19. Mai 2020

Reisen zu den Märkten der Welt

auswärts essen & events, kulinarische Reisen | 5 Kommentare

Seit vielen Jahren besuche ich Märkte und Bauernmärkte auf der ganzen Welt. Worauf freut man sich im Frühjahr in Tokio? Welche Wurzeln sind in Lima besonders beliebt? Wieviele Sorten Ananas gibt es auf dem Markt in Jamaica? Anschallen bitte, die Reise beginnt!

Die Luft an jenem trüben Dezembermorgen roch nach Schnee. Ich hatte das Fenster geöffnet, denn die Heizung in meinem winzigen Hotel in der West Village kannte nur zwei Stufen. Entweder sie glühte oder sie blieb kalt. Dazwischen war nichts. Also riss ich die Fenster auf. Regen tropfte auf das Fensterbrett. Es war früh am Morgen und der Jetlag war noch nicht aus meinen Knochen verschwunden. Ich wollte nach Hause, am liebsten so schnell wie möglich, aber es sollte noch 36 Stunden dauern, bis mein Flug gehen sollte. Samstag, und ich hatte nichts vor, außer möglicherweise diesen Markt unten am Pier zu besuchen. Die Lobster-Sandwiches dort seien toll, wurde mir gesagt. Ich war unschlüssig. Warum sollte ich auf einen Markt fahren, wenn ich doch keine Küche hätte um zu Kochen? Einfach nur so? Genau. Einfach nur so. Raus in die Kälte. Da wusste ich noch nicht, dass dieser Marktbesuch an einem düsteren Samstagvormittag in New York am Fuß der Brooklyn Bridge der Beginn einer Leidenschaft sein sollte, die mich fortan auf all meinen Reisen begleiten sollte. Das war 2012. Ich unterhielt mich mit Marktleuten, kleinen Farmern aus der Region, ich erfuhr viel darüber, was sie antrieb und wofür sie sich stark machten. Ich bin dankbar dafür, dass ich an jenem Morgen nicht meinem inneren Schweinehund nachgegeben habe und einfach im Bett geblieben bin. Ich suchte nichts und fand, was mich für immer begeistern sollte – Bauernmärkte. Wohin ich auch seitdem reise, eines meiner ersten Ziele ist immer der Markt. Er ist der Bauch einer Stadt, einer Region und spiegelt nicht nur die Kultur eines Landes wider, sondern lässt mich tief in die Küche, in die Gewürze und Produkte eines Landes eintauchen. Ich habe es aufgegeben, mich daran zu erinnern, wie problematisch es sein kann, fremdes Obst und Gemüse im Koffer mit nach Hause zu schleppen. Ich bin oft noch müde von der Reise, doch es warten allerlei fremde, verderbliche Zutaten auf mich, die schnellstens verarbeitet werden wollen. Immer dann, wenn ich noch gar nicht bereit für sie bin. Die Uhr tickt dann immer gnadenlos. Auch wenn ich in den letzten Jahren dazu übergegangen bin, möglichst Verschweißtes, im Glas Verpacktes, Getrocknetes oder Fermentiertes mitzubringen, sind es immer noch die ungewöhnlichen Früchte, Pilze und Gemüse, die mich locken. Ich reise niemals ohne eine kleine Kühltasche.

Immer wenn ich auf einem Bauernmarkt bin, stelle ich mir vor, was uns alle verbindet. Das Schnippeln in der Küche, brutzelndes Fett und verführerische Düfte aus der Küche. Egal, wo in der Welt diese Küche ist. Ich fühle mich in dem Moment, da auch ich mit einer Tüte Orangen aus Okinawa über den kleinen Markt in Tokio laufe, mit all den anderen Menschen auf diesem Markt verbunden. Ich freue mich über ein Kürbis-Chutney auf Hawaii, dessen Macherin vom gleichen angetrieben wird wie ich, wenn ich in meiner Küche Kürbis schnipple und einkoche.

Und natürlich staune ich. Ich staune über die unglaubliche Vielfalt von beispielsweise Kartoffeln, Wurzeln und Mais auf dem Markt in Lima, über die Vielfalt der Fische auf dem Fischmarkt in Honolulu oder Okinawa, und über die schier umwerfende Flut an Farben auf einem Markt in Marrakesch.

Und deshalb will ich diese Leidenschaft, die sonst eingepackt in vielen Beiträgen auf diesem Blog schlummert, einfach mal so mit euch teilen. Ich will euch mitnehmen.

Stellt euch vor, von Land zu Land zu fliegen, in der Hand einen Einkaufskorb. Ihr seid mutig und wollt alles ausprobieren. Es wird die Reise eures Lebens.
Es sind viele Märkte geworden… und es sind längst nicht alle. Also macht euch bereit. Wir fliegen kreuz und quer.

