31. Oktober 2012

Spanische Blutwurst mit Cidre-geschmorten Äpfeln, Salbei und roten Zwiebeln

Rezepte, Rezeptart, mit Fleisch, Länderküche, nach Saison, Herbst, französisch | 12 Kommentare

Vermutlich gibt es nur eine Frage, die ich auf Spanisch zu jeder Tages- und Nachtzeit stellen kann, ohne sie vorher im Kopf übersetzen zu müssen. Egal in welchem Zustand. „Hay Morcilla?“ – Gibt es Blutwurst? So mancher Kellner hat mir schon ein vielsagendes Lächeln geschenkt, gezwinkert oder mit echtem Bedauern den Kopf geschüttelt. Bekommen habe ich sie deswegen nicht wirklich oft.

Jeder, der jetzt denkt, das sei abartig, Blutwurst kann man nicht ernsthaft lieben, denn schließlich ist ja Rache Blutwurst und irgendwie und sowieso – Recht hat er. Und trotzdem. Sie köstlich.

Kräftiger gewürzt als unsere deutsche Variante, die gerne mal zur üppigen Schlachtplatte serviert wird und zugegeben nicht von jedem geschätzt wird. Erstmalig gegessen habe ich Morcilla in Madrid. Was eher ein Versehen war. Nicht Madrid, sondern die Wurst. Die lag nämlich ganz beiläufig in Scheiben geschnitten und kross gebraten auf einem Tellerchen. Furchtlos und nichts ahnend griff ich zu. Erst nachdem ich mich dem  wahrlich köstlichen Geschmack genüsslich hingegeben hatte und fragend in die Runde schaute, was es denn gewesen sei, das mich soeben in Verzücken versetzt hatte, wurde ich aufgeklärt. Es war Blutwurst. Nun denn. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Das Verhältnis zwischen der Morcilla und mir vergleiche ich gerne mit einer Freundin aus früheren Tagen, die man selten anruft und noch seltener besucht. Aber gerne an sie denkt. Ich spreche hier von Zeiten lange vor Facebook und Xing, wo man selbst die ältesten Bekannten ausgraben kann und sich wieder verfreunden kann, egal, ob man sich was zu sagen hat oder nicht.

Morcilla hatte sich also rar gemacht. Reisen nach Spanien waren eher selten und in der Tapasbar um die Ecke trat sie nicht in Erscheinung. Doch dann lag sie plötzlich letzten Samstag auf dem Tresen des spanischen Schinkenstands auf dem Viktualienmarkt. Einfach so. Und weil sie mir ja nicht erzählen konnte, wie das so war früher, als wir uns noch miteinander in Restaurants vergnügten, musste ich improvisieren.

Kross ja, aber mit Süße und etwas Besonderem. Den Part des Besonderen übernahm dann der Salbei. Und auch wenn Cidre so gar nicht spanisch ist, verpasste er dem säuerlichen Apfel eine weichere Note, die hervorragend damit harmonierte. Ich glaube, Morcilla hat sich damit wohl gefühlt. Sei gegrüßt alte Freundin.

Für Zwei (in Tapasgröße)

100 g Morcilla (spanische Blutwurst)

1-2 säuerliche Äpfel (Granny Smith oder Boskop)

1 kleine rote Zwiebel in feine Ringe geschnitten

Etwa 15 Salbeiblättchen

3 EL neutrales Öl

25 g Butter

0,1 l Cidre

 

Die Blutwurst in etwa 5 mm dicke Scheiben schneiden und dabei die äußere Haut abziehen. Das Öl mit der Butter in einer beschichteten Pfanne erhitzen und den Salbei darin kurz kross werden lassen und ihn sofort wieder entfernen. Auch einem Küchenkrepp zur Seite stellen. In dem Salbei-gewürzten Öl nun die Blutwurstscheiben zusammen mit den Zwiebeln knusprig braten. Herausnehmen und warm stellen. Den Apfel schälen und in Spalten schneiden. Überschüssiges Öl aus der Pfanne fast komplett abgießen, so dass nur ein kleiner Rest übrigbleibt. Die Apfelringe darin anbraten und mit dem Cidre ablöschen. Kurz weichkochen lassen. Zusammen mit den Blutwurstscheiben, den Zwiebeln und dem Salbei anrichten.

 

12 Kommentare

  1. Habs gerade nachgekocht, waaaaahnsinn! Leider schon alles aufgegessen. Danke für das tolle rezept.

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    • Hey Oliver, das freut mich aber!

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  2. Genau, in Sidra und mit Äpfeln habe ich Morcilla mal in einem Restaurant in Ávila bekommen – köstlich. Muss unbedingt beim Spanienstand am Elisabethmarkt nachfragen, ob es derzeit Morcilla gibt.

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    • Gibt es! Denn genau da habe ich sie vor einigen Tagen bekommen. Vielleicht treffen wir uns ja dort 😉

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  3. Oh das gefällt mir. Manchmal ein bisschen gute Blutwurst ist einfach superlecker, und dann mit säuerlichen Äpfeln, hmmm!
    Mir gefällt dein Blog übrigens sehr!
    Lieben Gruß
    Verena

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    • Oh, vielen Dank! Stöbere auch gerne bei Dir.
      LG, Claudia

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  4. Damit rennst du bei mir offene Türen ein. Ich liebe Blutwurst, am liebsten mit Äpfeln…

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  5. Doch, doch Sidra gibt es auch in Spanien, im Norden natürlich. 😉

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    • Das ist ja toll, dass ich das nicht kenne, liegt vermutlich daran, dass ich noch die Gelegenheit hatte, den Norden zu besuchen. Ich liebe ja Apfelwein, Most und all das. Vielen Dank für den Tipp, liebe Zorra.

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