29. Mai 2016

[Marhaba Marrakesch #2] Unterwegs in der Medina auf der Suche nach dem besten Streetfood

Marrakesch, Marokko, Afrika, kulinarische Reisen | 1 Kommentar

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Wer in Marrakesch lebt, geht zum Essen eher selten in ein Restaurant. Gegessen wird zuhause oder auf der Straße. In den verwinkelten Gassen der Medina gibt es unendlich viel zu entdecken, probieren, der große Gauklermarkt verwandelt sich jeden Tag zum Sonnenuntergang in ein Streetfood Festival. Bedenkenträger merken hier auf – bloß nicht alles von der Straße essen, es droht die Gefahr sich mehr als nur den Magen zu verderben. Ich habe immer und überall in den Garküchen auf der Straße gegessen, sei es in Indien, Thailand oder Vietnam und mit ist nie etwas passiert. Erst als ich einmal in Indien in einem Restaurant ein Mango Shake bestellte, erwischte es mich.
Bei diesem unglaublichen Angebot hier in Marrakesch fällt es natürlich schwer, sich einen Überblick zu verschaffen. Ganz klar, ich brauche einen Profi!
Die Marrakesch Food Tours bieten seit einiger Zeit genau das an. Dahinter verbergen sich Youssef und seine Frau Amanda, beide besessen von gutem Essen und mutig genug, den Plan, anderen Menschen die Kulinarischen Highlights der Medina zu zeigen, in die Tat umzusetzen. Es dauerte lange, bis sie das Vertrauen der Händler aufbauten, dass es nun wirklich nichts Schlechtes ist, wenn man die guten Sachen, auch anderen näher bringt. Perfekter Kulturaustausch sozusagen.Marrakech Food Tour-1-3 Marrakech Food Tour-16 Marrakech Food Tour-17
Man möge hungrig kommen, heißt es in der Ankündigung. Ich lasse das Mittagessen also ausfallen, kein Problem übrigens, denn bei fast vierzig Grad vergeht selbst mir die Lust, und so stehe ich pünktlich zusammen mit einem Paar aus Los Angeles und New York Abends am vereinbarten Treffpunkt. Und ja, ich habe Hunger (bequeme Schuhe waren auch angesagt).
Kurz hinter dem großen Platz biegen wir in eine der Gassen ab. Hier werden wir Lamm essen. Nicht irgendein Lamm, sondern eines, dass in einem Ofen im Boden geschmort wurde. Die schmalen Häuser sind im Erdgeschoss zur Straße hin offen und gerade so breit wie ein ausgezogener Esstisch. Hinter der Verkaufstheke ist ein Loch im Boden. Darin passen etwa 30 – 40 Lämmer. An langen Spießen werden sie gegart. Ein weiterer, kleinerer Ofen im Boden befindet sich direkt unter der Verkaufstheke. Hier wird die Tanjia geschmort. Lammfleisch mit Öl, Knoblauch, Salzzitronen und Gewürzen wird in handliche Tonamphoren gefüllt, fest verschlossen und dann für einige Stunden in den Ofen gehievt. Im zweiten Stock dieses Hauses, wo genau ein Tisch Platz findet, bekommen wir Minztee, Lammfleisch und eben jene Tanjia. Das Fleisch ist göttlich. Saftig, kaum gewürzt und sagenhaft zart. Dazu gibt es einfach frische, flache Brote. Als nächstes die Tanjia. Bekannte Aromen von Kreuzkümmel, Zitrone und Thymian. Gegessen wird mit den Fingern. Ob wir die Spezialität auch noch probieren möchten, fragt Yousef. Klar, was auch immer es ist, es muss ja gut sein. Es ist ein halber Schafskopf. Sechs Personen am Tisch starren auf den halbierten Tierschädel. Essen, hopp!
Der erste wagt sich mutig an die Bäckchen. Wo denn das Gehirn sei, will ich wissen. Youssef nickt wohlwollend und erklärt, dass das Hirn seine eigene Zubereitungsart hätte. Also dann die Zunge. Das kenne ich schon. Ich ziehe ihr die zähe Haut ab und biete auch meinen Begleitern davon an. Schmeckt wie Lammzunge schmecken soll. Doch dann steigen sie plötzlich in mir auf, die Visionen. Da ist es, das Auge. Ich kann meine Hand nicht dazu bringen, sich darauf zuzubewegen und bleibe wie das Kaninchen vor der Schlange stumm sitzen. Wer wird es wagen? Der Amerikaner neben mir greift zu. Tief sauge ich die Luft in mich ein während ich beobachte wie das Auge in seinem Mund verschwindet. Und? Alle starren wir in fragend an. Er grinst. Gut sei es. Irgendwie sogar knusprig. Ich brauche mehr Minztee!

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Neben den Ständen mit den verschiedenen Oliven gibt es die Kräuterstände. Hier will ich bleiben. Es duftet so unwiderstehlich gut. Frische Minze, Verbena, alles verschiedene Sorten liegen hier fast einen Meter hoch gestapelt. Gerne würde ich eine ganze Tüte voll davon mit Hause nehmen. Bevor wir weitergehen, probieren wir noch ein paar malvenfarbene Oliven.
Und tatsächlich steuern wir danach eben genau jene Garküche an, um die ich schon zweimal drum herum geschlichen bin. Hier gibt es eine Art herzhafte Pfannkuchen (Msemmen Omara). Sie werden aufgerollt und einfach so aus der Hand gegessen. Bereits jetzt beginne ich zu begreifen, warum wir hungrig kommen sollten. Ich bin spätestens nach diesem Pfannkuchen nicht mehr hungrig. Und wir haben noch viel vor uns. Es warten noch mit Sardinen gefüllte Sandwiches, ausgebackene Donuts und Gemüsecouscous auf uns. Dazwischen gibt es noch frischen Zuckerrohrsaft. Fast drei Stunden sind wir schon unterwegs und es scheint, als nehme das Schlemmen kein Ende. Spätestens jetzt macht Bauch einziehen überhaupt keinen Sinn mehr. Schwer zu sagen, was mir an diesem Abend am besten geschmeckt hat. Alles. Danach habe ich nur noch eine einzige Sehnsucht – ein Königreich für einen Schnaps. Fehlanzeige. Na gut, dann eben noch einen Minztee.

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Marrakesch Food Tours
http://marrakechfoodtours.com/
Absolut empfehlenswert!

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1 Kommentar

  1. Ich würde so gerne mal nach Marokko reisen, tatsächlich allein schon des Essens wegen ..
    Das sieht alles zu köstlich aus.

    xx
    ani von ani hearts

    Antworten

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