New York, USA

Green Market und New Amsterdam Market
Hier wo alles begann, wo es mich immer hinzieht, wenn ich in New York bin. Wo ich Zuckerwatte aus Ahornsirup kaufe und hochprozentigen Cider mitnehme.

Jerusalem, Israel

Ich will Tahini kaufen und ich kaufe viel Tahini. Hier gibt es wunderbare Auberginen, tolle Gurken und verlockendes süßes Gebäck.

 

Montego Bay, Jamaica

Sehr früh am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, ich bin die einzige Touristin auf diesem Markt. Hier begreife ich zum ersten Mal, wie viele Sorten Ananas es hier gibt. Ich kaufe Ackee Früchte, bringe sie gekühlt mit nach Hause. Und hätte ich noch mehr Platz im Koffer gehabt, ich hätte einen Monatsvorrat an Mango gekauft, denn die sind dort einfach herrlich.

Barcelona, Spanien

Stockfisch! Die wunderbare Allianz Norwegens mit Portugal. Der Süden liefert das Salz, der Norden den Fisch. Besonders rund um die Boqueria in Barcelona gibt es tolle kleine Restaurants. Ich kaufe Morcilla, die köstliche Blutwurst. Ich mag die mit Reis drin besonders gern.

Porto, Portugal

Der alte Markt ist wunderschön. Ich will unbedingt Würste, Käse und alles für diese herrliche Kräutersauce mitnehmen.

Sao Paulo, Brasilien

Chilis und Cashews haben mich hier am meisten begeistert. Ich koste süße, tiefrote Guavas und kaue auf frischen Kakaobohnen. Der Mercado Central ist außerdem eine beeindruckende Markthalle.

Lima, Peru

In Lima gibt es mehrere hundert Sorten Kartoffeln. Dazu kommen noch die Wurzeln, Kräuter und der bunte Mais. Auf dem Markt werden große Garnelen mit blauen Scheren verkauft. Ich kaufe Mais, riesige weiße Maiskörner. Dann setze ich mich auf dem Markt in der Fischhalle in das Marktrestaurant und esse Ceviche. Die beste meines Lebens.

Tokio, Kyoto und Okinawa, Japan

Ich schwärme vom UNU Farmersmarket, einem Bauernmarkt in Shibuya, einem Stadtteil Tokios. Jedesmal, wenn ich in Tokio bin, komme ich hier her. Ich hatte das Glück schon mehrere Jahreszeiten zu erleben. Das Frühjahr, wenn in Japan sehnsüchtig die jungen Bambussprossen erwartet werden, oder den Herbst, wo es Esskastanien gibt. Die Zitrusfrüchte hier sind einzigartig. Die buntesten Fische gibt es in den Markthallen in Naha auf Okinawa.

Seoul, Korea

Hier kaufe ich Ginkonüsse, die ich bei uns noch nie gesehen habe. Und natürlich gibt es hier nicht nur eine Sorte Gochugaru, sondern viele. Gochugaru ist das fruchtige Chilipulver, das man braucht, um Kimchi zu machen. Sogar eine riesige blaue Kartoffel musste noch mit. Hab Übergepäck bezahlt.

Funchal, Madeira

Das El Dorado der Passionsfrüchte. Sie wachsen überall auf der Insel. Auch köstliche Cherimoyas gibt es und eine sehr ungewöhnliche Frucht – die Philodendronfrucht. Grüne, süße Zapfen. Ich folge dem Rat und kaufe meine Früchte für zuhause bei einem der Straßenhändler. Die sind meist günstiger.

Meran, Italien

Würste, Käse, Schüttelbrot und ein sagenhafter Sirup aus rotem Basilikum. Allein für diesen Sirup will ich dort wieder hin.

Luang Prabang, Laos

Die Laoten sind dafür bekannt, dass sie alles aus dem Wald essen und so wundert es auch nicht, dass gegrillte Ratten und Hörnchen auf dem Markt ebenso angeboten werden, wie Büffelhaut zum Knabbern. Begeistert war ich von den frittierten Bambussprossen und den vielen Kräutern.

London, UK

Ein Besuch in London wäre unvollständig ohne den Borough Market besucht zu haben. Ich liebe die Käsestände hier. Ganz besonders mag ich die Pubs rund um den Markt, wo man ausgezeichnet essen kann.

Paris, Frankreich

Märkte in Frankreich sind herrlich. Man bekommt tollen Käse, frische Austern und schönes Gemüse. Am Sonntag gibt es in Paris auch einen Bio-Markt. Um diesen Markt beneide ich die Pariser.

Mapusa, Goa, Indien

Betelblätter und frischer Zuckerrohrsaft. In der einen Ecke duftet es, in der anderen stinkt es nach Fisch. Es ist bunt, voll und sehr freundlich.

