San Diego macht es einem leicht, die Zeit zu vergessen – und schwer, sich zu entscheiden. 60 Stunden – drei Abende und zwei volle Tage – sind eigentlich viel zu wenig für eine Stadt, die nach Salzluft riecht, nach Limetten, Maistortillas, frischen Erdbeeren und heißem Asphalt. Eine Stadt, in der Italien nur ein paar Straßenzüge von Mexiko entfernt liegt, der Pazifik immer irgendwo am Horizont glitzert und selbst ein Supermarktbesuch zum Erlebnis wird.
Ich war nur kurz dort. Ein Wochenende, ein Mietwagen, ein Hotel am Wasser – und der Plan, nicht alles zu sehen, sondern das Richtige. Also: morgens über den Little Italy Mercato treiben lassen, in Old Town nach mexikanischer Keramik suchen, in La Jolla die Füße in den Sand stellen, zwischen Chilis, frischen Tortillas und Salsas im mexikanischen Supermarkt stöbern, abends Dumplings und Baos im trendigen China-Restaurant essen – und am Ende noch einmal dem Licht zusehen, wie es den Pazifik vergoldet.
Samstagmorgen auf dem Little Italy Mercato
Ein Schiffshorn weckt mich an meinem ersten Morgen. Vom Balkon meines Zimmers aus kann ich zuschauen, wie ein großes Schiff der Marine hinaus aufs Meer gezogen wird. Hinein in eine Nebelbank, die in Kürze wieder verschwunden sein wird. Heute ist Markttag! Samstagmorgen auf dem Little Italy Mercato ist so was wie ein Pflichttermin in der Stadt. Und bereits kurz nach neun ist hier viel los. Ich frühstücke nicht im Hotel. Mein Plan ist es, auf dem Markt zu frühstücken. Vielleicht heute mal Empanadas? Die unmittelbare Nachbarschaft zu Mexiko beschert dem Markt eine Fülle an Zitrusfrüchten. Es gibt herrliches Gemüse und jede Menge süßes Gebäck. Ich entdecke einen Stand, der sich ganz auf Gewürzmischungen für Eingemachtes spezialisiert hat. Hier schlage ich zuerst zu. Nicht, dass ich nicht in der Lage wäre, selbst Gewürzmischungen für meine Pickles herzustellen, aber ich bin ein Verpackungsopfer und diese kleinen Tütchen sind einfach zu schön. Wer gleich 3 kauft bekommt ein Einmachglas mit dazu. Natürlich werde ich auch dieses mit nach Hause bringen.
Und ich kaufe japanische Gurken. Die sind ganz mild, so schlank wie die japanischen Auberginen und ich kann den mit Chiliöl und Sesam verfeinerten Gurkensalat schon fast schmecken, den ich mir nach meinem langen Heimflug zu Hause machen werde.
Mexikanische Keramik in Old Town
Wer wie ich, ständig auf der Suche nach Tellern und Schüsseln ist, für den sind zwei Stellen in der Stadt wichtig. Das kleine Casa y Cocina in North Town (wunderbar) und das El Centro Artesano in Old Town San Diego. Letztes liegt mitten im Freilichtmuseum, das einen Eindruck vermitteln möchte, wie es früher hier ausgesehen hat. Die Menge an Besuchern muss man da in Kauf nehmen, ebenso wie jede Menge Souvenirkram, den es hier zu kaufen gibt. Doch die Auswahl an traditioneller mexikanischer Keramik hier ist überwältigend. Ganz sicher kosten sie ein paar Kilometer weiter über die Grenze nur noch ein Drittel von dem, was hier dafür verlangt wird. Aber ein Abstecher nach Tijuana stand nun mal nicht auf dem Plan.
Luxus und Lifestyle in La Jolla
La Jolla ist der Moment, in dem San Diego plötzlich die Lautstärke wechselt. Eben noch Markt, Straßen, Supermarktregale, Keramikfarben – und dann steht man vor dem Pazifik, diesem großen, hellen, unverschämten Blau – oder einer jener geheimnisvollen Nebelbänke, die vom Ozean her aufs Land zurollen. Die Küste hier ist nicht weich und gefällig, sondern dramatisch: Sandsteinfelsen, kleine Buchten, ausgewaschene Höhlen, Brandung, Seevögel, Seelöwen (die ich nicht gesehen habe), die auf den warmen Felsplatten liegen, als gehöre ihnen dieser Ort schon immer. Was ja, wenn man ehrlich ist, auch stimmt. La Jolla ist definitiv die luxuriöseste Adresse, die man hier in San Diego haben kann. Schicke Villen, Parks, Restaurants und Galerien – einfach alles, was den gehobenen Lebensstil manifestiert. Und darunter der wilde Pazifik.
Im Village of La Jolla kann man wunderbar umherflanieren und die Bars und Cafés sind gut besucht. Also einfach mal irgendwo hinsetzen, eine Margarita bestellen und die Menschen beobachten.
Die mystischen Nebelbänke
In San Diego hat man diesem Phänomen sogar einen Namen gegeben. Oder besser zwei. „May Gray“ und „June Gloom“. Jetzt im März sind sie aber auch da. Und immer öfter. So oft, dass auch die San Diego Union-Tribune darüber berichtet hat. Meist in den frühen Morgenstunden kommt eine dichte Nebelschicht vom Ozean her. Unwillkürlich muss man an den Horrorfilm „The Fog – Nebel des Grauens“ denken, so dicht ist dieser Nebel. Doch anders als im Film bringt er kein Unheil, sondern löst sich einfach wieder auf. Manchmal kann man auch beobachten, wie sich ein Vorhang aus Wolken und Nebel vom Meer her über die Küste zieht. Ich kenne diesen Anblick. Bei Föhn kann man dieses Phänomen auch in München beobachten. Ein wie mit dem Messer abgeschnittenes Wolkenband.
