24. April 2018

[The Tokio Food Files #6] Culinary Heaven – die Feinkostabteilung des Luxuskaufhauses Isetan

Tokio, Japan, kulinarische Reisen | 0 Kommentare

Ich darf nichts mitnehmen, ich darf nichts mitnehmen, ich reise noch weiter in die USA. Wie ein Mantra liegt es auf meinen Lippen, während ich andächtig durch die Gänge wandle, ständig der Versuchung ausgesetzt, das eine oder andere in den Korb zu packen. Es ist nicht mein erstes Mal bei Isetan, dem noblen Department Store in Shinjuku, aber es ist mein erstes Mal mit einem Presse Ausweis um den Hals, weswegen ich etwas darf, was hier sonst keiner darf – ich darf fotografieren. Zu verdanken habe ich dies der wunderbaren Chieko-san, die ich während der ITB in Berlin kennenlernen durfte. Sie hat es möglich gemacht, dass ich, begleitet von einem Übersetzer, die Feinkostabteilung so richtig verstehen darf. Dass ist teilweise auch wirklich nötig, denn manchmal, gerade in der Abteilung für Gewürze, bin ich verloren. Die Varianten von Furikake. Einmal von allem bitte. Oder die kleinen Farnköpfchen, die jetzt Saison haben. Und ja, es gibt tatsächlich Gemüse, die ich noch nicht kenne. Doch hier ist selbst mein Übersetzer überfordert, schließlich ist der kein Botaniker und kann mir mal eben flugs den lateinischen Namen präsentieren.
Und ich bin mir ganz sicher – der Begriff „micro leaves“ wurde in Japan erfunden. Muss so sein, denn ich habe noch nie so viele kleine essbare Blättchen in allen Formen und Farben auf einem Platz gefunden.
Wir reden hier jetzt nicht über Preise, es versteht sich von selbst, dass wer hier einkauft, eine gewisse Schmerzgrenze überschritten haben muss, doch wer die Liebe zur Perfektion in Japan verstehen möchte, sollte beim Essen anfangen. Schönheit, Symmetrie und Farbkomposition sind die Worte, die einem einfallen, wenn man die Feinkostabteilung hier besucht. Beginnen wir mit den fermentierten Gemüsen, zum Beispiel mit den Frühlingseditionen. Da mischt sich ein zartrosa mit einem zarten Grün, es ist ein Fest fürs Auge. Schon wieder die mahnende Stimme in meinem Kopf. Ich bin noch fast drei Wochen unterwegs, es macht keinen Sinn zauberhafte Tsukemono (so heißen die fermentierten Gemüse in Japan) zu kaufen, wenn sie ein Verfallsdatum von einer Woche haben. Oder mit Shiso fermentierte Gurken, die ein wunderbar pudriges Aroma haben.
Kurz meditiere ich vor den Miso Fässchen. Ja, euch kenne ich bereits. Wir hatten schon das Vergnügen. Vor eineinhalb Jahren habe ich gleich zwei Kilo davon mitgenommen. Gerne würde ich aus einem Gefühl der Verbundenheit über die Fässchen streicheln, doch dann halten sie mich vermutlich endgültig für völlig bekloppt. Oder der Mirin, eigentlich ein süßer Wein zum Kochen, wie er da in seinen wunderschönen Flaschen im Regal steht… Ich muss mich zusammenreißen.

Ich war bisher immer nur im Herbst hier, nun erlebe ich also endlich auch mal den kulinarischen Rausch des Frühlings. Kirschblüten-Mochis soweit das Auge reicht. Man könnte jetzt nicht sagen, dass Tiffany’s in New York sich mehr Mühe gäbe, bei der Präsentation ein einzelnen Colliers. Hier hat auch ein kleines Törtchen seine Bühne. Überhaupt – die Kuchenabteilung. Was bei uns ein bisschen verpönt ist – nämlich ein fetter Belag aus Gelatine, wird hier geradezu zelebriert. Formvollendete Blüten und Früchte auf einem luftigen Bisquitboden, etwas leichter Creme und in ganz viel Glibber. All meine backenden Bloggerfreunde da draußen, könnt ihr mich hören? Mein sehnsuchtsvolles Seufzen? Ihr wisst, was zu tun ist, oder?

