12. Oktober 2014

Frankfurter Buchmesse 2014 – eine Nachlese übers Feiern, Kochen, den Wodka und neue Kochbücher

Entdeckungen, auswärts essen & events | 10 Kommentare

smallCollageSo schnell ist alles vorbei gegangen. Zwei Tage, die wie im Flug vergangen sind. So viele Wochen habe ich der Frankfurter Buchmesse entgegen gefiebert. Zwei Tage gespickt mit Eindrücken, tollen Begegnungen und natürlich spannenden Buchentdeckungen. Auch in diesem Jahr gab es wieder so viel Aufregendes, dass mir erst einmal die Worte fehlen und ich nicht weiß, wo ich am besten beginnen soll. Bei dem angeknacksten Zeh, der mir wie ein unheilvoller Vorbote den Spaß an kilometerweiten Märschen durch die Hallen vereiteln sollte und den ich dann in all der Aufregung komplett vergessen habe? Natürlich musste ich ihn vergessen. Genauso wie ich es vermutlich niemals lerne, dass man nicht seinen halben Hausstand in die Handtasche packen sollte, wenn man auf der Messe unterwegs ist. Und auch nicht jeden Messekatalog mitnehmen muss. Und schwere Objektive… die sollte man andere tragen lassen. In der Not entdeckt man, dass der Messe eigene Shuttle Bus die genialste Erfindung überhaupt ist. Doch eins nach dem anderen. Schließlich war ich in erster Linie in Sachen „Kochen mit Wodka“ nach Frankfurt gekommen.

also dann…

Kochen

Zwanzig Minuten! Ihr habt noch zwanzig Minuten! Die Miene des Tontechnikers ist eindringlich. Wie konnten vierzig Minuten so rasend schnell an mir vorbei gehen? Wir haben doch gerade erst angefangen, scheint es mir. Ich stehe mit Claudia von Food with a View, der Gewinnerin des Wodka Events hier auf der Bühne, plaudere, koche, und verliere komplett das Gefühl für die Zeit. Der Herd hat seine Tücken. Der Wasserhahn auch. Und vor uns so viele Menschen. 60-Minuten-Kochshow – das klappt alles locker, dachte ich im Vorfeld. Gibt ja nicht viel zu tun. Von wegen. Es gibt massig zu tun, denn wir kochen hier nicht für vier Hansel, sondern haben eine Menge für 10+ Personen kalkuliert. Ruhig Blut und immer schön weiter Bällchen drehen. Claudia, die dieses fantastische Gericht der Waldpilzbällchen mit Wodka-Lakritz Sahne und frischem Brombeer Chutney entwickelt hat, ist großartig. Gelassenheit und Ruhe. Dabei erzählt sie mitreißend von ihren Kunstprojekten. Ich habe die Pilzbällchen im Fokus. Dazwischen immer wieder ein Wodka. Und noch einer. Mit Sascha und Kai, die extra auf die Messe gekommen sind um diesen großartigen Anlass mit uns zu feiern. Die sich mit ihren Gerichten auf den zweiten und dritten Platz gekocht haben. Auch ihnen gebührt eine gehörige Portion Applaus.

Acht Minuten! Wieder bekomme ich einen Hinweis (noch eindringlicher).Verflixt aber auch. Wo es doch grad so nett wird. Da ertönt er auch schon der Messe Gong. „Liebe Besucher….“, ja genau. Wir geben ja schon Gas. Ab in die Pfanne mit den Kleinen. Boost-Funktion. Werdet knusprig ihr Süßen!

Und dann werden sie auch schon verteilt. Das Echo ist überwältigend. Ich freue mich so sehr für Claudia, die hier genau den richtigen Riecher mit ihrem Rezept hatte. Allen schmeckt es.

Und hätten wir nicht im Vorfeld nicht so viel Hilfe bekommen.. ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass es der beste Einfall war, ein Kilo Pilze bereits vorzubereiten und nicht auf der Bühne zu hacken. Wir wären komplett verratzt gewesen. Ganz getreu dem Motto „ich hab da schon mal was vorbereitet…“, konnten wir auch die Kartoffeln schön zerdrücken und mussten sie nicht auch noch kochen. Der Techniker wäre durchgedreht.

