20. Februar 2015

Entrecote mit Shiitake-1-5

Dies ist keine Heilsuppe, richtig. Die stand aber eigentlich auf dem Plan. Ich habe ein ganzes Buch darüber und glaube fest daran, dass bei einer guten Brühe magische Kräfte wirken. Nachdem jeder zweite um mich herum (wenn nicht sogar mehr) über ein massives Formtief klagt, rumschnieft und das Jammern kein Ende nimmt, habe ich beschlossen, mich zu wappnen. Nicht dass ich bisher völlig unbeschadet geblieben wäre. Ein seit zwei Wochen mehr oder weniger präsentes und hinterhältiges Virus versucht sich meiner zu bemächtigen. Aber da Jammern bekanntlich nicht viel hilft, war der Plan, es mit wohltuender Fleischbrühe zu versuchen. Jeder schwört zwar auf die gute alte Hühnersuppe, wenn es darum geht, eine drohende Erkältung abzuwehren, oder sollte der Virus einem ereilt haben, so doch den Rekonvaleszenten zu stärken und der Indisposition entschieden entgegenzutreten. Wahlweise soll auch eine kräftige Rinderbrühe, gerne mit allerlei asiatischen Gewürzen wie Sternanis, Zimtrinde und Pfeffer die Abwehrkräfte wachrütteln. So steht es im Buch der Heilsuppen. Es liegt mir fern, mich über diese Suppen lustig zu machen. Ganz im Gegenteil. Das ist eine alte Tradition worauf schon meine Großmutter schwor.
Ich stehe also vor der Fleischtheke im Bioladen und dann ist alles anders. Nicht die Beinscheibe für die Brühe lockt, sondern das Entrecôte. Davon steht aber nichts im Buch der Heilsuppen. Während ich also darauf warte, bedient zu werden, führe ich einen inneren Disput. Rinderbrühe gegen ein ordentliches Steak. Fernöstliches Wissen contra lustvolles Genießen. Eigentlich war schon vorher klar, dass die Steakfraktion gewinnen würde. Die Erinnerung an das famose Steak in Madrid ist noch zu frisch. Das mit der sahnigen Sauce und den Shiitakepilzen.
Als ich dann meine Bestellung abgebe, habe ich längst den Kampf gegen die Heilsuppen-Vernunft verloren. Mit der Begründung „dagegen bin ich machtlos“ ordere ich ein schönes Stück vom Entrecôte.
Shiitakepilze hatte ich eh schon im Einkaufskorb. Die sollten zwar in Suppe, aber so bekommen die Pilze einen noch tieferen Sinn. Und sofort spüre ich, wie die Vorfreude durch die kränkelnden Glieder fließt. Schnell noch eine grüne Beigabe und ich fühle mich schon entschieden besser.
Heilsuppen sind also fantastisch. Sie wirken schon, wenn man nur an sie denkt – und sich dann trotzdem anders entscheidet.
Mit jedem Bissen spüre ich wie die Lebensgeister erweckt werden.

Entrecote mit Shiitake-1-2

Für Zwei
2 Scheiben Entrecôte à 250 g
100g Shiitakepilze
4 kleine Eiszapfen (weißer Rettich)
100 ml Sahne
2 EL trockener Sherry (oder Shao Xin Wein)
1 TL helles Miso
1TL Butter
1 TL Öl
1 Prise Gewürzmischung (getrockneter Thymian, weißer Pfeffer, etwas brauner Zucker und 1 kleinen getrockneten Steinpilz mahlen)
1 Handvoll Portulak
einige Blätter Koriander oder Petersilie
Meersalz

dazu gedünsteter, gewürzter Sprossenbrokkoli

Entrecote Broccoli3

Die Entrecôte auf Zimmertemperatur bringen. Das Öl in einer Eisenpfanne erhitzen und die Steaks darin kurz bei hoher Temperatur anbraten und dann sofort die Hitze runterschalten und jede Seite etwa 3 Minuten weiter braten. Die Steaks herausnehmen und auf einem warmen Teller nachziehen lassen. Die Pfanne ausreiben und die Butter hineingeben. Die Pilze mit Küchenkrepp abreiben und in dicke Scheiben schneiden. Die Eiszapfen waschen und in 5 mm dicke Scheiben schneiden.
Die Butter aufschäumen lassen und die Pilze darin weich dünsten. Die Eiszapfenscheiben dazugeben. Nach etwa 3 Minuten die Gewürzmischung dazugeben. Den Sherry dazugeben und mit der Sahne aufgießen. Kurz aufkochen und so lange köcheln lassen, bis die Eiszapfen weich sind, aber noch Biss haben. Mit Salz abschmecken.
Die Steaks zurück in die Pfanne geben und mit dem Portulak und etwas Meersalz bestreuen.

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2 Kommentare

  1. Ganz klar, ein solches Steak wirkt Wunder, das ist dann in diesem Falle das berühmte „Placebo-Steak“;-)

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  2. Gute Beschreibung, gutes Foto, gutes Rezept.

    Grüße,

    Alex

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  1. Kinilaw von Austern, Ingwer, Zwiebeln, Zitrusfrüchten und Granatapfel - Der Mut Anderer.de - Der Mut Anderer.de - […] Kinilaw-Austern auf der Madrid Fúsion, dort mit Avocadoscheiben, was auch meiner Bloggerfreundin Claudia geschmeckt hat, die sonst keine Austern…

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