Zum Lesen, Zuschauen, Kochen, Tanzen, Genießen und Umarmen nach Frankfurt und zurück – überwältigende Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2013

So eine durchgeschlafene Nacht tut gut. Sehr gut sogar und war dringend nötig, habe ich doch die Nächte in Frankfurt eher damit verbracht, meinen Kopf zu sortieren und den vielen umherhuschenden Gedanken und Eindrücken in meinem Kopf nachzujagen.

Nun sind sie alle einsortiert, die Bilder, die Gefühle und die Erinnerungen. Es war grandios und ich hätte es gerne noch viel länger dort ausgekostet.  All die spannenden Begegnungen mit tollen Menschen, lieben Bloggerfreunden auf die ich mich riesig gefreut habe, mein Koch Event mit Astrid in der Gourmet Gallery, die reizende Gastfreundschaft des Collection Rolf Heyne Verlags und natürlich die vielen Bücher.

Die zwei Tage sind wie im Flug vergangen.

Der erste Tag, Mittwoch, war vermutlich noch der Ruhigste. Meist kann man sich ohne größeres Gedränge durch die Hallen bewegen und alle lächeln noch ganz entspannt. Halle 3 ist mein erster Anlaufpunkt. Nicht nur wegen der Gourmet Gallery im ersten Stock, sondern auch wegen der ganzen Kochbuchverlage, die sich hier tummeln. Ich flaniere, blättere mal hier mal da und stehe plötzlich vor einem überlebensgroßen Bild von Stevan Paul. Sein Buch „Deutschland vegetarisch“ ist das Highlight auf dem Stand des Brandstätter Verlages. Und kaum stehe davor kommt er auch schon um die Ecke gewetzt, kurzes Hallo, dann ist auch schon die erste Kamera auf ihn gerichtet.  Es wird nicht sein letztes Interview sein. Später treffe ich ihn wieder und er erzählt mir, wie sehr er sich über den Erfolg des Buches freut. Ich freue mich gleich mit.

Nach den ersten zwei Stunden drücken bereits die Schuhe und ich besuche den entzückenden Collection Rolf Heyne Verlag an ihrem Stand. Der Verlag, der auch Astrid Pauls “B_Logbuch” verlegt, hatte im Vorfeld der Messe bereits angeboten, dass Blogger immer willkommen sind. Ein Hafen im Meer der Bücher, wo es einen Kaffee und ein Häppchen gibt. Ich bin dankbar dafür.

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Bettina Matthaei und ihr Buch “Gewürze”

Dort lerne ich dann auch gleich Bettina Matthaei kennen, die Autorin des gerade vom GAD ausgezeichneten Buches „Gewürze“ über das ich auch schon hier auf dem Blog berichtet habe. Es ist ein tolles Erlebnis, den Menschen hinter dem Buch kennenzulernen und Bettina Matthaei versprüht aus jeder Pore ihre Leidenschaft für die Gewürze. Und so kann ich ihr auch ein paar Fragen stellen, die mich so beim Lesen (und Nachkochen) ihres Buches bewegt haben. Schon oft in meinem Leben habe ich mir nämlich beim Reisen in ferne Länder Gedanken darüber gemacht, ob es wirklich sinnvoll ist, die Gewürze dort zu kaufen, hatte ich doch schon immer die Vermutung, dass die Besten sofort nach der Ernte in den Export gehen. Sie bestätigt mir diese Überlegung. Es ist richtig, dass die großen Gewürzhandels Agenturen hier in den meisten Fällen eine weitaus bessere Qualität anbieten, als die Märkte und Basare im jeweiligen Land. Das klingt natürlich erschütternd einerseits, ich kann es mir also sparen, in Indien Kardamom zu kaufen, oder Pfeffer in Vietnam. Der Grund dafür ist, dass die großen Händler natürlich die Qualität testen, was auf einem Markt – woauchimmer – natürlich nicht der Fall ist. Andererseits bietet das Internet (z.B. 1001 Gewürze) ja genug Möglichkeiten, mir direkt die exotischsten Gewürze ins Haus bringen zu lassen.