Fort-de-France, Martinique

Ein Markt, so passend für de Karibik. Farbig, mit herrlichen Früchten. Es duftet nach Zimtrinde und man kann gigantische Maniokwurzeln kaufen. Ich habe mir die typische Gewürzmischung der Insel mitgebracht. Colombo Spice Mix.

Bangkok, Thailand

Der Kloeng Toei Markt ist die Seele der Stadt. Hier begegnet man nicht allzu vielen Touristen, dafür hüpfen schon mal die Fische durch die Gegend. Der Markt ist riesig und es gibt unendlich viel zu entdecken.

Hawaii, USA

Morgens vor Sonnenaufgang eröffnet der Fischmarkt in Honolulu. Hier findet man außergewöhnliche Fische aus großer Tiefe und beeindruckende Thunfische. Allerdings kaufen hier nur die Profis und man betont, dass man sich genau an die Fangquoten halte. Samstags gibt es dann in Honolulu einen hübschen Bauernmarkt. Aber man merkt, allzu groß ist die Vielfalt hier nicht. Auf den Inseln wird nicht viel angebaut. Die Ananas ist aber grandios.

Ontario, Kanada

Im Spätsommer lockt eine unglaubliche Vielfalt an Auberginen. Es gibt die letzten Pfirsiche und viele Sorten Paprika und Chili. Ein gemütlicher Markt.

Dubai, VAE

Dattelstände soweit das Auge reicht. Wer endlich mal erleben will, wie unterschiedlich Datteln sein können, ist hier richtig. Im kleinen Marktrestaurant gibt es herrliche Meeresfrüchte mit würziger Sauce. Und wehe, man wird dabei erwischt, wie man Fisch vom Markt in der U-Bahn mitnimmt. Das ist strikt verboten.

Taipeh, Taiwan

tagsüber gibt es auf den Straßen meist nur Gemüse. Die Märkte sind hier in Passagen. Ein Erlebnis sind die Nachtmärkte.

Helsinki, Finnland

Im September werden die Märkte überschwemmt mit Beeren. Ich kaufe Brotkäse und frische Preiselbeeren.

Shanghai, China

grüne Enteneier, rote, süße Früchte mit weichen Stacheln und Mispeln. Ich hab nur Tee gekauft. Und Geschirr. Und besonderen Reiswein. Ausnahmsweise mal kein Übergepäck bezahlt.

Und jetzt meine Frage an euch. Welche Märkte haben euch besonders beeindruckt?

5 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag. Ich hadere gerade sehr damit, dass ich gar nicht verreisen kann. Ich habe große Sehnsucht nach Palma und New York und da im besonderen nach den Märkten. Unglaublich was Märkte über das Land und die Leute so alles erzählen.

    Antworten
    • Absolut, liebe Ursula.
      Ich erinnere mich sehr gerne an die wunderschöne Markthalle in Palma, wo ich 50 Gramm von dem edelsten Iberico di Bellota Schinken meines Lebens gekauft habe. Ich konnte nicht warten und habe mich einfach auf die Stufen vor der Markthalle gesetzt und ihn gegessen. Es war himmlisch.
      Wir werden wieder reisen und Märkte entdecken. Wir brauchen nur noch ein bisschen Geduld. Das mit der Sehnsucht verstehe ich zu gut.

      herzliche Grüße
      Claudia

      Antworten
  2. Vielleicht sollte ich auch einen Beitrag darüber schreiben… Ich kann mich gerade nicht entscheiden, welcher Markt mich mehr umgehauen hat.
    Ich schaue vorab immer, welche Märkte es gibt. Manchmal schaue ich zu vielen, manchmal auch nicht. Angefangen hat das bei mir eigentlich als Jugendliche, als wir in Venedig durch Zufall in einen Markt kamen, der mich einfach von der Vielfalt umhaute. Wir kauften dort soviel, dass unsere Rucksäcke voll waren, nachdem die Auswahl auf und um dem Campingplatz nicht so besonders war. Kühltasche ist tatsächlich ein guter Tipp, die hätte mir schon mehrmals geholfen. Was ich mittlerweile meist mitnehme, ist Luftpolsterfolie, um Getränke oder Honig nach Hause zu transportieren.
    Vielen Dank für den Einblick!

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    • Richtig, liebe Dani, die Luftpolsterfolie!! Die habe ich auch immer dabei. Allerdings eher für Teller und so.
      Ich finde es spannend zu erfahren, wo diese Marktleidenschaft begonnen hat. Venedig klingt auch toll.
      Schön, dass es das gibt!
      Und ja! – schreib darüber!
      liebe Grüße
      Claudia

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      • Hihi, Claudia, so merkt man, wer die Pros sind.

        Kühltasche ist aufgeschrieben. Für Teller verwende ich die Luftpolsterfolie eher selten, kam aber in Marrakesch auch vor.

        Liebe Grüße
        Dani

        Antworten

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