Porto im Januar – der wahre Geschmack und ein paar sehr alte Flaschen

Header2Die Gegend um den Fischmarkt in Matosinhos, kurz hinter Porto ist an einem regnerischen Montagmittag vielleicht nicht die Glänzendste. Vereinzelt stehen vor den Fischlokalen ein paar Männer an einem großen Grill. An einem Tag wie diesem, liegt selten mehr als ein Fisch darauf. Wegen dem Fisch bin ich hier. Ich sollte unbedingt hierher kommen. Das Lokal für welches ich mich entscheide, wirkt unscheinbar. Traditionell auch die Einrichtung. Der Zeitpunkt scheint perfekt, Caldo Verde, die wohl traditionellste Suppe der portugiesischen Küche zu probieren. Noch während ich die Karte lese, stellt der Kellner mit einem väterlichen Lächeln eine Schale mit marinierten Fischscheiben vor mich hin. Ich probiere. Zarter, köstlicher Schwertfisch in Öl, Kräutern und Pfeffer, von einer so unnachahmlichen Eleganz und Einfachheit, dass sich alle Sinne plötzlich weit öffnen und nur noch diesem Schwertfisch huldigen. Mein Kellner lächelt wieder verständnisvoll, es ist sicher eine Portion für zwei Personen über die ich wie eine Verhungernde hergefallen bin. „Du musst dich nicht schämen“, sagt sein Blick, während er mir die Suppe serviert. Und endlich koste ich die feinen Streifen aus Grünkohl in einer würzigen, leicht gebundenen Brühe. Wer nun vermutet, die Meerbrasse, die darauf folgt, sei das Highlight an diesem Tag gewesen, liegt leider falsch. Der Fisch war grandios, keine Frage. Im Schmetterlingsschnitt gegrillt, fein, aber dennoch – es waren die dazu servierten Kartoffeln. Einfache in der Schale gegarte Kartoffeln, in einer Sauce aus Olivenöl, Zitrone und Kräutern. So einfach und dennoch himmlisch. Nicht mehlig, nicht speckig, irgendwo dazwischen. Ich muss an die Worte des Küchenchefs denken, mit dem ich einen Tag vorher gesprochen habe. Der Geschmack muss überzeugen. Er muss klar sein. Ohne jedwedes Brimborium. Dann, und nur dann können wir uns ganz auf den Geschmack einlassen.

Mein letztes Essen in Porto habe ich also mit einer Kartoffel beschlossen. Besser hätte es nicht sein können. Die schiere Essenz aus allem, was man sich wünschen kann.Porto-1-19 Porto-1-14 Porto-1-13Porto-1-25

Stockfisch, endlich!

Ebenso überzeugend ist der Besuch im Restaurant Cafeína in Foz einen Tag zuvor. Mit einer der alten, postkartennostalgischen Straßenbahnen geht es Richtung Meer. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde und dabei übertrifft so mancher Jogger das Tempo der gemütlichen alten Bahn. Zu dieser Jahreszeit fährt die kleine Tram nur jede Stunde und es empfiehlt sich, sich rechtzeitig an der ersten Haltestelle in Position zu bringen. Die Plätze sind begrenzt.
Alle wollen an diesem Tag ans Meer. Es ist sonnig bei zwanzig Grad. Die Wellen schlagen hoch gegen den Leuchtturm und die Mauern. Ein Schauspiel, das nie seine Faszination verlieren wird. Ich atme die salzige Luft, spüre, alles wird frei und ich starre einfach nur auf die Gischt und den diesig blauen Himmel. Dann laufe ich einfach weiter entlang der Strandpromenade, den Blick halb aufs Meer, halb auf die vielen Passanten gerichtet. Es ist noch ein guter Kilometer bis zum Restaurant.
Im Cafeína ist alles sehr elegant. Dunkles Holz, weiße Tischdecken, anmutiges Interieur. Ich habe die Empfehlung bekommen Bacalhau – Stockfisch – zu bestellen. Der sei hier besonders gut und mit einer Aioli überbacken. Ich muss an einen Bericht in einer großen deutschen Wochenzeitung denken, welche behaupet, der gemeine Tourist kaufe als Souvenir in Portugal eine Flasche Portwein, der Kenner kaufe Stockfisch. Ganz ehrlich, ich käme nicht auf die Idee, einen getrockneten, streng riechenden Fisch im Handgepäck mit nach Hause zu bringen. Jetzt, nach diesem Stockfisch denke ich anders darüber. Ich erlebe einen festen, frischen, zart salzigen Fisch. Ein Fisch zum Jubeln.

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Nüsse, Trockenfrüchte, Safran, Butter und Vanille –  warum wir mehr Portwein trinken müssen!

