16. Januar 2012

Die kulinêre kaapse dagboek (Teil 2) Reben und noch mehr Reben

Kapstadt und Western Cape, Südafrika, kulinarische Reisen | 1 Kommentar

Die Schönheit der Landschaft ist überwältigend. Wir trotzen der Hitze und besuchen Ceres, wo wir nicht nur an einem Seil den Berg hinunter „sliden“ – es ist großartig sich mal wieder wie zwölf im Ferienlager zu fühlen – sondern auch zufällig einen Hersteller von Trockenfrüchten entdecken. Die Gegend um Ceres ist ein Obstanbaugebiet und so überrascht es nicht, dass wir vom Berg aus riesige Felder von Aprikosen sehen, die zum Trocknen ausgelegt sind. Für die nächsten Tage sind wir ausgestattet mit Fruchtrollen aller Art, die so herrlich an den Zähnen und Fingern kleben.

Millionen Aprikosen beim SonnenbadUnser Weg zurück führt über Bain’s Kloof, eine Passstrasse, die sich durch wildes Gestein windet, Rennradfahrern einen halsbrecherischen Kick bietet und mit beeindruckende Naturszenerien uns in Atem hält.

Am nächsten Tag geht es nach Franschhoek, wohl einem der elitärsten Fleckchen hier unten am Kap. Eingebettet in einem Tal, ringsherum Weinberge, geben sich hier alle große Mühe, den kolonialen Schick zu zelebrieren. Hier heiratet man und blickt mit einem Glas kühlen Chardonnay in der Hand stolz in den Sonnenuntergang. Das mit dem Glas und dem Sonnenuntergang machen wir auch. Und es zieht es kühler Wind auf. Zum ersten Mal kommt das Strickjäckchen zum Einsatz. Das mit den Wolken und der Kühle ist jedoch gleich am nächsten Tag wieder vorbei. Träge verbringen wir den Vormittag am Pool. Doch dann folgen wir dem Ruf der unzähligen Weingüter hier.

Als erstes besuchen wir Glenwood, eines der kleineren Güter. Mittlerweile ist „Platter’s“, das südafrikanische Pendant zum in unseren Breitengraden bekannten „Johnson“ zu meiner Bibel geworden. Nicht dass ich sonderlich viel auf die Anzahl der Sternchen gäbe, mit denen die Weine klassifiziert werden – letztendlich ist meine Zunge nicht immer der gleichen Meinung – aber dieser Führer bietet eine Fülle an Informationen. Und schließlich kann ich nicht alle Weingüter besuchen, auch wenn ich es zu gern täte. Hier in Glennwood lernen wir auch, dass es nicht viel braucht um Chardonnay selbst zu machen. Dankbar und pflegeleicht sei er. Ich frage mich in diesem Moment, wo ich wohl ein solches Fass in meinem Keller unterbringen könnte, wo doch probieren und kaufen so schön ist. Die Besitzer des Guts begleiten uns bei unserer Führung und die Dame des Hauses fragt mich interessiert nach Zwiebelkuchen aus. In zwei Wochen beginnt die Ernte und man wolle erstmalig den „Federweißen“ lancieren. Mit Zwiebelkuchen, ganz wie es bei uns doch so gemacht würde. Kümmel nicht vergessen!, ist mein Tipp, denn ich kann mich noch gut daran erinnern, wie so ein Haufen Zwiebel brutal in den Innereien wüten kann. Leider bin ich da schon wieder zurück in Deutschland, sonst wäre es bestimmt ein Riesenspaß gewesen mitzubacken.

Eines ist euch sicherlich schon aufgefallen – richtig! ich habe das Essen noch nicht erwähnt. Aus dem einzigen Grund, weil es nicht erwähnenswert ist. Einzig ein Filet vom Rind hat mich aufgrund seiner Qualität so richtig vom Hocker gerissen. Ansonsten scheint man sich hier eher mit dem Schein, als mit dem Sein zufrieden zu geben. Damit will ich nicht ungerecht sein, es gibt hier bestimmt noch ganz tolle Küchenchefs, nur war es uns leider nicht vergönnt diese in den zwei Tagen in Franschhoek zu entdecken.

Und so geht die Reise weiter nach Stellenbosch. Mehr Shiraz, Merlot und Chardonnay wollen gekostet werden. Bei draußen so um die 37° macht es einen Heidenspaß sich in die gekühlten Probierstuben zu flüchten und auf Entdeckungsreise zu gehen. Oder in den schattigen Gärten über die Schönheit und das Leben zu sinnieren, die mit jedem gekosteten Schluck ein bisschen schöner werden. Schließlich müssen wir uns wappnen für die Hitzewelle, die ab morgen kommen soll, bzw. jetzt, da ich das schreibe, bereits da ist. Aufenthalt nur neben dem Ventilator mit einem kühlen Glas Roiboos Tee möglich.

Doch heute müssen wir noch Kudu kaufen. Donnerstag wird für Gäste gekocht.

1 Kommentar

  1. Liebe Claudia,
    Vielen Dank, für Deinen lieben Kommentar bei mir, ich habe mich sehr gefreut! Hier bei Dir ist es ebenfalls ganz spannend! Nicht nur Deine Rezepte, sondern auch Deine wunderschönen Reisebilder haben es mir angetan!
    Liebe Grüsse vom Bodensee!
    Susann

    Antworten

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