Wir reden über Pfeffer und sie verrät mir, dass sie gerade eine sagenhafte Neuentdeckung gemacht hat. Einen Sezchuan Pfeffer aus Nepal, der nach Grapefruits duftet. Ich will ihn natürlich sofort haben.  Und natürlich will ich auch noch ein wenig über die Wirkung von Gewürzen wissen. Da lächelt sie. Und erzählt mir von der stimmungsaufhellenden Wirkung von Safran und Kardamom. Das habe sie immer wieder erlebt, dass diese Gewürze ein echter Booster fürs Gemüt sind. Das habe im Übrigen auch schon Hildegard von Bingen gewusst, deren Kekse zwar nicht lecker seien – sie bestehen fast nur aus Gewürzen – aber danach würde jeder mit einem zufriedenen Gesicht rumlaufen. Ich vermerke also – Kekse für miese Tage auf Vorrat backen.

SashaGrey

Sasha Grey im Interview

Und während wir noch plaudernd unseren Kaffee trinken, erscheinen plötzlich zwei Redakteurinnen des ZDF am Stand und fragen, wo ob hier das Interview mit Sasha Grey statt fände. Tut es nicht, denn es gibt ja noch den Heyne Verlag, der zwei Messegassen weiter ausstellt, aber neugierig frage ich, wann denn das Interview geplant sei. Denn so ein bisschen neugierig bin ich ja schon, die derzeit vielbesprochene Berühmtheit aus der Pornoabteilung, die ihr erstes Buch vorstellt, mal aus der Nähe zu betrachten. Immerhin hat schon der Spiegel ihr einen großen Bericht gewidmet. Und wenn man schon mal über den Kochbuchrand schaut, dann gerne auch in was richtig Versautes.

Und so sitze ich wartend mit den beiden Damen am Random House Stand, wir futtern die Schokotaler und ratschen, während wir auf Miss Grey warten. Ich blättere ein wenig in Ihrem Buch (die Regale werden übrigens immer neu bestückt, je nachdem, welcher Autor sich am Stand die Ehre gibt) und bin total erstaunt als sie endlich erscheint. Keine silikonaufgepumpte Erscheinung, sondern eine charmante junge Frau, die allerliebst in die Kamera lächelt.

StevanDiskussionsrunde

Talkrunde mit Stevan Paul

Dann wird es auch schon Zeit für Stevan Pauls Talkrunde in der Gourmet Gallery. Er stellt die Frage, ob die Kochbuchverlage sich nur noch mit Cup Cakes und Grillbibeln beschäftigen und wie es mit der Zukunft des Kochbuchs aussieht. Mit dabei sind: John Grøtting von Caramelized, Katharina Höhnk  von Valentinas Kochbuch, Martina Olufs vom Hamburger Koch Kontor, Dorothee Seeliger vom GU Verlag und Jürgen Welte von der Collection Rolf Heyne. Interessanteste Aussage vom GU Verlag – von den Bloggern habe man gelernt, dass auf dem Teller auch mal was nicht ganz so perfekt sein dürfe. Auch in ihrem Verlag gäbe es jetzt Brösel auf den Bildern zu sehen. Aha. Katharina Höhnk spricht das aus, was wir eh schon alle längst geahnt haben – das Kochbuch ist längst keine Rezeptesammlung mehr sondern ein Lifestyle Produkt. Und das wird es auch noch länger bleiben. Wachsende Umsätze sprechen dafür. Jürgen Welte bedauert es, dass der Handel so novitätenfixiert sei. Es gäbe so viele großartige Kochbücher, die durchaus ein paar Jahre länger in den Regalen stehen dürfen. Ich stimme ihm da vollumfänglich zu.

Dann ist der erste Tag zu Ende. Ein Glas Wein und das verzweifele Ringen um Schlaf begleiten mich durch die Nacht.

