1. Juli 2012

Ich entstamme einer Tradition aus Nicht-Grillern. Hätten meine Eltern einen Grill besessen, so ist nicht der Funke einer Erinnerung daran geblieben, was vermutlich weniger daran liegt, dass ich so manches vergesse, sonder eher, weil wir niemals einen solchen unser eigen nennen konnten. Und mit Vehemenz behaupte ich heute, dass nichts mich davon abbringen könnte, mit dieser Tradition zu brechen. Der Beziehungsstatus von einem Grill und mir könnte also ohne weiteres als „es ist kompliziert“ benannt werden.

Allein die Vorstellung von stickigem Qualm – schlimmstes Szenario, mit Kohle und tropfendem Fett – oder bis zur Unkenntlichkeit versiffte Grillroste bestärken mich in diesem Glauben. Und ja, ich höre den Aufschrei aus der Grillgemeinde von wegen es gibt ja auch noch Gas und was auch immer. Eure Schreie verhallen, egal, wie gut die Argumente sind. Außerdem braucht so ein Ding Platz. Platz, den ich nicht habe. Lieber stelle ich noch ein Kübel mit japanischem Ahorn auf meinen Balkon aber sicher niemals ein Grill.

Das heißt jedoch nicht, dass ich Gegrilltes nicht überaus zu schätzen wüsste. Wenn man mal von den vom Metzger vorpräparierten Nackensteaks absieht (ich habe da so meine Vermutung, warum die Marinade besonders würzig ist), dann kann man auf so einem Grill total lecker Dinge machen. Und genau aus diesem Grund bin ich dem Himmel dankbar, dass meine Freunde nicht meine verquere Einstellung zu einem eigenen Grill teilen.

Mit riesiger Vorfreude düse ich durch die halbe Stadt um meine geliebten Merguez, scharfe französische Würstchen, bei einem arabischen Metzger zu  kaufen, um diese dann freudestrahlend auf den Grill der anderen zu werfen. Dabei schwelge ich dann auch gerne mal in Kindheitserinnerungen, wo ein Teil meiner badischen Heimat noch französisch war und diese Würstchen zusammen mit Harissa (scharfe rote Gewürzpaste aus Chili, Kreuzkümmel, Koriandersamen und Knoblauch) einen festen Bestandteil meiner frühen Tage als Feinschmecker-Aspirantin darstellten.

Und eines muss ich an dieser Stelle natürlich auch zugeben – es gibt keine bessere Kombination als Grillen im Garten, kühles Bier und gemeinsames Fußballschauen. Mit ganz vielen toleranten Männer, die nicht einmal mit der Wimper zucken, ob der teilweise  dämlichen Kommentare der weiblichen Zuschauerschaft, (unterhalb von Béla Rethys Kommentaren, also quasi unterirdisch) meine eigenen eingeschlossen. Und wenn unsere Jungs auf dem Rasen wie am vergangen Donnerstag es dann mal wieder nicht ins Finale schaffen, dann kann man sich ja zumindest mit leckeren Burgers und selbstgemachten Grillsaucen bei Laune halten.

Ich bin ein riesengroßer Fan von selbstgemachten Grillsaucen. Teilweise sind sie zwar ein wenig zeitaufwendig  – unteres Rezept ist ein gutes Beispiel dafür – doch was ist entspannender, als nach einem langen, arbeitsreichen Tag in der Küche zu stehen und hingebungsvoll Paprika zu häuten?

Besonders dann, wenn man eigentlich feststellen muss, dass der Grill im Ofen nicht das gewünschte Ergebnis produziert.

Gegrillte Paprika, Bourbon Whiskey, Himbeeressig, Minze und Ingwer sind nur einige der Bestandteile dieser Sauce. Alles zusammen verkocht zu einer glänzenden „Marmelade“. Und wer sich nun die Frage stellt, ob sich all die Mühe gelohnt hat, der betrachte das untere Bild. Das war dann etwa zur Halbzeit. Und als ich den Rest wieder mitnehmen wollte, kam verschärfter Protest seitens der Gastgeber. Das Glas und sein restlicher Inhalt blieben da. Das nächste Grillen kommt bestimmt. Und in den unendlichen Weiten der Chutneys lauert schon die nächste Herausforderung – ein scharfes Pflaumenchutney.

Für 2 Gläser Paprikamarmelade à 250 ml

550 g rote Paprika
250 g Zwiebeln
2 rote Peperoni
3 EL gutes Olivenöl
100 g brauner Zucker
50 ml Himbeeressig (ich mache ihn meist selbst aus Weißweinessig, in welchen ich gefrorene Himbeeren püriere und durchseihe)
60 g Ingwer
20 ml Bourbon
2 große Knoblauchzehen
1/2 TL Pimentón de la Vera (geräuchertes spanisches Paprikapulver)
1 EL fein gemahlene Kaffeebohnen
Salz
1/2 Bund frische Minze

 

Die Paprika vierteln und auf einem Blech unter dem Grill so lange grillen, bis die Haut Blasen wirft und fast schwarz ist. Unter einem feuchten Tuch 10 min auskühlen lassen und danach die Haut abziehen. In einem Mixer die Paprika pürieren. Die Zwiebel und die Peperoni fein würfeln und in einem breiten Topf in Olivenöl andünsten. Das Paprikapüree zusammen mit einem EL Salz, den Essig,  Zucker und den Bourbon hinzufügen. Bei milder Hitze einkochen lassen. Nach etwa 30 min den Kaffee und Pimentón hinzufügen und weiter einkochen lassen, bis fast keine Flüssigkeit mehr enthalten ist. Das dauert etwa eine Stunde. Inzwischen den Ingwer fein reiben und die Minze hacken. Kurz vor dem Ende der Kochzeit in den Topf geben und noch etwa 10 min weiter köcheln lassen. Kochend heiß in saubere Gläser füllen und sofort verschließen.

Leider kann ich keinerlei Angaben darüber machen, wie lange sie haltbar sein könnte. Sie war gleich weg.

2 Kommentare

  1. hört sich sensationell und genau nach meinem Geschmack an. Glaube ich sofort dass die schneller weg war als man gucken konnte.. 🙂 wird demnächst ausprobiert – ich berichte!
    liebe Grüße

    Antworten
    • ist doch meist so – alles was viel Arbeit ist dann ganz schnell weg.. 🙂
      LG, Claudia

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