es mir schonend, so dass es nicht zu nah kommt, und wenn es nah kommt, dann nur zögerlich. Ich möchte entscheiden, wie schnell. Das Echo dieses Satzes in mir ist gewaltig. Wie bei einem Gewitter zähle ich die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Da ist der Wunsch, sich vorzubereiten auf das was kommt. Die Hoffnung, es möge vorbei ziehen.

Bis zur letzten Seite.

Israel. Im Mittelpunkt dieses Buches stehen zwei Menschen, die gemeinsam durch Galiläa wandern. Ein Mann  und eine Frau.  Der Sohn der Frau hat sich freiwillig zu einem Militäreinsatz im Westjordanland gemeldet. Sie ahnt Schreckliches und versucht davor zu fliehen.

Für Shermins  Blogevent  „Lesehunger“ bin nochmal eingetaucht in dieses Buch, musste nur Bruchstücke davon lesen und schon waren die Bilder wieder da.  Ich überlege,  welches Essen diese Reise ausdrücken könnte. Es muss etwas Einfaches sein.  Wer an Israel und seine Küche denkt, dem fällt Yotam Ottolengi ein. Zumindest mir fällt er zuerst ein. Ich stöbere durch seine Bücher und finde genau das, was dieses Buch für mich kulinarisch beschreibt.

sweetpotatofigs

Ein Salat aus frischen Feigen, gerösteten Süßkartoffeln und Ziegenkäse.

Für Zwei

3 kleine Süßkartoffeln (400 g)

30 ml Olivenöl

25 ml Balsamico Essig

10 g Zucker

4 Frühlingszwiebeln, in etwa 4 cm lange Streifen geschnitten

½ Chili, entkernt und fein gehackt

4 frische, reife Feigen

100 g Ziegenkäse, zerkrümelt

Salz, Pfeffer

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Den Ofen auf 220° vorheizen. Die Süßkartoffeln waschen und halbieren. Die Hälften in je 3 Spalten schneiden. Mit 2 EL Öl mischen. Salzen und pfeffern. Die Hälften auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und etwa 25 min im Ofen rösten bis sie weich, aber nicht matschig sind.

Den Essig zusammen mit dem Zucker in einen kleinen Topf geben und aufkochen lassen. Die Hitze reduzieren und für einige Minuten einkochen lassen, bis der Essig sirupartig wird.

Die Kartoffelspalten auf Tellern anrichten. Das restliche Öl in einer Pfanne erhitzen und die Frühlingszwiebeln zusammen mit der Chili scharf anbraten. Über die Kartoffeln geben. Die Feigen vierteln und dazu geben. Mit der Balsamico Reduktion beträufeln und den Ziegenkäse drüber streuen. Lauwarm servieren.

Und für Alle, die keinen Bock auf Balsamico-Einkochen haben: Es klappt auch prima mit Crema di Balsamico.

 

 

7 Kommentare

  1. So ein schöner Beitrag!!

    Ich kenne das Buch nicht, aber es muss gewaltig sein (so wie du es beschreibst und wie ich in der zwischenzeit im www nachgelesen habe). Bin mir nicht sicher, ob ich es lesen möchte – Mutter und Sohn, das sind auch meine Ängste…
    Aber den Salat mache ich auf jeden Fall nach,
    lg

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    • Vielen Dank, Friederike. Ich kann deine Vorbehalte verstehen, dieses Buch ist gewaltig und er hat ja dafür auch den Literatur-Nobelpreis bekommen. Die sprachliche Schönheit ist einzigartig. LG, Claudia

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  2. Wunderschön geschrieben! Und die Bilder sind auch wundervoll-diese Farbenpracht toll eingefangen! Das schreit nach Wochenende!
    Liebe Grüße,
    Amelie

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  3. Und noch so eine schöne, poetische Beteiligung. 🙂 Ottolenghi mag ich ja auch sehr gerne, der würde mir auch direkt zur Landesküche einfallen. Der Salat liest sich toll und sieht farblich auch klasse aus. Hast du das auf verschiedenen Tellern fotografiert? Vielen Dank, dass du beim Stillen des Lesehungers dabei bist.

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    • Ja es waren verschiedene Teller, konnte mich nicht entscheiden. Und das hat wirklich großen Spaß gemacht ein Buch kulinarisch zu interpretieren. Kennst du das Buch?
      LG, Claudia

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      • Nope, kenne ich gar nicht. Aber ich lerne bei dem Event sowieso so vielfältige neue Bücher kennen, dass mein Bücherstapel gerade ins Unermessliche anwächst. Es gibt sicherlich schlechtere Dinge im Leben. 😉

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