Der erste Termin am nächsten Morgen ist bei Ariane Bille und ihrem Buch „Foog Blogs“ auf dem Stand des Hädecke Verlages. Auch Ariane strahlt und ich freue mich riesig sie zu sehen. Sie hat es richtig gemacht und trägt ein Kurzarmkleid. Es ist heiß auf der Messe. Während ich ihre köstlichen Muffins mampfe, lerne ich auch die Autorin Monika Graff kennen, die mit ihrem neuen Buch „Cozinha do Brasil“ vertreten ist. Das ist natürlich spannend, denn von wegen Brasilien wird es heute ja noch hoch hergehen. Der Koch Event „Cook it with Samba!“ steht an. Langsam kriecht das erste Lampenfieber hoch.

„Geh in Halle 8 zu den internationalen Büchern!“, ist der Rat den ich bekomme. Ich schaffe es nur bis Halle 5. Auf dem großen Stand des Iran bleibe ich bewundernd stehen, so sehr fesseln mich die wunderschönen Buchcover, die ich natürlich alle nicht lesen kann. Ich suche nach Kochbüchern und werde an eine elegante Dame verwiesen, die sich als die erfolgreichste Kochbuchautorin, Köchin und Leiterin einer Kochschule in Teheran entpuppt. Eine geradezu magische Begegnung. Wir können uns mit keinem Wort verständigen, sie spricht kein Englisch und ich kein Wort Persisch, doch wir verstehen uns auch ohne Worte. Kochen ist eine internationale Sprache. Ohne Worte. Nur mit ganz viel Gefühl, Hingabe und Liebe zu schönem Essen.

claudia_samira

Die wunderbare Samira, die beste Köchin des Iran und ich.

Sie nimmt mich wieder mit zurück in die Halle der Gourmet Gallery, wo sie einen kleinen Stand mit Koch-und Backbüchern hat. Wunderschöne Exemplare. Dazu bekomme ich einen Tee und  köstliche, mit Zitronen aromatisierte, Pistazien. Sofort weiß ich, wohin mich mein Weg im nächsten Sommer führen wird. In den Iran. Dort werde ich mit ihr kochen und hoffentlich bis dahin ein paar Worte Persisch lernen.

cheers

Und als ob das Glück über diese Begegnung noch nicht genug wäre, muss ich wieder zurück zum Stand von Rolf Heyne, wo ich mit Astrid Paul verabredet bin. Wir müssen uns vorbereiten auf unsere Show. Das tun wir am besten mit einem Glas Prosecco.  Wir brauchen nicht lange, um uns abzustimmen, was da oben in der Showküche ablaufen soll. Astrid ist Profi. Das ist toll und gemeinsam fiebern wir ein bisschen bis wir so gegen 17:00 Uhr hinauf in die Küche kommen, wo alles perfekt für uns vorbereitet ist. Ronald der Koch hat sich persönlich um alles gekümmert. Wir gehen nochmal den Ablauf durch, wer macht was, und schauen beide etwas zögerlich auf die Zwiebeln. Dann kommt von Astrid die allerbeste Ausrede, die je gehört habe, als es um das Schneiden der Zwiebeln geht. Das sei echt ein Problem, denn wir beide tragen doch Wimperntusche und so auf der Bühne sei das echt ungünstig. Wegen der Tränen und so. Ronald lacht nur und in Sekunden verwandeln sich die Zwiebeln in einen Berg kleiner Würfel.

