10. Oktober 2020

Schnelle Apfeltörtchen mit Ziegenkäse und Honig und warum Streuobstwiesen so wichtig sind

Rezepte, Vegetarisch, Rezeptart, Länderküche, Snacks, französisch | 0 Kommentare

In früheren Zeiten, als das mit den Supermärkten noch nicht so verbreitet war, waren es die Obstbäume der Bauern, welche die Versorgung mit frischem Obst sicherten. Je nach Region war das Angebot der Apfel- und Birnensorten unterschiedlich. Wenn man heute in einen Supermarkt geht, dann könnte man zu dem Eindruck gelangen, dass es höchstens zehn verschiedene Sorten Äpfel und Birnen gibt. Geschmacklich vereinheitlicht und immer gleich groß. Auf dem Bauernmarkt sieht es da schon etwas vielfältiger aus. Viele der alten Sorten sind heute nur noch reine Liebhaberei und mit ihnen auch die Streuobstwiese. Streuobstwiese? Da denkt man sofort an Fallobst das „verstreut auf der Wiese liegt“, zumindest ich, die erstmal wenig Vorstellung von so einer Wiese hat, denkt daran. Das ist natürlich falsch. Doch was ist eigentlich eine Streuobstwiese genau? Und warum ist es so wichtig, diese Biotope zu schützen? Ich begebe mich auf eine „Lehrreise“ nach Niederbayern.

Streuobstwiesen

„Die Obstbäume, also Äpfel, Birnen, Zwetschgen und so weiter stehen verstreut. Nicht in einer Plantagenform. Mit viel Abstand“, erklärt mir Fritz Wieland vom Maierhof in Stubenberg. Stubenberg liegt in einem Talkessel nahe des Inns umringt von Waldflächen und diese Lage ist ideal für den Obstanbau. Um 1900 wurde hier der erste Obst- und Gartenbauverein gegründet. Bis in die 70’er Jahre kaufte man sein Obst direkt ab Hof und lagerte es zuhause ein. Ungefähr eintausend verschiedene Streuobstsorten gibt es. Seine Äcker und Wiesen werden zu 80% intensiv bewirtschaftet, doch mit seinen zwei Hektar Streuobstwiesen möchte Fritz Wieland seinen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt leisten. Eine Streuobstwiese lässt man einfach in Ruhe, meint er und bietet so bis zu 5000 verschiedenen Tier- und Insektenarten eine Heimat. Bei Streuobstwiesen ist es nicht wichtig, wieviel Ertrag man hat, sondern dass das Ökosystem im Einklang ist. Und so dürfen hier auch abgestorbene Bäume stehenbleiben, denn sie bieten optimale Nistbedingungen für Spechte und Fledermäuse. Was die Sorten angeht, so erklärt er, dass die klimatischen Bedingungen und der Boden einer Region eigentlich schon immer bestimmt haben, welche Sorten sich besonders gut anbauen lassen und auch ohne Pflanzenschutz schöne Früchte hervorbringen. Rambursorten, Bohnäpfel, Kaiser Wilhelm und Boskop fühlen sich hier bei ihm sehr wohl.

Dieses Jahr ist die Ernte spät

Es ist Anfang Oktober und normalerweise gibt es um diese Zeit bereits den ersten Most. Die Zutaten dafür hängen aber alle noch am Baum. Es sind die kühlen Nächte, die dem Apfel den Geschmack geben, lerne ich. Und jedes Jahr sei anders auch bedingt durch den Klimawandel. Im vergangen Jahr habe man so gut wie keinen Ertrag gehabt, dieses Jahr schaut es besser aus (ich würde es als üppig bezeichnen, denn die Äste biegen sich zum Boden, so voll sind sie mit Äpfeln).

Streuobst gleich Bio?

