2. Juni 2021

Passatelli am Strand und Shoppen in San Marino

San Marino, Italien, Europa, kulinarische Reisen | 0 Kommentare

Wer in den Marken Urlaub macht, hat es nicht weit bis San Marino.

 

„Also, wenn du nach San Marino fährst, dann halte Ausschau nach Taschen. Lederwaren sind dort günstig“, meint meine Freundin Uschi, die ein wunderschönes Agriturismo in den Marken betreibt und wo ich einige Tage verbringe. „Und Waffen. In San Marino kann man ganz legal Waffen kaufen“, ergänzt sie.

„Waffen?“ „Echt jetzt?“

Tatsächlich kann man in der ältesten Republik der Welt, deren Gründung zurück auf das Jahr 301 n. Chr. geht, Knarren aller Art kaufen. Und man kann sich impfen lassen. Die Bevölkerung des Zwergenstaates sei bereits durchgeimpft und jetzt kann jeder, der Lust auf eine Runde Sputnik V hat, hierherkommen. Das mit den Taschen klingt am allerbesten, finde ich.

Von meinem Ferienhaus in Le Torricelle ist es nicht weit bis nach San Marino. Etwa dreißig Kilometer über die Hügel und plötzlich kommen mir Autos mit neuen Nummernschildern entgegen. Ein Buchstabe, vier Zahlen und das Wappen von San Marino. Ich bin da. Im Sommer, wenn eine ganze Armada aus Bussen, die Touristen von Rimini, Cattolica, ja der gesamten Region, hierher karrt, gibt es in den steilen Gassen hoch zu den Türmen fast kein Durchkommen mehr. Jetzt, an einem Dienstag Ende Mai ist alles leer. Ich bin gegen 10:00 Uhr da und bekomme sogar noch einen Parkplatz direkt am Eingang zur Altstadt. Ich laufe hoch zu den Türmen und der Ausblick verschlägt mir fast den Atem. Ich sehe das Meer und auf der anderen Seite Bergkuppen. Ich kann viele Kilometer weit ins Land sehen und das Tollste daran ist, dass ich auf dieser Aussichtsplattform die Einzige bin. Ich mache ein Video und stelle fest, dass das mit der Aussicht auf diesem winzigen Format meines Handys überhaupt nicht so rüberkommt, wie es tatsächlich wirkt. Es ist überwältigend. Hier, hoch oben, hat man das Gefühl, fliegen zu können. Ich laufe weiter durch die Gassen und dann passiert es, eine khaki farbene, glänzende Tasche strahlt mich an. Kurz zähle ich meine Taschen durch, die zuhause im Schrank liegen. An dieser Stelle sollte jetzt ein Warnton schrillen, tut es aber nicht. Und überhaupt – ich schaue sie mir ja erst einmal nur an. Ich betrete das Geschäft. Ich bin die einzige Kundin. Die Tasche ist raffiniert gemacht, hat noch eine weitere Taschen innen drin, die man auch herausnehmen und einzeln tragen kann. Und sie ist wirklich günstig. Khaki ist bei mir eine Trigger-Farbe, der ich nur schwer widerstehen kann. Außerdem bekomme ich noch einen Kaffee und einen Keks angeboten. Ich frage die Verkäuferin in dem Geschäft, ob das mit den Besuchern jetzt langsam wieder anzieht. Sehr langsam, meint sie, aber es sei auch mal ganz schön, wenn es nicht so voll ist. Ich kaufe die Tasche. Schließlich brauche ich ja eine Erinnerung. Und auf jeden Fall will ich noch einen Kofferaufkleber mit diesem schönen Wappen. Als ich den kleinen Souvenirladen betrete, sehe ich, dass die Wände mit Waffen dekoriert sind. „Sind die alle echt?“ frage ich die Verkäuferin. Sie lacht, nein, das seien alles nur Attrappen, für die Echten müsste ich ins Waffengeschäft. Ich erkläre, dass ich das nicht vorhabe.

San Marino

Auf dem Weg in die Neustadt von San Marino fahre ich an einem großen Supermarkt vorbei. Ich gehe in anderen Ländern immer gern in Supermärkte, denn oftmals werden hier ganz besondere Spezialitäten aus der Region verkauft. Ich stelle das Auto ab, gehe hinein und stehe als erstes tatsächlich vor einem Waffengeschäft. Diesmal sind es die echten Berettas. Ich bin tatsächlich hin und hergerissen zwischen Neugier und Abscheu. Langsam schleiche ich das Schaufenster entlang. Nebenan werden Rasenmäher, Schaufeln und Dampfreiniger verkauft (wer jetzt an den „Cleaner“ denkt, hat eindeutig zu viele Hollywoodfilme gesehen). Eine Ecke weiter ist der Eingang zum Supermarkt. Das einzige, was ich mir kaufe, ist ein Einmachglas.

Ich trinke noch einen Cappuccino in einem kleinen Café und mache mich auf den Weg an die Küste. Schließlich konnte ich das Meer ja schon sehen. Jetzt will ich auch wirklich hin. Ich stelle mir vor, dass es jetzt bei diesem schönen Wetter perfekt wäre, am Strand in einem Restaurant zu sitzen und einen Teller Meeresfrüchte zu essen.

Es dauert nur eine knappe halbe Stunde und ich bin in Cattolica. Ich habe mir ein bestimmtes Restaurant direkt an der Strandpromenade ausgesucht. Natürlich kann ich mehr oder weniger direkt am Strand parken, denn es ist ja nichts los. Ich laufe zum Wasser. Der Strand ist komplett leer, nur wenige Fußstapfen im Sand. Auch das Restaurant ist noch leer, doch das wird sich ändern, während ich da sitze. Ich bestelle mir einen Spritz und einen Teller Passatelli, das sind dicke Nudeln, die ein wenig an Spätzle erinnern mit Calamari und Tomaten. Die Kellner sind alle gut gelaunt. Ich bin einfach nur überglücklich hier zu sein. Am Strand zu sitzen, auf das Meer zu schauen und mir die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen. Und weil das so großartig ist, bestelle ich mir noch die frittierten Garnelen mit Calamari und ein Glas Weißwein. Und danach eine Panna cotta. Ja, ich lasse es so richtig krachen, ich will am liebsten überhaupt nicht mehr aufstehen. Erst als der Schatten langsam näher rückt, gebe ich meinen Tisch wieder frei. Zum Abschluss stellt der freundliche Kellner noch zwei kleine eisgekühlte Flaschen mit Limoncello und Meloncello vor mich hin. Ich dürfe selbst entscheiden, was mir lieber wäre. Beides ist verlockend. Ich schaue ein bisschen ratlos. Du kannst auch beide probieren, meint er lachend. Hach, darauf habe ich nur gewartet. Grazie mille!

Wo findet man dieses Restaurant?
Bar Ristorante Garbino
Via Foce Destra, Ventena, 47841 Cattolica RN, Italien

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