3. März 2013

Zu Beginn dieser Woche gab der Deutsche Wetterdienst bekannt, dass die Sonne jetzt auch schon länger nicht mehr geschienen hat. (Ach!) Die Meldung überraschte mich keineswegs. Jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster schaute, war es so trüb wie am Tag zuvor. Demnach erleben wir Deutsche gerade den dunkelsten Winter seit 42 Jahren. Das ist eine scheußliche Erkenntnis und tröstet kaum darüber hinweg, dass sich heute endlich mal wieder die Sonne  zeigt.

Je dunkler es war, desto mehr habe ich versucht mich in die Farben zu flüchten. Hell und bunt sollte es sein. Ich wiederhole mich, ihr kennt das ja schon. Doch da gab es ein Buch, von dem ich erzählen muss. Ein Kochbuch, das mich verzaubert hat und das will echt was  heißen. Ich bin verwöhnt. Doch beim Blättern durch dieses Buch wurde ein Nerv getroffen. Wärmende Bild von Sommertagen und Seen fingen mich ein. Eingefangen in diesem Netz aus sehnsuchtsvollen Bildern, leckeren Gerichten und Geschichten, wurde ich durch dieses Kochbuch gezogen. Von Tal zu Tal geschleppt zu Schweinen und Würsten um wieder friedvoll am Rande des Sees den Fischern dabei zuzusehen, wie sie ihre Netze zogen.

Ich schmeckte den Nocino, einen Likör aus grünen Walnüssen, auf der Zunge. Hätte gerne mitgetrunken. Gerne auch ein Glas mehr. Hätte den Kuchen mit den Kakifrüchten in mich rein gestopft. Die Farbe war so schön. ticinoticucina

Ich konnte nicht so recht lassen von diesem Buch, blätterte immer wieder darin. Die Rezepte sind keine Herausforderung. Selbst für die Herdscheuen nicht. Aber ich konnte mich nicht entscheiden, was ich zuerst draus kochen wollte, bis dann die Farben für mich entschieden. Ein Püree aus blauen Kartoffeln, gekocht in Salzwasser und Mohn. Das las sich so abgefahren, dass ich es sofort ausprobieren musste. Es war zwar nicht ganz so einfach zu dieser Jahreszeit gelbe Tomaten zu finden und als ich sie dann gefunden hatte, musste ich dreimal schlucken, denn billig waren sie nicht. Nix Saison, Madame. Ja, ja er hat ja recht. Aber das muss jetzt sein. Und so lächelte ich nur, verstaute die kostbaren Tomätchen in meiner Tasche und fuhr nach Hause. Zu Hause wartet das kulinarische Tessin auf mich.

Und als habe der Himmel ein Erbarmen ob all meiner Mühen, verzogen sich heute endlich die Wolken. Der restliche Schnee glitzert in der Sonne und auf meinem Teller ist es herrlich bunt.

Ich blättere auf die letzte Seite und schaue mir das Bild von drei Menschen an (die Autoren und Fotografen), die ähnlich wie ich ihr blasses Gesicht den ersten Frühlingsstrahlen entgegenrecken. Nett sehen sie aus. Vielleicht treffen wir uns ja mal in der Grotto America. Dann geht der Nocino auf mich. Als Dank für dieses Buch.

 

Purea di Patate viola (Püree von violetten Kartoffeln mit Ratatouille)

Für Vier

1 kg violette Kartoffeln, geschält und geviertelt (seid schlauer als ich und tragt Handschuhe)

2 EL Mohnsamen

250 ml Milch

50 g Butter

3 Frühlingszwiebeln, gewürfelt

1 Knoblauchzehe (verträgt auch zwei)

Olivenöl

Je 1 gelbe und grüne Zucchini

300 g Cherrytomaten (rot und gelb gemischt, aber nur rot ist auch ok)

1 Prise Curry

1 EL Tomatenmark

50 ml Weißwein

200 ml Gemüsefond

½ Bund Schnittlauch

250 g Borlottibohnen (über Nacht eingeweicht und gekocht, evtl. aber auch aus der Dose)

Etwas Zitronensaft

1 Bund Petersilie

Für das Kartoffelpüree die Kartoffeln in Salzwasser mit einem Esslöffel Mohn geben und weich kochen. Abgießen und zum Abdampfen zurück in den noch heißen Topf geben. Mit dem Kartoffelstampfer oder einer Gabel zerdrücken und nach und nach die vorgewärmte Milch und die Butter untermischen. Sobald ein gleichmäßiges Püree entstanden ist mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Für das Ratatouille in einem großen Topf die Frühlingszwiebeln und den fein gehackten Knoblauch in Olivenöl andünsten. Die Zucchini und die Tomaten zufügen und das Ganze mit etwas Salz, Pfeffer und dem Currypulver würzen. Einige Minuten köcheln lassen und dann das Tomatenmark unterrühren. Mit Weißwein ablöschen. Den Gemüsefond zugeben. Den Schnittlauch fein schneiden und dazu geben. Etwa 10 min bei mäßiger Hitze köcheln lassen. 5 Minuten vor Ende der Kochzeit die Bohnen dazugeben. Das Ratatouille auf der abgeschalteten Herdplatte im Topf noch kurz ziehen lassen. Dann mit dem Zitronensaft abschmecken und die gehackte Petersilie dazugeben. Zum Anrichten mit dem restlichen Mohn bestreuen.

Das Kochbuch ist erschienen im AT Verlag * Ticino ti cucino*Pepe Regazzi, Fabio Corfú, Juliette Chrétien*ISBN: 978-3-03800-728-9

 

8 Kommentare

  1. Na das ist ja mal klasse: Hab grade violette kartoffeln gekauft, und entdecke zufällig bei Dir dieses Rezept. Toll sieht das aus!
    Liebe grüße barbara

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    • Und hat auch toll geschmeckt! Viel Spaß beim „blaumachen“.
      Liebe Grüße
      Claudia

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  2. WoW, was ein bunter Teller – wenn ich aus dem Fenster gucke ist gerade alles nur Einheitsgrau…

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  3. Um das Buch schleiche ich auch schon eine Weile rum….ist ja auch kein Schnäppchen.
    Doch wenn da so schöne Rezepte drin sind… 🙂 🙂

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    • Ihr seid halt gute Menschen! 🙂

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  4. Hier ist es heute auch trist. Ich komm schnell vorbei!

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    • Unbedingt! Beam dich mal her. Tellerchen steht schon bereit.

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