Dass alles so gut wurde haben wir Ronald Puls zu verdanken, der weltbeste, coolste Koch, der Backstage alles im Griff hat. Ein riesengroßes Dankeschön dafür!

Und ganz ehrlich, ohne die überragende Unterstützung aus dem Publikum wäre das längst nicht so toll geworden. So viele Blogger waren da, so viele Besucher. Noch immer macht mein Herz einen kleinen Satz, wenn ich an diese aufregenden sechzig Minuten denke.

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ein Wodka auf euch Sieger! Sascha, Kai und Claudia

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©Food with a View

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©Food with a View

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Feiern

Ich habe es ja bereits mehrmals schon erwähnt. Ja, es wurde getrunken. Es wurde sogar reichlich getrunken auf dieser Messe. Bereits am Donnerstag bekam ich bei meinen Freunden vom Hädecke Verlag einen zwanzig Jahre alten Rum zu kosten. Der tut gut und fließt durch Adern, die genau diese Wärme sehnsüchtig erwarten. Währenddessen blättere ich durch die interessanten Neuerscheinungen – die vegetarische Tajine hat es mir angetan. Sehr gelungen. Die Rezepte locken. Nächster Termin. Ein paar Stände weiter lädt der Vielflieger Verlag zu lustigen finnischen Cocktails. Beerig. Der Lakritzlikör, original importiert aus Finnland erobert mein Herz im Sturm. Das ist richtig geiles Zeug. Geschmackssache, klar, aber wer Lakritz liebt, für den ist das ein Fest. Und so gegen Ende des Messetages, nimmt auch gerne mal einer der vielen Kameramänner, die Kamera von der Schulter und trinkt einen mit.

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die „Jungs“ vom Vielflieger Verlag

Am nächsten Tag, dem großen Tag des Kochens, gibt es dann auch für die anwesenden Foodblogger einen weiteren kleinen Rum-Umtrunk wieder beim Hädecke Verlag. Bestes Mittel gegen Lampenfieber. Und endlich Gelegenheit sich darüber zu freuen, dass so viele gekommen sind, die man umarmen kann.

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die „Mädels“ vom Hädecke Verlag

Dann Abstimmungen in der Küche. Vorkosten des Wodkas. Finlandia, Sponsor des guten Zeugs, hat sich nicht lumpen lassen und uns reichlich was zum Verkosten bereitgestellt. Weich und geschmeidig ist er, dieser Wodka. Und hilft wie gesagt bei Lampenfieber. Während also das Team Claudia & Claudia auf der Bühne kocht, wird mehr davon ausgeschenkt. Mitfeiern ist angesagt. Die Aufforderung wird angenommen. Martin von der Eintagsküche hat noch etwas ganz besonderes für uns. Wodkagelee. Das ist ein echtes Highlight.

Und wer jetzt denkt, dass das jetzt langsam echt genug ist, dem muss ich auch noch die kleine „After-Show-Backstage Party“ beichten. Die gab es dann auch noch. Mit seligem Lächeln, alles war geschafft, drückt mir einer der Schweizer Köche von El Tipico noch ein Craft Bier vom Feinsten in die Hand. Dazu ein bisschen gebeiztes Rentierfleisch. Breakfast Porter heißt dieses Bier. Und es läuft gut. Frisch, kühl und würzig. So tolles Craft Bier hätte ich den Schweizern gar nicht zugetraut.

und Bücher gab es auch…

Genau. Ich wehre mich jetzt mal ganz vehement gegen den Eindruck, ich sei nur zum Kochen und Feiern auf die Buchmesse gefahren. Dass dies gut geht, hat im Vorfeld ja bereits die FAZ angekündigt und einen entsprechenden „Verkostungsführer“ veröffentlicht.

Ich habe mir in diesem Jahr so viel Zeit wie möglich genommen, um den ausländischen Buchmarkt unter die Lupe zu nehmen. Welche Trends gibt es hier? Und unterscheiden sie sich von den unseren? So manche Resonanz auf das Angebot der deutschen Verlage in den sozialen Netzwerken, lässt die Frage offen, ob es denn außer Vegan, Roh und Streetfood in diesem Jahr auch noch was anderes gibt. Müssen wir wirklich alle in diesem Jahr vegan Backen? Bekommt das Ganze nicht schon langsam einen fanatischen Zug?