Kurzer Soundcheck und dann geht es los. Wir sind verkabelt und voll im Rampenlicht. Und vor uns das allerliebste Publikum, das man sich wünschen kann. Ganz viele Blogger sind gekommen um uns anzufeuern, mit uns eine Caipirinha zu trinken und uns zur Seite zu stehen.

backstage

Backstage alles entspannt

Show1

Kurz –  es war grandios!

thebestaudience

das beste Publikum der Welt

Ich habe mich riesig gefreut, dass ihr da wart. Torsten, Maja, Martin, Paul, Claudia, Sandra, Kathi, Ariane und all ihr Lieben deren Name mir nicht mehr einfällt (bitte nicht böse sein), danke dass ihr so zahlreich gekommen seid. Und natürlich geht ein riesengroßer Dank an Astrid. Das war eine Sensation mit dir zu kochen! Ich bin immer noch überwältigt, wenn ich die ganzen Bilder in meinem Kopf Revue passieren lasse.

Moqueca

Astrid_Claudia

Zum Ausklang dieses ereignisreichen Tages gab es dann noch im Restaurant Margarete ein köstliches Essen aus „Deutschland vegetarisch“ von dem ich ja echt nicht genug kriegen kann.
Und weil auch das wieder so schön und alles so aufregend war, konnte ich auch in dieser Nacht nicht schlafen.

Und so schlich ich wie ein angeschossenes Reh am nächsten Morgen über den Frankfurter Bahnhof, dämmerte auf der Rückreise ein wenig vor mich hin und begrüßte daheim angekommen mit einem Hurra die Aspirin, die ich mal wieder zu hause vergessen hatte.

Und jedem, der sich jetzt durch diesen langen Bericht gelesen hat, dürfte klar sein – nächstes Jahr wieder! Unbedingt.

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12 Responses to Zum Lesen, Zuschauen, Kochen, Tanzen, Genießen und Umarmen nach Frankfurt und zurück – überwältigende Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2013

  1. Susanne 14. Oktober, 2013 at 9:06 #

    Danke für den tollen Bericht! Ich hab’s ja nicht geschafft, aber dank Dir war ich jetzt doch dabei.

    • Dinner um Acht 14. Oktober, 2013 at 13:39 #

      Liebe Susanne, freut mich, wenn es mir gelungen ist, dich ein bisschen mit dabei sein zu lassen. Nächstes Jahr, gell?

  2. thecookingknitter 14. Oktober, 2013 at 7:38 #

    Mensch, was ein schöner Messebericht. Nun bin ich noch trauriger, dass ich nicht da war. Evtl. schaffe ich es nächstes Jahr!

    • Dinner um Acht 14. Oktober, 2013 at 13:40 #

      Ist ja noch ein bisschen Zeit zum Planen. ;-)

  3. Katharina 13. Oktober, 2013 at 21:45 #

    Liebe Claudia, ich bedaure so sehr, dass ich nicht dabei gewesen bin. Aber jetzt ahne ich, wie toll Eurer Event war. Bravo!

    • Dinner um Acht 13. Oktober, 2013 at 22:14 #

      Danke, liebe Katharina,
      es war wirklich schade, dass wir uns nur kurz gesehen haben. Aber ich habe mich trotzdem sehr gefreut.

  4. Claudia ~ Food with a View 13. Oktober, 2013 at 19:46 #

    Toller Bericht, liebe Claudia! Großartig, was Du alles mitnehmen konntest an Eindrücken, und Deine Begegnung mit Samira klingt wahrhaft magisch. Die Cook-it-with-Samba-Show war wirklich wunderbar, ich freue mich, dass wir uns dort kennengelernt haben. Lieben Gruß!

    • Dinner um Acht 13. Oktober, 2013 at 21:03 #

      Liebe Claudia, die Freude ist ganz meinerseits. Toll, dass du mit dabei warst.
      Hug!

  5. Emma 13. Oktober, 2013 at 15:52 #

    Liebe Claudia,
    ein ganz toller Bericht! Am Donnerstag wäre ich auch soo gerne dabei gewesen, aber leider hab ich kein Urlaub bekommen :( Nächstes Jahr? Ganz bestimmt!
    Liebe Grüße
    Emma

    • Dinner um Acht 13. Oktober, 2013 at 16:47 #

      Liebe Emma, vielen Dank! Und ja, nächstes Jahr. Abgemacht.
      Liebe Grüße
      Claudia

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