13. September 2013


Griesbrei_Whattleseed Pflaumen

Wenn ich ehrlich bin, hege ich keine besonders erwähnenswerten Erinnerungen an Grießbrei oder Grießpudding. Beide kamen sicherlich in meinem Leben vor, verschwanden aber genauso unaufgeregt wieder, wie sie in Erscheinung traten. Doch plötzlich war da diese Lust auf Grieß.  Ganz plötzlich, am Ende eines langen Arbeitstages.

Ich schiebe es also auf eine synaptische Fehlschaltung oder auf die Zwetschgen, die plötzlich überall um mich herum an den Obstständen lagen. Erbärmlicherweise musste ich sogar die Packungsempfehlung zu Rate ziehen, denn das Mengenverhältnis von Grieß und Milch erschien mir als intuitiv nicht lösbar. 60 Gramm auf 600 ml Milch mögen wenig erscheinen und so rührte ich auch erstmal ungläubig im Topf vor mich hin, doch dann war es plötzlich Grießbrei.

Das ist jedoch nur der Anfang, dachte ich. Wenn mich schon mal die Lust auf Grieß packt, dann richtig. Gewürze, Orangenschale und Zucker mussten rein. Vielleicht habe ich es mit der Muskatnuss auch ein wenig übertrieben. Heißt ja, sie habe, in höheren Mengen eingenommen, eine psychoaktive Wirkung. Rauschzustände seien im besten Fall die Folge. In noch höherer Dosierung gar das Delirium.  Erfahrungsgemäß kann ich jedoch bestätigen, dass eine halbe Muskatnuss bei weitem nicht diesen Zustand hervorruft. Ich vermute daher, es bedarf einer Mindestmenge von zehn Nüssen. Die halbe Muskatnuss war daher allenfalls für ein intensives Muskataroma verantwortlich und die anderen Gewürze hatten es schwer, dagegen anzukommen.

Deshalb hab ich dann auch ein bisschen mehr von der Tonkabohne genommen. Ja, ich weiß, auch diese hat einen etwas zweifelhaften Ruf. Ihr wird eine hypnotisierend erotische Wirkung angedichtet, weswegen ihr Aroma, so man Wikipedia Glauben schenken möchte, gerne in Herren Parfums verwendet wird. Ich lerne also, schnuppere analysierender, denn bisher habe ich dies noch nicht wahrgenommen. Doch vielleicht ist gerade das der Sinn davon.

Doch zurück zu meinem Grießbei, der jetzt natürlich auf den Index wandert. Absolut nicht jugendfrei.

Darum schütte auch gleich noch einen kräftigen Schuss Portwein zu den halbierten Zwetschgen, köchle diese mit einer Vanilleschote, Langpfeffer (zu dem hab ich jetzt nicht wirklich was Verwerfliches gefunden) und braunem Zucker.

So Feierabend, sei mir willkommen!

Griesbrei mit Whattleseed Pflaumen

Für Zwei

2 EL Butter (und ein wenig zum Ausbuttern der Form)
600 ml Milch
60 g Grieß
1 unbehandelte Orange
¼ Muskatnuss, gerieben
½ Tonka Bohne, gerieben
2 EL Zucker
1 Ei

600 g Zwetschgen oder Pflaumen
1 Vanilleschote
1 Schnapsglas Portwein (2 cl)
4 EL brauner Zucker
4 Langpfeffer Ähren
ein wenig Zitronensaft oder Verjus

Den Grieß in der Milch unter Rühren aufkochen lassen und etwa 2 min weiter ganz leicht köcheln lassen. Dabei am besten weiter rühren. Die Orangenschale abreiben und die Orange auspressen.

Den Ofen auf 180° vorheizen.

Den Saft zum Grießbrei geben. Die Orangenschale und den Zucker hinzufügen. Vom Herd nehmen und das verklepperte Ei unterrühren. Mit dem Musakt und der Tonka Bohne abschmecken. Den Grießbrei in gebutterte Förmchen geben und für 20 – 30 min in den Ofen stellen (wer mag kann vorher noch ein paar Butterflöckchen darauf geben).

Die Zwetschgen entkernen und in einem Topf mit dem Portwein und Zucker aufkochen lassen. Auf mittlere Temperatur zurückschalten und den Langpfeffer und das ausgekratzte Vanillemark und die Vanilleschote dazu geben. Einige Minuten weichkochen lassen. Dann mit Zitronensaft oder Verjus und eventuell noch etwas Zucker abschmecken. Die eingekochten Zwetschgen warm zum Grießbrei servieren.

 

10 Kommentare

  1. Hallo – Ui das Rezept ist ja mal echt super lecker und eigentlich echt einfach zu machen. Habe es heute direkt ausprobiert. Freue mich schon auf weitere 

    Viele Grüße Isa von http://www.wohlgenaehrt.de

    Antworten
  2. Das klingt nach genau dem Aroma-Wums, den man nach einem langen, schnöden Arbeitstag braucht, um in den Feierabend zu starten. 😀
    – Wird ausprobiert!

    Liebe Grüße zu dir,
    Sarah Maria

    Antworten
  3. Ich nehm immer noch ein Schälchen 😀

    Antworten
    • Jetzt? Jetzt isses verputzt… war Stau, gell? 😉

      Antworten
  4. Dein Sex, Drugs & Rockn’Roll-Grießbrei gefällt mir sehr gut ;-). Muskat und Tonka – großartig. Und das Kompott dürfte bei vier Ähren Langpfeffer auch ganz schön Temperament haben ;-).

    Antworten
    • Sex, Drugs & Rockn’Roll-Grießbrei – den Titel hätt‘ ich mal nehmen sollen… Großartig, liebe Claudia 🙂

      Antworten
  5. Grieß habe ich seit Jahren nur ab und zu mal in der Kantine gegessen, aber deine Version klingt wirklich lecker!

    Antworten
    • Kantinen scheinen Grieß zu lieben, warum auch immer. Unsere quält uns gerne mal mit monströs großen Grießnocken, die an geschmacklicher Belanglosigkeit kaum zu überbieten sind.

      Antworten
  6. Die viertel Muskatnuss verstehe ich als Muskat-Fan total. Bloß mit der Tonka-Bohne habe ich Schwierigkeiten. Die finde ich heftig, ich finde es reich tschon fast, wenn sie bloß mal am Kochtopf vorbeigelaufen ist….

    Antworten
    • hihi – ein Muskatfan!! Und ich stelle mir grad vor, wie die Tonkabohne ganz fix am Topf vorbeihuscht…Aber so hat halt jeder sein Gewürz, auf dass er getrost verzichten könnte. Ich fechte dafür den ewigen Kampf mit Kurkuma. Lieben werden diese Wurzel nie…Wir dulden uns gegenseitig.

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere