20. Januar 2012

Die kulinêre kaapse dagboek (Teil 3) – ans Meer und wieder zurück

Kapstadt und Western Cape, Südafrika, kulinarische Reisen | 0 Kommentare

Das Thermometer stieg über die 40° Marke im Schatten, die angekündigte Hitzewelle hatte uns voll am Wickel. Jede Bewegung war zuviel und die Deckenventilatoren konnten nicht mehr machen als die ohnehin schon heiße Luft noch ein bisschen zu verwirbeln. Wir machten uns also auf in Richtung Küste. Auf dem Weg dorthin legten wir einen Stop in Darling bei Evita se Perron (übersetzt = „Evita’s Bahnsteig“) ein. Sie ist zweifellos eine der berühmtesten „Frauen“ Südafrikas, die sich während der Zeit der Apartheid in die Kunstfigur Evita verwandelte, die Zensur umging und die damalige Regierung kritisierte und heute in ihrem schrägen Theater immer noch regelmäßig auftritt. Sie haben wir nicht gesehen – dafür aber als Snack eine fettige, sehr würzige Burenwurst in ihrem Café gegessen.

Unser Ausflug führte uns weiter nach Jacobsbaai, einem charmanten Fischerdorf, wo noch alles ein wenig träge wirkt. Keine „What-so-ever-Golf Estates“  – auch hier gibt es genug Menschen, die gerne am Golfplatz leben und dies möglichst gehoben und mit uniformierter Eingangskontrolle auf dem Gelände. Jacobsbaai ist klein sauber und wir hatten den Eindruck, die Besitzer der wenigen Unterkünfte lauern hinter ihren Eingangstüren, denn sobald wir das Auto am Straßenrand abgestellt hatten, waren sie auch da, um uns freundlich zu erklären, dass alles voll ist. Wer hätt’s gedacht! Dienstag und alles ist belegt. Doch wir entdeckten ein kleines, zauberhaftes B&B (Artist’s Retreat), dessen Besitzerin Priscilla uns mit überwältigender Freundlichkeit empfing.

Von ihr erfuhren wir dann auch, dass wir, was die Wahl eines Restaurants angeht, uns zwischen Weskusplek und Weskusplek entscheiden können, denn etwas anderes gibt es nicht. Wieder das Problem mit dem Dienstag.

Lobster gibt es hier um diese Jahreszeit auch nicht. Und was es nicht direkt vor der Tür gibt, kommt auch nicht auf die Karte. Konsequent! Und so hatte ich hervorragenden Snoek, ein Seehecht, der natürlich wie es sich gehört für einen Hecht, hinterhältige Gräten hatte und dazu leicht frittierte butterzarte Calamari. Dazu servierten sie skrupellos einfach Dosengemüse (Erbsen und Möhren) – es wächst eben nicht vor der Tür!!

Am nächsten Abend wurde ich dann bekocht. Von dem wohl begnadetsten, leidenschaftlichsten Foodie des Western Cape. Sein Haus in Riebeek Kasteel ist umwuchert von herrlichen Pflanzen und seine Küche mit einem riesigen langen, alten Holztisch wirklich spektakulär. Von seiner Kochbuchsammlung mal ganz abgesehen, welche die meine dagegen (es sind mittlerweile an die hundert) blass aussehen lässt. Filiccus kochte für uns Gazpacho, Steak and Kidney Pie, zartes Fleisch und Nieren im Blätterteig, klingt nicht gerade so, als müsste man sich danach verzehren, doch das war so lecker, geschmacklich einfach ein solches Hurrah-Erlebnis, dass ich von den geeisten Früchten mit Grappa-Birnen Sorbet kaum noch was runterbrachte.

Am nächsten Abend durfte ich mich dann revanchieren mit Springbock. Steves Küche war den ganzen Tag mein Revier und da war es auch irgendwie egal, ob es nun angesichts der Außentemperaturen, die sich schon wieder um die 35° bewegten, nicht an Masochismus grenzt, am heißen Herd zu stehen.

Springbock ist großartig, zart und unglaublich würzig, da die Böckchen sich viel von Kräutern ernähren, was ich angesichts der Dürre hier erstaunlich finde. Ich habe das Rückenfleisch vom  Knochen filetiert, es mit ein paar Kräutern eingerieben und einfach im Kühlschrank einige Stunden mariniert, kurz angebraten und im Ofen ruhen lassen. Dazu hatten wir krosse, rosa und lila Kartoffeln in Scheiben und grüne Bohnen. Davor eine Melonen-Koriander Gazpacho (tja, manchmal kann man eben nicht mehr umdisponieren, aber Gazpacho kann man in der Hitze und in anderer Version zwei Tage hintereinander essen) und zum Nachtisch gab es eine Maracuja-Mango Mousse. Die Maracujas dafür hatten wir aus Nachbars Garten geklaut!

2 Flaschen Wein und eine halbe Flasche Portwein (der leckere von „Allesverloren“) später, saßen wir glücklich und satt um ein Uhr nachts im Garten und starrten auf den Sternenhimmel.

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