Dinner im Steamy Piggy
Der mexikanischen Küche näherkommen – so lautet der kulinarische Plan für San Diego. Doch manchmal gehen diese Pläne nicht so ganz auf, denn nach einer Carnita auf dem Markt, wollte ich zum Dinner etwas Abwechslung. Also las ich die Restaurantkritiken der Lokalzeitungen und schon hatte ich meinen Favoriten gefunden: Steamy Piggy. Das dampfende Schweinchen ist die perfekte Adresse für asiatisches Fusion Food und Dumplings. Und weil es so überaus beliebt ist, bin ich erst einmal auf der Warteliste gelandet. Nun gut, es ist Samstagabend und wer unbedingt in eines der angesagtesten Restaurants der Stadt will, muss das wohl in Kauf nehmen. Und ja, es lohnt sich. Auf der Webseite wird darauf aufmerksam gemacht, dass hier nur die frischesten Zutaten zum Einsatz kommen und auf MSG (Glutamat) durchweg verzichtet wird. Das mit dem Glutamat sehe ich übrigens nicht so eng, aber gut wenn es so ist. Und ja, die Dumplings sind hier großartig. Die Beleuchtung ist zwar für Fotos ein wahrer Alptraum aber schließlich geht es ja um den Genuss. Und der ist auch überaus üppig bemessen. Mein Bulgogi-Burrito ist so stattlich, dass ich mir die Hälfte davon einpacken lasse. Die Preise sind hier durchaus moderat.
Im mexikanischen Supermarkt
„Carnival“ heißt der Supermarkt und ist meine Hoffnung, endlich Chilis, Tomatillos und Salsa in Hülle und Fülle zu finden. Die Avocados türmen sich zu kleinen Bergen. Und dann: Cascabel, Ancho, Guajillo, Poblano, Chipotle, Pasilla und Pequin – alles Chilis und davon ein schier endloses Regal. Ich bin überwältigt. Hier werden auch ununterbrochen frische Weizentortillas gebacken, sie schmecken köstlich und sind nicht einmal im Ansatz mit den traurigen Fladen zu vergleichen, die man hier bei uns im Supermarkt bekommt. Wer in San Diego ist, muss also unbedingt einmal so einen mexikanischen Supermarkt besuchen. Wo sonst bekommt man Fruchtgummi mit so viel Chili drauf, dass es einem die Tränen in die Augen treibt? In Mexiko liebt man es eben richtig scharf.
Ein letzter Sonnenuntergang an den Sunset Cliffs
Und dann ist es fast vorbei. Mein letzter Abend. Morgen ist der Roadtrip, der mich nach LA, in die Wüste und nach San Diego geführt hat, vorbei. Ich gebe zu, es fällt mir schwer zu gehen. Ich habe so viele Kontraste erlebt, habe das Fahren hier so sehr genossen und bin berauscht von der Vielfalt. Was also macht man am letzten Abend? Ein perfekter Sonnenuntergang soll meinen Kurztrip krönen. Also fahre ich zu den Sunset Cliffs. Dort wo man auch von einem Felsbogen aus ins Meer springen kann. Ich schaue lieber nur zu, als dass ich selbst springe. Ich genieße den Anblick der Felsen, die sich im Licht der untergehenden Sonne golden färben. Jeden Abend kommen viele Besucher, die hier ihre Picknick-Decke ausbreiten und einfach nur der Sonne beim Untergehen zuschauen. Ich hätte gern noch so viel mehr gesehen, gekostet und besucht.
Unterkunft mit Meerblick – Sheraton San Diego Resort
Für einen Kurzbesuch wie diesen war das Sheraton San Diego Resort eine ideale Homebase. Nicht versteckt in irgendeiner Seitenstraße, sondern groß, offen und wasserzugewandt auf Harbor Island – mit dieser typischen San-Diego-Mischung aus Marina, Himmel, Palmen und urbanem Flair. Die Lage ist perfekt – man ist von hier aus schnell überall. Und man kann auch einfach mal nur in Ruhe mit Blick aufs Meer etwas arbeiten – wenn man denn muss (ich musste).
Die verschiedenen Restaurants bieten Abwechslung und so ist es am ersten Abend einfach nur komfortabel, im hoteleigenen Restaurant Rumorosa, sich dem Reichtum der Cali-Baja Küche hinzugeben. Knusprige Empanadas, frischer Salat, Meeresfrüchte und dazu ein Cocktail.
Hier im Marina Tower im 11. Stock wache ich im sanften Morgenlicht über der Marina auf. Und nachts glitzert die Skyline.
Von der unmittelbaren Nähe zum Flughafen sollte man sich nicht abschrecken lassen – davon habe ich so gut wie nichts mitbekommen. Besonders gefallen haben mir das aufmerksame und fürsorgliche Personal und das Parken direkt vor dem Hotel, wo man garantiert immer einen Platz bekommt und nur seine Zimmerkarte an die Schranke halten muss, damit diese sich öffnet.
Sheraton San Diego Resort
1380 Harbor Island Drive
San Diego, California, USA 92101
Offenlegung: Mein Aufenthalt im Sheraton San Diego Resort wurde teilweise vom Hotel unterstützt. Die Eindrücke sind jedoch ganz die meinen.






























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