12. Juli 2016

Schottlands blühende Highlands –glückliche Tage mit Whisky, Haggis, alten Steinen und Hochlandrindern

Taine, Wein & Spirits, Schottland, kulinarische Reisen | 0 Kommentare

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Billy, mein Lieblingsschotte während meiner kurzen Reise in die Highlands, gibt sich alle Mühe, mir die schottische Aussprache näherzubringen. Ich zeige mich willig und wiederhole bereits zum soundsovielten Mal die Worte „Hochland Rind“. „Heyländ Kuu“, so soll ich es aussprechen, wobei das U einmal leicht von unten nach oben rollt. Wie eine Welle. Ich habe mir das selbst eingebrockt, denn ich will unbedingt Hochlandrinder sehen. Ich bin erst dann von meinen Sprachübungen erlöst, als wir an einer Weide haltmachen. Er öffnet den Zaun und meint ich könne jetzt zu den Rindern gehen. „Echt, einfach so über die Weide? Und da ist keiner, der mich mit was auch immer verjagen will?“, frage ich zögerlich. Ach nein, meint er, wir haben hier eher selten Zäune. Und so laufe ich mutig auf mein Rind zu, ich sage mein, weil ich es in dem Moment innerlich adoptiert habe, als ich es zum ersten Mal gesehen habe. Halte maßvollen Abstand, denn der Brocken hat mich natürlich sofort entdeckt. Wie das mit den Zotteln vor seinen Augen gehen soll, ist mir zwar schleierhaft, aber es bewegt sich langsam auf mich zu. Es ist noch ein junges Rind, nichtsdestotrotz mit stolzen Hörnern, mit denen ich nur ungern Bekanntschaft machen will. Zehn Meter, näher wage ich es nicht.
Und so steht es einfach nur da. Ich schaue es an, es schaut mich an. Mitten in den Highlands zwischen Tain und Inverness stehe ich also auf einer Weide und fotografiere ein Hochlandrind.
Billy freut sich, als ich ihn zufrieden angrinse. Und er freut sich, dass ich mehr an den Rindern, Schafen, dem Whisky und dem Haggis interessiert bin, als an meiner Bootsfahrt auf dem Loch Ness. Nicht gegen den Loch Ness, und sein mystisch verfallenes Castle, aber mit gefühlt hundert Asiaten über den See zu schippern, erinnert mich ein wenig an Bayern. Das ist dann auch nicht so viel anders wie auf dem Chiemsee.

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Urquhart Castle am Ufer des Loch Ness

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die Welt des Glenmorangie

Whisky, der eigentliche Grund weswegen ich hier bin, genauer gesagt die Destillery von Glenmorangie. Drei Tage lang darf ich im Glenmorangie House residieren und mir alles anschauen. Das Haus ist ein großzügiges Anwesen, direkt am Meer, zwischen uralten mit Steinmauern gesäumten Wegen und einer Hütte, wo das geschossene Wild aufbewahrt wurde. Die Wiesen rundherum stehen voller Sommergerste, die Wolken ziehen dramatisch über den Himmel und von der Bank aus vor dem Haus kann ich auf den Dornoch Firth blicken, der kurz dahinter in die Nordsee mündet.
Highlands, ich bin wirklich in den Highlands.
Und alles ist noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Das Haus ist im klassisch, schottischen Stil eingerichtet, sogar das Geschirr ist kariert, ich habe ein Himmelbett und werde mit einer kleinen Flasche Whisky begrüßt.
Am liebsten würde sofort runter ans Meer laufen, durch die nach Kokos duftenden Ginsterhecken, zu diesem alten Stein aus der Zeit der Pikten, aber erst einmal bekomme ich Tee, eine Suppe und Sandwiches. Ich soll ja gestärkt sein, wenn ich die Destillerie besuche. Ein bisschen fühle ich mich wie in einer Bilderbuchwelt, wie ich so im Salon sitze und an meinem Gurkensandwich knabbere.
Ich habe extra mein großes Regencape mitgenommen und meine Wanderschuhe ordentlich imprägniert, doch bislang macht es nicht den Eindruck, als ob ich Verwendung dafür finden würde. Es regnet ganz leicht, als mich Billy zur Destillerie bringt.
Es gibt rundherum noch mehr Destillerien, doch keine hat so hohe Brennblasen wie Glenmorangie. Ganze 5,14 sind sie hoch. Hier lerne ich auch während einer wirklich sehr guten Führung, dass ein Whisky praktisch in drei Tagen gemacht werden kann. Das Wichtigste ist also die Reife. Ich lasse mir die verschiedenen Fässer erklären, schnuppere an der nach Schokolade duftenden, gerösteten Gerste und versenke meine Nase in einen der Gärbottiche (was wegen der Kohlensäure ziemlich stechend ist).
Nachdem ich also ausgiebig Fässer gestreichelt habe, darf ich ihn endlich verkosten. In der Probierstube neben dem Shop, habe ich nun die Qual der Wahl. Diese Edition oder doch lieber eine andere? Warum nicht beide? Und die hier, ja die soll ich auch noch probieren. Eine wohlige Wärme breitet sich aus. Hier in den Highlands schmeckt er irgendwie noch besser.
Billy erzählt mir von seinen Whiskyschätzen, die er zuhause lagert und spätestens jetzt wird mir klar, dass ich keinen größeren Whiskyliebhaber hätte treffen können. Ich, die seit so vielen Jahren Whisky trinkt, ich komme mir wie ein ahnungsloser Stümper neben ihm vor.
Wir fahren zurück an die Küste, er zeigt mir den alten Stein der Pikten, zeigt mir eine alte Abtei und die Fischerdörfer und erzählt mir aus der Zeit, wo er noch auf den Bohrinseln gearbeitet hat. Gerne hätte ich ihn noch dazu überredet mir die preisgekrönte Metzgerei zu zeigen, wo es angeblich das beste Haggis gibt, aber es ist Zeit für die Dinnercocktails im Salon. Das ist wichtig, schließlich bin ich hier in Schottland.

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Die Brennblasen in der Glenmorangie Destillerie

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Im Hof des Glenmorangie House

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der Dining Room

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mein Himmelbett, die Vorhänge sind aus Tartan

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am Kamin, nach 22:00 Uhr – draußen ist es immer noch hell

Den Haggis-Horizont erweitern

Peter Harwood, Küchenchef des Glenmorangie Houses, ist bekümmert. Er hat keinen Schafsmagen bekommen. Die wichtigste Zutat für Haggis. Er wollte mir zeigen, wie man das macht. Ich erkläre ihm, dass das kein Drama sei, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich zuhause in München Haggis mache, ginge gegen Null. Also verabreden wir uns für den Nachmittag um am Meer Muscheln zu sammeln.
Vielleicht muss ich an dieser Stelle meine Haggis-Fixierung ein wenig näher erläutern. Grundsätzlich bin ich ja eine große Freundin von Innereien. Ich weiß, daran scheiden sich die Geister. Doch wie kann ein Gericht zum Nationalgericht werden, wenn es nicht gut ist? Eben. Es ist gut. Den ersten Vorgeschmack bekomme ich zum Frühstück. Ein Scottish Scone, mehr oder weniger ein süßlich, weiches Brötchen wird mit „Lorne Sausage“, einer undefinierbaren Wurstscheibe, einer Scheibe Black Pudding (Yeah, meine Freunde, hier wird es lustig, das ist grandiose Blutwurst) einem pochierten Ei, einer nicht un-opulenten Menge Hollandaise nebst etwas Haggis serviert. So leicht kriegt man nicht wieder so schnell eine Tagesration von 1000 Kalorien auf einen Schlag.
Es schmeckt göttlich. Wild, üppig, sehr würzig. Danach möchte man sich gerne hinlegen und den Bauch streicheln.
Haggis wird in besagtem Schafsmagen gekocht und besteht aus Innereien vom Lamm, zusammen mit Hafermehl und Zwiebeln. Selbstverständlich pikant gewürzt.
Beachtenswert ist, dass in den freiheitsliebenden Vereinigten Staaten von Amerika, wo beispielsweise das Führen nachweislich ungesunder Waffen erlaubt ist, die Zubereitung des Haggis nach schottischem Rezept unter Verwendung sämtlicher tradierter Innereien untersagt ist.
Ich werde am Abend mein Haggis noch ganz traditionell serviert bekommen. Mit einem Glas Whisky dazu, mit glasierten Rübchen und einem ordentlichen Trinkspruch.
Und fürs Protokoll – Haggis schmeckt großartig!
Vermutlich bin ich in einem früheren Leben in Schottland geboren, anders ist meine geradezu euphorische Freude darüber nicht zu erklären.

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traditional Scottish Scone

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Haggis

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eine wunderbare Vorspeise von Peter Harwood

Mit dem Küchenchef am Meer

Mein Samstagnachmittag ist gerettet. Anstatt zu lernen, wie man Haggis zubereitet, geht Peter Harwood mit mir an die Küste. Das ist ein Weg von nicht mal zehn Minuten, hindurch durch die umwerfend nach Kokos duftenden Ginsterhecken. Gerade herrscht Ebbe und die Felsen sind übersäht mit Seetang (Kelp) und Algen. Ob aus diesen Algen denn was gemacht würde, will ich wissen. Ja, früher mal, da hat eine alte Frau sie gesammelt. Aber heute? Nein, heutzutage nicht mehr. Ich erzähle ihm an dieser Stelle, dass in Amerika der große Kelp-Wahn ausgebrochen ist und dieser sicherlich nicht vor den üppigen Algenfeldern Schottlands halt machen wird.
Es ist ein prächtiger Tag, die Sonne strahlt über das satte Grün, das Wasser glitzert und das sollte doch schon mal Grund genug sein, dies zu feiern. Er hat zwei Gläser und eine Flasche Whisky mitgebracht. Wir setzen uns auf die Steine und prosten uns und dem Meer zu. Dieser Moment, wo wir so da sitzen, über das Leben an sich und das Leben in Schottland im Speziellen philosophieren, gehört mit zu den wunderbarsten Momenten, die ich dort erlebe. Die nach Salz duftende Luft paart sich mit den torfigen Noten im Glas, der Blick reicht weit hinaus aufs Meer und es ist einfach alles perfekt.
Dann sammeln wir kleine Muscheln, Winkels heißen sie hier, aus dem Gumpen. Peter kann das natürlich viel besser als ich, denn er kennt die besten Stellen.
Die Beute wird später für einige Stunden in der Küche in sehr salziges Wasser gegeben, das bringt die Muscheln dazu ihren Sand auszustoßen, und anschließend werden sie gekocht.
Während die Muscheln ziehen experimentieren wir ein wenig mit dem Räuchergerät. Räuchern eine frische Jakobsmuschel, die wir dann noch mit ein wenig Zucker karamellisieren. Die Küche hier im Glenmorangie Hosue ist fantastisch. Perfekt ausgestattet. Irgendwann muss Peter sich um das Abendessen kümmern und ich um meine High Tea Stunde.
Der Tag wird gekrönt von einem vorzüglichen Essen (u.a. Haggis, ihr wisst schon). Ich könnte kaum glücklicher sein.

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Winkles – Muscheln, die ganz frisch einfach umwerfend schmecken

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Schafe, soweit das Auge reicht

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Nur wo der Regen gut ist, wachsen die Flechten

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Der Tag war lang, erst kurz vor Mitternacht wird es zu dieser Jahreszeit dunkel. Morgen werde ich dieses glückliche Haus verlassen. Dass mir der Abschied so schwer fällt, hätte ich nicht erwartet.
Ein letztes Mal, auf der Fahrt zum Bahnhof, gibt sich Billy nochmal alle Mühe, mir noch ein paar gälische Worte einzutrichtern, während ich sehnsüchtig auf die endlosen Wiesen mit frisch geschorenen Schafen starre.
Highlands – ich liebe euch!
Slàinte mhath!

Adressen:

Glenmorangie House
Fearn
by Tain, Ross-shire
IV20 1XP, Schottland

The Glenmorangie Distillery
Tain
Ross-shire

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