Mehr Bio geht eigentlich nicht, aber die meisten seien nicht zertifiziert, meint Wieland. Die Bäume werden nicht behandelt, sondern einfach in Ruhe gelassen. Er selbst spürt eine ganz besonders tiefe Bindung zu seinen Obstbäumen, von denen einige schon über 200 Jahre alt sind. Dabei ist es mit den Apfelbäumen nicht so wie mit den Reben. Sie bringen im Greisenalter keine ganz besonders tollen Früchte hervor. So mit Fünfzig Jahren ist ihr Zenit überschritten. Bei dieser Aussage fühle auch ich mich so einem Apfelbaum sehr verbunden.
Sein Lieblingsbaum ist ein riesiger Birnbaum. Früher habe dort eine Bank gestanden, wo er mit seinem Großvater gesessen und Lieder gesungen habe.

einfach herrliche Äpfel

Eine noch junge, grau gestreifte Katze springt um uns herum, als wir über die Obstwiese stapfen. Das Licht ist außergewöhnlich an diesem Tag, es herrscht Fön-Wetter, die Sicht auf die Alpen ist klar. Wir probieren einen Apfel vom Baum. Noch ist er sauer und recht fest. Dass bereits rund um die Bäume etliche Äpfel auf dem Boden vor sich hin faulen ist übrigens kein Zeichen dafür, dass es Zeit zum Ernten ist, lerne ich. Das sind die minderwertigen. Seine Kühe freuen sich trotzdem darüber.

wo finde ich Streuobstwiesen und Erzeuger?

Mit der Initiative „Streuobst blüht“ haben sich die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Bayerische Gärtnereiverband (BGV), die Initiativen Bayern Blüht sowie Bayern Brand, die alp Bayern und das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zusammengeschlossen, um das Kulturgut Streuobstwiese nachhaltig zu schützen und vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Auf der Seite www.streuobst-blueht findet man Informationen rund ums Streuobst und die Adressen von Erzeugern, Hofläden und Brennereien in ganz Bayern. Wer besten Apfelsaft, Cider oder Schnaps kaufen möchte, außerdem mal wieder gute Landluft schnuppern will, der ist hier genau richtig.

Und natürlich sind auch meine Äpfel für die Apfeltörtchen von einer Streuobstwiese. Ich habe einige mitgebracht und nicht alle gleich verbraucht. Sie halten sich lange, ohne dass sie runzelig werden. Aber das kenne ich ja schon von den herrlichen Äpfeln meiner Verwandten aus dem Schwarzwald.

Apfeltörtchen mit Ziegenkäse und Honig

Für 5 – 6 Törtchen

eine Rolle fertiger Blätterteig aus dem Kühlregal (etwa 240 g)
1 ½ EL Butter
ein kleiner Zweig Rosmarin, die Nadeln fein gehackt
eine Schalotte, in feine Scheiben geschnitten
ein Eigelb mit einem TL Sahne verrührt

100 g Ziegenfrischkäse
etwas Zitronensaft
eine Prise Salz und etwas frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
2 säuerliche Äpfel, geschält und in etwa 3mm dicke Spalten geschnitten, danach mit Zitronensaft beträufelt
eine Prise gemahlenen Piment
flüssiger Honig

zusätzlich: 2 kreisrunde Ausstechformen mit 6 und 9 cm Durchmesser

Den Ofen auf 180° Umluft vorheizen.
In einem kleinen Topf die Butter schmelzen und die Zwiebelringe darin glasig dünsten.
Den Blätterteig auslegen und 10 Kreise ausstechen. Fünf davon auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und mit einer Gabel mehrmals einstechen. Aus den restlichen Kreisen mit der kleineren Form nochmals einen Kreis ausstechen und nur den Rand auf die Kreise auf dem Backblech legen.
Die Kreise mit der Sahne-Eigelb Mischung bestreichen.
Den Ziegenkäse mit einer Gabel etwas zerdrücken und mit einer Prise Salz, Rosmarin und etwas frisch gemahlenem Pfeffer würzen.
Die Ziegenkäsemischung auf die Törtchen verteilen. Mit Apfelspalten kreisförmig belegen. Zuletzt die Zwiebelringe mit der Butter darüber verteilen.
30 Minuten im Ofen backen.
Etwas Honig auf die noch ofenwarmen Törtchen geben. Leicht warm schmecken sie am besten.

 

Ich danke der Region Rottal-Inn für die Unterstützung meiner Streuobstwiesen-Recherche.

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