Angesichts des Angebots der englischsprachigen Kochbücher ist diese Sorge nicht von der Hand zu weisen. Hier gibt es für fast jegliche Unverträglichkeit mindestens einen neuen Titel. Der Eindruck entsteht, dass Essen langsam seltsam wird. War das wirklich schon immer so, dass es weniger Genuss als Ausdruck unseres Lebenskonzepts ist?  Doch ich entdecke trotzdem auch ein Licht am Horizont. Die nordische Küche. In kühler Schönheit in Szene gesetzt. Mit viel Gemüse und ohne Religion. Ten Speed Press (gehört zu Randomhouse Australia) ist hier ganz weit vorne. Gleich zwei Bücher wandern sofort auf meinen Wunschzettel. Erscheinungstermin Mitte November. Das Warten fällt schwer. Besonders schön ist vor allem „Relæ: A Book of Ideas“, von Christian Puglisi, einem dänischen Sternekoch. Ich will es gar nicht mehr aus der Hand legen. Es unter die Achsel klemmen, ducken und wegrennen ist keine Option. Ich hätte es auch sofort gekauft, aber man lässt mich nicht. Sonntag. Tja, Pech. Da bin ich nicht mehr da.

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Eine besondere Entdeckung gab es allerdings auch noch beim Brandstätter Verlag. „Eschi Fieges Mittagstisch“ Leidenschaftlich vegetarisch, jedoch ohne spirituelle Beigaben. Einfach toll. Überzeugt bei den Rezepten und der Aufmachung. Und wäre angesichts der vielversprechenden Neuerscheinung von „Einer für alles“ von Katharina Seiser fast unter meinem Radar verschwunden.

So gerne hätte ich noch viel mehr entdeckt – ich bin sicher bei den französischen Verlagen hätte es noch viel zu entdecken gegeben – doch alles ist nicht zu schaffen. Nicht in zwei Tagen.

Und so kann ich nur sehr glücklich all jenen wunderbaren Menschen danken, die diese Buchmesse auch in diesem Jahr für mich wieder unvergesslich gemacht haben. Nächstes Jahr begrüßen wir Singapur. Da dreht sich das Rad wieder von neuem.

Und wer noch mehr darüber lesen will:
bei Sugar Princess
bei Moderne Topfologie
bei Food with a View

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10 Kommentare

  1. „Der Eindruck entsteht, dass Essen langsam seltsam wird.“ Wie treffend! Aber ich bin trotzdem gespannt, welche Trends uns noch erwarten. Danke für den Messebericht! Ich konnte dieses Jahr nicht fahren, und irgendwie fehlt mir was.

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    • Danke! Und ohne so ein tolles Publikum wäre das nie so lustig geworden!

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  2. Was für ein toller Messe-Bericht, liebe Claudia, und was für eine herrlich geschriebene Rekapitulation unserer Wodka-Show!! Beim Lesen durchlebe ich das gerade alles noch einmal: den großen Spaß, den wir alle zusammen hatten; Wodka für alle und mit Sasche, Kai und uns auf der Bühne; den plötzlichen Countdown glücklicherweise mit Verlängerung und Deine unglaubliche Souveränität als Moderatorin und Köchin zugleich – mit Dir im Team kochen und plaudern zu dürfen, ist traumhaft. Auch von mir einen Riesen-Dank an alle, die gekommen sind, was wart ihr für ein unglaublich tolles Publikum!

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    • Großartig Kai. So toll, dass Du da warst und für deinen tollen Bericht…eine Verneigung.

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  3. Die Fotos sind herrlich, ihr seht so aus, als ob ihr im Leben nichts anderes tun würdet, als für die hungrigen Massen zu kochen! Ein schöner Bericht!

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    • Wir sehen so aus… das ist eine Ehre. Das Gesicht des Tontechnikers lies anderes erahnen. Aber wir haben es geschafft 😉

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  4. Ihr wart ein sehr sympathisches und tolles Team und es hat einfach himmlisch geschmeckt!
    Meinen Bericht und Fotos von den hinteren Rängen aus findet ihr bei mir auf Sugarprincess. 😉
    Liebe Grüße,
    Yushka

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    • Wie lieb von Dir Yushka! Danke für das Kompliment (das ich natürlich mit meiner Namensschwester teile). Es war einfach riesig, wie viele gekommen sind.

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