ein Kunstwerk aus Tortenguss. Und das „making of“ von wunderbaren Mochis

hier nochmal im Detail

Perfekte Früchte

Das mit den perfekten Früchten hat ja in Japan Tradition. Man wählt diese gerne als Geschenk um der Schönheit der Natur zu huldigen. Euch fehlt noch ein hübsches Mitbringsel? Wie wäre es dann mit einer kleinen Auswahl an vollendet schönen Erdbeeren? Oder eine Netzmelone für neunzig Euro? Nichts dabei? Eine einzelne Orange gibt es auch ab zehn Euro. Wer jetzt allerdings auch noch das Ganze in Bio Qualität haben möchte, der hat leider Pech gehabt. Bio ist hier nicht so populär, wie bei uns, was irgendwie schade ist, auch das ganze Plastik um die Früchte irritiert. Wer Bio möchte, muss zum Farmers Markt und kann dort sein Glück versuchen, aber auch dort findet man perfekte Früchte.

Wagyu Galore….

Wer weiß, wie rar dieses unglaublich marmorierte Fleisch bei uns ist, der findet hier genau das, was er sucht (ich muss jetzt gleichmal nach einem Synonym für perfekt suchen, sonst wird das hier langweilig). Ich erinnere mich daran, wie dieses Fleisch auf der Zunge schmilzt. Und bin zum ersten Mal überrascht, denn hier bezahlt man durchaus weniger dafür, was zwar nicht heißt, dass es günstig ist, aber immerhin doch weitaus günstiger als bei uns.

Ein paar Dim Sum gefällig?

Längst sind es hier nicht nur die Zutaten, die Weinabteilung oder das Angebot an japanischen Craft Bieren und Sake, sondern auch die fertig zubereiteten Speisen, die man sich hier mitnehmen kann. Die vegetarischen Dim Sum lachen mir besonders freundlich entgegen, oder die hübsch angerichteten Sashimiteller und Fruchtdesserts. Würde ich in der Nähe arbeiten, ich käme sicher jeden Mittag hierher um mir etwas ganz Besonderes zu gönnen. Jede Woche ändert sich das Angebot. Grad ist italienische Pasta sehr angesagt. Vermutlich so, wie ich den frischen Wasabi anhimmle, geht es den Japanern, wenn sie Tortiglioni sehen. Vereint in der Sehnsucht nach dem Exotischen.

Keramik (war ja klar, oder?)

Ob ich auch noch in die Küchenabteilung möchte, fragt mich Chieko-san? Natürlich will ich, ich hätte sie vermutlich eigenhändig dorthin gezerrt, so gierig bin auf Keramik. Und ich wollte endlich mein eigenes klitzekleines Tamago-Pfännchen. Jetzt habe ich natürlich das schönste, kleine viereckige Pfännchen der Welt. Antihaftbeschichtet und mit Holzgriff. Leicht ist es natürlich aus. Man muss ja immer ans Gepäck denken. Ein heller Keramikteller muss ebenfalls sein, aber dagegen bin ich ja sowieso immer machtlos. Ich möchte mich jetzt sehr gerne ob meines maßvollen Einkaufs loben, aber ich fürchte, das wird noch nicht alles sein.

Nach einem gemeinsamen Essen im makrobiotischen Restaurant, schenkt mir Chieko-san zum Abscheid ein kleines Mochi mit einer Erdbeere darin. Während ich dies hier schreibe, lasse ich das kleine Kunstwerk durch meinen Mund kugeln (keine Frage – Mochis sind pures Aphrodisiakum).
Schließt mich doch einfach beim nächsten Mal für eine Nacht dort ein…. Ich könnte nicht glücklicher sein.

handbemalt und hübsch

zur Aufbewahrung von Reis

klassisch…

im makrobiotischen Restaurant: Kirschblüten Quinoa mit klitzekleinen Fischen und einer Shiro Miso-Erdbeer Vinaigrette

Meerbrasse mit frischen Bambussprossen und Kräuteröl und frittierten Kräutern

Hinweis: Isetan hat mich zu diesem Besuch eingeladen. Mein Schwelgen für dieses Haus kann man nicht mit allen Mochis dieser Welt kaufen. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

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