Wer nach Porto fährt, kann dem Portwein nicht entkommen. Er ist allgegenwärtig. Hat man ihn nicht vor sich im Glas, blickt man den ganzen Tag auf die Kellereien im gegenüberliegenden Gaia. Hier lagern all die Schätze aus den Trauben des Duoro Tals. Und teilweise tun sie das sehr lang. Ich besuche die Portweinkellerei von W & J Graham’s. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über Porto und den Fluss. Doch bin ich nicht hergekommen, um die Aussicht zu genießen. Ich will in den Keller. Dorthin, wo riesige Fässer stehen und verstaubte Flaschen in Gewölben lagern. Hier ist man stolz auf eine lange Tradition. Die Keller sind zu egal welcher Jahreszeit immer perfekt temperiert. Das erreicht man damit, dass man im Sommer einen Brunnen einfach in ein Bewässerungssystem zwischen den Fässern leiten kann. Das Wasser kühlt. Jetzt im Winter ist das nicht nötig. Manche der großen Fässer sind über hundert Jahre alt. Allein sechs Männer werden hier beschäftigt, sich nur um die Fässer zu kümmern. Ein Beruf, der nicht mehr erlernt werden kann. Die Erfahrung wird an die nächste Generation weitergegeben. Noch heute werden zu besonderen Feiertagen des britischen Königshauses kostbare, alte Flaschen als Präsent überreicht. Flaschen aus Jahren, die bereits Winston Churchill so manchen seligen Rausch beschert haben mochten, lagern hinter Gittern. Unverkäuflich und in Familienbesitz. Sehnsüchtig blicke auf die dicke Staubschicht der Flaschen meines Geburtsjahres. Das zu probieren….
Hier kann man sich durchaus den besonderen Luxus eines hundert Jahre alten Portwein gönnen. Für 3000 Euro ist man dabei.
Gleich zu Beginn will Anna, die reizende multilinguale Dame, die mich durch die Keller führt wissen, welcher Typ ich sei. Ruby oder Tawny? Tawny, ganz klar. Ruby, wie eben der Name Rubin schon erahnen lässt, ist dunkelrot, üppig und eher süß. Tawny ist die facettenreiche Schwester (ohne jetzt all den Ruby Liebhabern auf der ganzen Welt auf die Füße treten zu wollen).
Über Portwein gibt es viel zu lernen. Wann es ein Vintage ist (den es nicht jedes Jahr gibt) und wie kühn oftmals mit den Jahrgängen komponiert wird um möglichst immer die gleiche geschmackliche Aussage einer Linie zu erzielen. Im Gegensatz zu Wein reift Portwein in der Flasche nicht nach. Also wenn er mal zu Hause rumsteht – trinken!
Ich probiere einen 10, 20 und 33 Jahre Portwein. Je älter er wird, desto andächtiger sitze ich vor dem Glas. Mandeln und Mandarinen, Gewürze und Trockenobst, Holz und Erde sind nur einige der Eindrücke, die ich hier sammle.
Glücklich und mit zwei Tüten voller Schätze laufe ich zurück durch die Gassen hinunter zum Fluss. Mein kleiner, wieder aufgetauchter Koffer wird sehr voll werden.

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Adressen:
Dom Peixe
Rua Heróis de França, 241, 4450-158 Matosinhos, Portugal
+351 22 492 7160

Cafeína
Rua do Padrão 100, 4150-557 Porto, Portugal
+351 22 610 8059 (ganz bequem übers Internet reserviert werden)

W & J Grahams’s Port (Führungen durch die Kellerei)
Vila Nova de Gaia, Portugal
Tel: +351 223 776 484 / 485

 

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7 Responses to Porto im Januar – der wahre Geschmack und ein paar sehr alte Flaschen

  1. Volle Lotte 31. Januar, 2016 at 15:31 #

    Claudia,
    was für tolle Bilder! Unglaublich schöne Momente hast Du da eingefangen und mit Deinem Bericht wird es perfekt komplementiert. É muito bonito!
    LG Silvia

    • Dinner um Acht 1. Februar, 2016 at 12:38 #

      Vielen Dank, liebe Silvia,
      nach unserem Gespräch muss ich jetzt immer an die Flussfahrt auf dem Duoro denken…
      alles liebe,
      Claudia

  2. Gabi 29. Januar, 2016 at 20:11 #

    Ich fliege Mitte März nach Porto und notiere fleißig deine Genussziele mit. Danke fürs Vorkosten :-)

    • Dinner um Acht 1. Februar, 2016 at 12:40 #

      Es kommen noch ein paar mehr! :-)
      Liebe Grüße
      Claudia

  3. lieberlecker 29. Januar, 2016 at 11:42 #

    Tolle Bilder, schöner Bericht ! :-)
    Portwein reift in der Flasche nicht nach – richtig, ausseres handelt sich um einen Jahrgangs Port!
    Deshalb freue ich mich wie ein kleiner Junge auf meine 2000er, 85er und vor allem die jetzt reifen 70er :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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